[Fest des Erwachens] Der erste Tanz

  • Ein Hauch von Magie und erwartungsvoller Unruhe lag über dem Festgelände, das sich wie ein Reigen aus Duft und Farbe unter dem weiten Himmel des Philosophenviertels ausbreitete.

    Der Winter hatte seinen Griff endgültig gelockert und Platz gemacht für ein Fest, das die Sinne geradezu berauschte. Der Platz war kaum wiederzuerkennen. Wo sonst nackter Stein oder schlichter Rasen gewesen war, blühte es nun in verschwenderischer Pracht.

    Hauchdünne Seidenbänder in allen Farben des Frühlings spannten sich zwischen den alten Bäumen und tanzten im milden Wind. Der Duft von frisch geschnittenem Gras, süßem Flieder und schwerem Honigwein lag in der Luft.

    Im Zentrum des Platzes hatten sich Musiker eingefunden, die noch leise, beinahe zurückhaltend spielten – gezupfte Harfensaiten, das klare Klingen einer Flöte, während die Trommeln im Schatten auf ihren Einsatz warteten. Noch mischten sich die Gäste untereinander, lachten, musterten einander und präsentierten ihre Gewänder. Doch über allem lag eine unausgesprochene Frage:

    Wer würde die eigene Farbe spiegeln?

    Dann schwoll die Musik an. Langsam zunächst, beinahe unmerklich – bis sie schließlich den Moment einleitete, in dem Gespräche verstummen mussten und das Schicksal – oder das Verhandlungsgeschick der letzten Stunden – die Paare auf die Tanzfläche führen würde.

  • Lelia hatte sich bemüht nicht allzu spät zum Tanzabend zu erscheinen, denn dann wäre der erste Tanz wohl dahin. Und wer wusste schon, wer von den anderen Gästen dann einsam und traurig in der Ecke stehen würde, wenn sie beispielsweise ihre Tanzkarte verloren hätte. Aber gut, man sollte nicht vorzeitig über schlechte Omen reden.

    In jedem Fall hatte es noch eine geeignete Garderobe gebraucht … und jemanden der ihr die Haare flocht. Doch nun war sie fertig. Gekleidet in hauchdünnen Stofflagen in den Farben des Sonnenaufganges Sanftes rosa, leuchtendes Apricot und warmes Goldgelb flossen in und übereinander. Ihr Mieder war von goldenen Stickereien durchzogen, die sich wie zarte Ranken über den Stoff zogen, fast so als würden sie wachsen. Die dicken geflochtenen Zöpfe schmiegten sich an ihre dunklen Hörner, welche wie ein besonderer Kopfschmuck wirkten. Ihre Beine waren mit Fußbändern geschmückt. Trotz des besonders edlen Anlasses wollte sie sich immer noch die Leichtigkeit einer Bardin beibehalten, was sich in ihrem Stoff wieder fand. Auch ihre Streichlyra hatte sie mitgenommen, legte sie wortlos zu den anderen Musikanten. Vielleicht würde man ihr erlauben auch ein wenig zu spielen, möglicherweise auch gemeinsam mit den anderen?

    Doch zunächst galt es erst einmal den ersten Tanz zu absolvieren. Vorsichtig holte sie aus ihrer Tasche den Umschlag hervor... während sie sich neugierig umsah, wer diese beruhigende und doch sehr vertraute Farbe teilte, die sie gerade am heutigen Abend nicht trug, weil ihr der Sinn nach etwas anderem stand.

    Lelias Kleid

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • Ganz in der Nähe der Musizierenden stand Amelie in ihrem nachtblauen Kleid, dessen Stoff ebenso aufgeregt zu funkeln schien, wie ihr Herz klopfte. Unter die für ein Fest typischen Düfte mischte sich heimlich der Geruch frischen Windes, der einen Hauch des Geruchs von salzigem Meerwasser um die Nase all jener wehte, die sich in Amelies Nähe befanden.

    In welcher Farbe ihre Karte sich präsentieren würde? Das wusste die Nymphe noch nicht. Seit sie den Umschlag in ihre zum Kleid passende Tasche hatte gleiten lassen, hatte sie diese nicht mehr hervor geholt. Noch immer war sich die Priesterin sicher, dass Shirashai die Geschicke bei diesem Tanz leiten würde.

