destiny_shirashaiShirashai, die Dunkle. Herrin der Lügen, Königin der Nacht, Göttin der Verführung und der Intrige. Ihre Namen sind vielzählig und werden nicht leichtfertig über die Lippen gebracht. Von unendlicher Eifersucht und Machtgier getrieben hat die Schwester Eriadnes die Dunkelheit in die Welt gebracht. Und wo diese aus reinem Licht und aus Liebe besteht, ist Shirashais Herz so schwarz wie die tiefste, sternenlose Nacht.
Einstmals ebenso mächtig wie die anderen der fünf der hohen Götter, zu denen sie gehört, ist sie aufgrund ihrer Taten von diesen aus ihrem Reich Shaevor vertrieben worden und muss nun ihr Leben auf Niel’Anor fristen, eines großen Teiles ihrer Kräfte beraubt und nur wenig stärker als eine der niederen Gottheiten. Und so bewohnt die Göttin der Nacht nun ihren Palast im Herzen der Schattenebenen und lenkt von dort aus die Schritte ihrer Anhänger.
Ständig dürstet es sie danach, ihre alte Macht zurückzuerlangen und der Hass auf ihre lichte Schwester beherrscht ihr Tun zu jeder Zeit und treibt sie unermüdlich an. Die Königin der Dunkelheit ergreift jede Gelegenheit, Rache für ihre Schmach zu üben. Sie manipuliert mit Geschick, mischt sich in alle Belange Niel’Anors, verführt Sterbliche und Götter gleichermaßen, wenn es ihren Zielen dienlich ist.
Nur zu gerne möchte sie die Nacht über Niel’Anor regieren sehen und das Licht verdrängen, wenn auch nur, um ihrer Schwester Schmerz zu bereiten. Und so legt Shirashai eine unübertroffene Grausamkeit an den Tag und agiert gewissenlos und ohne Gnade.
Ihr Wunsch nach Verehrung ist übermäßig groß und das Gefühl der Unterlegenheit frisst an ihr und lässt sie zuweilen unbedacht handeln. So reihen sich in ihren Plänen Misserfolge und Erfolge dicht aneinander.
Shirashais Gefährlichkeit wird nicht durch ihre Macht bestimmt, sondern durch ihren Willen, beinahe alles zu tun, um ihre Ziele zu erreichen und sich auch auf eine niedere Ebene zu begeben, wenn es Erfolg verspricht. Letztlich ist eines stets gewiss – Shirashai weiß um ihr Geburtsrecht als eine der beiden Mächte Niel’Anors, die diese Welt beherrschen sollten. Und sie kämpft mit all ihren Mitteln darum, diesen Platz zurückzufordern, mehr noch, die anderen Götter in die Schranken zu weisen und sie unter ihren Befehl zu zwingen.
Selten verehrt man sie offen. Wer die dunkle Göttin der Schatten anruft, tut dies meist aus niederen Motiven und sucht ihre Hilfe bei Plänen, die nicht an das Licht des Tages gelangen sollen. Hexen, die den dunklen Pfaden folgen, verehren Shirashai mit Leidenschaft und lassen es zu, dass sie ihre Kräfte stärkt. Aber es ist stets Vorsicht geboten, wenn man sich mit Shirashai einlässt. Keine andere Gottheit ist so sehr dazu bereit wie sie, tatsächlich in Erscheinung zu treten und Wünsche zu erfüllen. Doch sie tut es niemals, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.
Shirashais Gestalt ist von ebenso überwältigender Schönheit wie die ihrer Schwester Eriadne, wenngleich sie gegensätzlicher nicht sein könnte. Ihre Haut besitzt die Farbe des silbrigen Vollmondes am Nachthimmel, während ihr langes, schwarzes Haar wie flüssige Seide über ihre Schultern hinab fließt und sie wie ein schimmerndes Kleid einhüllt. Ihre Augen sind von der silbernen Farbe der Sterne und so mancher Mann ist der verführerischen Göttin verfallen und hat ihr seine Seele verkauft.
