Eine Stadt, die so viele Jahrhunderte überdauert hat wie Nir’alenar, verfügt über eine Menge dramatischer Geschichten, die Geister und andere übernatürliche Wesen hervorgebracht haben. Arme Seelen, die in der Zwischenwelt zwischen Leben und Tod gefangen sind und keine Ruhe finden können. Es ist also nur natürlich, dass es auch Individuen geben muss, die solcherlei Erscheinungen erforschen oder sie ins Jenseits befördern, wenn sich eine von ihnen als lästig oder gar gefährlich erweist.
Die Vereinigung der Geisterjäger und Mystiker von Nir’alenar, kurz VGM, ist eine Organisation, die jene unter ihrem Banner vereint, die sich mit Geistererscheinungen befassen, nach ihren Wurzeln suchen und sich mit den Gründen für die Entstehung von solcherlei Phänomenen auseinandersetzen.
Eine Vielzahl skurriler Gestalten verkehrt in den Kreisen dieses Bundes und manche von ihnen sind verrückter und Furcht einflößender als viele der Geisterwesen, die Nir’alenar unsicher machen.
Es ist schwierig, die Bemühungen dieser sehr speziellen Organisation zusammenzufassen, denn diese sind so unterschiedlich wie ihre Mitglieder.
Einige sind an den wissenschaftlichen Aspekten geisterhafter Erscheinungen interessiert und wollen ihre Existenzgrundlagen enträtseln. Andere lieben den Nervenkitzel der Geisterjagd und gehen den Ursprüngen einzelner Phänomene auf den Grund. Sie suchen die Hintergründe ihrer Geschichten und den Weg, einen individuellen Fluch zu brechen, um einer ruhelosen Seele zum Frieden zu verhelfen. Wieder andere fühlen sich schlicht zur Welt des Übernatürlichen hingezogen, genießen es, Kontakt zu dieser herzustellen oder Talismane und fragwürdige Gerätschaften zu erschaffen, die je nach Wunsch Geister locken oder vertreiben sollen.
Die Mitglieder der VGM sind bunt zusammengewürfelte Individuen, die einander nicht immer ohne Vorbehalte gegenübertreten. Manche von ihnen konkurrieren auf ihrem Gebiet oder heißen Motive und Herangehensweisen eines anderen nicht gut. In anderen Fällen werden Informationen und Talente ausgetauscht, um einen verzwickten Fall zu lösen.
Es ist ein gewisser gegenseitiger Nutzen, der für die Mitglieder der VGM entsteht. Denn manche von ihnen sind geschickte Erfinder, die nützliche Waffen und Werkzeuge für die Geisterjagd bereitstellen können. Andere besitzen ein profundes Wissen über diverse Aspekte und Gegebenheiten innerhalb der Stadt oder über spezielle Geisterformen, die hier ihr Unwesen treiben.
Es sind Hexen und Tränkebrauer, Wissenschaftler und Erfinder, Söldner und Jäger, die dieser Organisation beitreten und sich der Welt des Übernatürlichen in all ihren Facetten widmen.
Sucht man nach der Notwendigkeit für eine solche Geheimgesellschaft, so findet man in der Vergangenheit genügend unschöne Vorfälle, die durch Einzelgänger und konkurrierende Geisterjäger ausgelöst wurden und die die Sicherheit der Stadt erheblich bedroht haben. Wer Kontakt mit der Welt der Geister herstellt, wird schnell zu einer Gefahr für sich und andere. Die VGM hat sich dieser Problematik angenommen und verpflichtet ihre Mitglieder zum Stillschweigen über das, was sie im Rahmen ihrer Tätigkeit erleben. Sie vermittelt Aufträge und sorgt dafür, dass gefährliches Wissen nicht in die falschen Hände gerät. Ganz zu schweigen davon, dass ein bestimmtes Maß an Überwachung nicht schadet, wenn es um solcherlei Angelegenheiten geht.
In den Archiven der VGM findet sich eine Menge an wissenswerten Dingen. Jede Geistererscheinung der letzten Jahrhunderte ist hier fein säuberlich katalogisiert worden. Jeder Geisterjäger und jeder, der seine Hände in den übernatürlichen Vorgängen der Stadt hat, ist hier eingetragen. Es wird nicht gern gesehen, wenn sich nicht erfasste Wesen in die Belange der Zwischenwelt einmischen und für Unruhe sorgen. Und die VGM unternimmt einige Anstrengungen, damit sich diese Einmischungen auf ein Mindestmaß reduzieren.

