Weder der klangvolle Name des Einhornwaldes noch sein idyllisches Aussehen lassen auf eine Gefahr schließen. Umso merkwürdiger mag es erscheinen, dass dieses kleine Waldstück von den Ortskundigen gemieden wird, als könne man sich dort mit einer tödlichen Krankheit infizieren.
Dabei wirken die Bäume kräftig und gesund, die Vögel singen lieblicher, als man es sich vorstellen könnte und auch das übrige Tierreich macht keinen bedrohlichen Eindruck.
Tatsächlich ist es eine Bedrohung anderer Art, die das gepflegte Wäldchen so unheimlich für manchen Bürger Beleriars macht. Denn tief in seinem Herzen befindet sich die Siedlung Eluar, die nahezu ausschließlich von Nymphen und Satyrn bewohnt wird.
Dies allein wäre wohl kein Grund zur Besorgnis, wären da nicht diese Gerüchte über arme, unbescholtene Bürger, die in die Fänge dieser Wesen geraten sind und von ihnen zu Liebessklaven degradiert wurden, bis sie so verbraucht waren, dass sie an der Entkräftung gestorben sind.
Dabei sind es allerdings weniger die Satyrn, die in ein solch ungnädiges Licht gerückt werden, sondern die Nymphen, die hier unter sich leben und mit den Satyrn ihre abscheulichen, zügellosen Feste feiern. Sind schließlich nicht viele junge Männer im Einhornwald verschwunden und niemals wieder zurückgekehrt, nachdem sie in den Bann einer unersättlichen Nymphe geraten waren? Zudem redet man von Festen, bei denen die Satyrn so lange ihre Lieder spielen, bis alle erschöpft zu Boden sinken und erst am übernächsten Morgen wieder aufstehen.
Ob jedoch die Nymphen von Eluar tatsächlich solch schreckliche Wesen sind, wird man wohl niemals herausfinden. Denn bis auf jene mutigen Männer, die niemals zurückgekommen sind, wagen sich nur wenige in den Wald. Und in seiner Nähe ist angeblich sogar schon mehrmals eine nackte Nymphe auf dem Rücken eines Einhorns gesehen worden. Dies ist für viele genug, um die Gerüchte zu bestätigen.
Zudem ist Eluar durch mächtige Windmagie zu gut verborgen, um einfach darüber zu stolpern. Die Nymphen und Satyrn geben ihr Dorf nur all jenen zu erkennen, die keine Gefahr für sie darstellen und die keine schlechten Gedanken mit sich bringen. So wird es also durchaus schwierig, den Wahrheitsgehalt aller Unterstellungen zu untersuchen.
Ein argloser Besucher wird den Einhornwald jedoch als einen angenehmen, gut behüteten und gepflegten Ort kennenlernen, an dem keine Gefahr droht und in dem die Liebe förmlich in der Luft liegt und alles erblühen lässt. Nicht einmal der tiefste Winter vermag es, das Leben hier zu töten und so blühen die Blumen des Einhornwaldes auch im kalten Schnee und machen keine Anstalten, jemals ungesund oder verblüht zu wirken.