Kaum ein Ort könnte aus der Ferne idyllischer sein als Nular mit seinen kleinen Fachwerkhäuschen, die die sauberen Straßen säumen und der großen Mühle, die im Hintergrund am Flussufer ihre Arbeit verrichtet. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Häuser niedriger wirken, deutlich kleiner sind, als man es normalerweise gewohnt ist. Die Türen sind winzig, lassen es einem menschengroßen Wesen schwerfallen, das Innere eines solchen Heimes zu betreten, ohne den Kopf einziehen zu müssen. Die Größe der Fenster bildet einen seltsamen Kontrast dazu. Es scheint den Bewohnern wichtig, dass genügend Licht hineindringt.
Tatsächlich sind die Bewohner dieser Stadt so klein, dass sie die Größe ihrer Behausungen kaum stören dürfte, gibt es doch ohnehin außer der Taverne Zum Riesen keinen Platz für groß gewachsene Wesen. Ein ausreichendes Umfeld für gelegentliche Besucher, wie die Nularer denken, sind sie doch überaus praktisch veranlagt und kümmern sich wenig um die Belange der Außenwelt.
Denn die Bewohner Nulars entstammen nahezu ausschließlich dem Gnomenvolk. Und so wird die Idylle oftmals durch lautstarke Erschütterungen gestört, die die ganze Stadt erbeben lassen. Schwarzer Rauch steigt zu vielen Gelegenheiten in den Himmel, um von einem hustenden Gnomen gefolgt zu werden, der eifrig seine qualmenden Gerätschaften nach draußen trägt.
Das Flüsschen Nul, das sich durch die Stadt schlängelt, wird häufig für Experimente mit schwimmenden Vehikeln missbraucht und fördert nicht selten zerstörte Planken und Gebilde aus Metall zutage. Selbst der Aranustempel ist vor Missbrauch nicht sicher. Als höchstes Gebäude der Stadt dient er als Startrampe für Flugexperimente aller Art. Die Straße vor seinen Portalen weist allerlei Vertiefungen unterschiedlicher Größen auf, die eine leidvolle Geschichte dazu zu erzählen haben.
Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann man größere Versammlungen auf öffentlichen Plätzen beobachten, die hitzige Diskussionen führen oder eine neue Erfindung begutachten. Und so weit das Auge reicht, erblickt man merkwürdige mechanische Geräte, die Aufgaben verrichten, die gemeinhin von lebendigen Wesen erledigt werden sollten.
An jedem Gebäude finden sich Uhren, die zur vollen Stunde ein wahrhaftiges Konzert veranstalten und eifriges Hämmern, Sägen und Quietschen dringt aus Werkstätten und Scheunen und ergänzt die Geräuschkulisse.
Nular mag oberflächlich betrachtet nicht unbedingt zu den aufsehenerregendsten Städten Beleriars gehören, aber dennoch zieht sie Besucher an, die sich für gnomische Erfindungen interessieren. Auftraggeber aus anderen Völkern reisen an, um sich die Fortschritte eines Auftrages und die neusten Errungenschaften auf den für sie wichtigen Gebieten anzusehen. Andere besuchen die Stadt, um ein hilfreiches Gerät zu erstehen oder für ihren Laden in Verhandlungen zu treten, um vielleicht selbst das ein oder andere vielversprechende Gnomenwerk anbieten zu dürfen. All dies gibt Nular eine Bedeutung auf Beleriar, die man auf den ersten Blick niemals vermuten würde.
Fern von dieser speziellen Art des Trubels verläuft das Leben in dieser eher ländlich anmutenden Gegend in ruhigen Bahnen. Das Gelächter von spielenden Gnomenkindern und das muntere Plaudern der Frauen vermischen sich an den Abenden mit Pfeifenrauch und dem Knistern umgeblätterter Buchseiten. Es herrscht dann eine ungewohnte Stille für diese stets so laute Örtlichkeit.
Aber es gibt auch andere Arten von Aufregung in Nular. Die größte ist derzeit sicherlich die Vereinigung der unabhängigen Frauen Nulars, kurz VUFN, die Gleichberechtigung für Gnomenfrauen und eine Anerkennung ihrer Talente fordern.
Die Anführerin, Tanda Folar, selbst eine begabte Erfinderin, ist momentan sicherlich eine der gefürchtetsten Bürgerinnen der Stadt, die durchaus einschüchternd wirken kann. Die Durchschlagkraft ihres Mundwerkes wird nur von der ihres Nudelholzes übertroffen, und sie scheut sich nicht, beides einzusetzen, wenn es darum geht, ihre Reden vor männlichen Störenfrieden zu verteidigen.
Zudem bringt die Existenz einer mysteriösen Zeitung Unruhe nach Nular, die aus heiterem Himmel an jedem Shuraviar auf dem Marktplatz auftaucht und allerlei unangenehme Details über bekannte Persönlichkeiten der Stadt enthüllt. Bisher konnten die Verantwortlichen trotz des Einsatzes von allerlei Aufspürgerätschaften nicht überführt werden.
Nular wird von einem jährlich wechselnden Bürgermeister und seinem Rat überwacht. Das Amt ist eine unbeliebte Aufgabe, da sie den Ausübenden von seiner Arbeit und seinen Studien abhält. So fällt sie bei den Wahlen oftmals einem Individuum zu, das man gerne gemeinschaftlich ein wenig ausbremsen möchte.