ashayaMan könnte Ashaya Sarlean beinahe für eine Elfe halten, wenn man sie nur flüchtig erblickt. Ihr wohlgeformter Körperbau ist zart und die Ohren, die unter dem langen, kastanienfarbenen Haar hervorschauen, sind ein klein wenig spitzer, als es bei Menschen der Fall ist. Und doch ist sie zierlicher gebaut und um einiges kleiner als die hochgewachsenen Elfen.
Erst wenn man das Gesicht mit den feinen Zügen erblickt, stellt man fest, dass dies weder Elfe noch Menschenfrau ist und die Gewissheit verstärkt sich noch, wenn man die wunderschönen Augen unter den langen Wimpern erblickt, die wie goldfarbener Honig leuchten. Ashaya Sarlean ist eine Oreade, eine Nymphe, die Nir’alenar ihr Zuhause nennt.
Bei Tage geht Ashaya einer geregelten Tätigkeit nach, denn sie ist eine gefragte Malerin im Künstlerviertel und für ihre feinen Kompositionen aus Farbe und Licht bekannt. Doch in der Nacht offenbart sie ein ganz anderes Wesen und wird zu jener Frau, die als die Schwarze Rose bekannt geworden ist.
Dann legt Ashaya die farbbefleckten Kleider ab, die sie in der Öffentlichkeit zu tragen pflegt, und tauscht sie stattdessen gegen schwarze, hohe Stiefel, enge Hosen und ihr geliebtes Rapier aus, das jederzeit locker an ihrer Seite ruht, stets griffbereit, wenn es Schwierigkeiten gibt. Eine dunkle Maske bedeckt ihre Augenpartie und macht es schwer, zu erkennen, wer hinter diesem Schutz und dem breitkrempigen Federhut steckt.
Nichts an ihr lässt dann Rückschlüsse auf ihr gewöhnliches Dasein zu. Sie klettert geschickt an den Wänden der Adelsvillen empor, um so manchen Adeligen im Schlaf um seine Juwelen zu erleichtern und diese zu Golddukaten zu machen, die sie dann an die Armen verteilt. Ihr Leben als Malerin bringt sie beinahe jeden Tag mit dem Adel zusammen und dessen Maßlosigkeit, Verschwendungssucht und Dekadenz, die Blindheit dafür, dass es Wesen gibt, die nicht einmal über das nötigste verfügen können, verärgert sie über alle Maßen.
Ashaya ist keine gierige Einbrecherin, die ihren eigenen Vorteil sucht, und hat es nicht nötig, für sich selbst Reichtümer anzuhäufen. Es ist die Suche nach Gerechtigkeit, die sie zu ihrem Handeln treibt. Doch sie liebt das prickelnde Gefühl in ihren Adern und den Nervenkitzel, wenn sie auf ihren Raubzügen unterwegs ist. So manches Mal hat sie sogar Reisenden in ihren Kutschen außerhalb der Stadt aufgelauert, um sie von dem Rücken ihres Pferdes aus mit gezogener Pistole und einem schiefen Lächeln von der schweren Last ihres Geldes zu erleichtern.
Ashaya besitzt ein aufbrausendes Wesen und ein ansteckendes Lachen. Sie ist weder scheu noch zurückhaltend, niemals um Worte verlegen, dafür überaus impulsiv. So manches Mal neigt sie dazu, nicht nachzudenken, bevor sie handelt, und bringt sich damit in Schwierigkeiten.
Nicht zuletzt ist es diesem Wesenszug zu verdanken, dass es in der Villa Eisenklinge zu jenem Duell gekommen ist, das den Grafen seither eifrig nach einer Spur der schönen Nymphe suchen lasst. Es ist ein Umstand, der Ashaya noch immer in Besorgnis versetzt, denn der Graf ist ihr dabei zu nahe gekommen und hat Spuren des verräterischen Nymphenduftes wahrgenommen, der Rückschlüsse auf ihre Identität zulassen könnte.