    Tief durchatmend betrachtete Amelie die ebenfalls anwesenden Gäste, betrachtete deren Gewänder, lauschte dem Lachen, dem einen oder anderen Gesprächsfetzen und der Musik. Letztere schien nun darauf bedacht, die ersten Tanzpaare heran locken zu wollen und noch immer glitten Amelies Blicke über die Anwesenden, stets begleitet vom rhytmischen Pochen ihres Herzens.

  • Brennan hatte den Platz nicht überstürzt betreten.

    Er war keiner von denen, die sich vom ersten Klang der Musik treiben ließen. Stattdessen ließ er sich Zeit – blieb am Rand stehen, musterte die Besucher des Festes, die nach und nach ihre Umschläge hervor holten um ihre Karten zu präsentieren. Sein Blick glitt über die Menge. Gewänder, Farben, Bewegungen.

    Ein Spiel. Und seine Farbe war noch nicht gefallen.

    Langsam griff er in die Tasche seiner Jacke, zog die Karte hervor. Nur ein kurzer Blick auf seine Farbe genügte, dann verschwand sie wieder. Ein Blick, der nicht aus Unsicherheit herrührte, sondern aus Kontrolle.

    Seine Schritte trugen Brennan näher an das Zentrum heran, dorthin, wo die ersten Paare sich bereits sammelten.

    Und dann fiel sein Blick auf sie.

    Lelia.

    Ein leises, kaum sichtbares Lächeln huschte über Brennans Lippen. Die Bardin war unverkennbar - und Brennan hatte bereut, dass ihr letztes Aufeinandertreffen so abrupt geendet hatte. Er blieb nicht sofort stehen. Stattdessen ließ er sich noch einen Moment treiben, näherte sich ihr langsam, als hätte er sie nur zufällig bemerkt. Erst als er direkt neben ihr stand, wandte er sich ihr ganz zu.

    „Man sollte meinen, der Sonnenaufgang hätte sich verlaufen…“

    Seine Stimme war weich, sein Lächeln wurde eine Spur breiter.

    "Es freut mich euch zu sehen, Lelia. Sagt, gehört ihr zu denen, die heute mit ihrer Musik verzaubern, oder seid ihr ebenfalls für den Tanz hier? Und falls Letzteres zutrifft,... welche Farbe hat euch das Schicksal zugedacht?" Sein Blick suchte fragend ihren Blick.

  • Inmitten des Reigens aus bunten Kleidern und Tüll stand er da. In seinem edlen dunklen Gehrock, den die Schneiderin extra für ihn hatte anfertigen lassen. Die Vorbereitungen hatten eine Weile gedauert. Seine schwarzen Federn wurden sorgfältig geputzt, das Monokel gereinigt. Die Haare sorgfältig gekämmt. Es war anders als an anderen Tagen an denen er sich der Öffentlichkeit präsentierte. Es war keine Attraktion, die er präsentieren würde und er war auch nicht als Teil des Zirkus hier, sondern als ein Mann vom Stand der er war. Ein Corvae, wie man unmissverständlich an seinen Beinen erkennen konnte, die seinen dunklen Anzug erweiterte. Auch die Flügel wurden passend integriert und sogar ein wenig durch zusätzliche Federn verstärkt, um seine Natur sogar noch zu unterstreichen anstatt sie zu verstecken. Die mit dunklen Handschuhen versehene Hand lehnte an einem Gehstock, während er die Menge mit scharfem Blick musterte.

    Unwillkürlich blieb sein Blick dabei an ein paar jungen Mädchen hängen, viel zu jung für sein Alter, aber dennoch regte sich etwas an seiner Miene, während er sah wie sie lachten und dabei ihre Tanzkarten verglichen. Vor seinem inneren Auge sah er nicht sie, sondern Sölvi, so wie sie sein könnte. Gekleidet in einem hellen Frühlingskleid mit einem Kranz von bunten Blumen im Haar. Ihre Haut, zart und unbehaart, ihre Schultern frei von den großen dunklen Schwingen, die so ganz und gar nicht zu ihrem Wesen passten. Dabei fühlte er eine gewisse Schwere in seiner Brust. Sölvi sollte hier sein. Sie hatte das Recht gehabt über die Unbeschwertheit des Frühlings zu lachen, anstatt in dieser dumpfen Ecke seines Wagens zu hocken, gezeichnet von Valeskas Grausamkeit. Doch er konnte ihr diesen Moment nicht schenken. Nicht heute, aber eines Tages bestimmt. Wie... das musste er noch heraus finden.

