Man nennt Yelindea die Stadt der Musik, doch die Wahrheit geht sogar noch darüber hinaus. Denn Yelindea ist Musik. Daran kann es keinen Zweifel geben, denn bevor man einen ersten Blick auf diese Stadt erhaschen kann, hört man sie bereits.
Es ist eine sanfte Melodie, die durch die Lüfte schwebt und jedes Ohr berührt, das sich den Toren nähert. Und doch ist es kein Lebewesen, das diese Melodie erklingen lässt, die niemals endet, keine verborgene Magie. Es ist der Wind, der die zauberhaften Klänge hervorbringt und während er sich verändert, stärker und schwächer über die Hafenstadt streift, so verändert sich auch das leise Lied, das er dabei spielt.
Tatsächlich ist es eine meisterhafte Konstruktion. Glockenspiele ziehen sich durch die ganze Stadt, sind so harmonisch aufeinander abgestimmt, dass der Wind niemals einen Missklang hervorbringt. Andere Elemente ergänzen die hellen Töne, hier ein sanftes Rauschen, dort der Ton einer geschickt angebrachten Pfeife, die kunstvoll ein Gebäude ziert.
Es ist nahezu ein Wunder, das in Yelindea vollbracht worden ist. Nie wirken die Töne aufdringlich oder störend, stets untermalen sie einfach die Atmosphäre dieses Ortes mit ihrem Zauber.
Wenn schließlich das Auge die Quelle all dessen zu sehen vermag, sind es zuerst die hellen Straßen, auf die der Blick fällt. Schlangengleich winden sie sich durch die Stadt, hier und da von einer Wasserader durchbrochen, über die sich eine Brücke aus weißem Stein spannt.
Die kristallenen Türme, das Wahrzeichen der Stadt, erheben sich auf einem Hügel in ihrer Mitte grazil in den Himmel. Von unterschiedlicher Größe bilden sie eine Einheit, die entfernt an eine Panflöte erinnert. Die kristallenen Türme beherbergen die große Akademie der Musik und des Zaubergesangs, die einige der begabtesten Künstler Beleriars hervorgebracht hat. Sie besteht noch nicht lange, erst vor etwas über 100 Jahren hat man die schlanken Gebäude erbaut, aber dennoch zieht ihr Ruf einen stetigen Strom von Schülern an.
Zu jeder Tageszeit kann man durch die transparenten Mauern Anteil am Unterricht der Studenten nehmen. In der Nacht und wenn kein Unterricht stattfindet, trüben sich die Türme ein und erlauben keinen Blick mehr auf das, was in ihrem Inneren geschehen mag.
Speziell die jährlichen Prüfungen der Zaubersänger locken viele Besucher an. Die Festlichkeiten ziehen sich über Tage und gewähren einen ersten Blick auf so manches neue Talent, das vielleicht bald zu großer Berühmtheit gelangen wird.
Doch auch fern von der Akademie ist Yelindea einen Besuch wert. Zahlreiche Instrumentenbauer üben ihr Handwerk mit der größten Kunstfertigkeit aus und nirgends findet man solch meisterhafte Arbeiten mit einem so reinen Klang wie an diesem Ort. Es ist also kaum verwunderlich, dass viele Musiker von der ganzen Insel anreisen, um sich ein kostspieliges Kunstwerk fertigen zu lassen.
Hübsche Steinhäuser dominieren die Stadt, oftmals von Blumen und Gärten umgeben. Grünflächen und Parks laden zum Verweilen ein, um dem Lied des Windes zu lauschen.
Wer sich dem Meer nähert, findet dort auf einer kleinen Erhebung die nächste Besonderheit Yelindeas. Es ist die riesige Windharfe, deren Saiten von der frischen Meeresbrise gespielt werden, die ihre Töne zu einem lieblichen Klang verwebt.
Viele Bewohner der Stadt finden sich am Abend auf dem Platz vor der Harfe ein, um die Wellen des Meeres zu betrachten und die einzigartige Stimmung zu genießen. Nicht selten lassen sich Sänger von der Harfe begleiten und improvisieren ein Lied zu ihrer Melodie.
Die Musik bestimmt das Leben Yelindeas. Sicher ist dies ein Überbleibsel von der einstigen Nähe zu Alaneya, die viele Syreniae an diesen Ort gebracht hat, die noch immer hier leben. Natürlich sind sie zu einem großen Teil für die meisterliche Instrumentenbaukunst verantwortlich, für die Yelindea berühmt geworden ist. Kein anderes Volk könnte sich jemals so sehr der Welt der Klänge verschreiben und so sind es vor allem die Syreniae, die diese Stadt geprägt haben. Und wer genau hinsieht, findet viele Gebäude, die besonders großzügig gebaut worden sind, um den Syreniae Bequemlichkeit zu bieten.
Auch die Stadtherrin, Sarandia Pheronis gehört dem geflügelten Volk an und folgt damit der langen Reihe von Stadtherren aus ihrer Familie. Sarandia ist ein bemerkenswertes Wesen. Attraktiv und mit einer Zauberstimme gesegnet, gibt es nur wenig, das die blonde Syrenia mit den saphirblauen Augen nicht nach ihrem Willen zu gestalten vermag. Für den Augenblick ist es ihr ehrgeiziges Ziel, die kristallenen Türme zur größten Akademie der Musik zu machen, die Beleriar jemals gesehen hat. Weitaus größer noch als die Halle der Künste von Nir’alenar.
Es ist Sarandia ein Dorn im Auge, dass die Halle der Künste noch immer in höheren Ehren steht. Noch dazu wird sie von einer Elfe geleitet, nicht einmal von einem Angehörigen ihres Volkes. Es ist an der Zeit, dass sich etwas an dieser Schande ändert und Yelindea die verdiente Anerkennung erlangt, die einer von Syreniae besiedelten Stadt zusteht.