Der Silberfluss fließt quer über die Insel und sorgt dafür, dass die Felder fruchtbar bleiben und das Leben auf Beleriar blüht. Seinen Namen hat er aufgrund seines reinen, kalten Wassers erhalten, das in der Sonne wie Silber schimmert. Gerne behauptet man, dass sich das Wasser des Silberflusses in Vollmondnächten in pures Silber verwandelt. Ob dies jedoch wirklich der Wahrheit entspricht, hat jedoch niemand jemals herausgefunden. Denn das Phänomen, das unermesslichen Reichtum verspricht, kann nur von einem Wesen erblickt werden, das noch niemals in seinem Leben eine Lüge ausgesprochen hat.
Der Silberfluss teilt sich in vier Arme . Diese Arme werden als Vilnora, Schneekristall, Dessibar und Spiegelfluss bezeichnet. Dabei ist es der Dessibar, der die Stadt Nir’alenar in zwei Hälften teilt und von dort ausgehend ins Meer mündet.
Eine Vielzahl von Schiffen ist zu jeder Tages- und Nachtzeit auf den Flüssen unterwegs und transportiert Waren oder Reisende quer über Beleriar. Dörfer erstrecken sich zu beiden Seiten des langen Flusses. Jedes von ihnen besitzt eine Anlegestelle für die Schiffe, die dort anlegen, um Waren auszuliefern oder aufzunehmen. Es mag nicht verwunderlich sein, dass es entsprechend auch Piraten gibt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Schiffe auf dem Silberfluss zu überfallen oder auf jene lauern, die sich auf das offene Meer hinaustrauen, das Beleriar noch immer umgibt. Speziell in den Nächten, wenn ein leichter Nebel über dem Wasser liegt, gehen die Piraten gerne auf Beutezug.
Ein Name, der dabei in aller Munde ist, ist wohl der des Mannes, den man Schattenhand nennt, eines überaus erfolgreichen und verwegenen Piraten, der dafür bekannt geworden ist, dass er nur zu gerne der attraktivsten Frau auf einem Passagierschiff schöne Augen macht und ihr stets einen Kuss stiehlt, bevor er mit ihren Juwelen verschwindet. Seine tatsächliche Identität ist dabei ein Rätsel. Er muss jedoch zumindest einen Schuss Cath’shyrr Blut in den Adern tragen, denn sein Körper wird von einigen Spuren schwarzen Fells überzogen. Zudem besitzt er tadellose Manieren und kleidet sich in erlesene Stoffe, was auf eine gute Herkunft schließen lässt.
Doch es gibt noch andere Gefahren, die in den Tiefen des Flusses lauern. Eine davon ist die Flusshexe, eine Gestalt, von der man sagt, dass sie anstelle von Armen und Beinen Tentakel besitzt, die an einen Tintenfisch erinnern und mit denen sie es vermag, Schiffe in die Tiefe zu ziehen. Einst muss sie eine schöne Frau gewesen sein, die man Ledea nannte und die das Auge vieler Männer auf sich zog. Doch Ihre Seele war nicht so schön wie ihr Äußeres. Ledea war so gierig, dass sie all ihren Ehemännern den Tod gebracht hat, um sich ihren Besitz einzuverleiben. Einer davon war ein wohlhabender Händler, dessen Schiffe einst über den Silberfluss gefahren sind und dessen Familie unter dem Schutz der Göttin Alaria stand. Als Ledea ihn eines Nachts vergiftete, sprach Alaria einen Fluch aus, der ihr die Schönheit nahm und sie für alle Zeit in den Fluss verbannte, wo sie noch heute nach der Wärme der Lebendigen trachtet.
Die Legende besagt, dass die Flusshexe auf dem Grund des Silberflusses schläft und immer dann erwacht, wenn man ihren wahren Namen flüstert, um Verderben über diejenigen zu bringen, die sie damit an das erinnern, was sie einst gewesen ist. So mancher hat bereits den Versuch gewagt, einen Handel mit der launischen Flusshexe einzugehen, um einen Konkurrenten auszuschalten. Doch man weiß nie, welche Früchte ein solches Ansinnen am Ende tragen wird.