Der Mondsee ist auf Beleriar überaus beliebt und wird gerne besucht. Dies resultiert wohl vor allem daraus, dass seinem Wasser magische Eigenschaften zugeschrieben werden, die dem Schlaf förderlich sein sollen. Aus diesem Grunde nennt man ihn auch oft “Die Tränen Minarils”, da die Göttin der Träume an diesem Ort über das Schicksal eines armen, schlaflosen Wanderers geweint haben soll, der nach dem Tod seiner großen Liebe ruhelos über das Land gezogen ist und fortan niemals mehr Schlaf gefunden hat.
Als Minaril schließlich davon hörte und an jenem Ort, an dem sich heute der See befindet, auf den Wanderer traf, erzählte dieser ihr seine traurige Geschichte und die Göttin war davon so gerührt, dass ihre Tränen einen ganzen See bildeten, der niemals wieder versiegte.
Es ist nicht überliefert, was aus dem Wanderer geworden ist. So manche Geschichte erzählt davon, dass Minaril ihn in die Traumlande gebracht hat, wo er seine Geliebte endlich wiedersehen durfte. Andere erzählen, dass Minaril ihm für eine Nacht den Schlaf zurückgab und er schließlich wieder seines Weges zog.
Was auch immer davon der Wahrheit entsprechen mag – sicher ist, dass der Mondsee einen stetigen Besucherstrom anzieht. Denn sein glasklares Wasser soll nicht nur Träume schenken, des Nachts soll sich gar der Himmel mit dem großen Mond Niel’Anors darin abzeichnen und wer Sehnsucht nach der Freiheit des Himmels außerhalb der Kuppel verspürt, der kann sie hier lindern.
Natürlich ist der Mondsee schon lange kein ruhiger Ort mehr. Nicht selten schlagen Reisende an seinem Ufer ihr Lager auf oder belagern in den Nächten sein Wasser, um den Mond mit eigenen Augen zu erblicken. So hat sich ein wahrhaftiger Kult um das ansonsten so gewöhnlich wirkende Gewässer ergeben und selbst die Priesterschaft der Minaril unter der Leitung der Hohepriesterin Shyande Yalsar, hat es sich nicht nehmen lassen, ihrer Göttin an seinen Ufern einen Tempel zu errichten, um den Schlaflosen Schlaf zu bringen und diese Stätte zu ehren.
Im Allgemeinen achten die Priester Minarils darauf, dass ein jeder, der dem See innerhalb ihres Einflussbereiches Wasser entnimmt, der Göttin eine Gabe des Dankes hinterlässt. Wie groß diese ausfällt, ist natürlich immer von der Bereitschaft des Einzelnen abhängig, man sollte jedoch nicht vergessen, dass die findigen Diener Minarils durchaus die ein oder andere Drohung gewinnbringend einzusetzen vermögen. Denn wer will schon von immerwährenden Albträumen verfolgt werden oder bis in alle Ewigkeit unter Schlaflosigkeit leiden?
Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass der Mondsee riesig ist und es den Priestern nicht möglich ist, alles zu kontrollieren, was rund um seine Wellen vor sich gehen mag. Schließlich vermögen sie es noch nicht einmal, von einer Seite zur anderen zu blicken. Also hat man sich darauf verlegt, Schilder mit sehr direkten Aufforderungen rund um das Ufer zu errichten. Jedes von ihnen drückt dabei deutlich aus, was Minaril demjenigen anzutun vermag, der ihr keinen Dank erweisen möchte. Dass es bei Jugendlichen schon beinahe einer Mutprobe gleichkommt, etwas Wasser aus dem See zu stehlen, ist dabei wohl kein allzu großes Wunder.
Doch auch ohne diese skurril anmutenden Geschehnisse zieht der Mondsee nicht selten junge Liebende an, die sich beim Anblick des Nachthimmels ewige Liebe schwören, was zudem noch die Priesterschaft von Lilliande und Yanariel auf den Plan gerufen hat. Ein großer Schrein der beiden Liebesgöttinnen befindet sich am südlichen Ufer des Sees, unweit der Stadt Seeheim. Dort kümmern sich stets einige Priester und Priesterinnen darum, dass der Bund der Ehe gleich an Ort und Stelle im Licht des Wassermondes geschlossen werden kann.
Ruhig ist es also an den Ufern des Mondsees niemals und wer aus der Ferne das ruhige und klare, stets von leichtem Nebel umgebene Gewässer inmitten des weichen Schilfs erblickt, wird sich doch sehr wundern, wenn er schließlich mit den Holzschildern im Namen der Göttin und dem sehr lebhaften Geschehen konfrontiert wird.