tamnarDelargos. Ein Ehrfurcht gebietender Name auf Beleriar. Und Tamnar macht diesem Ruf alle Ehre. Der Herr über Araysia ist ein beeindruckendes Individuum. Seine hochgewachsene Gestalt fordert Respekt ein. Die attraktiven, kantigen Züge und die smaragdgrünen Augen wirken anziehend und das lange, goldene Haar umgibt ihn wie ein Schleier aus purem Licht. Ein amüsiertes Funkeln tanzt häufig in seinem eindringlichen Blick, verwandelt sich jedoch in Stahl, wenn man ihn verärgert.
Wenn er es möchte, erscheint Tamnar charmant, kultiviert und geistreich. Doch er kann ebenso gnadenlos und kalt sein, seine Widersacher mit einer Geste und einem Blick das Fürchten lehren. Tamnars Ausstrahlung ist unglaublich und kann ohne Anstrengung einen ganzen Saal in seinen Bann ziehen.
Seine Reden sind geschickt inszeniert und zielsicher. Es gibt wenig, was der Baron von Araysia nicht zu erreichen vermag, wenn ihn der Ehrgeiz gepackt hat und diese Tatsache macht ihn auf Beleriar zu einem Faktor, den man niemals unterschätzen darf.
Und Tamnars Ehrgeiz ist in der Tat sehr ausgeprägt. Er gehört nicht zu den leicht lenkbaren Adeligen Beleriars. Der befehlsgewohnte Baron von Araysia hat einen eigenen Kopf und duldet keinerlei Einmischung in seine Belange.
Selbst vor Aranil Falkenauge neigt er nur widerwillig den Kopf und sein Stolz ist ebenso in aller Munde wie seine Versessenheit auf edlen Schmuck, elegante Kleidung und Kunstgegenstände. Man munkelt, dass dies auf das Drachenblut zurückzuführen ist, das gerüchteweise in seinen Adern fließen soll.
Tamnar liebt es, Macht über andere Wesen auszuüben und die Grenzen seiner Baronie erscheinen ihm seit langer Zeit zu eng. Nur zu gerne würde er seinen Einfluss auf ganz Aelindar ausdehnen und er kann es dem Fürsten nicht verzeihen, dass Chadira zur Hauptstadt der Grafschaft ernannt worden ist und er selbst den Titel eines Barons führen muss.
Zuweilen erkennt man Gier in den Augen des Barons, wenn die Rede auf dieses Thema kommt. Und man kann davon ausgehen, dass einige Intrigen, die die Gräfin von Aelindar zu ihrem Ziel erkoren haben, auf Tamnars Bemühungen zurückzuführen sind.
Geduld gehört allerdings nicht zu seinen Stärken und so verlässt sich der geradlinige Baron im Zweifel lieber auf die starken Soldaten Araysias, um seine Ansichten durchzusetzen, als zu Hinterlist zu greifen. Allerdings weiß er nur zu gut, dass er es sich in Augenblick nicht erlauben kann, offen gegen die Gräfin vorzugehen, ohne den Unmut des Fürsten zu erregen.

Das Drachenblut in Tamnars Adern ist keineswegs der reinen Fantasie entsprungen. Die Wahrheit trifft es jedoch nicht ganz, den Tamnar Delargos und seine Gemahlin Dimnara gehören in der Tat dem Volk der Drachen an und herrschen in wechselnder Gestalt schon seit langer Zeit über Araysia. Die Dracheneier, die den Thronsaal des Herrscherpalastes zieren, sind tatsächlich echt und beherbergen die bislang noch nicht geschlüpften Kinder des Paares, was Dimnara großen Kummer bereitet. Nicht umsonst fürchtet sie, dass das Leben darin erlöschen könnte, bevor es die Gelegenheit erhält, die Schale zu zerbrechen.
Natürlich ist es den Delargos ein Dorn im Auge, dass mit Aranil Falkenauge ein Mensch über Beleriar bestimmt und somit über sie erhoben worden ist. Nur zu gerne würden sie diesen Zustand ändern. Allerdings ist selbst ein Drache vorsichtig, wenn es darum geht, die göttliche Macht herauszufordern und so hält sie die Existenz der weißen Hexe bislang noch in Schach.