Einsam, ein wenig abgelegen von den anderen Gebäuden des Philosophenviertels, liegt Eriadnes Ruh.
Einst war dieser Ort, der ein wenig erhöht am Rande des Philosophenviertels zu finden ist, eine kleine Bibliothek, die sich auf die Geschichte Beleriars spezialisiert hatte. Nach dem Untergang der Insel ist davon nur eine Ruine übrig geblieben, die traurigen Überbleibsel des hellen, marmornen Gebäudes, das sich einst an dieser Stelle befunden hat.
Eriadnes Ruh unterscheidet sich äußerlich kaum von anderen Ruinen, die auf Beleriar zu finden sind. Trotzdem zieht dieser Ort ganze Scharen von Pilgern an, die ihn mit eigenen Augen sehen möchten. Denn an dieser Stelle ist Eriadne am Morgen nach dem Untergang in Erscheinung getreten, um die Stadt in die Obhut ihrer Tochter Eleria zu geben und ein letztes Mal das Wort an das Volk zu richten.
Noch heute erzählt man sich von dem erhebenden Anblick, als die in Licht getauchte Gestalt der Göttin auf den Stufen der Bibliothek erschienen ist, die schwarzhaarige Frau, die ihr auf eine solch unheimliche Weise ähnelt, an ihrer Seite.
Die Bevölkerung Nir‘alenars strömte auf die Straßen, um die traurige Gottheit zu sehen, die noch einmal den Blick über die Stadt wandern ließ, bevor sie in einem letzten Aufleuchten ihrer unendlichen Macht verschwand.
Deandro Salan, einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit, hat diesen Augenblick in zwei überlebensgroßen Marmorstatuen eingefangen, die nun an dieser Stelle zu finden sind. Viele Bewohner der Stadt legen Blumen zu ihren Füßen ab oder entzünden flache Lichter in Glasgefäßen auf der Treppe der Bibliothek, um Eriadne zu huldigen.
Ein kleiner Park ist rund um die alte Bibliothek entstanden und zieht stets viele Besucher an, die Ruhe suchen und ihrem Alltag entfliehen möchten. Tatsächlich liegt eine tiefe Stille über Eriadnes Ruh, nur gelegentlich von dem Zwitschern der vorwitzigen Vögel unterbrochen, die sich in den Zweigen der hier gepflanzten Bäume angesiedelt haben. Es ist ein schöner Flecken, der zum Verweilen einlädt und Frieden schenkt.