Man sagt, dass die besten Waffen Beleriars in Caraska gefertigt werden und dies ist wahrlich keine Übertreibung. Wer auf der Suche nach einem besonders edlen Stück ist, kommt nach Caraska und besucht einen der dort ansässigen Schmiedemeister. Ganz gleich ob Degen, Dolche, Pistolen oder ausgefallene Sonderwünsche – in Caraska findet jeder genau die richtige Waffe für seine Bedürfnisse.
Caraska ist wahrlich keine schöne Stadt – ein wenig schmutzig und grau wirken die engen Gässchen mit den geschwärzten Häuserfassaden, wenig einladend die Tavernen und sicherlich ist dies kein Ort, nach dessen Besuch sich eine feine Dame sehnt. Doch wenig könnte den Caraskaern gleichgültiger sein als das, was die feine Gesellschaft von ihnen denkt.
Die Bürger dieser Stadt führen ein einfaches Leben, sind rau und wenig herzlich. Es verwundert nicht, dass sich hier einige Zwerge angesiedelt haben und sich an diesem Flecken recht wohlfühlen.
In Caraska schätzt man das derbe Vergnügen. Man lacht über schlüpfrige Scherze und bemüht sich nicht um eine gepflegte Konversation. Wie sollte man auch, verkehren hier doch meist Soldaten, Söldner und andere Individuen, die eine gute Waffe zu schätzen wissen.
Am Abend amüsiert man sich mit Glücksspiel, Alkohol und hübschen Tänzerinnen, gerät in eine gepflegte Schlägerei oder sucht die Gesellschaft einer Hure. Die Tavernen sind stets der perfekte Ort, um alles zu erfahren, was auf der Insel vor sich geht, ist doch sicherlich gerade zumindest ein Besucher aus jeder Stadt anwesend, die auf Beleriar einen bekannten Namen besitzt.
Nirgends kommt man so leicht und so schnell an wichtige Informationen oder den neusten Klatsch wie in Caraska. Und so mancher Soldat plaudert gern ein Geheimnis aus, wenn er erst genügend von den benebelnden Substanzen zu sich genommen hat, die alle Tavernen anbieten. Nicht umsonst kommen viele hierher, um den Rauch des Schattentabaks zu konsumieren. Ein Gewächs, dessen Genuss überall auf Beleriar wegen seiner berauschenden und halluzinationsfördernden Wirkung verboten ist. Nicht so in Caraska, wo die großen Pfeifen auf jeden warten, der das Vergessen sucht.
Die Straßen von Caraska sind in der Nacht selten sicher und das liegt kaum an der schwelenden Konkurrenz, die es zwischen den Waffenschmieden gibt. Doch berauschte Köpfe bedeuten leichte Beute und das ist hier jedem bewusst.
Auch darüber hinaus gibt es hier allerlei gefährlichen Zeitvertreib, denn man stellt in Caraska nicht nur Waffen her, man nutzt sie auch mit Vorliebe für Wettkämpfe, die in den dunklen Hinterhöfen ausgefochten werden. So mancher ist hier schon zu Ruhm gelangt. Für andere blieb nur ein nasses Grab in einem der Abwasserkanäle, die sich durch die Stadt ziehen. Denn nicht immer sind die Kämpfe fair und nicht immer enden sie beim ersten Blut.
Oft bezeichnet man Caraska als die Stadt des Narion. Als den dunkelsten Flecken Beleriars. Und doch kann sich die Stadt nie über mangelnde Besucher beklagen.
Es mag erstaunlich sein, dass Caraska einer Frau untersteht. Keiner Dame von edlem Blut sondern der stets fluchenden Bordellbesitzerin Larinda Nurisal, die diesen Posten von ihrem Vater geerbt hat. Nun gut, womöglich besitzt Larinda doch einen Tropfen edlen Blutes in ihren Adern, war ihr Vater doch ein kleiner Adeliger, dessen Großvater Caraska errichtet hat. Doch dieses Blut ist stark verwässert und besitzt kaum mehr eine Bedeutung.
Tatsächlich ist Larinda keine schlechte Wahl für diesen Posten. Schlagkräftig und ohne Furcht, betont sie gerne, dass es kaum einen Unterschied zwischen dem Leiten einer Stadt und der Führung eines Freudenhauses gibt. Und der Erfolg gibt ihr Recht – Caraska floriert auf seine eigene Weise.
Allerdings gibt es ein schweres Laster, das zuweilen den Verstand der resoluten Frau vernebelt, denn Larinda ist schon seit Langem dem Kraut des Schattentabaks verfallen. Und in letzter Zeit kommen die Wahnvorstellungen schnell und ungebeten, selbst wenn sie keinen Tabak konsumiert hat.