Vergleicht man ihn mit den prunkvollen Tempeln im Palastviertel, so ist Alarias Tempel beinahe bescheiden. Bereits der Standort des schlichten, meerschaumfarbenen Marmorgebäudes ist ungewöhnlich. Nahe des Hafens gelegen, inmitten einfacher Häuser, wäre dies kaum der Platz, an dem man in Nir‘alenar einen Tempel vermuten würde. Ein wenig erhöht liegt er auf einem kleinen Hügel. Seine Lage gewährt einen freien Blick auf das Meer, das jenseits der Kuppel liegt. In früheren Zeiten konnte man von hier aus die unendliche Weile des Ozeans überblicken, heute beschränkt sich die Sicht auf das, was darunter liegt.
Es ist ein kleiner Tempel. Erst nach dem Untergang sind Türme angebaut worden, um mehr Platz zu schaffen, denn es sind nicht mehr nur allein die Seeleute, die Alarias Segen suchen. Mittlerweile interessieren sich zunehmend auch die Bewohner der Stadt dafür, die Göttin des Meeres milde zu stimmen. Es sind jene, die der Kuppel wenig Vertrauen schenken, auch viele Halb-Meereswesen, die den Weg in das Herz des Ozeans finden.
Seither ist man bemüht, den Tempel ansprechender zu gestalten. Bildhauer haben die Fassade mit Reliefs verziert, die Elemente des Meeres darstellen, und in die alten Muschelreliefs sind große blaue Perlen eingesetzt worden. Einige dieser Muscheln hat man auf magische Weise zu Lichtern umfunktioniert, die dem Bauwerk einen bläulichen Schein verleihen, die seine Umgebung der Unterwasserwelt gleichen lassen.
Im Inneren hat man an den Wänden runde Wasserbecken geschaffen und Schalen angelegt, aus denen das kühle Nass stetig in die Becken fließt. Ein sanftes Plätschern begleitet den Weg zu beiden Seiten bis zu dem Altarraum mit der großen Muschel Alarias und dem geweihten Ritualwasser.
Die Anzahl der weißen Bänke ist aufgestockt worden, um der steigenden Zahl der Besucher gerecht zu werden. Natürlich erfreut dies die kleine Priesterschar der Alaria ungemein, die sich um das Herz des Ozeans kümmert, und lässt ihre Bedeutung wachsen.
Der Tritonenmischling Anaru Marendas nimmt die Position von Alarias Hohepriester ein. Er ist ein ruhiges Individuum, das man oftmals aufgrund seines weisen Rates aufsucht. Anaru ist in Nir’alenar geboren und hält sich der Heimat der Tritonen und seines Vaters fern, die ihn niemals willkommen geheißen hat. Für lange Zeit war er auf der Suche nach einem Heim und seiner Identität, bis er seine Berufung und seinen Frieden im Dienst Alarias gefunden hat. Und dieser folgt er mit aller Leidenschaft.