vanathorDer Gott des Feuers verzeiht eine Schmach nicht. Und nichts hat ihn jemals tiefer getroffen als die Existenz der Tochter Eriadnes auf Beleriar. Sein Sohn Vanathor ist der Versuch, es der Göttin des Lichts mit gleicher Münze heimzuzahlen. Gezeugt mit einer Sterblichen ist Vanathor zwar nur ein Halbgott, doch er gebietet über eine unglaublich große Macht. Und zudem ist er ein hilfreiches Instrument, die rechte Hand Narions, die überall dort zupacken kann, wo ihm selbst die Hände gebunden sind.
Vanathor ist wahrhaftig der Sohn seines Vaters. Allein seine eindrucksvolle, attraktive Gestalt, sein flammend rotes Haar und seine dunklen Augen, in denen kleine Flammen zu tanzen scheinen, wenn er in Wut gerät, weisen ihn als einen würdigen Nachkommen des Feuergottes aus. Der aufbrausende, anziehende Vanathor ist ein kluger Redner und Manipulator, der es mühelos vermag, die Massen zu begeistern und der im Verborgenen die Aufgabe übernommen hat, die Beliebtheit seines Vaters auf Beleriar wieder neu zu entfachen und seinen Ruhm zu mehren. Zu diesem Zweck sucht sich Vanathor geschickt all jene aus, bei denen seine Worte auf fruchtbaren Boden fallen und die ihm bereitwillig Glauben schenken, wenn er davon erzählt, dass Narion der Einzige ist, der Beleriar wieder unter das Licht der Sonne bringen kann. Mittlerweile untersteht ihm der Kult des eisernen Schwertes, was immer wieder zu Reibungspunkten mit Madran Csariban führt. Allzu oft muss Vanathor in letzter Zeit sein Temperament zügeln, wenn er auf diesen Mann trifft, um die Pläne seines Vaters nicht zu gefährden. Oberflächlich betrachtet erkennt man in Vanathor jedoch lediglich den jüngsten Sohn des Adeligen Astalion Marasar und seiner schönen Frau Talia, bei der die Zeit auf wundersame Weise keinerlei Spuren hinterlässt.
Nach außen führt der Sohn des Gottes das gewöhnliche Leben eines Adelssprosses. Dies verleiht ihm Zugang zu jenen Kreisen, die seinem Wirken ganz und gar nicht abgeneigt sind. Der Adel liebt seine Macht und Versprechen, diese zu vergrößern, verfehlen selten ihr Ziel. Nicht wenige Adelsfamilien waren dem Gott des Feuers verbunden und sind dies insgeheim noch immer. Sie sind gerne gewillt, Vanathor ein offenes Ohr zu schenken, wann immer er dazu ansetzt, seine samtene Zunge sprechen zu lassen.
Als Heißsporn verschrien, der kein Duell auslässt und der häufig die edelsten Bordelle der Stadt besucht, gibt es wenig, was darauf hinweisen könnte, dass er nicht das ist, was er zu sein vorgibt. Vanathors Maskerade ist perfekt und er lässt sie niemals fallen.
Allerdings ist er noch in anderer Hinsicht wahrhaftig der Sohn seines Vaters. Denn so wie sich in Narions Brust Gefühle für Eriadne geregt haben, die ihn bis heute quälen, hat sich auch sein Sohn unsterblich in Eleria, ihre Tochter, verliebt. Es ist ein Dilemma, das ihm bei Tag und bei Nacht keine Ruhe lässt und das ihn im Inneren beinahe zerreißt. Denn wie soll Vanathor einen Ausweg aus dieser Situation finden? Wie soll er seinem Vater Treue erweisen, die von ihm erwartet wird, wenn es seine Gefühle nicht zulassen, dass er einer Frau schadet, die er eigentlich hassen sollte?