Ruhe und Erhabenheit liegen stets über dem Palastviertel wie ein seidenes Tuch. Die hohen, alten Gebäude strahlen eine Aura aus, die Ehrfurcht und Respekt einfordert und wer sich ihnen nähert, fühlt sich unweigerlich klein und unwichtig.
Es ist ein Ort der Repräsentation, sowohl das politische als auch das religiöse Zentrum der Stadt. Wer hier lebt, nimmt in Nir’alenar eine hohe Stellung ein und gehört zu jenen, die die Vorgänge in der Stadt am Laufen halten.
Mächtig und unbezwingbar, von hohen Mauern umgeben, thront der Palast des Fürsten an erhöhter Stelle und blickt auf Nir‘alenar herab. Beinahe könnte man glauben, dass dieses Gebäude das Zentrum der Macht darstellt, wäre da nicht der gläserne, blaue Turm, das Wahrzeichen der Stadt und Heim der Eleria Anuriel. Weithin sichtbar stellt er den Mittelpunkt der Stadt dar und überragt die restlichen Bauwerke mühelos.
Im Palastviertel findet man imposante Tempel für beinahe jeden Gott Niel‘Anors. Ihre Umgebung ist stets von Ruhe erfüllt und steinerne Bänke, die unter dichten Baumkronen stehen, laden zum Verweilen ein und schenken einem Besucher ein tiefes Gefühl von Frieden.
Aus dem Eriadnetempel dringt stets leiser Gesang und vermischt sich mit sanftem Vogelgezwitscher zu einer eigenen Melodie, die Hoffnung in das bitterste Herz zaubert. Oftmals sieht man Wesen, die kurz innehalten, um zu lauschen, bevor sie ihrer Wege gehen.
Die wichtigsten Verwaltungsgebäude Nir‘alenars stehen im Palastviertel. Auch das Militär hat hier seinen Sitz in den Kasernen, die sich unweit der Hallen des Schwertes befinden. In jedem Jahr zieht es einen Großteil der Bevölkerung hierher, um die große Parade der Sternengarde zu bewundern und im Anschluss daran die traditionellen Wettkämpfe im Fechten, die sich über eine ganze Woche ziehen und die Stadt in Atem halten. Zu dieser Zeit zieht es die besten Fechter Beleriars nach Nir’alenar, die es danach dürstet, ihr Können zu beweisen. Auch der große Tanz am Ende der Wettkämpfe ist überaus beliebt, werden hier doch traditionell Verlobungen bekannt gegeben. Es ist eine romantische Atmosphäre, die viele junge Mädchen magisch anzieht, die einerseits die schmucken Fechter bewundern möchten, andererseits nach einem Gefährten suchen.
Auch die Verleihung des Siegelringes für die Absolventen der Hallen des Schwertes wird in einem festlichen Rahmen begangen, ebenso wie beinahe jedes andere öffentliche Ereignis, das auf dem großen Platz des Deiron stattfindet, der sich direkt vor dem Palast erstreckt. Benannt wurde dieser nach einem der großen Helden aus dem Krieg der Götter, Deiron Alanvar, der an der Seite Arion Falkenauges gekämpft und an dieser Stelle sein Leben gelassen hat.
Die meisten der wichtigsten religiösen Festlichkeiten werden ebenfalls im Palastviertel abgehalten, sei es die große Zeremonie der Eriadnepriester am Tage des Sonnenfestes oder das Ritual der Kireala am Tag des Erwachens.
An gewöhnlichen Tagen ist es jedoch still in den breiten Straßen und den Alleen, die von Bäumen gesäumt werden. Man sieht Boten und Beamte, die geschäftig ihre Aufgaben erfüllen oder neugierige Besucher, die die mächtigen Statuen und beeindruckenden Gebäude dieses ältesten Stadtteilesvon Nir‘alenar sehen möchten.
An jedem zweiten Dalaiviar zieht es die Bürger zum Rathaus der Weisen, um einer der Ratssitzungen beizuwohnen, bei denen über Streitigkeiten entschieden wird und während derer die Bewohner der Stadt eigene Anliegen vorbringen dürfen.
Nicht selten aber will so mancher nur einen Blick auf eine jener Persönlichkeiten werden, die einen Platz im Rat der Weisen einnehmen und selbst einmal ein wenig von der Luft der Macht schnuppern, die hier stets konzentriert eingeatmet werden kann.