Auf Niel’Anor begehen die Lebewesen der vier Kontinente momentan das Jahr 1445, wobei diese Zeitrechnung seit der Herrschaft des Königs Aranor gültig ist, der vor vielen Jahrhunderten den Versuch unternommen hat, alle Kontinente unter seiner Herrschaft in Frieden zu vereinen.
Die Zeitrechnung des Aranor, auch Zeit von Navoria genannt, basierte dabei auf der Gründung des Reiches Navoria durch König Lanedor, dem zur Mitte seines Lebens die Göttin Eriadne erschienen ist. Lanedor erhielt von der Göttin des Lichtes den Auftrag, ein Reich des Friedens auf Niel’Anor zu errichten, das zum leuchtenden Beispiel für alle Reiche dieser Welt werden sollte. Aranor folgte seinem Vorfahren und dessen Traditionen, war jedoch ehrgeiziger als er und wollte, daß sich die ganze Welt dem Beispiel Navorias anschließen sollte.
Aranors Versuch misslang. Die Differenzen zwischen den Völkern der Niel’Anors waren zu groß, um eine Einheit daraus zu erschaffen. Doch die gemeinsame Zeitrechnung blieb auch nach Navorias Fall bestehen, da sie durchaus einen praktischen Nutzen besaß. Nur wenige Reiche haben sich dieser einheitlichen Zeitrechnung entzogen. Dabei handelt es sich zum größten Teil um die großen Reiche der Elfen und der Zwerge, die sich weigerten, die menschliche Zeitrechnung als die ihre zu akzeptieren.
Auch auf Beleriar bedient man sich dieser Zeitrechnung, obgleich es eine parallele Rechenweise gibt, die sich an der Gründung der Stadt Nir’alenar von 893 Jahren orientiert. Die Zeitrechnung von Navoria ist jedoch auch hier die Gebräuchlichere, die man niemals aufgegeben hat.
Zeitangaben, die sich auf die Zeit Navorias stützen, werden im Allgemeinen mit dem Kürzel NZ hinter der Jahresangabe versehen. Nutzt man die Zeitrechnung Beleriars, wird dagegen ein BZ genutzt.
Im Sternenmeer dagegen schreibt man zurzeit das Jahr 1253. Diese Rechnung stützt sich auf den großen Sieg des Tritonenkönigs Samahar gegen Zakaridna, die damalige Königin der Yassalar, die einen Jahrhunderte andauernden Kriegszug geführt hat, um das Tritonenreich des Sternenmeers in ihre Hand zu bringen. Seinerzeit wurden die Yassalar von den unter Samahar vereinten Mächten des Meeres so vernichtend geschlagen, dass es Jahrhunderte in Anspruch nahm, bis sie sich von ihrer Niederlage erholt hatten. Diese Zeit nennt man von daher häufig die Wiedergeburt des Lichtes, eine lange Periode des Friedens und der Einheit im Ozean.
Der Tag ist auf Beleriar 24 Stunden lang. Daran hat sich auch seit dem Untergang nichts geändert. Man kann die Tageszeit ebenso wie an der Oberfläche an der Menge des Lichtes messen, das durch die Kuppel dringt und die Insel erhellt.
In den Städten singen die Tempelsänger der Eriadne Tempel traditionell ein Lied zur Begrüßung des neuen Morgens oder zum Abschied des Tages. Dieses Lied kann auf magische Weise verstärkt in der kompletten Stadt vernommen werden und ist für viele ein Element, an dem sie sich seit jeher orientieren. Seitdem das Gnomenvolk das Uhrwerk erfunden hat, ist die Zeiteinteilung jedoch weitaus einfacher und genauer geworden und so hat diese traditionelle Art der Zeitverkündung einen großen Teil ihres früheren Nutzens eingebüßt.
Die Woche auf Niel’Anor ist acht Tage lang und ein Monat dauert folglich 4 Wochenläufe, die 32 Tagen entsprechen. Ein Jahreslauf besteht aus 12 Monaten, dauert also 384 Tage und geht dabei durch vier Jahreszeiten hindurch, die jeweils drei Monate beanspruchen.
Der auf dieser Welt gebräuchliche Kalender ist als Kalender des Madralus bekannt und wurde nach dem Gnomengelehrten benannt, der ihn entwickelt hat. Der Kalender des Madralus wird auf ganz Niel’Anor genutzt, wenngleich die Monate und Tage in den einzelnen Sprachen anders benannt sein mögen. Die einzelnen Monate und Wochentage mit ihren umgangssprachlichen und offiziellen Bezeichnungen sind in den folgenden Tabellen einsehbar.

