morienNiemand weiß so recht, woher der Baron Morién Sâmarand gekommen ist und es gibt vielerlei Dinge, die man sich über ihn erzählt. Doch ob diese der Wahrheit entsprechen, weiß niemand zu sagen.
Fest steht, daß der Baron noch niemals am Tage gesehen worden ist und nur in der Nacht sein Haus verlässt, um durch die Straßen Nir’alenars zu streifen. Er ist nicht in dieser Stadt geboren und es ist unbekannt, wo er vorher auf Beleriar gelebt haben mag, wenngleich er offenbar sehr vermögend und von hoher Geburt sein muss.
Der Baron ist ein ausgesprochen charmanter Mann, der sich in der Gesellschaft gewandt bewegen kann und sicherlich das Herz so mancher Dame brechen würde, wäre da nicht die Halbmaske, die stets sein Gesicht verbirgt und keinen Blick auf seine Züge gewährt. Darunter erkennt man dunkle Augen, die seinem Gegenüber bis auf die Seele zu blicken scheinen. Sein Haar ist schwarz und stets gepflegt, er trägt es glatt aus dem Gesicht gestrichen. Der Baron bevorzugt schwarze Kleidung und trägt oftmals einen Mantel, der sich hinter ihm aufzubäumen pflegt, wenn er sich bewegt. Er drückt sich gewählt aus und besitzt eine samtige, tiefe Stimme, spricht aber niemanden von sich aus an, wenn es nicht sein muss.
Morién Sâmarand hat sein Zuhause im Künstlerviertel Nir’alenars gefunden und bewohnt dort eine große und geräumige Villa aus Marmor, die ständig im Schatten zu liegen scheint. Selbst bei Tage, wenn das Licht auf Villa und Garten fallen müsste, erreicht es das Gebäude und die wild am ihm emporwachsenden blutroten Rosen niemals. Verschlungene Verzierungen glänzen in ihrem Blattgoldbelag an den hohen Mauern, die das Anwesen vor ungebetenen Besuchern schützen.
Niemand scheint die geheimnisvolle Villa jemals betreten zu haben oder hat durch die dicken Samtvorhänge in das Innere spähen können. Wäre aber jemandem bekannt, was im Inneren zu finden ist, so würde er von kristallenen Lüstern, deren Kerzenflammen immer zu brennen scheinen und weichen, weinroten Teppichen, die jedes Geräusch dämpfen, erzählen, ebenso von den unzähligen Gemälden in den goldenen Rahmen an den Wänden, die stets die gleiche Frau in ihrem hellen Brautkleid zeigen. Und doch lebt niemand mit dem Baron zusammen, gibt es keine Frau, die dieses Gebäude ihr Zuhause nennt.
Der Baron ist ein Mann der Musik, zumindest dies steht fest, wenn man den großen, schwarzen Flügel erblickt, an dem er häufig zu spielen pflegt und dessen Töne des öfteren bis auf die Straße hinaus zu hören sind. Dies geschieht jedoch nur in der Nacht, wenn die Dunkelheit über die Stadt hereingebrochen ist.
Wer mag dieser Mann sein und welches Geheimnis verbirgt er? Ein tragisches Schicksal? Eine erschütternde Geschichte? Eine dunkle Vergangenheit? Eine düstere Tat sogar? Morién Sâmarand regt vielerlei Gerüchte über seine Person an, doch die Antworten behält er für sich.