"Der letzte Mast" Luftschiff-Taverne

  • " Ich sags dir.... Wer dort trinkt, riskiert bisweilen nicht nur sein Geld zu verlieren. Manchmal ists auch die Ehre beim Kartenspielen. Man sagt die Besitzerin schmeisst gerne mit dem nassen Lappen und vom Dreck am Tisch kriegt man unschöne Pusteln aber der Rausch ist echt und billig, von dem hat man auch am nächsten Tag noch etwas, überlegs dir. Aber das Bier ist günstig und der Eintopf ist deftig. Da kriegst du wenigstens etwas fürs Geld. Woher das Fleisch kommt, fragste' besser nicht zu laut... Die Besitzerin der Taverne ist stets bereit dir gegen die richtige Münze nachzuschenken, verteilt dir aber auch gerne einen Tritt zur Tür hinaus, wenn du kotzen könntest oder dumme Fragen stellst.. Sie is hübsch wie sie garstig sein kann und Unberechenbar wie der Wind selbst."


    Am Hafen in einem Reparatur-Dock Gestell ruht nach einer aufregenden Ankunft, die ehemalige zweimaster Brigg der Handelsfamilie Kalestris mit dem Namen "Brise". Die früher leuchtend roten Segel, wurden zu Sonnensegeln umgetakelt und mit einigem Schwemmgut wurde mehr Platz für einen Gastraum auf dem Deck geschaffen, wo man zum Leidwesen der nahen Anwohner gelegentlich das aufgebrachte Grölen der Seemänner hörte die dort ihre Heuer vertranken und verspielten. Der Letzte Mast, der der Taverne ihren Namen verleiht, reckt ein wenig unsymetrisch zur Kuppel hinauf und erzählt die Geschichte, der Ankunft dieser Ungewöhnlichen Herberge. Viele Laternen mit bunten Gläsern erleuchten in der Nacht die Rah und die Wanden.


    Sie kam in der Nacht nach einem Schweren Sturm, mehr Schlecht als Recht, landete sie dort am Hafen und blieb einfach dort. Hilfesuchende und Durstige Reisende sind Willkommen, doch nichts gibt es auf der Insel umsonst.

  • Das Licht der Kuppel wurde sanfter, dunkler, tauchte die Stadt in jenes wunderbare Zwielicht, das Brennan so liebte. Die Schatten wurden länger, verhüllten Häuser, Straßen und Plätze. Die Stimmen wurden leiser, die Geheimnisse lauter. Die Nacht brach herein in all ihrer gewaltigen Schönheit.
    Brennan genoss es.


    Die letzten Monate in Shay'vinayar hatte er selten einfach allein durch die Straßen ziehen können. Gesellschaftliche Verpflichtungen hier, gesellschaftliche Verpflichtungen dort. Heute ein Ball, morgen ein Wettbewerb der schönsten Singvögel, übermorgen Hausbesuche, um seinen Züchtungen und deren neuen Besitzern neue Tricks beizubringen.

    Wie erholsam die nebelgrauen Abendstunden wirkten, wenn man sie neben fliederfarbenen Blumenbanketten sah!


    Eigentlich hatte es nur ein kurzer Abendspaziergang werden sollen.
    Um sich zurechtzufinden, nach all der Zeit. Vielleicht auch, um einen Moment lang Erinnerungen nachzuhängen.
    Und die Erinnerungen kamen und gingen - ein Schritt wurde vor den anderen gesetzt, bis Brennan Targo plötzlich im Hafenviertel vor dem „Letzten Mast“ stand.

    War diese Schenke schon immer hier gewesen? Brennan wusste es nicht. Aber er wusste, dass er noch nie in ihr gewesen war.
    Erstaunlich.
    Wie sollte man seine Stadt kennen, wenn man nicht die Tavernen in ihr kannte?
    Der Dunkelhaarige schmunzelte. Ein wahrhaft guter Grund, um den heutigen Abend bei einem kühlen Bier ausklingen zu lassen.
    Neugierig öffnete er die Tür zur Schenke.


    Der Geruch nach Salz, biergetränkten Planken und billigem Schnaps erschlug ihn förmlich. Und damit versprach der Ort eindeutig zwei Dinge, die Brennan schätzte. Einen schlechten Ruf – und gute Geschichten.
    Er ließ den Blick durch den Schankraum wandern. Ein paar Seemänner beugten sich über Karten, zwielichtige Händler tuschelten in einer dunklen Ecke und dazwischen saßen Gestalten, deren Gesichter man besser nicht zu lange studierte. Die Luft vibrierte leise von Gesprächen, Gelächter und dem Knarren der Planken.


    Brennan trat an die Theke. "Ein Bier, bitte."

  • Fluch oder Segen. Orvaine stellte nachdenklicher einige dunkle verkorkte Glasflaschen von einer Frachtkiste in die Regalnische auf dem Tresen und bemerkte nicht direkt den Neuankömmling der die Taverne betrat. Was nur zeigte, wie vereinahmt sie gerade von ihrer eigentlichen Überlegung war.


    An solchen Tagen erschien die Crew der Brise, tatsächlich in zwei Lager gespalten und das kratzte an ihrer eigenen Laune. Den Einen war so ein ruhigerer Betrieb ganz recht, den anderen war er ein Dorn im Auge. So war doch ein erfolgreicher Tag nur einer, an dem die Münzen flossen oder man wenigstens zur Ablenkung den Wind im Gesicht fühlen konnte.

