Akari ist ein Wunder. Wer die stolze Stadt an der Südküste Beleriars schon einmal bereist hat, wird dieser Aussage ohne jegliche Vorbehalte zustimmen. Unterirdisch fließende, heiße Quellen sorgen stets für eine angenehme Temperatur und haben eine üppige Vegetation entstehen lassen, die die exotischsten Pflanzen gedeihen lässt. Ihre Farbenpracht lässt diesen Ort an allen Ecken erstrahlen.
Schmale, verästelte Flüsschen ziehen sich durch die ganze Stadt und münden in eine Vielzahl von warmen Teichen. Sanfte Dampfschwaden steigen von der Wasseroberfläche empor und lassen eine zauberische Atmosphäre entstehen, in der helle Nebelfetzen durch das dichte Grün treiben.
Zarte Seerosen schwimmen auf dem Wasser, das von glatten, hellen Steinplatten eingerahmt wird, die wie natürliche Felsplateaus anmuten, die sich in Stufen hinauf und hinab winden.
Ranken klettern an zierlichen Gebäuden in die Höhe, wachsen über anmutige Säulen und kuppelförmige Dächer oder flach angelegte Dachterrassen. Vielfarbige Blüten wachsen an ihren Ästen oder in sorgfältig angelegten und gepflegten Gärten. Ihr Duft liegt wie ein Schleier über der ganzen Stadt und nimmt den Gerüchen die Schärfe, die anderenorts oft so überwältigend wirken.
Pavillons überspannen einige der heißen Teiche, die als natürliche Badebecken dienen, in denen die Bewohner der Stadt Entspannung finden. Eine Vielzahl von zierlichen Brücken überspannt die Flüsschen und ermöglicht es, mühelos die Stadt zu durchqueren.
Einst war Akari eine kleine Siedlung, die von Gewürzhändlern aus Mhadri gegründet worden ist, die auf der Suche nach einem festen Stützpunkt waren, von dem aus sie ihre Waren auf der Insel verkaufen konnten. Die heißen Quellen waren ein einladender Ort für die Menschen, die das heiße Klima ihres Heimatlandes gewohnt waren und so erschien ihnen dieser außergewöhnliche Flecken Beleriars beinahe wie ein kleines Paradies.
Der Einfluss des fremdartigen Mhadri ist in Akari noch immer sehr stark zu spüren, sei es an vielfarbigen Fassaden, der entspannten Lebensart der Bevölkerung und in ihren Sitten und Gebräuchen. Auch die dunklere Hautfarbe der hier ansässigen Menschen weist unverkennbar auf ihre Wurzeln hin und manchmal erblickt man sogar einen seltenen Maiyaar, der sich unter das Menschenvolk mischt.
In Akari geht es laut und lebhaft zu. Man liebt Musik und Tanz, ist gesellig und hält an alten Traditionen fest, die wohl insbesondere die Frauen unfreier erscheinen lassen, als es in anderen Kulturen der Fall ist. Töchter sind sehr stark dem Willen der Familie unterworfen, die häufig über den passenden Lebenspartner bestimmt und dabei die Liebe außer Acht lässt. Allerdings ist auch der Zusammenhalt innerhalb der Familie deutlich stärker, als man es aus anderen Menschenfamilien kennt.
Es ist eine reiche Stadt, was verwunderlich erscheinen mag, wenn man bedenkt, dass die Händler, die dieses Land besiedelt haben, seit dem Untergang von den Waren abgeschnitten sind, die einstmals für ihren Wohlstand verantwortlich waren. Es sind die Bemühungen der Händlerfamilie Dhanush, heute die Herrscherfamilie von Akari unter dem noch sehr jungen Oberhaupt Ramesh, die dafür gesorgt haben, dass Gewürze um das Gebiet von Akari herum angebaut werden können.
Wie sie dieses Wunder vollbracht haben, ist das am strengsten gehütete Geheimnis der Familie, die dafür sorgt, dass kein Wort darüber über die Lippen ihrer Arbeiter dringt. Gewürze sind auf Beleriar überaus selten und nahezu ebenso wertvoll wie reines Gold. Der Palast der Dhanush zerstreut jeden Zweifel an dieser Tatsache, ebenso wie die ausladenden Gärten, in denen die Familie seit Generationen einige Tiere aus ihrer Heimat züchtet und auf der Insel erhält. Sogar Elefanten und weiße Tiger leben in den dschungelartigen Gartenanlagen, die sich hinter den weißen Mauern erstrecken. Eine Warnung an jeden neugierigen Herumtreiber, der den Familiengeheimnissen zu nahe kommen möchte.
Und derer gibt es einige – viele der alten Händlerfamilien würden das Geheimnis um die Gewürzplantagen der Dhanush nur zu gerne ans Tageslicht bringen, anstatt ihre Erzeugnisse zu verkaufen. Allen voran Dhalir Shavra, das betagte Oberhaupt einer alten Händlerdynastie aus Mhadri, die den Erfolg der Dhanush eifersüchtig beäugt.
Die einst so große Macht der Shavra ist geschwunden. Ihre finanziellen Mittel nicht minder und so setzt man große Hoffnungen in die schöne Tochter Sanita, der es womöglich gelingen könnte, die Aufmerksamkeit des unverheirateten Ramesh zu erringen. Wenn nicht, nun dann gibt es sicherlich noch andere Möglichkeiten, die Dhanush auszuschalten und ihren Platz auf dem Gewürzmarkt von Akari zu übernehmen.
Doch nicht allein die Gewürzplantagen sorgen in Akari für Staunen. Die Anwesenheit der berühmten Maiyaar Kurtisane Leela erregt seit jeher einiges Aufsehen und sie kann sich zu keiner Zeit über mangelnde Aufmerksamkeit oder zu wenige Verehrer beklagen, wenn sie ihre Künste darbietet. Trotzdem wirkt die geheimnisvolle Maiyaar oft traurig und wird von einer solch starken Melancholie erfasst, dass sie über Tage nicht ihr herrschaftliches Anwesen verlassen kann.