Es ist ein dunkler Flecken im Silberwald. Ein Ort, so dicht bewachsen, dass kaum ein Lichtstrahl zwischen der üppigen Vegetation hindurchdringt. Der Boden ist trügerisch. Wasser sammelt sich in tiefen Tümpeln und wechselt sich mit moosigen, von Gräsern bewachsenen Stellen ab. Nur allzu leicht gleitet man aus oder setzt den Fuß auf vermeintlich festen Grund, der urplötzlich nachgibt.
Kaum ein vernünftiges Wesen wagt sich freiwillig in das Flüstermoor, ohne tiefere Kenntnisse über diese Gegend zu besitzen. Seltene, gefährliche Kreaturen hausen an diesem Ort und lauern auf unvorsichtige Besucher. Speziell die Schattenviper fühlt sich hier heimisch und die Feuerspinne ist ein weiterer Bewohner der Moorgegend, dem man nicht unbedingt begegnen möchte.
Am Tage ist es still im Flüstermoor. Selten stört der Laut eines Tieres die tiefe Ruhe, sodass jedes Geräusch beinahe übernatürlich laut wirkt. In der Nacht ändert sich dies drastisch. Dann erklingt das heisere Flüstern und unablässige Murmeln, das diesem Moor seinen Namen gegeben hat.
Irrlichter tanzen durch die Lüfte und verleiten Wanderer dazu, ihnen zu folgen. Viele sind bereits in ihr Verderben gelaufen, wenn sie das Flüstermoor nach Einbruch der Dunkelheit betreten haben.
Trotzdem hält diese Tatsache die wenigsten davon ab. Denn im Flüstermoor gedeihen einige seltene Pflanzen, deren Wirkung von Kräuterkundigen und Giftmischern geschätzt wird.
Insbesondere der Mondfarn und die Nachtkönigin sind überaus beliebt. Ersterer wegen seiner berauschenden Wirkung, während Letztere eine Pflanze ist, deren Knospen sich nur in der Nacht öffnen und dann eine Flüssigkeit absondern, deren Duft sehr beliebt ist. Man sagt der kostbaren Substanz nach, dass sie ihren Träger nahezu unwiderstehlich zu machen vermag.
Das Flüstermoor beherbergt zudem die wohl größte Ansammlung von dunklen Feenelfen auf Beleriar. Dies ist ein Umstand, der jeden Ortskundigen überaus vorsichtig werden lässt, denn eine solche Begegnung nimmt selten ein gutes Ende.
Was genau das stetige Murmeln des Moores auslösen mag, ist unbekannt. Die Bewohner des Silberwaldes sehen darin das Flüstern der armen Seelen, die das Moor verschluckt hat und die sich nun nach der Wärme der Lebendigen sehnen und nach ihnen greifen, wenn sie unachtsam sind.
Sei es, wie es will – es ist angeraten, im Flüstermoor niemals die hölzernen Planken zu verlassen, die sich durch die komplette Landschaft ziehen. Denn was genau hier lauern mag, sobald man diese verlässt, kann niemand vorhersehen.
Nicht umsonst ranken sich Legenden und Geschichten um diesen Bereich Beleriars. Die Beliebteste davon ist wohl die von der singenden Hexe, die Wanderer mit ihrem lieblichen Gesang anlockt, um sie niemals wieder ziehen zu lassen.