    Beides passierte heute nicht. Die Besucher der Taverne, eine Ansammlung üblicher Gestalten, versoffen nicht ihre ganze Heuer und der Abend war zudem auch noch windstill. Die Segel des letzten Masts hingen unbeweglich wie stille Mauern am Gebälk. Die Lampen in den Wanden flackerten nichteinmal. Die Wärme hielt sich hier fest und machte sogar das abendliche Feuer im Kamin unnötig.

    An solchen Tagen wie heute. wusste Orvaine nicht, ob dieser Entschluss aus ihrem Schiff eine Taverne zu machen, wirklich der Richtige gewesen war. Nur eins wusste sie. Sie hasste es, wenn sich ihre Leute uneins waren. Vielleicht war es allerdings ein guter Entschluss gewesen, sich einen kleinen Handelschoner zu kaufen, der abwechselnd den Mitgliedern ihrer Mannschaft die Möglichkeit auf Urlaub in den Wolken erlauben würde. Nicht einfach so, natürlich, sondern um den Handel wieder aufzunehmen, mit dem sie selbst damals begonnen hatte. Soviel gab dieses Geschäft inzwischen durchaus her und welcher Windvölkler würde sich soetwas entgehen lassen?


    Erst die Schritte nahe an der Theke, das vertraute Knarzen der Planken, rissen sie wieder aus ihren Gedanken. Ihre windvolktypischen Augen sahen von der Kiste auf und sie stellte langsamer die Flasche wieder zwischen die Holzwolle als der Gast nach einem Bier verlangte. Nein. Er verlangte nicht er bat darum. Eine seltene Tatsache, dass der Mann vor ihr nicht nur außergewöhnlich ansehnlich sondern auch noch höflich erschien, beides hob ihre Stimmung beträchtig.

    "Natürlich, mein Lieber. Was gibt dein Münzbeutel her?.. " fragte sie lächelnd mit ungewohnt seichter Stimme, wobei sich eine kleine Falte im Mundwinkel bildete, die so typisch für die Seeleute erschien, die ihr bisheriges Leben eigentlich stetig an der Luft und dem Licht der Kuppel verbracht hatten. Orvaine erschien auf dem ersten Blick älter als sie tatsächlich war, vielleicht weil sie dieser Rückschlag vor zwei Jahren eilig hatte Altern lassen. Oder die Gäste in diesem Millieu eine gewisse Härte herausforderten. Doch, wenn sie lächelte schienen die unerforschten Abenteuer des Sternenmeers selbst einen Weg durch ihre Augen zu finden. " - Ich habe hier noch ein kleines Fass von gutem teurem Zwergenbier. Einige Flaschen Corandirisches. Ein frisches Fass Nir`Alenarisches. Oder der abgestandene Rest des Fasses von Gestern." sie winkte ihm mit einer Hand näher an den Tresen und nahm einen von den sauberen Krügen, die sich neben ihr auf dem Abtropfgitter stapelten.

    " Sag mir was du ausgeben willst, ich biete dir an was ich habe."

  • Brennan trat an den Tresen. Sein Blick blieb kurz an den Flaschen hängen, die die Wirtin eben eingeräumt hatte, bevor er weiter durch den Schankraum wanderte.

    Ein paar verstreute Gäste. Gedämpfte Stimmen. Das eigenartig vertraut klingende Knarren der Planken unter den Schritten der Anwesenden. Eigentlich genau das, was er gesucht hatte. Ein Bier, vielleicht zwei – mehr hatte er am heutigen Abend ohnehin nicht vor.

    Seine Aufmerksamkeit kehrte zur Wirtin zurück. Brennan legte den Kopf leicht schief, als sie ihn näher winkte.

    „Sagen wir…“
    Er tippte mit zwei Fingern gegen seinen Münzbeutel.
    „…ich möchte heute Abend nicht geizen, aber auch nicht wie ein reicher Idiot wirken, der keine Ahnung hat, was gut ist.“

    Ein schiefes Grinsen huschte über sein Gesicht.

    „Zwergenbier klingt nach einer Geschichte, die man nicht bereut.
    Nir'Alenarisch nach einer, die man nicht vergisst.“

    Der Vogelhändler fuhr sich mit der Hand über das Kinn.

    „Und die Reste von gestern… nun, das wäre wohl eine Geschichte, die man lieber nicht erzählt.“

    Seine Mundwinkel zuckten. Er ließ einige Münzen durch seine Finger gleiten, bevor sie mit einem kurzen Klacken auf dem Tresen landeten.

    „Also… das frische Fass aus Nir'Alenar.“

    Den Krug nahm er entgegen, ließ den Blick noch einmal durch den Raum schweifen und entdeckte schließlich einen Tisch an der Wand. „Ich hoffe, es ist euch recht, wenn ich mich dort hinten niederlasse?“

    Er stieß sich vom Tresen ab und ging mit wenigen Schritten hinüber. Den Mantel legte er über die Lehne, dann setzte er sich und lehnte sich gegen das warme Holz in seinem Rücken.

    Ja, von hier aus ließ sich die Taverne gut überblicken.

    Ein ruhiger Platz, ein gutes Bier – für einen Moment schien die Welt in Ordnung.

    Edited once, last by Brennan (March 14, 2026 at 9:00 AM).

  • Es war ein langer Tag. Lange war sie unterwegs gewesen, hatte ein wenig auf der Straße gespielt. Doch sonderlich viel brachte es nicht ein. Erfahrungsgemäß waren die Nächte wesentlich ertragreicher, war doch die Stimmung eine andere … wie auch der Alkoholspiegel der Inselbewohner. Also sparte sich Lelia die Energie lieber dafür auf, als sie Gedanken verloren an einer Taverne vorbei zog. Ein Lächeln lag auf ihren Lippen, als sie das gestrandete Schiff erblickte, dessen Mast ihr so keck entgegen blickte und beschloss sich das noch einmal genauer anzusehen.