    Mordecai auf dem Fest

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

  • Elayas grüner Blick schweifte über die Anwesenden des Festes. Sie musterte die verschiedenen Gestalten, die sich zurechtgemacht hatten, um den Frühling willkommen zu heißen. Sie selbst trug eine locker geschnittene Bluse aus naturbelassenen hellen Leinen. Durch den gerafften Ausschnitt und die weiten Ärmel verlieh sie ihr eine gewisse Leichtigkeit und passte zur Jahreszeit, für die das Fest bestimmt war. Um den Hals trug sie verschiedene Ketten aus Holzperlen und kleinen Schmucksteinen und dazu passende Armbänder an den Handgelenken. Der Schmuck wirkte etwas zusammengewürfelt und gleichzeitig naturverbunden und passend für die Artistin. Ebenso wie das grüne Band in ihren Haaren, das sie mit ein paar Strähnen ihres ansonsten offenen Haares zu einem schmalen Zopf an der rechten Seite geflochten hatte. Sie hatte frisch gepflückte Butterblumen darin eingewoben, die einen frühlingshaften Akzent setzten. Zur Feier des Tages trug sie sogar einen Rock, der schwungvoll bis zu ihren Knöcheln hinab fiel. Er war weit geschnitten und bot entsprechende Bewegungsfreiheit. Immerhin war sie auch zum Tanzen hier. Der Stoff war in einem tiefen Waldgrün gefärbt und sein Muster bestand aus verschiedenen Ornamenten und Schnörkeln in ähnlichen Farben wie der Grundton, wodurch der Rock etwas hochwertiger wirkte als die abgenutzten Lederhosen, die sie sonst oft trug. Um die Hüfte trug sie einen dunkelbraunen Ledergürtel, an denen praktische Lederbeutel hingen. In einem von ihnen befand sich ihre Tanzkarte, die sie sich vor ein paar Tagen abgeholt hatte. In der Hand hielt sie einen Becher Honigwein, den sie schon halb geleert hatte, während ihr Fuß im Takt der Musik auf dem Boden wippte und darauf wartete, dass ihr die Tanzkarte ins Auge fiel, die zu ihrer eigenen passte. Allerdings war dem noch nicht so. Als die Musik ihren Höhepunkt erreichte und schließlich verstummte, woraufhin sich die ersten Tanzpaare fanden, schweifte ihr Blick erneut über die Tanzwilligen. Schließlich trat sie näher an die Tanzfläche heran und zog ihre eigene Karte aus dem kleinen Lederbeutel. Honiggelb war sie. Die Cath'shyrr besah sich die schmucke Karte in der warmen Farbe, die an Sommer und Sonnenschein erinnerte und eine Brücke zu den Blumen in ihrem Haar schlug. Elaya hielt die Karte gut sichtbar vor sich, während ihr Blick offen und in freudiger Erwartung über die Gäste in ihrer Nähe glitt.

  • Lelias Neugierde über ihren potentiellen Tanzpartner war nur von kurzer Dauer. Viel zu schnell hatte sie sich ablenken lassen, von der schönen Dekoration und einem Baum voller weißer Kirschblüten, die über den Platz herab regneten. Als befände sie sich in einer anderen Welt streckte sie ihre Hand scheinbar um sie zu fangen, als sie eine Stimme neben sich vernahm. „Man sollte meinen, der Sonnenaufgang hätte sich verlaufen…“ Vorsichtig drehte die Satyrin ihren gehörnten Kopf zur Seite. Ein Lächeln sanftes zeigte sich auf ihren Lippen. „Brennan“, sprach sie seinen Namen aus und musterte ihn von oben bis unten. Er hatte sich ordentlich in Schale geworfen und die Farbe stand ihm außerordentlich gut.

