Es gibt selten einen Ort, den ein Halbwesen als sein Zuhause bezeichnen kann. Zwischen zwei Völkern gespalten, gehören sie keinem davon an und bleiben stets Fremde unter ihresgleichen. Insbesondere Meereswesen trifft dies stärker als viele andere, gehören ihre Eltern doch zwei vollkommen unterschiedlichen Welten an, die sich niemals vereinen lassen. Und doch gibt es auf Beleriar viele von ihnen, ziehen sich die Gegensätze der Welt unter dem Ozean und der Welt der Landbewohner doch beinahe magisch an.
Einst war Ymarue eine Siedlung, in der jene Meeres-Halbwesen, die es nach einer Heimat verlangt, die nur ihnen allein gehören sollte, ihren Frieden fanden. Über die Jahre zog es immer mehr Nachkommen gemischter Liebschaften zu dieser Zuflucht und so wuchs die Siedlung über die Jahre zu einer Stadt heran.
Ymarue ist vor allem für die Toleranz und Offenheit bekannt, mit der sich die Angehörigen unterschiedlichster Völker begegnen. Oftmals zieht es deswegen Liebespaare in die Stadt, deren Liebe von ihren Familien nicht geduldet wird. In Ymarue sind alle Wesen gleich. Zumindest nach den Gesetzen der Stadt, die keinen Adel und keinen Stand kennen.
Doch auch darüber hinaus ist Ymarue ein besonderer Platz, ein Ort, an dem sich die Welten der Meeresbewohner und der Luftatmer vereinen. Auf den ersten Blick wirkt es, als sei ein Stück des Meeresbodens auf die Insel versetzt worden und dort erstarrt.
Kunstvolle Statuen sind Korallenriffen nachempfunden. Die Abbilder kleiner Fische und anderer Meerestiere sind in ihrer Nähe angebracht und wirken so lebensecht, dass man meinen könnte, dass sie gleich aus ihren Verstecken hervorflitzen und über die Straßen der Stadt schwimmen. Manche von ihnen verfügen sogar über einen Mechanismus, der ihnen eine gewisse Bewegung ermöglicht.
Rund gebaute Häuser erinnern an Höhlen. Ihre Fassaden schimmern vielfarbig und werden von Reliefs verziert, die Muscheln, Nixen und Szenen aus dem Meer darstellen. Manche Fassade besitzt gar einen perlmuttenen Schimmer und erinnert somit selbst an das Innere einer Muschel.
Überall befinden sich kleine Parks, in denen man Becken in den Boden eingelassen hat, die es Meereswesen und Halbmeereswesen erlauben, das kühle Nass zu genießen. Einige von ihnen sind über unterirdische Tunnel mit dem Meer verbunden. Sie erlauben es den Meeresbewohnern, mühelos in die Stadt zu gelangen.
Lebendige Korallen wachsen in diesen Becken. Nicht selten kann man darin auch die faszinierend bunten Fische erblicken, die sonst nur außerhalb der Kuppel zu finden sind.
Ymarue ist ein Handelszentrum für die Meereswesen, die ihre feinsten Erzeugnisse anbieten. Man findet Schmuckmacher, die erlesene Stücke aus Perlen, Muscheln und Korallen fertigen. Auf den Märkten werden Meeresfrüchte und Fisch verkauft und wahrscheinlich findet man nirgends feinere Spezialitäten aus den Früchten des Meeres als in Ymarue.
Auch einige sehr exotische Dinge lassen sich in Ymarue auftreiben. Getränke, die von Meereswesen bevorzugt werden. Ihre Gewürze, die man nirgends auf dem Lande gewinnen kann oder auch Speisen, die so ausgefallen sind, dass sich nur wenige Landbewohner an ihren Genuss wagen.
Dazu gehört sicherlich das Fleisch des Sonnenhais, das einen Stoff enthält, der eine starke Hitze im Körper desjenigen auslöst, der davon kostet. Zuviel davon kann den Eindruck erwecken, dass man innerlich verbrennt. Auch der Saft, der aus den Silberalgen gewonnen wird, sollte besser in Maßen genossen werden, da er nicht nur absonderlich schmeckt, sondern auch so stark berauscht, dass er Halluzinationen verursacht. Keine Frage – Ymarue bietet einige seltene Genüsse und Mutproben für experimentierfreudige Gaumen.
Das Zentrum der Stadt wird von der Muschelhalle gebildet. Es ist ein besonders auffälliges, muschelförmiges Bauwerk, das den Rat von Ymarue beherbergt, das Regierungsorgan, das alle wichtigen Entscheidungen in der Stadt trifft. Die Mitglieder des Rates werden alle 5 Jahre von der Bevölkerung Ymarues bestimmt, falls sie im Vorfeld genügend Unterstützung finden, um sich zur Wahl stellen zu können.
Allerdings steht nicht jeder dieser Art der Regierung offen gegenüber. Speziell aus den Reihen der Halb-Yassalar werden immer wieder Stimmen laut, die mit der Gleichheit aller Wesen nicht zufrieden sind und die eine andere Lösung anstreben. Insbesondere ihr Wortführer, der momentan selbst dem Rat angehört, ein charismatischer Mann, der sich Sirdon Tass’rin nennt, ist geschickt genug, um die Massen anzuziehen und sie mit geschickten Worten davon zu überzeugen, dass eine Adelsschicht durchaus erstrebenswert sein könnte.