Niemand hat so lange das Sternenmeer bevölkert wie die riesenhaften Tritonen und kein Reich ist so alt wie das ihre. Das Korallenreich hat vieles erlebt, es hat Reiche und Städte kommen und wieder vergehen sehen und trotzdem hatte es in all der unermesslich langen Zeit Bestand.
Das Korallenreich wird von dem Tritonenkönig Verias regiert, der nun schon seit vielen Jahren auf dem perlmuttenen Muschelthron seines Volkes sitzt und von diesem aus über sein Volk wacht. An seiner Seite steht seine geliebte Frau, Königin Assara, die erst vor Kurzem ihre erste Tochter, die kleine Prinzessin Aleira, zur Welt gebracht hat.
Das Korallenreich umfasst unzählige Siedlungen der Tritonen, die sich über den kompletten Meeresboden ziehen und die alle unter Verias’ Herrschaft vereint sind. Nach der Tradition der Tritonen kann es nur einen einzigen Herrscher über das Reich geben, der diese Aufgabe nach dem Willen der Götter erfüllt und nicht in Zweifel gezogen werden darf.
Das Tritonenreich ist wohl eines der friedlichsten Reiche Niel’Anors. Sie sehen sich selbst als ruhige und weise Beobachter und Ratgeber, nicht als Eroberer von fremdem Terrain. Trotzdem zieht das Korallenreich aufgrund seines nicht unerheblichen Reichtums Feinde an, die ihm nicht wohlgesonnen sind. Die Yassalar strecken seit langer Zeit die Hände nach dem Reich von König Verias aus und würden die Tritonen nur zu gerne in einen Krieg verwickeln. Bislang sind diese Bemühungen im Sande verlaufen, doch nicht selten wird das Tritonenvolk mit Anschlägen und Intrigen konfrontiert, die es aus der Reserve locken sollen.
Das Korallenreich hat einige große Verteidigungsposten über sein ganzes Territorium verstreut. Es ist ihnen bewusst, dass es nötig ist, ihre Heimat zu verteidigen und einen Schutz gegen die Yassalar zu erschaffen, obgleich sie das Töten und den Krieg aus tiefster Seele und vollkommener Überzeugung verabscheuen.

Balisar

Wissen und Weisheit werden in Balisar groß geschrieben und so ist die große Hauptstadt des Tritonenreiches eine wahrhaftige Schatzkammer für all diejenigen, die Antworten und Erkenntnisse suchen.
Wer Balisar zum ersten Mal betritt, erkennt sogleich den Grund dafür, dass das Reich der Tritonen als Korallenreich bezeichnet wird. Hohe Gebäude aus vielfarbiger, auf magischem Wege zu schützenden, netzartigen Gebilden verwobener Koralle erheben sich hier im Schutz eines Unterwassergebirges. Zu kunstvollen Mustern verschlungen und in vielerlei Formen bieten sie einen Anblick, den man niemals mehr vergessen wird.
Durch die lebenden Korallen, die so beeinflusst worden sind, dass sie komfortable Behausungen mit unterteilten Räumen bilden, wirkt das Reich der Tritonen jederzeit lebendig, bewegt und im Einklang mit der Natur. Es ist nicht selten, dass sich eine Familie ihren Lebensraum mit den munteren Fischen teilt, die keine Scheu zeigen und allgegenwärtig sind.
Die riesige, roséfarbene Koralle in der Mitte der Stadt hat unglaubliche Ausmaße und beherbergt den Palast des Königs. Sie wurde eigens zu dem Zweck gezüchtet, den Königen der Tritonen ihren Schutz zu bieten und in ihrem Inneren findet man unendlich viele, prachtvolle Räumlichkeiten von merkwürdiger, surrealer Schönheit.
Unweit des Palastes befindet sich eine beinahe ebenso große, rötliche Koralle, in der es bei Tage stets geschäftig zugeht. Dies ist die Heimat des Ordens der Beobachter. Sie sind die Chronisten allen Lebens im Sternenmeer und darüber hinaus. Keiner von ihnen würde jemals in den Ablauf der Ereignisse eingreifen, obgleich sie mit der Gabe der Hellsicht gesegnet sind und gelegentliche Einblicke in das Gefüge der Zukunft zu erhaschen vermögen. Ein Eid bindet sie, der es ihnen nicht erlaubt, selbst tätig zu werden oder ihre Visionen zu teilen und es würde ihren Tod bedeuten, wenn er gebrochen wird.
Der Orden der Beobachter hält alle Geschehnisse auf den Innenseiten der großen Muscheln fest, die die Tritonen für ihre Schriftwerke nutzen. Diese Muschelhälften werden in der großen Koralle sicher verwahrt. Sollte jemals ein Lebewesen versuchen, hier unbefugt einzudringen, würde es erkennen, warum die Behausungen der Tritonen lebendig sind. Die Korallen verteidigen ihr Innerstes und verschließen sich vor jedem, dem es nicht erlaubt ist, in ihrem Herzen ein und aus zu gehen.
Darüber hinaus gibt es jedoch vielzählige Bibliotheken in Balisar, die jedem Suchenden offenstehen und die dazu dienen Wissen zu vermitteln. Einige von ihnen beinhalten Schulen, die dafür sorgen, dass das Tritonenvolk eines der gebildetesten Völker Niel’Anors bleibt.
Nur wenige Meter von Verias Korallenpalast entfernt, steht die große Muschel der Alaria, der muschelförmig gebaute, hoch aufragende Tempel der Mutter des Meeres. Sie ist weithin sichtbar, wenn sie geöffnet ist und erinnert an den meerschaumfarbenen Muschelthron des Königs, wenngleich sie in strahlendem Weiß leuchtet und weitaus größere Ausmaße annimmt. In den Räumlichkeiten des Tempels dienen die Orakel des Tritonenvolkes, die stets aufgesucht werden, wenn eine Angelegenheit ihrer Führung bedarf.
Auch die Ritterschaft der Tritonen besitzt in Balisar ihr Zuhause. Es ist die große, schwarze Koralle, die über unglaublich viele Räume und Nebengebäude verfügt. Sie wirkt inmitten der hellen Umgebung bedrohlich und viele halten sich von diesem Ort, an dem die Kampfkunst gelehrt wird, fern. Dies mag auch der Grund dafür sein, dass diese Örtlichkeit am äußersten Rand der Stadt errichtet worden ist.
Die Tritonen lieben die Natur um sich herum und belassen sie gerne in ihrem für sie wunderschönen und perfekten Urzustand. Lediglich Königin Assara besitzt eine Vorliebe für die meereselfischen Parks und Gärten und hat einige davon errichten lassen. Es ist eine Eigenheit, die das Gerücht, sie sei keine reine Tritonin, erneut aufleben lässt.