    „Die Freude ist ganz meinerseits“, erwiderte sie und machte einen leichten Knicks, wie man es häufig auf Tanzabende so machte. „Vielleicht … ein bisschen von beiden, sofern sie mich spielen lassen …“ Das war nicht immer abzusehen. Doch manchmal waren die hiesigen Musiker auch dankbar wenn sie eine Pause machen konnten oder hatten Lust mit ihr gemeinsam zu spielen. Ansonsten würde sie sich auch freuen einmal ausgelassen zu tanzen ohne für die Musik sorgen zu müssen. „Grün... die Farbe der Hoffnung und des Neubeginns“, beantwortete sie seine Frage ohne Umschweife, „Und... habt ihr auch eine Farbkarte bei euch?“

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • ‘Was für eine bezaubernde Nacht!’ Das ging der Dheoran durch den Kopf, als sie sich auf den Weg gemacht hatte von ihrem Lager in die Stadt hinein und zum Viertel der Philosophen. Natürlich war sie nicht allein und doch trennten sich dann die Wege von ihr und ihren Begleitern, da jeder das Fest für sich erleben wollte und nicht sie gemeinsam als Gruppe. Vielleicht würde man sich später wieder finden. Vielleicht aber auch nicht. Wer wusste das schon?

    Sie war nicht die erste, aber vermutlich auch nicht die letzte, die das Festgelände erreichte. Erwartungen und Vorfreude schwängerten die Luft und auch waren diese Empfindungen den bereits Anwesenden anzusehen. Welch wunderbares Ereignis! Welch wunderbare Idee!

    Atashkada hatte ein recht buntes Kleid gewählt. Alle Farben waren in einem Farbverlauf darin vereint und Blumen waren vor allem auf dem Oberteil, aber auch hier und da auf das Kleid gestickt. Die Trompetenärmel waren in gleichem Farbverlauf und glichen nur einem Hauch von Stoff, während der Rock einige Lagen davon aufwies, die Säume golden abgefasst. Passend zu ihrem Kleid zeigte sich ihr Haarband, mit dem sie ihre Lockenpracht etwas versuchte zu bändigen. Ihre Schuhe waren einfach und weich und würden ihr es erlauben, den gesamten Abend bis hinein in die frühen Morgenstunden zu tanzen. Sie freute sich sehr.

    Als sich die Fahrende umsah, bemerkte sie, dass sie keine Karten entdeckte, alle schienen diese noch immer geheim zu halten. Nur, wie sollte man sich finden, wenn der Großteil der Anwesenden ihre Karten verbargen? Sicher, man konnte das Gespräch suchen, doch wie lange würde es dauern, bis man den einem zugedachten Partner dann gefunden hätte?

    So tat sie es anders als die anderen. Sie holte ihre Karte hervor, die von einem klaren Saphirblau mit goldenen Linien verziert war. Sie hatte an dieser bereits ein Band befestigt und legte sich dieses nun um ihr Handgelenk und trug diese Karte nun einer Tanzkarte gleich.

    Hier und da tuschelten und unterhielten sich die Leute, wieder andere besahen sich der Szenerie. Atashkada trat in den Zwischenraum, der sich zwischen einer wunderschönen Frau in einem nachtblauen Kleid und dunklem Haar und einem Corvae auftegan hatte. “Ein herrlicher Abend”, sagte sie so, dass man sie hören konnte, wenn man es wollte, aber nicht musste. “Und alles so schön herausgeputzt.”

  • Der Tag des Festes war gekommen. Navaron hatte die Arbeit heute früher niedergelegt und ein ausgiebiges Bad genommen, da er den Feiernden nicht den intensiven Duft von Pferden zumuten wollte. Er holte seine edelste Kleidung hervor und kleidete sich in diese. Schwarz waren all die nachfolgend aufgezählten Kleidungsstücke: Hose, hohe Lederstiefel, Hemd und Weste. Die Weste aber zierten Ornamente, die mit einem Silberfaden gestickt worden waren. Gleiche Ornamente fanden sich auf dem dunkelroten Gehrock, den er sich übergeworfen hatte. Die fliederfarbene Karte für das Tanzfest des Abends steckte er sich in die Brusttasche und dort wirkte sie ein wenig so, wie ein Einstecktuch. Natürlich ließ er sie hiervorblinzeln, dass sie auch erkannt werden mochte.

    Er war nicht allein auf den Straßen unterwegs und musste auch nur den gut gekleideten Personen folgen, die das gleiche Ziel wie er hatten. Auf dem Weg dorthin hatte er schon mit dem ein oder anderen Blick versucht, eine Karte mit gleicher Farbe zu erkennen, doch hatte er diese nicht entdeckt. Und auch auf dem Platz des Festes hielten viele ihre Karten noch verborgen. Er hatte sich einen Becher wässrigen Eins geben lassen, diesen geleert und war dann an die Tanzfläche herangetreten. Dort entdeckte er eine junge Frau mit durchdringend grünen Augen. Ihre Tanzkarte hatte zwar nicht seine Farbe, dennoch beschloss er, ein kurzes Gespräch würde ja nicht schaden. “Einen wunderschönen Abend, wünsche ich Euch. Navaron mein Name.”, grüßte er die junge Frau mit hellem Haar (Elaya) und deutete eine Verbeugung mit einem belustigten Lächeln an. “Leider stimmen die Farben unserer Karten nicht überein. Habt Ihr schon einen Überblick, wie viele Paare sich für den ersten Tanz bereits gefunden haben?

