Nachdem Eriadne Beleriar unter die Wellen des Ozeans versenkt hatte, hat sich Narion zwar zurückgezogen, da seine Macht im Reich Alarias geschwächt ist, doch er hat niemals die Hoffnung aufgegeben, die Insel doch noch in seine Hand zu bringen. Es mag auf den ersten Blick unverständlich erscheinen, dass ein Gott, dem doch die ganze Welt zu Füßen liegt, so erbittert um eine kleine Insel ringt, doch Narion kann es nicht verwinden, dass ihm dieser Sieg versagt bleiben soll, ebenso wie ihn die Trennung von Eriadne schmerzt wie ein ständiger Stachel in seinem Fleisch.
Auch wenn die Bewohner der Insel durch den Untergang gelernt haben, die Folgen des Krieges zu fürchten, gibt es noch immer einige Anhänger Narions, die es Eriadne übel nehmen, dass sie ihnen die Freiheit genommen hat. Dies sind insbesondere die kurzlebigen Menschen, die sich weder an den Krieg noch an die durch ihn verursachte Zerstörung, noch nicht einmal an ein Leben unter dem freien Himmel erinnern können. Speziell in den Kreisen der jüngeren, gelangweilten Adelsgeneration gilt es als eine in Mode gekommener Rebellion gegen alte Werte und Traditionen, Narion zu verehren und in ihm die Erlösung zu sehen.
Dies gefällt dem launischen Feuergott natürlich über alle Maßen und so hat er seinem Sohn Vanathor den Befehl erteilt, den Kult des eisernen Schwertes zu gründen, jene geheime Vereinigung seiner Anhänger, die dazu ausersehen sind, Narions Einfluss wieder erstarken zu lassen. Sie arbeiten im Verborgenen daran, Eriadnes Ruf zu schmälern und weitere Anhänger zu rekrutieren, die für ihre Sache kämpfen.
Der Kult besitzt kein öffentliches Gesicht. Natürlich würde man eine solche Vereinigung auf Beleriar niemals dulden und wäre seine Existenz bekannt, ist gewiss, dass man mit aller Macht gegen ihn vorgehen würde. So stiften die Mitglieder mit Geschick und Vorsicht Unruhe in der Stadt und nähren Unzufriedenheit, wo auch immer sie ihr begegnen.
Es mögen noch nicht sehr viele sein, die sich Vanathor angeschlossen haben, doch er arbeitet daran, diese Zahl stetig zu vergrößern. Er ist in letzter Zeit oftmals gezwungen die Geschicke des Kultes in selbst zu bestimmen, da seine einstige rechte Hand, Madran Csariban unzuverlässig geworden ist. Diese Entwicklung bereitet Vanathor Kopfschmerzen, denn er mag zwar der Kopf des Kultes sein, aber es ist ihm weitaus lieber, nicht selbst in Erscheinung zu treten, um seine Tarnung nicht zu gefährden.
Es ist jedoch nicht nur allein seine Tarnung, die Vanathor solche Sorgen macht, sondern auch die Tatsache, dass Madran einige Anhänger gefunden hat, die sich nun von dem Kult abzusplittern drohen und mit ihrer enormen Gewaltbereitschaft das langfristige Ziel in Gefahr bringen. Sollte jemals bekannt werden, dass Madran im Namen Narions seine Gräueltaten vollbringt, könnte dies der Rolle des Fluchbrechers schaden, die man dem Feuergott zuzuschreiben gedenkt und die viele an den Kult bindet. Es ist dieser Tage unruhig im Herzen des Kultes des eisernen Schwertes und Vanathor weiß nur zu gut, dass es rasch eine Lösung der schwelenden Konflikte geben muss, wenn sein Werk nicht dem Untergang geweiht sein soll.
Der Kult des eisernen Schwertes besitzt eine feste, militärisch anmutende Hierarchie, an deren Spitze Vanathor steht und in der seine Vertrauten folgen. Diese Hierarchie ist natürlich von Narions Rolle als Kriegsgott inspiriert und kommt dem Wesen seiner Anhänger entgegen.