Monate

Anisur Winternacht
Talinor Schneeflocke
Siriel Sonnentau
Shuranar Grünbaum
Anarai Sternenfeuer
Maraskar Sonnenfeuer
Tariel Sommerlicht
Karinar Sternflamme
Shu’sharai Windhauch
Barask Fruchternte
Alekar Schneefall
Numaran Winterherz

Tage

Colviar
Ilaviar
Malviar
Dalaiviar
Eloviar
Eanviar
Falaviar
Shuraviar*

* Der Shuraviar ist der letzte Tag der Woche und gilt als Feiertag, an dem jedes Handwerk und jedes Geschäft ruhen muss. Traditionell ist dies auch der freie Tag der Dienerschaften, was bedeutet, dass der Falaviar für jene, die diesem Gewerbe nachgehen, stets sehr hektisch ist. Schließlich möchte der Adel am Shuraviar nicht auf seine Annehmlichkeiten verzichten müssen.

Festtage

Auf ganz Niel’Anor gibt es eine große Zahl von Festen und Traditionen, die sich durch den Ablauf aller Jahreszeiten ziehen. Jedes Volk, jeder Landstrich, sogar jedes Dorf besitzt eine Reihe von Tagen, an denen das Handwerk ruht und man zusammenkommt, um eines Geschehnisses zu gedenken oder einen bestimmten Anlass zu feiern.
Beleriar ist dabei keine Ausnahme und so würde es an dieser Stelle den Rahmen sprengen, sämtliche Festtage für die ganze Insel festzuhalten. Nachfolgend findet sich jedoch ein Überblick über die wichtigsten Fest- und Gedenktage, die man auf der Insel begeht.

Das Fest des Erwachens

Am Ende des Winters, wenn überall die zarten Knospen erscheinen und sich die ersten Blümchen von den Sonnenstrahlen streicheln lassen, feiert man das Fest des Erwachens, die Rückkehr des Frühlings in die Welt. Der zweite Falaviar des Shuranar ist die Zeit, in der man zu diesem Anlass zusammenkommt.
Überall werden die Festplätze mit bunten Bändern geschmückt, die in der sanften Brise flattern, man genießt gemeinsam Musik, Tanz und gute Speisen und feiert das Erwachen des neuen Lebens in der Natur.
Traditionell werden an diesem Tag Verlobungen ausgehandelt und bekannt gegeben. Während des offiziellen Eröffnungstanzes der Festlichkeiten kommen die jungen Paare zum ersten Mal vor allen Augen zusammen, Klatsch und Tratsch werden munter ausgetauscht und neue zarte Bande geknüpft.
Es ist ein fröhliches Fest unter freiem Himmel, das stets voller Sehnsucht erwartet wird und an dessen Ende man vor allem auf dem Land die heiratsfähig gewordenen Töchter und Söhne vorstellt, auf dass sie vielleicht im nächsten Jahr zu jenen gehören, die den großen Tanz eröffnen. In den Kreisen des Adels veranstaltet man privatere Feierlichkeiten, zu denen man nur ausgesuchte Gäste wählt, die allerdings einem ähnlichen Zweck dienen.
Besonders vonseiten der jungen Mädchen ist das Fest des Erwachens eine überaus wichtige Angelegenheit, die mit der Auswahl des perfekten Kleides und einem Übermaß an Nervosität einhergeht. Jede möchte so hübsch sein, dass sie zweifelsohne die Aufmerksamkeit eines idealen Heiratskandidaten auf sich ziehen muss und zum Mittelpunkt des Tages wird.
Die Priesterschaft von Lilliande und Yanariel ist dabei stets zugegen, um den jungen Paaren ihren Segen zu erteilen und die eine oder andere Verbindung in die richtigen Bahnen zu leiten.