  • Die Mädchen begannen zu tuscheln und blickten dabei leicht verängstigt in Mordecais Richtung, ehe sie eine andere Richtung einschlugen. Der Corvae schlug die Augen nieder und konzentrierte sich wieder auf das Fest. Nicht, dass er mit seinem Verhalten die Gerüchte noch verschärfte, die über ihn gestreut wurden.

    Er brauchte eine Ablenkung... er brauchte … “Ein herrlicher Abend”, vernahm er eine Stimme in seiner Nähe. „In der Tat“, erwiderte er ihre Worte mit tiefer, leicht krächzender Stimme und warf einen Blick nach oben in Richtung Himmel, „In der Tat“, wiederholte er abermals seine Worte auch auf die Tatsache bezogen dass hier alles schön heraus geputzt war, denn ihm fiel im Augenblick nichts besseres ein, während er seinen Gehstock fester hielt und die Dame mit einer gewissen akribischen Aufmerksamkeit musterte. Ihr Kleid verlief in sämtlichen Farben, die er nur zu kennen glaubte und schien dennoch an ihr zu harmonieren. Sie strahlte eine gewisse Unbeschwertheit aus. Er warf einen Blick auf ihr Handgelenk an dem bereits ihre Tanzkarte befestigt war.

    „Saphirblau und Gold … eine Farbe von seltener Tiefe für so ein … lebhaftes Fest. Findet ihr nicht auch?“ Dabei fiel ihm ein, er hatte doch selbst noch irgendwo seine Karte bei sich. Also kramte er in seinen Taschen herum und zog sie hervor. Kurz zog er einen seiner Handschuhe aus, wobei er dann sorgfältig mit einer seiner Krallen das Siegel aufbrach und seine Karte aus dem Umschlag hervor holte und mit mit einem Hauch von Erstaunen darauf blickte ehe er sie her zeigte.

    „Was sagt man dazu?“, sprach er, seine Stimme war nun um eine Oktave höher, während er den Handschuh wieder anzog. Es wirkte fast so als hätte er gerade einen Zaubertrick vollführt, als seine Karte ebenfalls die Farbe Saphirblau offenbarte. Gespannt wartete er ihre Reaktion ab, während er in ihre Augen sah, die recht ungewöhnlich blau waren für ihren bronzefarbenen Hautton und den schwarzen Locken.

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

  • Die Cath'shyrr musterte gerade die Anwesenden in unmittelbarer Nähe der Tanzfläche, immer noch in der Erwartung, die zweite honiggelbe Karte zu entdecken, als sie eine Bewegung im Augenwinkel wahrnahm. Sie drehte den Kopf und begegnete dem silbernen Blick eines hochgewachsenen Mannes, der an ihrer Seite aufgetaucht war. “Einen wunderschönen Abend, wünsche ich Euch. Navaron mein Name.” Bei seiner freundlichen Begrüßung schlich sich ein Lächeln auf ihre Lippen, das bei seiner Verbeugung eine Spur breiter wurde. Sie wandte sich zu ihm herum, musterte seine Kleidung und stellte fest, dass er sehr viel festlicher gekleidet war als sie, wenn auch in der Farbwahl deutlich zurückhaltender. Aber sie bemerkte, dass die silbernen Ornamente gut zu seinen Augen passten. Und ihr fiel die fliederfarbene Karte ins Auge, die im starken Kontrast zu der Einfarbigkeit seiner Kleidung stand. Er war also nicht ihr Tanzpartner. "Guten Abend", wünschte sie dennoch durchaus offen und neigte den Kopf, verzog dann etwas schelmisch den Mund, weil sie sich nicht sicher war, ob das förmlich genug war. Andererseits ließ sein belustigtes Lächeln vermuten, dass er eventuell selbst nicht so großen Wert darauf legte. "Freut mich sehr, Navaron. Ich heiße Elaya", stellte sie sich dann ihrerseits gut gelaunt vor. “Leider stimmen die Farben unserer Karten nicht überein. Habt Ihr schon einen Überblick, wie viele Paare sich für den ersten Tanz bereits gefunden haben?” Die grünen Augen huschten zur Tanzfläche, die noch immer recht leer aussah. "Wie es aussieht, habt ihr nicht viel verpasst. Die meisten üben sich scheinbar in Zurückhaltung.. oder sie sind spät dran", witzelte sie und sah zurück zu Navaron. "Wie gefällt euch der Abend bisher? Seid ihr oft auf Festen unterwegs, um mit völlig Fremden zu tanzen?" Sie schaute ihn neugierig und schmunzelnd an. Von seinem aktuellen Auftreten her konnte sie sich ihn ganz gut in der feinen Gesellschaft vorstellen. Allerdings hatte das womöglich gar nichts zu sagen, denn Elaya war auch der Überzeugung, dass dieses Fest eine gute Gelegenheit bot, um seinem Alltag zu entkommen und in eine andere Rolle zu schlüpfen.

