Hoch im Norden liegt der schon von Weitem zu sehende Berg, den man auf Beleriar nur unter dem Namen Feuerschlund kennt. Der seit vielen Jahren immer wieder aktive Vulkan ist ein majestätischer Anblick. Besonders bei nächtlichen Ausbrüchen ist das Bild, welches die Augen eines Betrachters erblicken, unvergesslich. Erfüllt von Kraft, Hitze und der wahren Macht der Natur macht dieser Vulkan klar, dass es Kräfte gibt, die man nicht so einfach beeinflussen kann.
Viele Legenden ranken sich um den fast drei Kilometer hohen Feuerberg. Manche halten seinen Krater für einen Eingang in die Welt der Dämonen, andere glauben, dass in seinem Inneren wild gewordene Feuerbestien ihr infernalisches Spiel treiben. Manches Gerücht besagt, dass am Grunde des Kraters ein gewaltiger Drache haust, der den Berg dazu bringt, das heiße Blut der Erde hoch zu schleudern, wenn er im Schlaf von Albträumen geplagt wird.
Es gibt Hunderte von Geschichten, aber niemand weiß, was wirklich das Geheimnis des Berges sein mag. Vielleicht gibt es aber auch gar kein echtes Geheimnis und der eine oder andere Bewohner der Insel will sich einfach nur für einen kurzen Moment in den Augen seiner Mitmenschen wichtig machen.
Es wurden im Laufe der Jahrhunderte einige Expeditionen gestartet, um den Feuerschlund zu erkunden. Hatte man doch herausgefunden, dass sich irgendwo in der näheren Umgebung des Berges einige natürliche Konzentrationen magischer Energie befinden sollten. Die Magiergilde von Nir’alenar war einer der wichtigsten Geld- und Auftraggeber für diese Unternehmungen. Bis auf wenige Ausnahmen kam aber keine der Expeditionen zurück und schließlich und endlich verlor die Magiergilde das Interesse an dem Feuerschlund. Man war einfach nicht gewillt, noch mehr Leben für Reisen zu dem Vulkan aufs Spiel zu setzen.
Es begab sich jedoch im Jahre 1017, dass der bekannte Feuermagier und Gelehrte Yldranil, ein Halbelf von edler Herkunft, eine Expedition zum Feuerberg auf eigene Gefahr unternahm. Was er herausfand, war in den Augen seiner Mitzauberer lächerlich und barg ihrer Meinung nach keinen Sinn für Realität in sich.
Laut seinen Schriften war der ganze Vulkan ein einziger Kreuzpunkt magischer Energien, welche in Linien die ganze Welt umziehen. Yldranil nannte diese Energielinien Erdblut und er schrieb nieder, dass Magie in der Nähe dieser Erdblutadern eine viel höhere Wirkung aufwies.
Yldranil konnte dies aber leider nicht lebendig beweisen. Er verstarb unter mysteriösen Umständen in der Nähe des Berges. Seine Aufzeichnungen gelangten nach einigen Jahren in die Hände der Magiergilde von Nir’alenar, wo sie bis zum heutigen Tage unter Verschluss sind.
Reisende, welche einen der Handelswege nutzen, die in sicherer Entfernung an dem Vulkan vorbei führen, berichten immer wieder von einer gewaltigen, geflügelten Echse, welche langsam ihre Kreise über dem Krater zieht. Beweisen konnte man dies aber leider nicht.
Die Wahrheit ist jedoch ein wenig von allem. Der Feuerschlund ist wirklich ein Knotenpunkt magischer Energien. Die Erdblutadern existieren und Magie hat in ihrer Nähe einen viel höheren Effekt, als ihn ein Zauberkundiger normalerweise bewirken kann. Insbesondere Feuermagie ist am Feuerschlund sehr leicht zu bändigen und Feuergeister scheinen sich in dieser Umgebung besonders wohl zu fühlen.
Die gesichtete Echse ist ebenso Realität. Es handelt sich um einen uralten, riesigen Drachen, der im Inneren des Feuerberges haust. Seinen Namen, F’shtarr, kennt niemand mehr, der heute auf Beleriar lebt. Der Drache hauste schon vor dem Untergang der Insel im Berg und hat es erfolgreich vollbracht, dass ihn niemand jemals zu entdecken vermocht hat. F’shtarr hat schon vor vielen Jahren die Feuerbestien, welche ebenfalls im Berg lebten, vertrieben. Mit einem solch mächtigen Drachen legt sich niemand freiwillig an. Den Berg zum Ausbruch zu bewegen, ist aber auch jenseits seiner Fähigkeiten. Der Feuerschlund ist schlicht ein äußerst aktiver Vulkan und er wird es wohl auch in vielen Jahren noch sein.