    Die schwere Eichentür schwang auf, ein kühler Luftzug wirbelte durch den Schankraum, ehe ein trockenes Klappern ertönte, als ihre Hufe auf die Bodendielen trafen. Ein wesentliches Merkmal, das sie von den hiesigen Stiefelträgern zu unterscheiden vermochte. Ihre Hufe waren mit silbernen Ketten geschmückt. Die Glöckchen an ihrem Instrumentenbogen stimmten in den Takt mit ein. Das blonde Haar schimmerte im Kerzenschein wie Mondlicht auf dunklem Wasser, während ihre Hörner fast wie dunkle Schatten wirkten. Sie trug ein Mieder aus gegerbtem Wildleder, darunter eine Hemdbluse mit langen Ärmeln, die an den Handgelenken zusammen liefen. Dazu trug sie einen knielangen Rock mit einigen Schlitzen an den Seiten sodass man ohne Zweifel ihre behaarten Ziegenbeine erkennen konnte, die sie vor nicht allzu langer Zeit noch unter üppigen Kleidern versteckt hatte. Die Satyrin sah sich neugierig um.

    Drei müde wirkende Tagelöhner teilten sich einen großen Laib Brot und tunkten ihn abwechselnd in eine Schüssel Suppe, etwas weiter hinten in der Nische saßen zwei Gestalten mit unter Kapuzen halb verborgenen Gesichtern. Sie hatten Spielkarten in ihren Händen, in der Mitte ihres Tisches lagen einige Kupfermünzen. Eine Frau mittleren Alters in einem Reiseumhang schrieb konzentriert in ein kleines Buch, während ihr Wein noch beinahe unberührt schien. Ein älterer Mann mit Rauschebart lag halb über einem Tisch am Fenster und schnarchte rhythmisch vor sich hin, während sein kleiner Hund die Bardin wachsam musterte, als er die Glöckchen vernahm. Ein junger Mann mit leicht wirren rabenschwarzem Haar ließ sich seelenruhig an einem Tisch an der Wand nieder, während am Tresen eine etwas älter wirkende Kellnerin … oder war es die Wirtin … mit recht freizügigem Dekolleté stand. Alles in allem wirkte es friedlich ... fast schon zu ruhig.

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • Orvaine neigte leicht schmunzelnd den Kopf.

    " Das kommt öfter vor als man meinen mag." antwortete sie auf seine Aussage, dass er nicht wie ein unwissender reicher Idiot dastehen wollte. Nach unbedachten Aussagen, dass Geld keine Rollen spielen mochte, tendierte sie dazu den Kunden irgendeinen teuren Fusel einzuschenken und vor versammelter Mannschaft den Preis einzufordern, damit er sich nicht nach der Prahlerei über den Wucher beschweren konnte, sondern unter dem Druck seines Stolzes einfach bezahlte. Das war zumeist nicht nachhaltig was die Kundschaft anging, aber auf eitle Pfaue konnte sie auch verzichten.

    Zumindest schien dieser ansehnliche Bursche doch vorrausschauender zu sein, als die meisten hier. Sie lauschte seinem Auswahlverfahren und wischte nocheinmal sorgfältig über den Rand des leeren Kruges, den sie zu füllen gedachte.

    " Egal wie qualitätsvoll das Bier ist, von allen kriegt man die Kotzerei, wenn man es übertreibt." fügte sie noch an, allerdings eher so als würde sie da definitiv aus Erfahrung sprechen, als es zu verurteilen. Dann goss sie dem Dunkelhaarigen mit der verwegenen Frisur etwas aus dem frischen Fass ein und schob ihn langsam Präsentierend über das abgegriffene Holz der Theke. Als er sich nach dem Platz erkundigte nickte sie nur und deutete freigiebig auf den Schankraum. " Was dir zusagt, mein Lieber. Wenn ich nachschenken soll, winke ruhig. Bier und Suppe gibt es reichlich."

    Gerade als sie sich fragte, wesshalb jemand wie er alleine hierherkam, trat eine Satyra herein. Ihre Ausstrahlung von solcher die man selten übersah und Orvaine glaubte ihre Antwort gefunden zu haben. Ein seltsamer Ort für eine Verabredung, dachte sie bei sich, wollte allerdings junges Glück kaum stören.

    "Meine Liebe, soll ich dir was bringen?.. Suppe..? Wein. Bier..? oder ein.. Sitzkissen?" die Windvölkerin deutete grob in die Richtung des freien Platzes bei Brennan. Gerade soviel, dass man ihr anmerken konnte, dass sie wüsste worum es ging, aber nicht eindeutig genug um es ihr vorzuwerfen. Nicht nur einmal war sie da in ein Fettnäpfchen getreten. Die hölzernen Stühle waren zusammengewürfelt aber blank polliert. Natürlich besaß sie hier keine Sitzkissen. Zuviele Matrosenhintern, deren Sauberkeit man anzweifeln konnte. Aber dem jungen Mann die Gelegenheit vermiesen wollte sie auch nicht indem sie sich über unbequeme stühle beschwerte und sie den Abend woandershin verlagerten.

  • Brennan schmunzelte, als er den Krug an die Lippen hob. Die Wirtin war um keine Antwort verlegen. Eine hervorragende Eigenschaft in diesem Beruf – und etwas, das er sehr zu schätzen wusste.

    Gieriger als erwartet trank er.
    Das Bier war kühl und süffig, mit diesem harzigen Nachklang, der ihm verriet, dass die Wirtin nicht gelogen hatte. Das Fass war frisch. Und offenbar war er nach diesem Tag doch durstiger gewesen, als er es sich selbst hatte eingestehen wollen. Für einen Atemzug schloss er die Augen.