  • Die Musik, auch wenn sie bislang nur im Hintergrund leise spielte, verführte die Füße der Dheoran bereits dazu, sich leicht zu bewegen. Erfreut stellte sie fest, dass ihr Gesagtes aufgegriffen wurde. Es war der Mann des Rabenvolks, der ihrer Aussage zustimmte und so ließ sie einen neugierigen Blick, ihrer blauen Augen, die keine Pupille zeigten, über ihn wandern. Natürlich war Atashkadas Blick nicht neugieriger, als wenn er anderen Personen gegolten hätte, auch wenn sie natürlich die Geschichte der Corvae kannte und die Gesellschaft dieser nicht so gern gesehen war, wie die von ihrem Volk. Oft wurden Angehörige dieses Volkes mit Misstrauen, Argwohn und einem Teil Faszination betrachtet. Doch sie, Atashkada, war einfach nur an der Person und nicht an ihrer Herkunft interessiert. Sie interessierte sich für den Moment und nicht für das, was war oder sein würde. Zumindest nicht jetzt.

    Tasha hob ihr Handgelenk ein wenig an, als das Rabenkind auf die Farbe ihrer Karte zu sprechen kam. „Die Bedeutung ist so vielfältig wie die anwesenden Personen dieses Festes. Aber vielleicht vermag dieses Fest eine seltene Tiefe hervorrufen, obwohl es so lebhaft wirkt. Ich bin bereit mich darauf einzulassen“, gestand sie und lächelte freundlich, wie es eben ihre Art war.

    Als der Mann des Rabenvolks ihr nun seinen Karte zeigte, legte sich ein belustigtes Schmunzeln auf ihre Lippen. Als hätten die Karten schon im Vorfeld zusammengeführt, denn sie hatten nicht lange suchen müssen. Dennoch hätte es das Schicksal nicht interessanter treffen können, immerhin war das Volk der Corvae das absolute Gegenteil zu ihrem eigenen Volk. Was sich nicht zuletzt in der Kleidung zeigte. Wo der Fremde gänzlich in Schwarz gekleidet war, womöglich um das Schwarz seiner Federn zu unterschreichen, war ihr Kleid farbenfroh, wie ein Strauß bunter Blumen. „Dann seid Ihr wohl mein Partner für den ersten Tanz, dieses Abends“, sagte Tasha und glitt gekonnt in einen tiefen Knicks, präsentierte dabei nochmal ihr, wie sie fand, wunderschönes farbiges Kleid, welches auch durchaus ihre Vorzüge unterstrich und meinte: „Atashkada aus dem Feuer des Nelio, es freut mich sehr, Euch kennenzulernen.“ Sie hob den Blick, der bar von jedem Spott oder Hohn war, sondern purer Lebensfreude glich.

