Der kleine Laden im Händlerviertel ist auffällig, weil er anders wirkt, fremdartig und märchenhaft. Ein schmuckes Schaufenster, von blauen Vorhängen geschmückt, auf denen Perlen funkeln. Ein Sortiment kostbarer Phiolen und Fläschchen, das darin ausgestellt ist, eingebettet in Korallen, Muscheln und Blüten. Alles erinnert an das Meer. Das blaue Mosaik des Bodens, das Wellen nachempfunden ist. Die muschelförmigen Halterungen an den marmorweißen Wänden, auf denen eine Vielzahl von Gefäßen zu finden sind. Kleine Tiegel mit duftenden Cremes und schimmernden Pudern, Phiolen voller Duftwässer, deren Farben an den Ozean erinnern. Wie Perlen sind sie dort aufgereiht und wecken die Neugier der Besucher.
Düfte wallen durch die Tür, sobald man sie öffnet, betörend für die Sinne, überwältigend beinahe. Verlockend. Doch sobald die Besitzerin des Ladens hinter der Theke hervorkommt und eine Auswahl ihrer Waren zu der mit hellblauem Samt bezogenen Sitzecke bringt, legt sich dieser Eindruck. Die Welt wird ein wenig stiller und lässt nur noch Raum für die duftenden Gemische in den Phiolen.
Düfte faszinieren Amaray, seitdem sie ihre Heimat unter dem Meer verlassen hat und zum erstem Mal eine Facette dieser Welt wahrnahm, die unter dem Ozean nicht existiert. Eine eigene Magie liegt in der Welt der Blüten und Harze, der Gewächse und Substanzen, einer Melodie gleich. Und ähnlich zu der Zeit ihres Studiums der Magie, hat sie alles verfügbare Wissen aufgesaugt und es zu ihren eigenen Kompositionen verwoben. Wissen, das sich ihr nicht entzieht, Magie, die sie weben kann und die verzaubert, ohne dass es dafür der Hilfe eines Elementargeistes bedarf.
Amarays Geschick als Parfumeurin ist groß. Fern der Welt der Düfte aufgewachsen, nimmt sie diese auf eine andere, intensivere Weise wahr, die sich auch in ihren Kreationen wiederfindet. Dies hat ihr in der Stadt einen gewissen Ruf verschafft, der die Kundschaft zu ihrem Laden führt und das Perlenherz zu einer Anlaufstelle für all jene macht, die sich wünschen, die Schönheitsgeheimnisse der Meeresvölker für sich zu nutzen.
Im hinteren Bereich des Ladens, hinter einem dichten blauen Samtvorhang verborgen, befindet sich Amarays Duftküche, jener Ort, an dem sie allerlei Kosmetika und natürlich ihre beliebten Duftwässer herstellt. Darüber liegt ihre kleine Wohnung, die sie jedoch selten für eine andere Seele zugänglich macht. Wer sie betritt, findet eine kleine Welt, vollgestopft mit Büchern und Schriftrollen, ungewöhnlich mit ihren unzähligen Kissen, die Stühle ersetzen. Wenig daran wirkt für einen Landbewohner gewöhnlich, doch gewöhnlich ist auch Amaray selbst nie gewesen.