Mitgliedschaft

Es ist einfach, in die Reihen des eisernen Schwertes einzutreten, denn die Kultisten suchen aktiv nach neuen Mitgliedern, die besonders vielversprechend erscheinen und ihren Zielen dienlich sein könnten. Dabei bewegen sie sich durch alle Schichten und setzen besonders häufig die Kunst der Verführung ein, um ein Ziel mit Narion vertraut zu machen und es von seinen Idealen zu überzeugen.
Ist das Ziel schließlich für die Sache des Kultes gewonnen, wird es durch einen Zauber geblendet und im Deckmantel der Nacht in einen geheimen Bereich des Hauses des ewigen Feuers gebracht, wo der neue Anwärter einige Prüfungen absolvieren muss, die seinen Körper und seinen Geist auf eine harte Probe stellen. Dabei wird er mit seinen schlimmsten Albträumen konfrontiert, die nicht selten dazu führen, dass Neuanwärter auf einen Platz im Kult des eisernen Schwertes wahnsinnig geworden sind, wenn ihr Wille zu schwach war.
Nach diesen Prüfungen erscheint Vanathor selbst in der Gestalt seines Vaters und stellt sicher, dass der neue Anhänger seinen Treueschwur nicht leichtfertig ablegt, sondern aus vollem Herzen seinen Platz in Narions Reihen einnimmt.
Danach beginnt eine Zeit der Ausbildung, die in der Villa Csariban erfolgt und bei der unter anderem das Kriegshandwerk ebenso wie Feuermagie und Narions göttliche Lehren gelehrt werden, je nachdem, welchen Platz der Anwärter innerhalb des Kultes einnehmen soll.
So mancher vielversprechende Neuling absolviert jedoch keines dieser harten Gebiete, sondern wird in jeder erdenklichen Kunst der Verführung ausgebildet, um später neue Ziele zu rekrutieren. Dieser Bereich wird von der verführerischen Shianea Lyranar betreut, einer Dai’Vaar, die ihr Handwerk sehr gründlich versteht.

Versammlungsplatz

Normalerweise treffen die Kultisten in den ehemaligen und nun umgebauten Verliesen der Villa Csariban zusammen, die für diesen Zweck mit allerlei Zaubern belegt worden ist, die es unmöglich machen, dort einzudringen.
Die Verliesebene ist ein düsterer Ort, der von den offenen Flammen vieler Fackeln, die an den Wänden in eisernen Fackelhaltern stecken, erleuchtet wird. Die kahlen, schwarzen Wände, deren einzige Zier kunstvoll geschmiedete Waffen aus allen Zeitaltern darstellen, erstrecken sich bis tief unter die Erde und bieten Platz für allerlei Räumlichkeiten.
Der Mittelpunkt dieses Verlieses ist ein Schrein, der zu Ehren Narions errichtet worden ist und in dem ein immerwährendes Feuer brennt, das allein durch den Willen des Gottes gelöscht werden kann. Ein Altar, der mit dem goldenen Abzeichen Narions verziert worden ist und der aus schwarzem, rot geädertem Marmor besteht, befindet sich in der Mitte dieses Raumes, in dem auch Sitzmöglichkeiten eingerichtet worden sind, die man so ausgerichtet hat, dass die Teilnehmer direkt auf ein überlebensgroßes Bildnis Narions sehen können, der sein Flammenschwert in der Hand hält und auf Nir’alenar herabsieht – ein Nir’alenar, das sich jedoch an der Oberfläche befindet.
Es gibt eine Vielzahl an Übungsräumen und eine große Bibliothek, allerdings keine Wohnmöglichkeiten für die Mitglieder des Kultes. Dafür besitzt ein jeder, der die Prüfungen meistern konnte, ein kleines, magisches Glasgefäß mit einem winzigen Flämmchen aus dem Feuer des Schreines, das eine direkte Teleportation in den Raum ermöglicht, in dem das ursprüngliche Feuer brennt.
In letzter Zeit hat Vanathor damit begonnen, sich nach einem anderen Gebäude umzusehen, in dem er den Kult unterbringen kann, was unter Elerias Blick jedoch nicht leicht ist.