Der Tag des Untergangs

Natürlich gedenkt man auf der Insel des Tages, an dem Beleriar in den Fluten des Sternenmeeres versunken ist. Dieser Tag fällt auf den 3. Tag des Monats Anarai, an dem stets das Handwerk ruht.
Der Tag des Untergangs ist kein stiller Tag. Erzähler und Barden sind an allen Orten unterwegs und erzählen Geschichten oder singen Lieder über diese schicksalshafte Begebenheit und die Helden, die daraus hervorgegangen sind. Es ist ein Tag der Erinnerung, doch er besitzt eine positive Note, betont, dass man dieses Unglück überlebt hat, ohne darüber die Mahnung aus den Augen zu verlieren.
Theatergruppen führen Stücke auf, die Szenen dieses Tages vor die Augen der Zuschauer bringen. Insbesondere die Ankunft der Göttin und der Sieg über Narion wird stets mit beeindruckenden magischen Effekten aufgeführt und erfreut sich großer Aufmerksamkeit. Wer es vermag, dieses Spektakel am Besten in Szene zu setzen, kann sich sicher sein, dass er im folgenden Jahr viele Besucher anzieht und er sich eines gewachsenen Ruhmes erfreuen darf.
Am Ende des Tages findet in den Tempeln der Eriadne eine stets gut besuchte Zeremonie statt, während derer man für alle Sünden Buße tut und bei der schließlich der Segen der Göttin erteilt wird.

Die Nacht der Träume

Ein sehr bezauberndes, die Sinne berauschendes Fest feiert man in den Sommermonaten. Die Nacht der Träume findet stets am 4. Falaviar des Monats Tariel statt und zieht die Bewohner der Insel hinaus ins Freie. In den Städten begibt man sich in die Parkanlagen, in den Dörfern sucht man die schön geschmückten Festplätze auf.
Winzige magische Lichter erhellen Lichtungen und Wiesen, wo man gemeinsam anregende Getränke wie den Khin’salar aus Corandir genießt, im Feuerschein Geschichten und Liedern lauscht, um schließlich von Musik und Tanz erschöpft ein freies Plätzchen zu suchen, an dem man die Nacht verbringt.
Die Priesterschaft der Minaril ist stets zugegen und sorgt dafür, dass die Träume in dieser Nacht besonders angenehm sind und Albträume ferngehalten werden. Man sagt, dass Minaril in der Nacht der Träume Visionen sendet, die in Erfüllung gehen werden und somit einen Blick in die Zukunft gewährt.
Es mag nicht allzu erstaunlich erscheinen, dass viele Kinder ihre Existenz dieser besonderen Nacht mit ihrer romantischen Atmosphäre zu verdanken haben. Allerdings erwacht nicht jeder in den Armen desjenigen, dem er Treue gelobt hat.

Das Erntefest

Im frühen Herbst, am 3. Shuraviar des Monats Shu’sharai, feiert man auf Beleriar das Erntefest, das im Zeichen der Kireala steht. Man besucht ihre Tempel, um ihr Dank für die Ernte zu bezeugen, hinterlässt ein Opfer, um ihr etwas zurückzugeben und sie für die das folgende Jahr gnädig zu stimmen.
Der Tag des Erntefestes ist ein Tag der Wohltätigkeit. Wer es sich leisten kann, gibt etwas für die Armen und die Bettler, da es heißt, dass die Götter die Hartherzigen und Geizigen strafen, die nichts von ihrem Wohlstand teilen möchten und ihnen nehmen werden, was sie so eifrig zu behalten versuchen.
Der Adel und reiche Händler laden jene, die nicht zu den vom Glück begünstigten gehören, zu einem großen Festschmaus ein und überbieten sich darin gegenseitig. Jeder möchte das größte Fest ausrichten, sich vor allen Augen als der größte Wohltäter erweisen, der seine Segnungen durch seine Großzügigkeit verdient hat und als leuchtendes Beispiel für alle anderen gilt.
Am Ende des Tages erteilen Kirealas Diener ihren Segen für das folgende Jahr. Es gibt auf dem Land Wettbewerbe um die prachtvollste Ernte, die schließlich in eine ausgelassene Feier zu Ehren Kirealas münden.