  • Die angesprochene Dame war durchaus bereit, Konversation mit ihm zu betreiben, was Navaron gern aufnahm. Er sah seiner Gesprächspartnerin in die wunderschönen und auch besonderen Augen, die verrieten, dass es sich bei ihr nicht um einen Menschen oder gar reinen Menschen handelte. Was Navaron aber nicht störte. „Ich freue mich ebenso Elaya.“ Er lächelte freundlich und folgte ihrem Blick zu der Tanzfläche, die wahrlich noch nicht viel besucht war. „Nun, so habe ich immerhin auch noch niemand vor den Kopf gestoßen“, meinte er leise belustigt, auf Elayas Aussage hin, dass er bislang nichts verpasst hatte. „Wie es aussieht, scheint es eine Art von Zurückhaltung zu sein, wenn Ihr mich fragt. Seht nur, wie sie alle suchend die Köpfe recken und auf mögliche Karten schielen, oder wie sie vermuten, dass die getragene Kleidung auch einen Hinweis geben könnte… Ich mag es lieber, wie Ihr es handhabt. Offen und leicht zu entdecken.“ Er lächelte sie froh gestimmt an und neigte dann den Kopf leicht hin und her. „Der Abend ist noch jung, aber bislang entwickelt er sich nicht schlecht, würde ich meinen. Noch besser würde er sich entwickeln, wenn Ihr mir vielleicht für später einen Tanz zusagen wollt?“, fragte er frei, offen und vielleicht auch etwas dreist nach. Aber die Karten sollten ja nur den ersten Tanz vergeben. So hatte er es verstanden. „Ich finde die Idee dieses Fests tatsächlich erfrischend, muss ich gestehen. Einmal, weil es eh viel zu selten Feste für die Allgemeinheit gibt und zum anderen, freue ich mich immer neue Leute in so ungezwungenem Umfeld kennenzulernen. Wer fremd ist, muss ja nicht fremd bleiben.“ Sein Lächeln war verspielt und seine Tonlage scherzend. „Wie steht es mit Euch?“

  • "Wie schön, dass ihr euch an meinen Namen erinnert, Lelia." Ein leises, fast unmerkliches Schmunzeln stahl sich auf Brennans Lippen, als Lelia ihre Farbe offenbarte.

    „Grün …“, wiederholte der Vogelhändler fast nachdenklich. "Die wahrscheinlich ehrlichste Farbe des Frühlings.." Doch als Lelia den Spieß umdrehte und nach seiner Farbe fragte, schüttelte Brennan nur amüsiert den Kopf. Für den Bruchteil einer Sekunde verharrte dabei seine Hand auf der Jackentasche, als wolle er die Karte hervorholen.

    Doch er tat es nicht.

    Stattdessen verkürzte er nur den Abstand zwischen sich und Lelia. Nur ein wenig. Grade genug um Vertraulichkeit anzudeuten, aber ohne die Grenze der Höflichkeit zu verletzen.

    „Sagen wir …“, begann er mit ruhiger Stimme „ihr müsst euch heute Abend nicht vor mir fürchten.“
    Ein spitzbübisches Lächeln huschte über seine Züge.
    „Meine Farbe ist leider nicht Grün."

    Er zwinkerte ihr vielsagend zu und der Schalk in seinem ein Ausdruck wich einem ehrlichen Interesse.
    „Aber.. ich würde es aufrichtig bedauern, wenn sich unser Treffen heute nur auf diesen kurzen Moment beschränken würden.“
    Der Vogelhändler neigte den Kopf, sein Blick hielt an Lelia fest. „Vielleicht findet ihr später noch Zeit? Natürlich nur, wenn das Schicksal uns gnädig ist – oder wir ihm ein wenig nachhelfen.“ Wieder lachte er ihr frech engegen, bevor er der hübschen Musikerin zunickte und sich abwandte.

    Langsam schritt er durch die Menge, den Blick aufmerksam auf den Karten, die hier und dort gezeigt wurden. Doch seine Farbe war nicht dabei, bis.. sein Blick plötzlich an einer jungen Frau hängen blieb. Gekleidet, wie der Frühling selbst. Und an ihre Karte.

    Honiggelb.

    Doch sie war nicht alleine. Und der Mann an ihrer Seite war - nach Brennans empfinden - keine schlechte Wahl. Aufrecht, gepflegt, mit genau der richtigen Mischung aus Selbstsicherheit und Charme. Der Vogelhändler beobachtete einen Moment lang aus der Distanz, wie die beiden miteinander sprachen, wie sie sich ansahen, ihre Körpersprache.

    Ein leises Schmunzeln legte sich auf seine Lippen, als er seine eigene Karte nun aus der Tasche holte und langsam zwischen den Fingern drehte. Honiggelb. Es mochten sicher noch einige Minuten vergehen, bevor die Musik aufspielte, so wenig Paare wie sich bisher gefunden hatten. Und nun, wo er zumindest seine Tanzpartnerin erspäht hatte, konnte er sich auch einen Überblick darüber verschaffen, wer noch auf dem Fest anwesend war...

