Kein Ort erinnert so sehr an das ursprüngliche Nir’alenar aus den Tagen der Stadtgründung wie das Philosophenviertel. Die alten, hohen Gebäude aus weißem Marmor mit den mächtigen Säulen und die beeindruckenden Statuen der größten Denker in ihren wallenden Togen, die die Welt mit ihrem Wissen bereichert haben, erinnern an eine längst vergangene Zeit. Es ist ein wenig, als sei hier die Zeit stehen geblieben und als dürfe man einen Blick in eine ferne Vergangenheit erhaschen. Es ist eine Welt, in der kein Platz für Mode und kurzlebiges Vergnügen ist.
Die Stille in den Bibliotheken und das leise Knistern alter Buchseiten im Schein eines magischen Lichtes, um die wertvollen Schriftstücke vor Feuer zu bewahren, verleihen eine Atmosphäre der Gelehrsamkeit, das Gefühl, einen wahrhaftigen Hort des Wissens betreten zu haben. Es ist eine Empfindung, die jeden Besucher sogleich gefangen nimmt.
Und tatsächlich lagert uraltes Wissen in den Bibliotheken. Manches davon für jeden offen, anderes in tiefen, gut geschützten Räumen verborgen, zu denen nicht jeder Zutritt erlangt und von deren Existenz kaum jemand etwas ahnt. Unendliche Geheimnisse mögen sich in diesen Regalen und Truhen verbergen, Schätze, die zu gefährlich sind, um sie den Augen der Welt zu offenbaren.
Im Freien tummeln sich die Gelehrten, meist in hitzige Diskussionen verstrickt, die sie ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen lassen. So mancher stellt auf dem Stein des Redners seine Thesen vor, erzählt von neuen Erkenntnissen oder prangert Missstände an. Jeder darf auf diesem Platz offen aussprechen, was sein Herz bewegt, umgeben von den runden Bänken aus Stein, die Platz für seine Zuhörer bieten.
Es ist der Ort, an dem hitzige Gefechte mit Worten ausgetragen werden, der Ursprung für Meinungsverschiedenheiten und Tumulte. Denn nicht immer sind die Zuhörer der gleichen Meinung wie der Redner und so kommen faule Eier und schimmeliges Obst zum Einsatz, um Standpunkte zu untermauern. Es ist ein beinahe barbarischer Missklang in dieser zivilisierten Gegend.
Aus Gnomenwerkstätten dringt oftmals dichter Rauch und so mancher Knall erschüttert die Häuser dieses Viertels, wenn wieder einmal ein Experiment nicht den vorgesehenen Lauf genommen hat. Es ist nichts, was die Bewohner des Philosophenviertels aus der Ruhe bringt, solange kein Feuer im Spiel ist.
Fortschritt und Wissenschaft sind das Herz und die Seele dieses Stadtteils und wer die Dienste eines Erfinders sucht oder skurrile Neuentdeckungen betrachten möchte, ist an der richtigen Stelle angelangt. Es gibt Lehrer und Schulen aller Art für alles, was man lernen möchte, manche allein dem Adel vorbehalten oder über Empfehlungen zugänglich, andere für jeden offen, der sich nach Bildung sehnt.
Es ist ein Flecken, der das Licht der Erkenntnis über alles stellt und an dem man Dummheit nur dann verzeiht, wenn sie mit dem aufrichtigen Wunsch zu lernen einhergeht. Viele Denker haben hier das Licht der Welt erblickt, viele von ihnen haben den Lauf der Welt mit den Waffen ihres Geistes verändert und das Leben aller bereichert. Und ebenso viele werden ihnen noch folgen, um Großes zu vollbringen.