Hauptstadt: Schattenhügel
Herrscher: Gräfin Elyvryn Dunkelschwinge

Beinahe scheint die Grafschaft Astir eine andere Welt zu sein. Ein wenig abgelegen in einem hügeligen Gebiet existieren die kleinen Dörfer, die ihr angehören, verborgen unter dem Laub der hohen Bäume, die so dicht wachsen, dass sie an tiefe Wälder erinnern.
Das Licht scheint in diesem Gebiet schwächer zu sein, Farben ein wenig gedämpfter und von minderer Leuchtkraft. Etwas altes, Düsteres scheint ihm anzuhaften, das auch auf die Gemüter seiner Bewohner schlägt.
Meist sind es Menschen, die sich in dieser Gegend  ansiedeln und wer hier geboren ist, zeigt eine melancholische Ader, Schwermut und ein gesundes Misstrauen gegenüber Fremden. Besucher sind nicht gern gesehen und wer nach Einbruch der Dunkelheit eines der Dörfer mit den kleinen, aneinandergeschmiegten Häusern erreicht, findet sich einsam inmitten verschlossener Türen und Fenster wieder, die sich auch dem drängendsten Klopfen nicht öffnen.
Kommt man bei Tage an, so wird der Wirt eines jeden Gasthauses seinen Gästen deutlich zu verstehen geben, dass sie nach Sonnenuntergang keinen Einlass mehr zu erwarten haben. Wer es vollbringt, die Zungen der Bevölkerung mit dem Inhalt eines frisch gefüllten Bierkruges zu lösen, hört schließlich Geschichten über seltsame Kreaturen, die durch das Land und seine Wälder streifen, von schönen Jungfrauen, die aus ihren Heimatdörfern verschwinden und Toten, die in der Nacht ihren Gräbern entsteigen.
Über all diesen Erzählungen schließlich, schweben drei geflüsterte Worte: “Die schwarze Kutsche”. Worte, die voller Furcht und mit geweiteten Augen ausgesprochen werden. Die schwarze Kutsche, die bei Vollmond über das Land rollt und die Unvorsichtigen verschlingt. Wohin sie gebracht werden, weiß keiner zu sagen, doch sie kehren niemals zurück.
Wer nach einem Abend in Astir noch ein Auge schließen kann, wird in der Nacht nicht selten wach, um flüsternde Stimmen und leises Seufzen zu vernehmen, manchmal sogar von einem Schrei übertönt, der keinen Ursprung zu haben scheint.
Seit vielen Generationen wird Astir von den Frauen der Familie Dunkelschwinge beherrscht, die von ihrem Schloss aus die Geschicke der Dörfer in ihrem Hoheitsgebiet leiten.
In jeder Generation wird der Familie das Glück zuteil, dass drei Mädchen geboren werden, drei Schwestern, die sich die Herrschaft über Astir teilen. Traditionell darf niemand die Mädchen erblicken, bis sie den Tag ihrer Volljährigkeit erreicht haben. Danach danken die Herrinnen von Astir ab und übergeben die Grafschaft in die Hände ihrer Nachfolgerinnen.
Keine Gräfin von Astir ist jemals in hohem Alter erblickt worden. Beinahe scheinen die schönen, rothaarigen Schwestern alterslos zu sein – eine Tatsache, die man damit erklärt, dass sie es nicht ertragen können, wenn die Bevölkerung des Verlustes ihrer Schönheit gewahr wird. Also ziehen sich die Frauen der Familie Dunkelschwinge früh aus dem Leben in der Öffentlichkeit zurück und verlassen das Schloss nicht mehr.
Die Männer der Familie Dunkelschwinge treten selten in Erscheinung und besitzen wenig Bedeutung. In der Tat sind es allein die drei Schwestern, die ihre Familie repräsentieren, allen voran Elyvryn, die älteste Schwester, die stets ihren Vertrauten, einen Raben, auf der Schulter mit sich trägt.
Man munkelt in Astir, dass Elyvryn eine Magierin von großer Macht sei, die es vermag, selbst die Gestalt eines Raben anzunehmen, wenn sie es wünscht. Ihre jüngeren Schwestern Sheryn und Veloria besitzen kein solches Talent, doch man spricht von den Zwillingen als geübten Verführerinnen, denen kaum ein Mann zu widerstehen vermag.
Ja, man ist vorsichtig in Astir, wenn man einen Raben zu Gesicht bekommt. Erzählt man sich schließlich nicht, dass wann immer eine Jungfrau verschwindet und die schwarze Kutsche über das Land rollt, zuvor ein krächzender Rabe in ihrer Nähe gesehen worden ist?
Und doch wagt es niemand, die Hand gegen eine jener großen, schwarzen Kreaturen zu erheben, denn die Herrinnen von Astir dulden es nicht, wenn dem Wahrzeichen ihrer Familie Schaden zugefügt wird.

Die Gräfin von Astir ist eine Hexe. Eine mächtige Hexe noch dazu und weitaus älter, als man ahnt. Elyvryn ist keine andere als Sylvrin Dunkelschwinge, die ihr eigenes Leben und das ihrer Schwestern seit Jahrhunderten mithilfe ihrer Magie verlängert. Auch Sheryn und Veloria sind keineswegs ohne magische Gabe geboren – alle drei Schwestern bilden einen starken Hexenzirkel und vollziehen in jeder Generation das blutige Ritual, das sie am Leben erhält und ihnen die legendäre, ewige Jugend schenkt.