Wenn sich der Adel Beleriars zu seiner Erholung zurückziehen möchte, fällt die Wahl in den meisten Fällen auf die kleine Stadt Bay’linéa, die nahe des Sternsees gelegen ist. Dieser Ort ist ganz auf das Vergnügen seiner Besucher ausgelegt und lebt von den Golddukaten, die diese hier ausgeben.
Bay’linéa ist einst als Badestadt bekannt geworden, denn die großen, prachtvollen Badehäuser dieser Stadt sorgen dafür, dass jeder seine Entspannung zu findet und Sorgen und Nöte für eine Weile vergessen kann.
Es gibt Badehäuser für jeden Geschmack. Einige greifen fremde, ferne Länder Niel‘Anors auf und sorgen durch die unterschiedlichsten Thematiken für Abwechslung und Kurzweil. So gibt es hier sehr exotische Orte voller Palmen, an denen die Wände mit Blattgold belegt sind und die Angestellten von kaum mehr als durchscheinenden Schleiern und klimpernden Juwelen verhüllt, ausgefallene Speisen und Getränke servieren. Wohlgeformte Tänzerinnen mit dunklen Mandelaugen erfreuen die Gäste und tanzen zwischen transparenten Vorhängen, die die Räumlichkeiten unterteilen.
Die größte Attraktion des Badehauses Ashai’var ist beispielsweise eine begehbare Wunderlampe, wie man sie aus basharbanitischen Erzählungen kennt. Leicht bekleidete Damen oder Herren warten stets darauf, dem Willigen drei ganz besondere Wünsche zu erfüllen.
Anderenorts werden ganz andere Themen aufgegriffen. Seien es Badehäuser aus der Vergangenheit Beleriars, in denen in weißen Togen und unter Marmorstatuen über den Lauf der Welt philosophiert wird oder gar Stätten, die kein Dach besitzen und dem Wald von Arvonar nachempfunden sind. Dort kümmert man sich in knapper Lederbekleidung um das Wohl der Besucher.
Bay’linéa ist ein zügelloser Ort, an dem die Sinnesfreuden an erster Stelle stehen. Kein Wunder, dass aus dieser Stadt die besten Köche und Köchinnen Beleriars stammen und großartige Weine und andere Spezialitäten serviert werden, die man manchmal über dunkle Kanäle herbeischafft. Nichts ist den Betreibern der Lokale und der Badehäuser zu teuer, wenn es darum geht, die größte Attraktion zu bieten.
Für die passende Summe an Golddukaten bekommt man in diesem Städtchen alles. Eine Vielzahl von Tavernen und Läden wird jederzeit fantasievoll beworben, um den größten Besucherstrom anzuziehen. Die Gebäude sind in keinem einheitlichen Stil gebaut, sondern streben danach, so einzigartig zu sein, dass sie dem neugierigen Auge auf der Stelle auffallen müssen.
Gewöhnliche, schlicht anmutende Häuser sieht man hier kaum, denn es ist in der Tat alles auf den zahlenden Gast ausgelegt, den man zusätzlich mit allerlei außergewöhnlichen Läden und Schneidereien verwöhnen möchte. Eine ganze Straße beschäftigt sich allein damit, die Kauflust der Gäste in jeglicher Hinsicht zu befriedigen und es ist unnötig zu sagen, dass es hier keineswegs als unsittlich angesehen wird, wenn attraktive Frauen und Männer ihre Körper in einem der zahlreichen Freudenhäuser anbieten.
Abends wird dem Glücksspiel gefrönt und so findet man hier allerlei Etablissements, in denen man in der Nacht zu Reichtum gelangen kann oder auch in Armut gestürzt wird. Es gibt gar getrennte Salons für Damen und Herren. Manche ruhiger, andere erfüllt von Musik und Tanz, in denen man sich dem Spiel widmen oder sich den Abend einfach nur von den Darbietungen der Künstler versüßen lassen kann.
Bay’linéa steht unter der Obhut der klugen, silberhaarigen Lichtelfe Milarin Shalizar, die das Städtchen mit fester Hand und unübertroffenem Geschäftssinn regiert. Sie entstammt der Familie Shalizar, die seit jeher Bay’linéa zu diesem Ort der Sinnesfreuden gemacht hat und folgt der langen und ungebrochenen Familientradition auf sehr erfolgreiche Art und Weise.
Dem Organisationsgenie Milarin ist der Stand ihrer Familie niemals zu Kopf gestiegen. Sie führt und bewohnt das Badehaus Shalizar, das dem Hort eines Drachen nachempfunden worden ist und in dem sich schon so mancher Besucher gewundert hat, wenn ihm jener Drache plötzlich auf die Schulter getippt hat, um ein Schwätzchen mit ihm zu halten. Sylin ist zwar angeblich eine reine Illusion, die von den Hausmagiern geführt wird, doch seine überzeugend echt wirkende Erscheinung lässt daran manchmal ernsthafte Zweifel aufkommen, wenn er den ein oder anderen aus Spaß mit Schmuck bewirft, der seinem Hort entstammt. Doch zu seiner Ehrenrettung muss gesagt werden, dass Sylin bisher noch jeden Besucher vor dem Ertrinken gerettet hat, wenn er sich zu sehr erschrocken und die Kontrolle über seinen Körper verloren hat.