Mitgliedschaft

Es ist nicht einfach, einer Organisation beizutreten, die aus von Natur aus misstrauischen Geheimniskrämern besteht. Doch die VGM hat ihre eigenen Methoden, um ein Auge auf jene zu haben, die ihren Fuß in die Welt des Übernatürlichen setzen. Ein dichtes Netz von Spähern überwacht die übersinnlichen Aktivitäten in der Stadt und nimmt alle unter die Lupe, die den Kontakt zur Geisterwelt suchen und herstellen können.
Ob Wahrsager oder Kräuterhexe, Tränkebrauer oder angebliches Medium – sie alle stehen unter Beobachtung und wer ein Talent dafür zeigt, tatsächlich in die Zwischenwelt zu treten, findet sich schnell unfreiwillig bei einer nächtlichen Versammlung wieder und durchläuft eine Menge seltsamer und durchaus einschüchternder Aufnahmerituale.
Nach außen ist die VGM kaum mehr als eine Ansammlung verrückter Individuen, die sich mit ebenso verrückten Dingen befassen. Kaum jemand ahnt, wie es tatsächlich um diesen Bund bestellt ist. Doch dieser Ruf reicht bereits, um etwaige Neuzugänge anzuziehen, die nach Gleichgesinnten suchen oder Hilfe benötigen, um mit ihrer Gabe umgehen zu lernen.
Nicht jeder, der den bekannten Treffpunkt in der Taverne Zur silbernen Nixe im Seeviertel betritt, wird jemals erfahren, wie das Innere der VGM in Wirklichkeit aussieht. Doch jene, die tatsächlich sehen und Kontakt aufnehmen können, gelangen schnell zum Herzen dieser exklusiven Organisation. Und sie können sich sicher sein, dass ihre Aktivitäten fortan gut überwacht werden.

Treffpunkt

Die Silberne Nixe ist keineswegs das echte Gesicht der VGM. Es ist das öffentliche, harmlose Antlitz, das über die wahre Natur dieser Organisation hinwegtäuscht. Meist finden sich hier nur wenige echte Angehörige der VGM ein, die für die Aufrechterhaltung dieser Maskerade sorgen, dafür eine Menge Individuen, die sich für fähige Geisterjäger und Mystiker halten, ohne jemals wahrhaftig einen Geist erblickt zu haben.
Das wahre Herz der VGM schlägt in einem alten Herrenhaus an der Grenze zwischen See- und Adelsviertel. Es ist die sogenannte Villa Tallinday, die von den Tua’Tanai Schwestern Lusandrie und Asharai bewohnt wird.
Die beiden Frauen sind auf den ersten Blick scheinbar unpassende Stadtbewohner, wenn man ihre Herkunft bedenkt und sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Die schwarzhaarige Lusandrie, deren Patentier der Rabe ist und die als begabte Geisterfinderin gilt, ähnelt ihrer Schwester kaum. Bereits das weiße Haar der Schnee-Eulen Tua’Tanai unterscheidet Asharai von Lusandrie, ebenso wie ihre Vorliebe, tatsächlich aktiv auf Geisterjagd zu gehen.
Das Herrenhaus befindet sich seit Jahrhunderten im Besitz dieser Familie, die seit jeher im Rahmen der VGM tätig ist und es birgt in seinen Kellerräumen alle Geheimnisse des Bundes seit seiner Gründung. Es sind Aufzeichnungen, für die einige Individuen einen Mord begehen würden. Geheime Geschichten über die skandalöse Vergangenheit einiger Wesen und ganzer Familien, die in Nir’alenar seit jeher über Rang und Namen verfügen.
In den dicken, in Leder gebundenen Büchern ist alles katalogisiert, was sich hinter den Mauern so manchen Hauses abgespielt hat. Niemals aufgeklärte Morde, dunkle Machenschaften, Kontakte zur Welt der Geister. Hier ist vieles vermerkt, was in der Stadt für Unruhe sorgen könnte, würde es jemals ans Licht des Tages gelangen.
Doch diese Räume sind bestens gesichert und wer Einlass erlangen möchte, verpflichtet sich, über die Entdeckungen zu schweigen. Die Späher der VGM würden jeden Vertrauensbruch ohnehin nach kurzer Zeit aufdecken und dafür sorgen, dass die sprudelnde Quelle versiegt.
Die Villa Tallinday kann über einen verborgenen Zugang durch die Silberne Nixe betreten werden und ermöglicht es den Mitgliedern somit, ungesehen zu den Räumlichkeiten der VGM zu gelangen, Versammlungen zu besuchen oder Informationen zu sammeln. Auch allerlei nützliche Gerätschaften stehen hier zur Verfügung und können ausgeliehen werden, wenn ihr Einsatz benötigt wird.
Der Zugang versteckt sich hinter einem Gemälde, das eine silberne Nixe zeigt, gleichzeitig das Symbol der VGM. Er öffnet sich nur, wenn man das entsprechende Losungswort kennt, das nach jeder Versammlung geändert wird, und führt dann durch einen langen Tunnel direkt zu den Kellerräumen des Herrenhauses der Tallinday Schwestern.

