alieneAliene Varaskar, die Rose, stolze Herrscherin von Silvriar. Nicht umsonst sagt man, dass sie eine der schönsten Frauen Beleriars sein muss, denn die Menschenfrau mit den schwarzen Locken, den grünen Augen und der hellen Haut gleicht ohne jeden Zweifel der Königin der Blumen.
Es mag an dem Nymphenblut liegen, das zu einem geringen Anteil in ihren Adern fließt. Ein Makel, den die Varaskar nur zu gerne verbergen möchten, der aber seit den Tagen ihres Urgroßvaters die Linie verunreinigt.
Aliene selbst reagiert stets überaus ungehalten, wenn man sie darauf anspricht, doch der kaum merkliche Blütenduft, der sie stets umgibt und die Ohren, die leichte, schwach erkennbare Spitzen aufweisen, zerstreuen jeden Zweifel.
Aliene hat die Macht übernommen, als ihr Vater Denhar plötzlich spurlos verschwunden ist und ihre Mutter Nimeine die Herrschaft über Silvriar an ihre Tochter übergeben hat. Bis zum heutigen Tage ist ungeklärt, was zu seinem Verschwinden geführt haben mag, doch es hat der vorherigen Gräfin das Herz gebrochen. Seither lebt Nimeine zurückgezogen und zeigt sich kaum noch in der Öffentlichkeit.
Es ist wohl nur zu natürlich, dass dieser Vorfall für einige Gerüchte gesorgt hat, die niemals gänzlich verstummt sind und die Alienes Mutter in ein wenig schmeichelhaftes Licht tauchen. Aliene verbittet sich ein solch respektloses Verhalten, doch ausgerechnet in dieser einen Angelegenheit ist sie machtlos.
Die junge Gräfin versucht, sich der neuen Rolle als würdig zu erweisen, die ihr so unerwartet früh zuteilgeworden ist. Und sie ist ausgesprochen erfolgreich darin. Obgleich man ihr ihre Eignung zuerst aufgrund des relativ jungen Alters abgesprochen hat, würde inzwischen niemand mehr ihre Fähigkeiten anzweifeln. Nimeine war eine gute Lehrerin. Ihre Tochter bewegt sich sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett und vermag es, die Fäden mit einem solchen Geschick zu ziehen, dass ihre Manipulationen nicht zu bemerken sind.
Aliene ist hart aber gerecht, ihre Entscheidungen sind klug und scharfsinnig und das Land floriert unter ihrem Einfluss. Ihre majestätische Haltung und ihr selbstsicheres Auftreten verlangen ihren Untergebenen Respekt ab, ihre Befehle sind so bestimmt, dass sich ihr niemand verweigert.
Doch es ist nicht allein Alienes Aura, die dafür sorgt, dass man ihr mit Ehrerbietung begegnet. Die Gräfin von Silvriar ist eine Hexe, wahrscheinlich sogar eine der mächtigsten, die auf Beleriar existieren. Ihre magischen Talente sind sehr hilfreich dabei, Silvriar unter Kontrolle zu halten und den Wohlstand des Volkes zu mehren.
Doch obgleich Sie zu jeder Zeit auf eine Weise agiert, die absolutes Selbstvertrauen ausstrahlt, sieht es in ihrem Inneren anders aus. Aliene hat die Leitung des großen Hexenzirkels von Silvriar von ihrer Mutter übernommen, doch das Versprechen, niemals die dunklen Seiten dieser Macht einzusetzen, hat sie längst gebrochen. Und dies lastet schwer auf ihrer Seele. Zudem gleitet sie immer tiefer in den Sog der Finsternis, die der Schwarzen Magie unweigerlich folgt.
Doch Aliene hatte keine Wahl. Ohne die Unterstützung ihrer Familie war dieser Weg, der in die Dunkelheit führt, alles, was ihr dabei helfen konnte, die Position der Familie zu wahren. Und sie würde eher sterben, als es zuzulassen, dass den Varaskar die Herrschaft über Silvriar entgleitet.