Man sieht die Feenelfen nicht, wenn sie nicht gesehen werden wollen, aber dennoch sind sie im Silberwald stets gegenwärtig. So mancher, der ihr wundersames Königreich durch einen glücklichen Zufall erblicken darf, wird sich fragen, ob er sich denn wirklich noch unter dem Meer befindet, denn an diesem Ort findet sich keine Spur von der allgegenwärtigen Kuppel.
Und selbst wenn Sil’isiar vor den Blicken anderer verborgen ist, so spürt man an dieser Stelle immer die frische Brise des Waldwindes und ihren erdigen Geschmack auf der Zunge. Wenn man nach oben schaut, so sieht man nicht das Wasser des Sternenmeeres, sondern den blauen Himmel der Welt über den Wellen und die kleinen, weißen Wolken, die Sonne, den Mond und die Sterne. Denn die lichten Feenelfen haben ihr Reich an einem Flecken errichtet, der so stark von den Elementen berührt worden ist, dass er magische Kräfte ins Unermessliche verstärkt. Die Feenelfen haben sich diese Besonderheit zunutze gemacht und Sil’isiar den Anschein der unendlichen Freiheit der Oberwelt verliehen.
Scheinbar gibt es hier beinahe alles, was sich die Bewohner Beleriars wünschen könnten, doch nur wenige von ihnen werden den verborgenen Platz inmitten des Silberwaldes jemals finden und sich nach ihrem Besuch noch daran erinnern.
Nur in der Nacht, wenn der Mond hoch am Himmel steht und die Sterne wie Diamanten auf einem samtenen, blauen Tuch glitzern, wird die Welt der Sil’Fae sichtbar. Die Luft beginnt zu flimmern und bringt die unzähligen kleinen Baumhäuser mit ihren spitz zulaufenden, schimmernden Dächern zum Vorschein, die wirken als seien sie aus Kristall erbaut worden.
Dann kommen die Feenelfen hervor und versammeln sich auf der großen Waldlichtung, auf der der prachtvolle Palast der Königin erscheint, zu ihrem nächtlichen Tanz im Sternenlicht. Oft sieht man auch andere Wesen des Waldes, die die Tänze der Feenelfen begleiten, seien es Faune, Dryaden, Kobolde oder sogar Einhörner, die sich nicht vor der Gesellschaft der Sil’Fae scheuen.
Niemals ist der Zauber dieses Reiches so wundervoll wie im Winter, wenn die Bäume des Silberwaldes mit Schnee bedeckt sind und sich die kleinen Feenwesen in weiße Pelze hüllen, die sie vor der Kälte schützen.
Sil’isiar wird der Königin Lissia Florisél und ihrem König Liron regiert. Noch vor Kurzem waren die Reiche Lissias und Lirons geteilt und lagen miteinander im Krieg, bis sich die Liebe zwischen den beiden Herrschern rührte und die Höfe zusammenführte.
Bei diesem Geschehen spielte ein ganz besonderes Phänomen eine große Rolle – das große Rosenfeld unweit der Lichtung, deren Rosenblüten einen ganz besonderen Duft verströmen, der auf die Sinne desjenigen, der ihn einatmet, überaus betörend wirkt. Dieser Duft löst nahezu sofort das tiefe Gefühl der Liebe zwischen den Wesen aus, die sich in seinem Einflussbereich befinden, seien es Mensch oder Tier. Dass ein solches Wunderwerk der Natur in den Händen eines Feenelfen für einiges an Unruhe sorgen kann, sollte nicht verwunderlich sein. Normalerweise meiden sie die Rosen und betreten das Feld niemals ohne besondere Schutzvorkehrungen. Es war für den Frieden zwischen den Reichen allerdings ausgesprochen hilfreich, als Lissia und Liron beide zur gleichen Zeit ohne einen solchen Schutz in das Rosenfeld gelockt wurden. Ein kluger Schachzug, der das erwünschte Resultat nach sich zog.
In der Gesellschaft der Feenelfen spielt zudem noch ein weiterer Ort noch eine sehr große Rolle. Es ist der Deshevrai’Adoan, ein aus großer Höhe herabfallender Wasserfall, dessen klares Wasser heilend wirkt und der bei dem Volk der Feenelfen als heilig gilt.
An diesem von schönen, farbenfrohen Blumen bewachsenen und von allerlei Getier gerne aufgesuchten Platz, geben sich die Feenelfen das Eheversprechen oder halten andere, sehr wichtige Zeremonien ab. Auch die Königin selbst wurde hier gekrönt, denn alle Versprechen, die hier gegeben werden, gelten als bindend.