    Der helle Klang kleiner Glöckchen erregte seine Aufmerksamkeit noch bevor er den Krug wieder abgesetzt hatte.
    Für einen kurzen Moment erinnerte ihn das Geräusch an die kleinen Glocken, die er manchmal beim Training seiner Vögel einsetzte.

    Der filigranen Klang mischte sich mit dem charakteristischen Geräusch von Hufen. Und da war noch etwas – etwas, das man nicht hören, sondern eher spüren konnte. Eine Art Präsenz, die den Raum für einen Augenblick vollkommen vereinnahmte.

    Brennan blickte auf.

    Glöckchen. Hufe. Lange helle Haare – und Hörner.

    Eine Satyrin.
    Und ihrem Instrument nach zu urteilen eine Bardin.

    Der Dunkelhaarige setzte den Krug ab und musterte sie einen Augenblick.

    In den letzten Monaten in Shay'vinayar waren auf den verschiedensten gesellschaftlichen Anlässen Barden aufgetaucht, die mit ihren Liedern die Stimmung noch ein wenig heben sollten. Die meisten geschniegelt, geschniegelt und geschniegelt.
    Eine Satyrin allerdings… das war neu.

    Nun – zumindest versprach der Abend damit auch auf musikalischer Ebene eine gewisse Abwechslung.

    Instinktiv bemerkte Brennan, wie die Wirtin kurz auf ihn deutete. Wie aus Reflex hob Brennan den Krug erneut an und prostete den beiden Damen mit einem leichten Lächeln zu.

    Die Welt war immer noch in Ordnung.
    Nur… vielleicht ein wenig interessanter als noch vor fünf Minuten.

    Edited once, last by Brennan (March 14, 2026 at 10:21 AM).

  • Es verging kaum Zeit in der sich die Satyrin überlegen konnte, was sie als nächstes anstellen sollte, da wurde sie bereits von der Wirtin angesprochen. Wie überaus zuvor kommend sie doch war. Für gewöhnlich musste sie schon eine Weile warten. „Oh … von einer guten Brühe und etwas Wein bin ich nicht abgeneigt. Habt dank“, antwortete sie und blickte überrascht auf den Platz der ihr angeboten wurde und dem Menschenmann um anhand seiner Reaktion womöglich erkennen zu können, ob ihm das auch recht wäre oder nicht. Dieser hob lediglich seinen Krug und lächelte einladend … ein Zeichen dafür, dass ihm ihre Gesellschaft nicht ungelegen kam. „Ein Sitzkissen?“ Dies war mehr eine Frage, als ein Wunsch. So machte sich die Satyrin daran den großen Stoffbeutel in dem sich ihre Lyra und der Bogen befand abzulegen und sich zu setzen. Gespannt darauf, was wohl als nächstes passieren würde.

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • Orvaine blickte unschlüssig ein wenig zwischen ihren beiden Gästen hin und her, nun war sie sich nichtmehr ganz so sicher, ob die beiden hier wirklich verabredet gewesen waren, aber sie setzten sich zumindest an einen Tisch. Wer wusste schon wie die Winde wehten und wen Selurian zusammen brachte.

    Ihr geübter Griff ging zu jenen Weinflaschen, die wie das Bier etwa im mittelpreisigen Bereich lag und schenkte der Satyra etwas davon in ein bauchiges Glasgefäß ein. Übliche Weingläser gingen hier zuoft zu Bruch. Dieses Gefäß war aus dickwandigerem fast milchigem Glas gefertigt.

    Ein leichtes Schulternzucken folgte auf Lelias Nachfrage.

    " Nur ein Angebot meine Liebe. Gäste die es bequem haben, bleiben länger und geben mehr Münzen aus. ..." erklärte sie doch es klang zu ehrlich für einen reinen Scherz. "Setz dich setz dich. Ich hole dir erst die Suppe und dann sehe ich was ich noch für dich tun kann."

    Im Vorbeigehen zur Kombüse stellte sie schon einmal das Weinglas und die Flasche am Tisch der beiden ab.

  • Brennan ließ den Krug einen Moment in den Händen ruhen, während sein Blick über die Lyra wanderte, die die Satyrin neben sich abgestellt hatte. Glöckchen, Instrument, eine Bardin – und eine Wirtin, die sie ohne Zögern an seinen Tisch verwies. Für einen Augenblick fragte der Vogelhändler sich, ob das alles wirklich soo zufällig war.

    Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass eine Schenke mit... kreativen Methoden ihre Gäste länger zum Bleiben – und Trinken – bewegte. Und in gewissen Vierteln war es schließlich durchaus üblich, dass Tavernen auch mehr anboten als Bier und Suppe. Eine Bardin, die sich wie selbstverständlich zu einem Gast setzte, konnte da im Endeffekt vieles bedeuten

    Brennans Mundwinkel zuckten leicht bei dem Gedanken. Bardinnen hatten ihm in der Vergangenheit selten Langeweile beschert. Musiker verstanden es oft besser als andere, dass die schönsten Lieder nicht im hellsten Licht entstanden..

    Er hob seinen Krug erneut an und nahm einen kleinen Schluck, bevor er sich der Satyrin vollends zuwandte.

    „Sagt..“ begann er schließlich mit einem belustigten Unterton in der Stimme „.. ist das hier ein besonders geschäftstüchtiger Einfall der Wirtin…“ sein Blick streifte kurz die Glöckchen an ihrem Instrument „…oder habe ich einfach Glück, dass sich die interessanteste Gesellschaft des Abends ausgerechnet meinen Tisch ausgesucht hat?“

    Er lächelte, stellte den Krug wieder ab, fuhr sich durchs Haar und warf Lelia einen entschuldigenden Blick zu.
    „Verzeiht – ich habe mich noch gar nicht vorgestellt.“
    Ein kurzes Nicken.
    „Brennan.

