Vheala, die Schwester Dhears, der Hauptstadt des Faereiches. Ein letzter Rückzugsort der Fae auf Beleriar.
Die Stadt schmiegt sich schützend in die Umarmung des kleinen Gebirges, das man die Faeberge nennt. Es ist ein Ort, der durch starke Magie geschützt ist, die die Sinne verwirrt. Die Faeberge rauben jedem, der sich ihnen zu nähern versucht, die Orientierung und führen ihn so lange im Kreis, bis er sein Vorhaben aufgeben muss.
Die weiße Felsenmasse, die von den Fae erschaffen worden ist, dient allein dem Zweck, Vheala zu verbergen und nur jenen Zutritt zu gewähren, die von ihnen erwünscht sind.  Krieger streifen durch das Gebirge, wachen am Boden und in der Luft über ihre Heimat und sorgen dafür, dass sich niemand ungesehen nähern kann.
Für den Fall eines Angriffs sind sie bereit, den letzten Schutzmechanismus in Kraft treten zu lassen, der die Berge zu einem Kreis verschließt, der Vheala in sich birgt wie eine unüberwindliche Mauer.
Niemand außer den Fae darf sein Auge auf die Wunder der Stadt richten. Sie erhebt sich inmitten der Berge um einen kleinen See herum, den man Traumsee nennt.
Gebirgsbäche winden sich durch die weißen Felsen und ergießen sich in das klare Gewässer. Aus der Ferne wirken sie wie ein Netz aus feinen, verzweigten Äderchen und tatsächlich sind sie die Lebensadern Vhealas, die eine üppige Vegetation aus smaragdgrünen Wiesen und leuchtenden Blumenfeldern geschaffen haben.
Alles in Vheala scheint zu blühen. Ranken wuchern an den silbrigen Häuserfassaden hervor, die wie eingefangenes Mondlicht schimmern und die hellen Straßen sind von einem Blütenmeer umsäumt.
Doch der Eindruck von Lebendigkeit schwindet, sobald ein genauerer Blick auf die stolzen, zierlichen Gebäude und die verlassenen, leeren Straßen fällt.
Nur ein winziger Teil Vhealas ist von Leben erfüllt. Es ist der Bereich der großen Paläste mit den hohen, gläsernen Türmen, die rund um die Traumsee errichtet worden sind, das Herz der Stadt. In den Nächten leuchten die Glastürme von innen heraus und tauchen Vheala in ihren sanften Schein, der die Stadt in ein Meer aus Licht verwandelt.
Doch die äußeren Gebiete zeigen vielfältige Spuren des Verfalls. Manches Bauwerk hat unter der Last der Jahre nachgegeben und ist wenig mehr als eine Ruine, deren traurige Überreste in den Himmel ragen. Die Straßen sind überwuchert und ihr Stein ist zerbrochen.
Nur selten verirrt sich eine lebende Seele in diesen Bereich und kaum ein Fae schlägt hier sein Lager auf. Wer in die Randgebiete kommt, tut dies, um der Seelen jener zu gedenken, die einst unter schattigen Bogengängen und über zerbrechliche Brücken gewandelt sind, in grazilen Pavillons unter dem Schein des Mondes gelacht und geliebt haben. Eine tiefe Stille liegt über diesem verlassenen Teil Vhealas, nur selten von dem klagenden Seufzen des Windes unterbrochen.
Und doch ist die Vergangenheit für diejenigen lebendig, die Trost suchen möchten. Denn ganz Vheala ist aus einer silbergrauen, in vielen Farben irisierenden, kristallartigen Substanz errichtet worden. Man nennt sie den Stein der Erinnerung oder den singenden Stein und allein die Fae kennen seinen Ursprung.
Der Stein besitzt eine geheimnisvolle Kraft, die alles zu speichern vermag, was in seiner nächsten Nähe geschehen ist. Es bedarf nur der Berührung und einer gesummten Melodie, die seiner eigenen entspricht und gleich einem Schlüssel wirkt. Dann erscheinen die Bilder, die von den Dingen erzählen, die sich einst in seiner Umgebung zugetragen haben. Die Melodie wird nur von jenen beherrscht, die einst im Schutz dieses speziellen Steines gelebt haben und denen er sein Lied offenbart hat. Es ist ein Prozess, der eine Art des Kennenlernens und Lauschens erfordert, die sich über viele Jahre hinziehen kann. Die Melodie des Steins ist nicht mit den Ohren hörbar. Allein das Herz vermag es, sie zu erfassen.
Für manchen Fae stellt dies die einzige Möglichkeit dar, ein geliebtes Gesicht noch einmal zu erblicken und so findet man manche von ihnen in diesem geisterhaften Stadtrand, die voller Sehnsucht das Vergangene wieder aufleben lassen. Tatsächlich ist dies der einzige Grund, warum sich Fae in diese Einsamkeit begeben. Denn sie können die Vergangenheit nicht vergessen. Es ist wie eine Sucht, die sie nicht loslassen will.
Doch auch der belebte Teil Vhealas zeigt seine eigenen Wunder. Die schillernden Bauwerke sind teilweise in die Felswand der Faeberge gebaut worden. Sie scheinen mit dem Stein verschmolzen zu sein und werden von runden Kristallkugeln umschwärmt, die ein sanftes Licht ausströmen. Es gibt keine Stufen, die emporführen. Keine Seile oder Leitern. Das Faevolk ist nicht an den Boden gebunden und so sind es auch seine Behausungen nicht. Die Unterseite der Felsen, die ein Gebäude tragen, sind von Pflanzen überwuchert, die einem auf dem Kopf stehenden Garten gleichen.
Die größten dieser hoch oben errichteten Bauwerke sind der Palast der Ewigkeit und die Hallen der Erinnerung, die große Bibliothek, in der ein Teil des enormen Wissensschatzes der Fae aufbewahrt wird. Es ist Wissen, das bis zum Anbeginn der Zeit zurückreicht. Allein die Bibliothek von Dhear verfügt über eine noch umfassendere Sammlung der kostbaren Schriftwerke.
Der prächtige Palast ist es schließlich, der Königin Asuara von Vheala ein Heim bietet. Sie ist die älteste Fae auf Beleriar und hat für viele Jahrhunderte über ihr Volk gewacht, das keinen Zugang mehr zu seiner Ewigen Königin besitzt.
Asuara war lange Zeit für ihre Weisheit bekannt, doch langsam wird sie müde und der Weg des Schattens scheint ihr immer größere Verlockungen zu bieten. So schenkt sie öfter denjenigen ihr Gehör, die dazu drängen, den Fae den Zugang zu den dunklen Künsten der Magie zu erlauben, um einen Weg zu finden, den Fluch des Faevolkes zu brechen.
Es ist ein Thema, das die Ballsäle beherrscht, wenn das Volk der Fae auf seinen mitternächtlichen Maskenbällen tanzt und das mittlerweile das Volk spaltet.