Als Niel’Anor noch jung war, ruhte das großartige Reich Arvonar auf der Insel Beleriar. Es war ein großes, mächtiges Reich. Ein Handelszentrum der damaligen Welt, das die Völker von allen Kontinenten her anzog.
Niemand hätte zu jener Zeit daran geglaubt, dass Arvonar zum Fall gebracht werden könnte. Denn die Armeen der Könige des Reiches waren stark. Unbesiegbar schienen sie und so hatte Arvonar über viele Jahrhunderte Bestand.
Am Ende stürzte Arvonar auch nicht durch eine andere Streitmacht oder Waffengewalt. Sein Ende begann, als sich Prinzessin Daenira, die Tochter des Xorendas von Arvonar in Theonas, den Sohn des Herrschers Alondas von Viras, verliebte. Doch da die beiden Reiche verfeindet waren, gab es keine Zukunft für das junge Paar. So liefen sie schließlich davon, um an einem fernen Ort ihr Glück zu finden und dem Hass ihrer Väter zu entkommen.
Aber die Könige konnten die Tat ihrer Kinder nicht akzeptieren. Beide gaben einander die Schuld und bezichtigten den anderen, seinen Erben entführt zu haben. Also kam es, wie es kommen musste. Der Streit eskalierte und bald standen sich die Armeen der konkurrierenden Reiche auf dem Schlachtfeld gegenüber.
Die folgende Schlacht riss tiefe Wunden in das Land. In ihrer Wut legten die Könige beinahe die ganze Insel in Schutt und Asche. So heftig tobte der Krieg, so schrecklich waren die Folgen, dass sie letztlich die Aufmerksamkeit der Göttin Kireala erregten.
Die Zerstörung der Natur wegen zweier eitler Könige war mehr, als die Mutter der Erde zu dulden bereit war. Und so öffnete sich eines Tages der Boden unter Kirealas Macht und ließ die Göttin inmitten des Schlachtfeldes erscheinen. Die Kämpfe erstarben, als die entsetzten Soldaten vor dem Krater zurückwichen, aus dem die zornige Göttin emporgestiegen war.
Doch Kireala kannte keine Gnade. Ihre Kraft schwoll an und brandete über die Soldaten hinweg. Dort, wo sie auf lebendes Fleisch traf, eroberte sich die Natur zurück, was man ihr genommen hatte.
Und als Kirealas Macht versiegte, war von der Armee nichts mehr geblieben. An ihrer Stelle erhoben sich nun mächtige Bäume über einem dicht bewachsenen Boden. Es war die Geburt des Waldes, den man später den Wald von Arvonar nennen sollte. Der Fall des Reiches, das die Insel beinahe zu ihrem Untergang verdammt hatte. Zuletzt entstanden inmitten des Waldes die Abbilder zweier streitender Könige, für die Ewigkeit zu Stein erstarrt.
Noch heute findet man die Ruinen alter Tempel und Paläste, die Bruchstücke der Straßen, die unter Moos und Efeu verschwunden sind, im Wald von Arvonar. Und man erzählt sich, dass man noch immer die klagenden Stimmen der Soldaten wispern hören kann, wenn der Wind in den Blättern der Bäume rauscht. Sie flehen die Göttin um Verzeihung an, während sie ihre Schandtaten bis in alle Ewigkeit bereuen.
Für viele Anhänger der Göttin Kireala ist dieser Wald ein heiliger Ort. Ein riesiger Tempel zu ihren Ehren ist in seinem Herzen, nahe des Kraters, errichtet worden. Man kennt ihn auf der ganzen Insel als das Haus des Waldes.
Im Laufe seiner Existenz haben sich viele Wesen unter den schützenden Bäumen angesiedelt. Insbesondere die beiden Reiche Kinyara und Ni’farea besitzen eine große Bedeutung und vereinen sowohl Elfen als auch Tua’Tanai in seiner Umarmung.
Es heißt, dass die Geister der streitenden Könige noch immer im Wald ihr Unwesen treiben. Viele haben davon berichtet, sie dabei erblickt zu haben, wie sie ihre imaginären Armeen befehligen, um dem anderen den Garaus zu machen. Es sind zornige, bösartige Geister, um die man besser einen weiten Bogen macht. Aber auch von Geistersoldaten, die durch den Wald streifen und ihre Schuld dadurch abtragen, dass sie ihn schützen, ist häufig die Rede. Man erzählt sich, dass Kireala sie eines Tages wieder in ihre ursprüngliche Gestalt zurückverwandeln wird, wenn sie ihre Taten gesühnt haben.