Das Seelenfest

Traditionell wird ab dem 25. Tag des Barask das Seelenfest gefeiert, bei dem man der Seelen jener gedenkt, die in die Traumlande gegangen sind.
Das Seelenfest beginnt mit einer feierlichen Prozession der Moravon Priester, die um Mitternacht am 24. Tag der Fruchternte stattfindet. Während dieses Aktes wird in allen Städten und Dörfern für jeden dort in diesem Jahreslauf Verstorbenen ein Öl-Licht durch die Straßen getragen, das für seine Seele steht. Am Ende der Prozession, an der auch die Familien teilnehmen, werden die Lämpchen unter feierlichen Gesängen der nächsten Wasserader übergeben, um den Weg der Seele in Moravons Reich zu versinnbildlichen und ihr eine gute Überfahrt zu wünschen. Danach folgen Gebete und Zeremonien, die Fürbitte für den Verstorbenen leisten und eine Nacht des Schweigens, der Erinnerung und der inneren Einkehr, die erst bei Sonnenaufgang endet.
Der Tag nach der Prozession wird in Stille begangen. Überall ist es beinahe geisterhaft ruhig, die Straßen sind leer und nur wenige verlassen ihr Heim. Man erzählt sich Geschichten über die Verstorbenen und gedenkt ihrer im Rahmen der Familie. Danach findet die Nacht der ruhelosen Seelen statt, bei der die Geister all jener, denen Moravon den Weg in die Traumlande verweigert hat, durch die Gassen ihrer Heimat ziehen und Unfrieden stiften. Dabei ist eine Schar unheimlich maskierter Gestalten unterwegs, die all jene erschreckt, die nicht klug genug gewesen sind, in ihren Häusern zu bleiben. Traditionell wird in dieser Nacht viel Schabernack getrieben. Dinge verschwinden und tauchen an anderer Stelle wieder auf, Gärten werden verwüstet und Streiche gespielt. Der Spuk endet erst, wenn ein Priester der Moravon bei Sonnenaufgang die Geister bannt und die Worte spricht, die sie in die Zwischenwelt zurücktreiben.
Im Anschluss feiert man in vielen großen Städten Beleriars das Fest der Masken, das in der folgenden Nacht beginnt und über drei Tage andauert. Das Fest der Masken ist eine Feier des Lebens, während derer sich die einfache Bevölkerung in mehr oder weniger prachtvollen Maskierungen durch die Straßen bewegt und im Schutz der Maske feiert. In den reicheren Schichten begeht man diese Tage weniger ungehemmt. Es werden prunkvolle Maskenbälle und Feste veranstaltet, die bis in die Morgenstunden andauern und stets viel Aufsehen erregen.
Erst mit dem Glockenschlag zur Mitternacht am dritten Tag endet das Seelenfest endgültig. Die Masken werden bis zum nächsten Jahr weggeräumt und das Leben kehrt zu seinem alltäglichen Ablauf zurück.

Das Fest der Lichter

Wenn der Winter seine Mitte erreicht und das Licht wieder erstarkt, feiert man auf ganz Niel’Anor das Fest der Lichter. Dieses wird am 3. Shuraviar des Numaran begangen. Zu dieser Gelegenheit kommt man zusammen und sucht die Tempel der Eriadne auf, um für die Rückkehr des Lichts zu danken, das die Dunkelheit der langen Nacht des Winters vertreibt.
Nach den Zeremonien erhält jeder ein kleines, magisches Licht von der Priesterschaft, das als Eriadnes Gnade bezeichnet wird, und lässt es im Freien in den Himmel schweben, wo es sich mit den anderen Lichtern vereint und die Nacht zum Tage werden lässt.
Nach diesem wundervollen Anblick feiert man bei einem Festmahl im Kreise der Familie oder sucht einen der öffentlichen Festplätze auf, um die Darbietungen von Magiern und Feuerkünstlern zu betrachten, die die Nacht so lange vertreiben, bis das Licht des Tages aus eigener Kraft die Regentschaft übernimmt. Die längste Nacht des Jahres ist beendet und die Tage werden wieder länger, versprechen neues Leben und einen Neubeginn, das Ende einer alten Last und die Aussicht auf neues Glück.
Ein Kind, das in dieser Nacht geboren wird, gilt als vom Glück begünstigt und wird in seinem Leben Großes vollbringen, da es den Segen der Eriadne besitzt.