Die Streiter des Königs

Sie sind tapfer, reinen Herzens und würden für ihr Volk sterben. Trotzdem werden die Aserte dir Renadar, die Streiter des Königs, von den Angehörigen ihres Volkes gemieden und ihre Familie sieht es als zweifelhafte Ehre an, wenn eines ihrer Kinder dieser Ritterschaft beitreten muss.
Ein Triton, der den Rittern beitritt, ist sich jederzeit darüber im Klaren, dass er von nun an als Ausgestoßener gilt und nur in wenigen Fällen das Glück einer eigenen Familie erfahren wird, falls er die schwarze Muschelrüstung der Aserte dir Renadar eines Tages ablegen darf und eine Frau findet, die seinen Makel teilen möchte. Die meisten Ritter sind einsame, einzelgängerische Männer, die ihre Wurzeln verloren haben und nun allein für ihr Volk und dessen Schutz leben.
Sie nehmen dieses Los aus tiefster Überzeugung auf sich, damit die anderen Tritonen nicht dazu gezwungen werden, sich durch das Auslöschen eines Lebens zu beschmutzen. Es verwundert dabei nicht, dass die Ritter der Tritonen oftmals die Hauptfiguren in epischen Dramen sind – wer sonst würde diese Rolle so gut ausfüllen können, wie sie?
Die Ritterschaft des Königs wird in der großen, schwarzen Koralle in allen ehrenhaften Disziplinen des Kampfes ausgebildet und fristet ihr Leben so lange in diesen Räumen und ihren Nebengebäuden, bis sie dazu abberufen wird, ihren Dienst in einem anderen Teil des Reiches zu leisten. Diejenigen, die in Balisar verbleiben, gehören oftmals der Elitetruppe an, die König Verias und seine Stadt beschützt. Dabei kann man die Leibwache des Königs und der Königin anhand ihrer verschiedenfarbigen Abzeichen auseinanderhalten.
Die Ränge innerhalb der Ritterschaft sind klar gegeneinander abgegrenzt und steigen pyramidenartig auf. An ihrer Spitze steht der hohe Herr der Ritter, dessen Amt momentan von dem alten Veteranen vieler Kriege, Alertas Sintera ausgefüllt wird, danach folgen absteigend die Leibgarde des Königs, die Palastwache, die Stadtwache und schließlich die Grenzritter, die ihr Leben an den Außenposten fristen. Danach folgen zuletzt noch die wandernden Ritter, jene Gruppe, die durch die Reiche des Sternenmeeres wandert und dort die Augen nach potenziellen Feinden des Korallenreiches offen hält. Diese Gruppe der Ritterschaft ist nicht immer leicht zu erkennen, trägt sie ihre Abzeichen doch nicht offen und agiert im Verborgenen als Spione und gar als Assassinen.
Die Aserte dir Renadar sind im Korallenreich in keiner Stadt schwer auszumachen, werden doch die Gebäude, die von ihnen bewohnt werden, stets aus schwarzer Koralle geformt, die nach dem Vorbild der schwarzen Koralle von Balisar angelegt wird.