  • „Na dann … sage ich nicht nein“, erwiderte die Bardin zu dem angebotenen Kissen. Es würde das Spielen später bestimmt bequemer machen, sollte die Wirtin überhaupt Interesse daran haben und nicht bereits einen anderen Barden eingestellt haben oder lieber die Stille bevorzugen. Nicht jeder Tavernenbesitzer hatte Freude an ihrem Werk. Das musste Lelia bereits auf die eine oder andere zum Teil auch unschöne Weise lernen.

    Da saß sie nun neben dem jungen Mann mit dem rabenschwarzem Haar und den doch sehr sympathischen Lächeln. „Nun … die Wirtin müsste schon sehr viele Münzen springen lassen um mich für derartige Arrangements zu bestechen.“, überlegte sie laut. Sie war zwar einmal Mätresse für einen Baron, das machte sie jedoch nicht gleich zu jemanden der für wenig Geld jeden umgarnte, dem die Wirtin ihr auftrug. Mit den Fingern nahm sie das bauchige Weinglas in ihre Hand. „Die interessanteste Gesellschaft des Abends? Was für eine Ehre... werter Brennan“ Mit gespielter Übertreibung neigte sie ihr gehörntes Haupt feierlich und griff nach ihrem bauchigen Weinglas und erhob es um mit ihm anzustoßen. „Ich bin Lelia Aschemond.“ Rasch setzte sie das Glas an ihre Lippen, ehe sie es wieder auf den Tresen abstellte. „Sagt … was führt einen Mann mit solch einem sympathischen Lächeln an einen Ort wie diesen hier?“ Sie neigte einen Kopf leicht um ihn zu mustern, während eines ihrer Ohren verräterisch zuckte.

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • Brennan erwiderte den Anstoß mit einem leisen Klacken des Kruges gegen ihr Glas.

    "Es ist mir ebenso eine Ehre,... Lelia." Er wiederholte den Namen langsam, fast prüfend, ob er ihn schon einmal gehört hatte. Oder um ihn sich besser einzuprägen.

    Sie musterte ihn offen, neugierig, ohne Scheu. Auch das leichte Zucken ihres Ohrs entging ihm nicht. Es verriet mehr als ihre Worte und er war sich nicht sicher, ob es ihn amüsierte… oder interessierte. Das Lächeln schlich sich wieder auf seine Lippen. "Sympathisch? " Der Händler lehnte sich zurück. "Welch gefährlicher Ruf! Wenn ich nicht aufpasse, glaubt ihr am Ende noch ich wäre ein angenehmer Mensch!"

    Für einen Augenblick wurden seine Gesichtszüge ernst, sein Blick kalt - doch lange hielt er diese Scharade nicht durch, bevor sich seine Mimik wieder entspannte.

    Ein kurzer Atemzug, ein Hauch von Selbstironie.
    „Nein, das sympathische Lächeln…“ Er zuckte mit den Schultern. „Das ist vermutlich einfach Gewohnheit. Man kommt leichter durchs Leben, wenn man nicht aussieht, als wolle man jeden Moment jemanden verjagen. Euer Beruf wird euch ähnliches gelehrt haben.“

    Der Vogelhändler nahm einen erneuten Schluck Bier. "Eigentlich führt mich gar nichts Besonderes hier her. Und doch ist ein Abend ohne Verpflichtungen manchmal der größte Luxus, den man haben kann, nicht wahr? Aber.."

    Brennan nickte mit dem Kopf leicht zur Seite, dorthin, wo die Tagelöhner ihre Suppe aßen und sich nun immer häufiger nach der Blonden mit den Hörnern umdrehten. "Ich glaube euer Lächeln hat an diesem Abend wesentlich mehr Einfluß als meines.."

    Edited once, last by Brennan (March 15, 2026 at 10:03 AM).

  • „Gefährlich?“, wiederholte sie amüsiert, „Oh, macht euch darüber keine Sorgen. Für einen Satyr ist angenehm oft ein anderes Wort für vorhersehbar. Und ich habe das Gefühl, das seid ihr ganz und gar nicht … dieser kleine Moment, als die Kälte in eure Augen kroch.“ Sie schüttelte sich noch einmal kurz. „Das ist weitaus aufschlussreicher als euer Lächeln.“ Was genau dies für eine Bedeutung haben würde, das würde sie noch heraus finden.

    „Das kommt ganz darauf an, was man im Leben erreichen will“, erwiderte sie auf die Aussage, dass man mit einem Lächeln oft leichter durchs Leben kam, „Manchmal kann ein scharfes Blöcken auch viel Eindruck hinterlassen. Selbst für meinen Berufszweig...“ Ja, es war für eine Bardin natürlich von Vorteil gesehen zu werden und in Erinnerung zu bleiben, manchmal konnte es jedoch auch furchtbar anstrengend sein und dann sehnte sie sich nach der heiligen Ruhe, damit die Muse wieder Platz zum wachsen und gedeihen hatte.

