Schon immer hat das Herz Nir’alenars im Künstlerviertel am lautesten geschlagen und daran hat sich über die Jahrhunderte nur wenig geändert.
Die Zerstörung der Stadt hat das Viertel der Künste am härtesten getroffen. Viele Kunstwerke wurden zerstört und die Schönheit dieses Bezirks lag in Trümmern. Doch die unermüdlichen Bemühungen der Träumer und Künstler, die sich hier angesiedelt haben, haben dafür gesorgt, dass dieser Hort der Künste in neuem Glanz erstrahlen darf.
Nicht alles wurde wieder aufgebaut. Zerbrochene Statuen und beschädigte Säulen gleichen einem ewigen Mahnmal, das an die Folgen eines Krieges erinnert. Es sind stumme Zeugen einer Katastrophe, die eine leise Melancholie in die Fröhlichkeit des Künstlerviertels webt. Allgegenwärtig, nicht dominant, aber immer spürbar liegt sie in der Luft. Und doch ist sie kein Makel, der die Schönheit dieser Gegend zu trüben vermag. Womöglich verstärkt sie diese sogar noch, indem sie ihre Vollkommenheit mit Unvollkommenheit ergänzt.
Es ist ein Ort, an dem Kreativität und Talent blühen dürfen. An dem aus jedem grünen Fleckchen Melodien und Gesang erklingen. Ein Platz, an dem mit Farben befleckte Maler in ihren Werkstätten Wunder aus Licht und Schatten erschaffen und an dem Marmor mit lauten Schlägen bearbeitet wird, um zum Leben erweckt zu werden. Freiheit liegt in der Luft und Schönheit erblüht, wo auch immer eine Künstlerhand tätig wird. Es riecht nach Farben und Blumen, Gelächter dringt an die Ohren und frustrierte Flüche vermischen sich damit, wenn ein Kunstwerk nicht die angestrebte Qualität zeigen will.
Das Künstlerviertel ist eine Stätte des Vergnügens. Schauspielhäuser und die große Oper laden zu den neusten Vorführungen und ziehen Wesen aus der ganzen Stadt an, um die Geburt eines neuen Sterns am Firmament zu erleben.
Schauspieler und Sänger geben am Tage Kostproben ihres Talents mitten auf der Straße und erfreuen diejenigen, die vorübergehen, hoffen darauf, dass einer darunter sein wird, der ihr Können erkennt und es fördern will. Verzweifelte Liebende suchen Dichter auf, um sich ein Gedicht auf die Vorzüge ihrer großen Liebe verfassen zu lassen. Oder den einen glühenden Brief, der das Tor zu einem anderen Herzen öffnet. Man lässt sich Lieder schreiben oder sucht jemanden, der die eigene Person überlebensgroß auf eine Leinwand zu bannen vermag.
An den Abenden kehrt man in Tavernen ein, um Erfolge zu feiern oder Misserfolge zu ertränken. Man genießt Musik, Tanz und Geschichten, feiert auf den Straßen weiter, wenn es Zeit zu gehen ist. Der Adel vermischt sich mit den einfachen Leuten, hofiert die Künstler, deren Werke im Augenblick das größte Aufsehen erregen, und dreht damit den Lauf der Welt um.
Dramen spielen sich in den Straßen ab, Maler verfluchen ihre Musen, die sich mit neuen Liebhabern eingelassen haben und Konkurrenten tragen ihre Differenzen lautstark aus, bevor man sie voneinander trennt.
Zügellosigkeit, Sabotage, Freude, Trübsal, Melancholie und Euphorie – das Leben pulsiert im Künstlerviertel und es reißt jeden mit, der seinen Fuß in diese Welt setzt. Träume zerplatzen, neue Träume werden geboren, Sterne verglühen, andere steigen empor. Und über allem liegt stets die Hoffnung, Großes zu erreichen und Nir’alenar den eigenen Stempel aufzudrücken. Es ist ein Hauch der Unsterblichkeit, den man nirgends sonst erlangen kann.