Es gibt nichts, das man im Händlerviertel nicht kaufen kann. Zumindest brüsten sich die hier ansässigen Händler damit und womöglich ist dies noch nicht einmal übertrieben. Es ist neben dem Seeviertel das größte Viertel von Nir’alenar. Ein Ort, der mit zahlreichen Tavernen und Gasthäusern lockt, ein Platz, an dem jedes Handwerk ausgeübt wird.
Jede Ware und jede Dienstleistung kann hier gefunden werden und je näher man dem großen Marktplatz mit der Statue des Arion Falkenauge kommt, desto teurer und exklusiver werden die Läden. Hart umkämpft ist ein solcher Platz, der Aufmerksamkeit garantiert und reiche Einnahmen verspricht.
Gemütliche Fachwerkhäuser, mit Blumen geschmückt, stehen neben eindrucksvollen Bauten aus Stein, in denen Händlerdynastien und Gilden ihren Sitz eingerichtet haben. Arm und Reich liegen nahe beieinander und so mancher lukrative Geschäftszweig ist hart umkämpft.
Manipulation und üble Nachrede sind nur zwei der möglichen Wege, auf dem man lästige Konkurrenz beseitigen kann und wer Reichtum erlangt hat, schreckt vor wenigen Mitteln zurück, um ihn auch zu erhalten.
Das Händlerviertel ist stets voller Leben. Es ist laut und von einer Vielzahl von Gerüchen überschwemmt. Wagen voller Waren kommen an, Kutscher fluchen lautstark, während sie ihre Passagiere durch die vollen Straßen transportieren. Adelige suchen Schneider auf oder lassen sich von dem Gedränge auf dem Marktplatz mitreißen, um die neusten Waren zu entdecken, deren Quellen zuweilen Erstaunen hervorrufen. Seide und Gewürze aus fernen Ländern, Schmuck, der von Nixenhand gefertigt wurde oder Gegenstände und Tiere, die noch niemand zuvor zu Gesicht bekommen hat, geben Rätsel über ihre Herkunft auf und regen Gespräche darüber an, auf welchem Wege sie wohl unter die Kuppel gelangt sind.
Gaukler bieten Musik und Unterhaltung an, Tänzerinnen zeigen ihre Kunst auf offener Straße, um ein paar Seesterne zu ergattern und in der einen oder anderen Ecke sitzt ein Bettler und hofft dort auf Mildtätigkeit, wo das Gold in Strömen fließt.
Diebe stecken ihre Finger in fremde Taschen und ziehen so manches Mal einen wütenden Mob hinter sich her, Marktschreier übertönen sich gegenseitig in ihrem Kampf um Aufmerksamkeit und lautstarkes Feilschen ertönt von so manchem der vielfarbigen Stände.
An den Abenden verlagert sich das Leben in die Tavernen und in die Gasthäuser, in denen sich stets eine Vielzahl fremder Besucher aufhält. Beinahe wirkt der Marktplatz dann wie ausgestorben und Stille kehrt im Händlerviertel ein, die einen scharfen Kontrast zu dem lebhaften Treiben am Tage bildet. Es ist beinahe ein Gefühl von Traurigkeit, das sich dann über diese Gegend legt. Die Nachtwache dreht einsam ihre Runden und allein das Plätschern des großen Brunnens spielt dann noch seine eigene Melodie.
Auch am Shuraviar herrscht eine beinahe gespenstische Ruhe, wenn das Handwerk ruhen muss und die Läden geschlossen bleiben. Traditionell begehen die Bewohner des Händlerviertels diesen Tag im Kreise ihrer Familie, um Kräfte für den folgenden Arbeitstag zu sammeln und sich von der harten Arbeit zu erholen, die hinter ihnen liegt.