    „Ein Abend ohne Verpflichtungen“ … ja, da konnte sie ihm zustimmen. In ihrer Vergangenheit gab es schon viele Verpflichtungen, die sie ohne Murren über sich ergehen lassen hatte. Im goldenen Käfig … wie fern erschien ihr bereits dieser Lebensabschnitt. Sie wollte gerade antworten, als der junge Mann auf die Tagelöhner hinwies. „Seid ihr sicher, dass es an meinem Lächeln liegt?“ Sie klackerte mit den Hufen, wohl wissend, dass wohl ihr ganzes Erscheinungsbild etwas war, das man nicht alle Tage sah. Die Männer am Tisch tauschten argwöhnische Blicke aus und starrten nicht nur auf ihre Hörner, sondern versuchten auch unter dem Tisch zu erspähen, während sie sich gegenseitig etwas zuflüsterten. Lelia ignorierte sie und wandte sich stattdessen ihrem Tischnachbarn zu, wusste sie doch wie es enden konnte wenn sie die einfachen oftmals auch sehr abergläubischen Leute zu sehr provozierte.

    „Verratet mir eines... wenn ihr nicht gerade damit beschäftigt seid besonders angenehm zu wirken oder euren Luxus zu genießen... was ist euer Handwerk? Seid ihr ein Reisender mit kostbaren Stoffen von der ganzen Insel oder ein Jäger seltsamer Gelegenheiten? Vielleicht auch ein einsamer Narr, dem die Wirtin einen Gefallen tun wollte, als sie mich zu eurem Tisch brachte?“

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • Brennan hörte ihr zu, ohne sie zu unterbrechen. Die Art, wie sie sprach, wie sie beobachtete, wie sie das kalte Aufflackern in seinen Augen nicht nur bemerkt, sondern gleich seziert hatte — das überraschte ihn.
    Angenehm. Herausfordernd. Ein wenig gefährlich, aber auf die Art, die ihn eher wach machte als vorsichtig.

    Sein Blick glitt für einen Moment über den Schankraum. Die Männer am Nebentisch hatten ihre Suppe inzwischen beinahe vergessen und tuschelten leise miteinander, während sie immer wieder versuchten, einen unauffälligen Blick auf die Satyrin zu werfen. Brennan konnte sich gut vorstellen, welche Geschichten sich in ihren Köpfen gerade zusammenbrauten.

    Er nahm einen weiteren Schluck Bier.

    „Ja… solche Blicke kennt man.“

    Gedankenvoll drehte er den Krug zwischen seinen Fingern.
    „Es gibt immer noch genug Leute, die glauben, sie könnten ein Wesen nach Hörnern, der Farbe seiner Haut oder gar seiner Religion beurteilen. Sie fühlen sich im Licht sicherer als im Schatten. Alles, was sich nicht sofort einordnen lässt, macht sie nervös.“

    Ein kurzer Blick zu ihr.
    „Dabei irren sie sich erstaunlich oft.“

    Dann schüttelte er leicht den Kopf, als wolle er die ernsteren Gedanken wieder abschütteln.

    „Was mein Handwerk betrifft…“
    Er schwieg einen Moment, als überlege er, wie viel Mühe eine Antwort überhaupt wert war. Dann winkte er ab.

    „Ich fürchte, ich muss euch enttäuschen.“
    Sein Blick senkte sich kurz.
    „Ich bin weder ein Händler mit kostbaren Stoffen noch ein Jäger seltsamer Gelegenheiten. Naja, es sei denn, sie sind wirklich lohnenswert.“

    Seine Finger trommelten leicht gegen den Krug.
    „Und ein Narr… nun.“
    Der Blick hob sich wieder, und ein amüsiertes Funkeln trat in seine Augen.
    „Das Urteil überlasse ich lieber anderen.“

    Er hob den Krug erneut an und leerte den letzten Schluck, bevor er ihn wieder auf dem Tisch abstellte.

    „Ich züchte Singvögel.“
    Der Satz fiel ruhig, beinahe beiläufig, als wäre daran nichts besonders Erwähnenswertes.

    „Ein wenig Handel gehört natürlich dazu. Aber die meiste Zeit verbringe ich damit, Vögeln beizubringen, Dinge zu tun, die ihnen eigentlich nicht in den Sinn kämen. Für Leute, die mehr Geld als Geduld haben.“
    Ein Hauch von Selbstironie schlich sich in seine Stimme.
    „Man entwickelt dabei zwangsläufig eine gewisse Gelassenheit.“

    Für einen Moment schwieg er, während sein Blick wieder zu den Tagelöhnern glitt, die sich inzwischen hastig wieder ihrer Suppe widmeten — oder zumindest so taten, als hätten sie sie nie aus den Augen gelassen.

    „Seltsam“, murmelte er schließlich.
    „Ich war mir sicher, ich hätte eben noch Bier gehabt.“

    Sein Blick glitt zur Theke.

  • Von der Wirtin, hörte man nur eine entfernte, etwas ungehaltene Diskussion aus der Kombüse.

    " Du schimpfst dich Smutje... Dann schmeiss das Gemüse mit in die Suppe oder mach Brot daraus, wenn dein Gehilfe, das falsche Zeug einkauft, nutz es gefälligst! Würde ich so miserabel arbeiten, hätten wir garnichts. - Alle stinkend Faul heutzutage.-"

    Etwas aufgelöst, das Windvolktypische Haar, mehr vom Wind erfasst als sonst, wirkten die weissen Strähnen ebenso aufgebracht wie die Wirtin selbst. Mit jedem Schritt schien sich das doch wieder ein wenig zu legen. Die dampfende Suppe mit einer Ordentlichen Scheibe Dunklen Brotes wurde geschickt in der Linken Hand balanciert, Ein rotes Kissen unter den Arm geklemmt, griff sie nach einem frischen Humpen und füllte ihn, als würde sie spüren, wenn jemand in der Schenke dem Durst zu verfallen drohte. Ihre Bewegungen waren fahrig und etwas ungehalten. Einige Schaumspritzer landeten beim hinübertragen zum Tisch der beiden jüngeren Gäste auf dem Boden, doch nur, weil sie den Krug ohnehin etwas zu voll gemacht hatte.

