Der Tempel des Narion in Nir‘alenar war einst ein prachtvolles Bauwerk. Schwarzer Marmor, von glühenden, roten Adern durchzogen, die an Lava erinnerten, zierte die mächtigen Hallen, in denen der Gott des Feuers verehrt worden ist. Riesige Säulen stützten das goldene Kuppeldach, das im Sonnenlicht gleißte wie die Feuer Xiradars und weithin zu sehen war.
Nur wenig ist davon geblieben. Gesplitterter Stein, riesige Marmorbrocken, die ein bizarres Muster bilden und über den großen Hof aus Obsidian verstreut liegen, der in früheren Zeiten für religiöse Zeremonien genutzt worden ist.
Eriadnes Macht hat gründliche Arbeit geleistet. Allein der hohe Turm, in dem das ewige Feuer brennt, das diesem Ort seinen Namen gegeben hat, ist geblieben. Er ragt noch immer in seiner alten Pracht in den Himmel, zeigt unter seiner abgerundeten Spitze die offenen Fensterbögen, hinter denen für alle sichtbar Narions Flammen lodern.
Man hat den Tempel nicht wieder aufgebaut, obgleich die Religion des Kriegsgottes nicht verboten ist. In seiner Funktion als Gott des Feuers wird Narion noch immer Respekt entgegengebracht. Allerdings ist es nicht gern gesehen, wenn man ihn mit Eifer verehrt, und wer an einer religiösen Handlung teilnimmt, kann sich sicher sein, dass er mit schiefen Blicken bedacht wird.
Der Bereich, in dem die Gemächer des Deron Arieth zu finden waren, ist der stärksten Zerstörung anheimgefallen. Die Bogengänge, die sich rund um den Tempel gezogen haben, liegen in Trümmern. Ihre Säulen stechen in die Luft wie Speere, gleichen einer stummen Warnung davor, sich ihnen zu nähern. Tatsächlich sind die Ruinen des Tempels niemals geplündert worden. Man erzählt sich, dass der Gott einen Fluch ausgesprochen hat, der jeden treffen soll, der diesen Ort schändet, bevor er durch Eriadnes Willen von der Insel gerissen worden ist. Sagenhafte Reichtümer liegen noch immer unter der Ruine begraben. Speziell die magische Waffensammlung, die in einem riesigen Saal ausgestellt war, ist der Gegenstand vieler Erzählungen und bringt viele ambitionierte Diebe dazu, waghalsige Pläne auszuhecken, die niemals durchgeführt werden.
Genutzt wird in der heutigen Zeit allein der Turm, in dem nur noch ein einziger Priester seinen Dienst verrichtet. Sarek Behar ist ein Mensch in seinen mittleren Jahren, der wenig mit einem gestählten Krieger gemein hat. Trotzdem wird der Inhalt seiner Predigten stets genauestens überwacht, um sicherzustellen, dass sie nicht dazu dienen, die Bevölkerung aufzuwiegeln.
Die mächtige Statue des Feuergottes ist von dem alten, zerstörten Altarraum in den Turm gebracht worden, wo nun die Gottesdienste abgehalten werden. Feuerbecken sind zwischen den runden Säulengängen aufgestellt worden und werden ständig am Brennen gehalten. Sie tauchen die Halle zu jeder Tageszeit in ein rötliches, flackerndes Licht.
Sareks Gemächer befinden sich eine Ebene darüber und werden gemeinhin nur von ihm und seinem Diener Aevar betreten. Der Priester ist entfernt mit der adeligen Familie Donnerfaust verwandt, die vor dem Untergang dem Glauben an Narion angehört hat und den Tempel immer noch insgeheim mit finanziellen Mitteln unterstützt. Sie gehören zu einer adeligen Gruppierung in der Stadt, die es nur zu gerne sehen würde, wenn der Tempel wieder in seinem alten Glanz erstrahlen dürfte.