Shianea Lyranar

Eine der bedingungslosesten Anhängerinnen des Feuergottes ist jene verführerische Frau, die man in den Reihen des Kultes als Shianea Lyranar kennt. Die Dai’Vaar mit dem kurvigen Körperbau und der bronzefarbenen Haut ist eine wahre Augenweide und kleidet sich in feurig rote, tief ausgeschnittene Kleider, die ihre Qualitäten betonen und ihre kupferfarbenen Haare in das rechte Licht rücken.
Shianea hat eine Ausbildung zur Kurtisane genossen und besitzt erstaunliche Fähigkeiten in jeglicher Art der Verführung. Diese Fähigkeiten gibt sie nur zu gerne an andere fähige Kultisten weiter, die in dem kleinen Stadthaus in Bay’linéa ausgebildet werden, das Vanathor ihr bezahlt. Normalerweise spricht sie mit einem dunklen Timbre in der Stimme und übt ihren Augenaufschlag gerne an jedem Mann, den sie finden kann, liebt es, zu verführen und einen weiteren erfolgreich Verführten auf ihre Liste zu setzen.
Shianea hat keine Erinnerung mehr an ihre Vergangenheit, bevor Vanathor sie im Hafenviertel aufgelesen hat und dabei ihr Potenzial erkannt hat. Sie weiß nicht mehr, dass sie einst zu den Töchtern des Schattens gehörte, besitzt jedoch noch alle Fähigkeiten aus dieser Zeit.
Seitdem sie Vanathor Marasar zum ersten Mal sah, hat sie sich unsterblich in ihn verliebt und verspürt ein verzehrendes Verlangen nach ihrem Retter, doch er beachtet sie kaum mehr als seine anderen Vertrauten und erwidert ihre Gefühle nicht.
Shianea, die sich nach ihm sehnt, versucht zwar beständig, seine Aufmerksamkeit zu erringen und nimmt sich unter seine Augen jeden Liebhaber, der ihr gefällt, um seine Eifersucht zu provozieren, doch es nutzt ihr nichts. Mit jedem dieser Männer wird ihr Leben ein wenig leerer, als es zuvor war und mit jedem neuen Liebhaber fühlt sie sich nur noch einsamer, bis ihre Emotionen so übermächtig werden, dass der Nächste unter ihrem feurigen Kuss zu Asche verbrennt.
Langsam findet sie Gefallen daran, an den Männern Rache dafür zu nehmen, dass Vanathor sie nicht beachtet und so zieht sie nachts durch die Tavernen und sucht sich den schönsten Mann des Abends aus, um ihn schließlich mit der ewig schwelenden Wut ihres Herzens zu töten. Es ist ein gefährliches Spiel, dass Shianea spielt und es führt dazu, dass ihr Herz immer kälter und grausamer wird, bis sich ihre Wut eines Tages gegen ihre Ursache richten wird – Vanathor selbst.

Ziele

Die Ziele des Kultes des eisernen Schwertes sind schnell definiert, denn sie suchen nach einem Weg, um Narions Macht zu stärken, ihm neue Anhänger zu verschaffen und die Insel wieder an die Oberfläche zu bringen. Dabei nutzen sie jedes Mittel, von der Bestechung hochrangiger Bürger über den giftigen Stachel, den sie anderen in das Herz pflanzen, bis hin zu Lügen und Intrigen oder Anschlägen.
Normalerweise gehörte es auch zu den Zielen des Kultes, Eleria Anuriel unschädlich zu machen, deren Existenz ein tiefsitzender Stachel in Narions Fleisch ist. Doch durch Vanathors persönliche Motive wurde diese Aufgabe für den Augenblick ausgesetzt, was zu weiteren Spannungen innerhalb der Organisation geführt hat und ein gewisses Misstrauen provoziert, das Madran Csariban geschickt ausnutzt.
Momentan splittert sich der Kult in unterschiedliche Gruppierungen auf und ist in sich zerstritten, was das Finden einer gemeinsamen Linie sehr schwer macht und wohl über kurz oder lang dazu führen wird, dass sich Vanathor auf die eine oder andere Weise von Madran Csariban lösen muss, um selbst offen als Hauptfigur des Kultes in Erscheinung zu treten. Noch sträubt er sich dagegen, diesen gefährlichen Weg einzuschlagen und sich zu erkennen zu geben.
Er versucht stattdessen herauszufinden, was mit seinem ehemals treuesten Anhänger geschehen sein mag und wie man diese Veränderung rückgängig machen kann, steht dabei jedoch vor einem Rätsel. Zudem verweigert sein Vater ihm in letzter Zeit seine Hilfe, ohne den Grund dafür preiszugeben. Es mag eine Prüfung seiner Loyalität sein, die Narion auf diese Weise handeln lässt und Vanathor spürt immer deutlicher, dass er auf einem gefährlichen Pfad wandelt.