    " Hier, Suppe und.. Ein Sitzkissen.. und der Durst war vermutlich größer als erwartet. Nach einem harten Tag nichts ungewöhnliches, das passiert vielen." winkte Orvaine ab und stellte zuerst die Suppe vor Lelia ab, reichte ihr dann das Kissen und tauschte schließlich den Leeren gegen einen vollen Krug aus.

  • Das Entgegeneilen der aufgebrachten Wirtin brachte Brennan dazu, kurz die eine Hand an den Mund zu heben, um sein Schmunzeln zu verbergen. Als der frische Krug seinen dann Platz vor ihm fand, nickte er Orvaine dankend zu.

    „Sehr aufmerksam. Habt Dank.“ Sein Blick wanderte kurz zu Lelia, dann wieder zur Wirtin.

    „Sagt… wäret ihr noch so gut und würdet uns noch eine Runde eures Hausschnapses bringen? Auf meien Kosten natürlich.“

    Ein breites Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück.

    „Auf eine angenehme Gesellschaft sollte man schließlich anstoßen.“

    Sein Blick glitt kurz zu der Lyra neben Lelia.

    „Und ich würde das gern tun, bevor sie beschließt, ihre Musik als Ausrede zu nutzen, um vor mir und meinen langweiligen Erzählungen zu fliehen.“

  • „Kein Wunder! Urteile sind etwas für ängstliche Leute, die des Denkens müde sind“, sprach die Satyrin aus, während sie die Tagelöhner noch einmal musterte, dann aber endgültig ihren Blick abwandte. So lange es dabei blieb und es nicht in etwas Unschönem ausartete, gab es keinen Grund zur Sorge. „Das klingt, als hättet ihr Erfahrungen auf diesem Gebiet“, sprach sie im Angesicht von Berrans Erkenntnis, dass sich jene Leute erstaunlich oft irrten.

    Nun ging es um ein erheiternderes Thema. Das Handwerk dieses Mannes. „Singvögel...“, wiederholte Lelia seine Worte, in ihre Miene legte sich ein wenig Verblüffung. Das hatte sie nicht erwartet! „Wie darf ich das verstehen? Bringt ihr Rotkehlchen und Nachtigall bei gemeinsam im selben Takt zu zwitschern oder einem Specht davon abzuhalten das Eichhörnchen zu belästigen?“ Sie legte ihren Kopf schief. War das etwas, wofür die Leute ihn bezahlten? Was für seltsame Berufe es doch gab.

    Lelia folgte den jungen Mann, der bedauernd auf seinen Bierkrug blickte. Noch ehe sie darauf reagieren konnte, kam auch schon die Wirtin angerannt mit der Suppe, dem Brot und einem weichen Kissen … und als hätte sie die Gedanken des Vogelzüchters gelesen auch noch mit einem neuen Bier, was sie mit einem kurzen Danke quittierte. Als wäre dies nicht genug, ließ er ihnen beiden noch Hausschnaps bringen. Ein verschwörerisches Lächeln legte sich auf ihre zarten Lippen. „Aber nicht doch … wo mir doch ein Vögelchen gezwitschert hat, dass ihr zu gerne das Singen übernehmen würdet“, wandte sie ein und blickte ihn herausfordernd an.

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • Brennan hob bei ihrem Einwand leicht eine Braue. „Ein Vögelchen also…“

    Der Vogelhändler lehnte sich ein wenig zurück, musterte die Satyrn einen Augenblick und schüttelte kaum sichtbar den Kopf. „Nein, was das Singen betrifft…“ Seine Mundwinkel zuckten belustigt. „Ich fürchte, dafür braucht es bei mir deutlich mehr Schnaps, als diese Schenke freiwillig herausrücken würde. Meine Vögel sind da wesentlich musikalischer als ich.“

    Er ließ sich einen Moment Zeit, als überlege er, ob er ihre Frage tatsächlich ernsthaft beantworten wollte. Doch ihre Verblüffung wirkte ehrlich genug, um weiter zu reden. „Rotkehlchen und Nachtigallen im selben Takt zwitschern zu lassen, wäre noch die harmlosere Übung“, fuhr er schließlich fort. „Die meisten Leute glauben ja, ein Vogel sei nur hübsch anzusehen und angenehm anzuhören. Dabei sind sie erstaunlich kluge kleine Geschöpfe, wenn man weiß, wie man mit ihnen umgehen muss.“ Ein beinahe verschwörerisches Lächeln huschte über sein Gesicht.

    „Mit genug Geduld kann man ihnen beibringen, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Manche hören mehr, als ihren Besitzern lieb sein dürfte. Andere finden Dinge wieder, die längst verloren schienen. Und wieder andere…“ Er hob leicht die Schultern und beugte sich Lelia etwas entgegen. Sein Ton wurde leiser, gedämpfter, verschwörerisch. „…sollten besser nicht weitererzählen, an wessen Fenstern sie schon gesessen haben.“

    Er nahm sich wieder zurück. Die Stimmelage wurde wieder normal. „Ich stamme aus Shay'vinayar. Dort gehört die Vogelkunst fast zum guten Ton“, fügte er ergänzend hinzu. „Man wächst damit auf — mit Käfigen am Fenster, mit trainierten Boten und mit Nachbarn, die behaupten, ihr Star könne besser zuhören als der halbe Stadtrat.“

    Für einen Augenblick blieb sein Blick offen auf ihr ruhen, ruhig, aufmerksam, mit jenem feinen Unterton, der nicht ganz verriet, ob er scherzte oder ihr gerade mehr Wahrheit zugestand, als gewöhnlich klug gewesen wäre. Dann schwand der Ernst wieder aus seinen Zügen. Die dunklen Augen funkelten amüsiert.