Das Symbol Shirashais ist ein einzelner silberner Stern, der oftmals in Form einer Halskette oder eines Ringes getragen wird. Ihre Priester nennen ein besonderes Exemplar ihr eigen, das auf ein geheimes Befehlswort hin die Kommunikation mit dem Hohepriester des Tempels erlaubt, in dem sie ihren Dienst versehen.
Die Priesterschaft Shirashais ist beinahe von der Göttin selbst handverlesen, scheut sie sich doch nicht davor, vielversprechende Wesen zu verführen oder verführen zu lassen. Dabei sucht sie sich sorgfältig Individuen heraus, die ihren Zielen dienlich sein können, und zeichnet diejenigen, die dafür ausersehen sind, hohe Positionen zu besetzen, schon in frühester Kindheit mit ihrem Symbol. Meist tragen sie an irgendeiner Stelle ihres Körpers ein sternförmiges Mal und begegnen in ihrem erwachsenen Leben einem Wesen, das sie schließlich ihrer Bestimmung zuführt.
Shirashais Priester sind verführerische Kreaturen. Sie kleiden sich in dunkle Seidengewänder, die oftmals sehr figurbetont sind und mehr enthüllen als bedecken. In den meisten Fällen sind sie überaus attraktiv und wirken anziehend auf andere. Jeder von ihnen besitzt besondere Talente, ist darin bewandert, andere zu verführen, zu manipulieren und nach ihrem Willen zu lenken. Gemeinhin kann man sie nahezu in jeder Stadt finden, wo sie allerdings nicht unbedingt gerne gesehen werden, da ihnen ein zwielichtiger Ruf anhaftet. Shirashais Priesterschaft verlässt den heimischen Tempel selten, um auf Wanderschaft zu gehen, wenn dafür kein triftiger Grund vorliegt. Sie sind in der Stadt ansässige Wesen, die keinen Bedarf haben, sich in der Natur aufzuhalten.
Man sucht einen Tempel der Shirashai selten im Licht des Tages auf. Rituale finden ohnehin in der Nacht im Licht des Mondes statt und wer außerhalb ihrer Priesterschaft zu ihren Anhängern zählt, verbirgt dies gern. Schließlich ist es nicht unbedingt für die Vertrauenswürdigkeit zuträglich, wenn man einer Göttin dient, die als Herrin der Lügen bezeichnet wird.
Tempel zu Ehren Shirashais wirken stets so, als seien sie in das Dunkel der Nacht getaucht. Rauchiger, dunkler Marmor mit silbrigen Adern wird gemeinhin für den Bau verwendet. Im Inneren werden diamantenähnliche Steine angebracht, die ein Licht ausströmen, das an fahles, kühles Sternenlicht erinnert. Es ist eine schwache, schattige Helligkeit, die den Dienern der Nacht gefällig ist. Eine magische Dunkelheit liegt im Außenbereich über diesen Bauwerken und scheint in einem Umkreis von einigen Metern um die Palastanlage herum alles Licht auszulöschen.
Wände und Decken in Shirashais Tempeln zeigen häufig Bildnisse der Göttin, die allgegenwärtig erscheint. Eine lebensgroße Statue befindet sich hinter dem Altar und lässt glaubhaft erscheinen, dass sie selbst ihren Gottesdiensten beiwohnt.
Es herrscht eine unheimliche Stille in einem Tempel der Shirashai. Ihre Priester kommunizieren in einem Flüsterton miteinander und erheben ihre Stimmen nur selten. Für gewöhnlich darf niemand, der ihnen nicht angehört, weiter in den Tempel hervordringen, als bis zu dem Altarraum. Es ist gewiss, dass jeder Shirashai Tempel einige Geheimnisse in seinem Herzen trägt.