Davadri Tallinday

Man mag es seltsam oder passend finden – Davadri Tallinday ist ein Geist. Die Schlüsselmeisterin und somit das Oberhaupt der VGM weilt in der Zwischenwelt und weigert sich, diese zu verlassen, solange es eine Aufgabe zu erfüllen gibt.
Die Urgroßmutter der Tallinday Schwestern hat dieses Amt bereits zu Lebzeiten ausgeübt und ihr durch einen Konkurrenten verursachtes Ableben hat sie nicht daran gehindert, es noch immer auszufüllen. Im Gegenteil, es hat sich als durchaus positiver Nebeneffekt entpuppt.
Niemand kann ungesehen an ihr vorüberschlüpfen, um sich Informationen zu beschaffen. Davadri ist die effektivste Wache, die man sich wünschen kann. Zudem ist sie ein wandelndes Buch. Sie kennt alle Aufzeichnungen der VGM, kann jedes Mitglied mühelos identifizieren und hat die Organisation seit 200 Jahren beobachtet.
Ihre Führungsqualitäten können nicht angezweifelt werden und Davadri hat dafür Sorge getragen, dass niemand jemals die genauen Umstände ihres Todes erfahren wird, um sie zur Ruhe zu betten.
Die Tua’Tanai Frau, deren weißes Haar an die Taube erinnert, die einst ihr Patentier war, kann als durchscheinende Gestalt wahrgenommen werden, die noch das weiße Nachtkleid trägt, in dem sie ihr Mörder einst überrascht hat.
Seinerzeit war sie in den mittleren Jahren, eine schlanke und drahtige Geisterjägerin, deren Gestalt entsprechend erhalten geblieben ist. Ihre Stimme scheint stets aus der Ferne zu erklingen und mittlerweile hat sie begonnen, ein wenig zu flackern, was ihr Sorge bereitet.
Sie flößt noch immer einen gewissen Respekt ein und verfügt über Mittel und Wege, Dinge mit der Kraft ihrer Gedanken zu bewegen, um sich Gehör zu verschaffen.
Die Belange des Ordens stehen für Davadri an erster Stelle und so ist er heute ebenso ihre große Leidenschaft, wie er es von jeher gewesen ist. Und Davadri hat noch ein Ziel, das sie unbedingt zu erreichen wünscht. Die VGM soll sich über ganz Beleriar erstrecken und nicht länger nur auf eine einzige Stadt begrenzt sein.

Ziele

Ziel der VGM ist es seit jeher, Einblick in die übernatürlichen Vorgänge Nir’alenars zu gewinnen, Wissen zu sammeln und geisterhafte Aktivitäten zu erforschen. Dabei mögen die Ziele der einzelnen Mitglieder recht individuell sein und können sich durchaus unterscheiden, trotzdem ist jedem daran gelegen, in dieser Hinsicht an einem Strang zu ziehen. Wer aus diesem Bund Gewinn ziehen möchte, ist sich darüber im Klaren, dass er auch einen eigenen Beitrag leisten muss.
Den Mitgliedern ist eine gemeinsame Verantwortung für die Sicherheit aller durchaus bewusst und wer nicht bereit ist, diese zu tragen oder eine zweifelhafte Loyalität zur Schau trägt, gelangt gar nicht erst hinter die Fassade der Silbernen Nixe.
Niemandem ist an der Rückkehr zu den Zuständen vor der Gründung des Bundes gelegen, als Wissen missbraucht wurde, um dunkle Ziele zu fördern. Die Morde und Folterungen, die im Jahre 1297 an Geisterjägern und Mystikern verübt worden sind, um ihr Wissen für gefährliche Zwecke zu missbrauchen, sind den meisten eine bleibende Warnung.