    „Eine Zeit lang hatte ich meinen Laden in Nir'Alenar aus den Händen gegeben. In letzter Zeit kümmere ich mich wieder selbst darum. Manchmal ist es ganz angenehm, wenn die Dinge wieder dort sind, wo sie hingehören. Und nun bin ich fast versucht, euch dieselbe Frage zu stellen“, meinte er schließlich mit einem warmen Anflug ehrlicher Neugier. „Wenn ihr schon so genau auf das hört, was euch kleine Vögelchen zuflüstern — verratet mir: singt ihr nur, um Münzen zu verdienen… oder auch, um Leuten Dinge zu entlocken, die sie bei klarem Verstand lieber für sich behalten würden?“

  • „Einen Versuch war es wert...“, erwiderte Lelia lachend, auch wenn sie es insgeheim ein wenig bedauerte, dass sich der Vogelhändler auf diesen Spaß nicht so leicht einlassen wollte. Doch sie ließ es auf sich ruhen. Vielleicht brauchte er auch einfach ein bisschen länger um richtig aufzutauen.

    Fasziniert lauschte sie seinen Worten die er über seine Zuchttiere verlor. Erstaunlich kluge kleine Geschöpfe. Die Art, wie er über sie sprach, diese Leidenschaft … zur rechten Zeit am rechten Ort sein, Botengänge … sie blinzelte einen Moment, als der junge Mann näher kam und davon sprach, dass manche besser nicht erzählen sollten, an welchem Fenster sie waren. „Ihr setzt sie ein um … Leute zu belauschen?“, fragte sie ebenso leise, war es doch etwas das wohl nicht jeder hören sollte. Konnte dieser Mann tatsächlich mit den Vögeln kommunizieren, wie er es gerade mit ihr tat? Das … konnte wahrlich verhängnisvoll sein für manch einen.

    Als er sich wieder zurück lehnte, begann die Satyrin langsam ihre Suppe zu löffeln. „Faszinierend...“, kommentierte sie so nebenbei seine Worte und zupfte an ihrem Brot. „Was habt ihr getan? In der Zeit, als ihr euch nicht um den Laden gekümmert habt?“ Warum sollte er ihr sonst von diesem Detail erzählen, wenn er nicht vor hatte ihr auch darüber zu berichten. Doch dann drehte er die Frage um. Eine verhängnisvolle Frage, die sie beinahe dazu gebracht hätte die Suppe wieder zurück in den Topf zu befördern.

    Sie hielt inne, spürte kurz wie sich ihr Magen zusammen zog und schluckte die warme Brühe herunter und sei es auch nur um sich Zeit zu verschaffen. Erst dann legte sie den Löffel zur Seite und zwang sich zu einem Lächeln, während sie auf die kleine Talgkerze sah, die jenen Tisch erleuchtete auf dem die beiden gerade saßen. Das Licht tanzte unruhig auf ihren Hörnern und warf lange spitze Schatten auf die grobe Holzwand hinter ihr.

    „Was für eine interessante Frage, Brennan“, sagte sie leise, während sie sich mit dem Handrücken die Lippen tupfte. Sie wich seinem Blick nicht aus. „Entweder traut Ihr mir ein außergewöhnliches Talent zu... oder Ihr habt bereits Geschichten gehört, die weit über das hinausgehen, was eine einfache Bardin in einer Schenke zu bieten hat.“

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

    Edited once, last by Lelia (March 17, 2026 at 9:16 PM).

  • Brennan ließ den Krug langsam kreisen, als würde er die Bewegung nutzen, um seine Gedanken zu ordnen.
    Das leise Lachen, das ihm entwich, war warm – und verriet, dass ihn ihre Reaktion durchaus amüsierte.

    „Nein“, sagte er ruhig, „ich setze die Tiere nicht ein. Ich bilde sie nur aus. Was andere dann mit ihnen tun, liegt selten noch in meiner Hand.“

    Seine Mundwinkel hoben sich einen Hauch.

    „Und in Shay’vinayar habe ich im Grunde nichts anderes getan.“
    Er zuckte leicht mit den Schultern.
    „Nicht besonders aufregend, ich weiß. Aber Geschäftsbeziehungen wollen gepflegt werden.“

    Sein Blick glitt kurz über den Tisch, die Kerze, das Brot in ihrer Hand – bevor er wieder zu ihrr zurückkehrte und dort einen Moment blieb um ihre Reaktion aufzunehmen.

    „Nein, ich habe keine Geschichten über euch gehört. …“
    Ein kleines, entspanntes Schmunzeln.
    „Ihr habt nur gerade so reagiert, als wärt ihr es gewohnt, dass man euch unterschätzt. Und ich traue euch etwas zu. Sonst hätte ich die Frage nicht gestellt.“ Frech zwinkerte er ihr zu.

    „Und ehrlich gesagt…“
    Er hob den Krug erneut ein wenig an, ohne zu trinken.
    „…wäre es ein wenig enttäuschend gewesen, wenn ihr mir jetzt einfach eine saubere, gerade Antwort geliefert hättet, Lelia.“

    Der Dunkelhaarige lächelte und lehnte sich ein Stück zurück, als hätte er es nicht eilig.

    „Also lasst euch ruhig Zeit.“ Wieder dieser leise Anflug von Belustigung in seiner Stimme. „Ihr wisst, ich bin geduldig.

    Edited once, last by Brennan (March 19, 2026 at 7:38 AM).

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