Dheoris ist keine Stadt, kein Dorf, noch nicht einmal eine Siedlung. Trotzdem trägt dieser Ort einen Namen, der auf eine solche verweist. Doch es sind keine Häuser, die man dort finden kann. Stattdessen stehen bunte Wagen um einen großen, freien Platz herum. Pferde grasen friedlich auf eingezäunten Koppeln. Ein kleines Wäldchen erstreckt sich schützend in ihrem Rücken und rahmt den Hügel, der diesen außergewöhnlichen Flecken beherbergt.
Zwischen den Wagen geht es geschäftig zu. Beinahe zu jeder Tageszeit erklingt aus irgendeiner Richtung eine Melodie, manchmal von Gesang und Gelächter untermalt.
Ein näherer Blick offenbart schließlich die dunklen Gesichter und farbenfrohen Kleider der Dheoran und macht schnell deutlich, wer diesen Ort bewohnt.
Dheoris ist der einzige große Versammlungsort der Dheoran auf Beleriar, jener Platz, den sie aufsuchen, seitdem der erste Chronist für sie unerreichbar geworden ist. Seither nennen Sie diesen Hügel ihr Eigen und tragen die Früchte ihrer Arbeit zu dem größten Wagen nahe des Feuerplatzes, der traditionell von dem ersten Chronisten Beleriars bewohnt wird. Dieser entstammt seit über drei Jahrhunderten dem Feuer der Vheroka, jener sesshaften Dheoran Familie, die dem Blut des ersten Chronisten am nächsten steht. Der Platz des ersten Chronisten Beleriars wird stets von dem Familienältesten eingenommen und dieser verwahrt sorgfältig alle Schriften seines Volkes, auf dass sie eines Tages in die Hände des ersten Chronisten übergeben werden können.
Der große, bunt bemalte Wagen ist das religiöse und gesellschaftliche Zentrum des Dheoran Volkes und so kommen früher oder später alle am Feuer der Vheroka zusammen, um gemeinsam zu singen, zu tanzen und Erlebnisse auszutauschen.
Es gibt nicht viele Dheoran Familien auf Beleriar. Doch einige Wagenbünde sind jederzeit in Dheoris anzutreffen und so herrscht selten Stille. Besonders dann, wenn zerstrittene oder konkurrierende Wagen aufeinandertreffen, ist eine Kostprobe des gefürchteten Dheoran Temperamentes zu erwarten. Zwar ist es verboten, an diesem Ort Blut zu vergießen, doch dies hindert niemanden an lautstarken Streitigkeiten und Drohungen für die Zeit, wenn die Wagen wieder über das Land rollen.
Aber auch wenn es harmonisch zugeht, kehrt keine Ruhe ein. Dheoris ist lebhaft, von Fröhlichkeit erfüllt, voller Musik und Tanz. Wenn am Abend alle am großen Feuer zusammentreffen, wirbeln die bunten Röcke der Frauen, die Musik melancholischer Geigen oder lustiger Fiedeln erfüllt die Luft, es werden Geschichten erzählt, duftende Speisen und hochprozentige Getränke geteilt.
Manchmal verirrt sich sogar ein Fremder in die Reihen der Dheoran, will seine Neugier befriedigen oder selbst sein Glück mit einer Erzählung versuchen, um vielleicht die Gunst eines der anwesenden Chronisten und seien Dank zu erlangen.