  • Die ersten Paare schienen sich gefunden zu haben. Ob der passenden Kartenfarbe wegen oder einfach nur, um Kontakte zu knüpfen, blieb offen. Manche gingen auch wieder getrennte Wege. Da hatte wohl etwas nicht gepasst. Amelie beobachtete lediglich. Und sie konnte nicht verhindern, dass ihr Körper unwillkürlich anfing, sich im Rhythmus der Musik zu bewegen. Erst nur die Füße. Kaum auffällig.

    Und während ganz in ihrer Nähe bereits die ersten Paare ganz zaghaft die Tanzfläche betraten, wurde die Nymphe dann doch von Neugier gepackt. So zog sie den Umschlag ein Stückchen aus ihrer Tasche heraus und öffnete ihn achtsam. Ein sanftes Lavendel, durchzogen von feinen, goldenen Linien zeigte sich den Augen der Nymphe. Eine wundervolle Farbe, die ein glückliches Lächeln auf die vollen, rötlich geschminkten Lippen zauberte.

    Aber Amelie verspürte keine Lust zu warten, bis sich vielleicht das passende Gegenstück zu ihrer Karte finden würde. Die Musik lief jetzt, in diesem Augenblick. Die Tanzlaune war da. Und wer wusste denn schon, wann – und ob überhaupt – sie das passende Gegenstück zu ihrer lavendelfarbenen Karte finden würde. Sollte dieser Augenblick eintreffen, wäre sie ganz sicher nicht abgeneigt. Aber bis dahin würde sie tanzen. Allein. Das machte ihr nichts aus, hatte sie das doch auch in früheren Jahren schon oft gemacht und es ließ ihr Herz vor Freude hüpfen.

    Also drehte und tanzte sich die Nymphe anmutig im Takt der Musik über die Tanzfläche und achtete dabei nicht darauf, dass ein Stück der Tanzkarte aus ihrer Tasche lugte.

  • „Das eine schließt wohl das Andere nicht aus“, überlegte der Corvae laut, als es um die Bedeutung der Farbe Saphirblau ging. Es hatte eine Ähnlichkeit zu seinem Gehrock der in der Farbe Mitternachtsblau gefärbt war. Ein Ton der so dunkel war, dass er bei diesen Lichtverhältnissen vermutlich das Schwarz seiner Federn wieder spiegelte. Eine Tatsache, die ebenfalls ein Trugschluss war, wie die Farbe selbst. Kaum jemand wusste dass Seinesgleichen sämtliche Farben viel intensiver wahr nahm als die Meisten anderen Völker. Selbst das schwarze Rabengefieder leuchtete in seinen Augen in allen möglichen Farben, die sich kaum ein anderes Wesen vorstellen konnte.

    Wie der Zufall es wollte - oder war es das Schicksal selbst, dass sie unbewusst in die Nähe geführt hatte? - schien sie beide wohl für den ersten Tanz bestimmt zu sein. Er musste darüber ebenfalls leicht schmunzeln. Etwas, das man recht selten im Gesicht des Buchhalters sah, der seine Zeit am liebsten damit verbrachte sich über Zahlen den Kopf zu zerbrechen. „Mordecai Belasquin … aus dem Rabenhorst. Wie sich wohl unschwer erkennen lässt.“ Mit seinen Worten deutete er eine leichte Verbeugung an, während sich eine Hand unter seiner Brust ruhte und die andere gestreckt nach oben glitt und bewusst oder unbewusst die Pracht seiner Flügel offenbarten. Den Stock hatte er einfach los gelassen. Er war ohnehin nur zur Zierde da. Ebenso wie sein Monokel, das er gerade noch so mit gezielter Muskelanspannung fest am Auge halten konnte. „Nun denn... werte Atashkada.“, sprach er ehe er sich kurz bückte um den Stock wieder aufzuheben, „Erweist ihr mir die Ehre mich zur Tanzfläche zu begleiten?“ Er streckte eine Hand leicht gebeugt nach oben, damit sie sie ergreifen konnte oder auch nicht.

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

  • Navaron

    Das Fest war eine gute Gelegenheit, neue Bekanntschaften zu schließen, und Navaron schien eine der angenehmen davon zu sein. „Nun, so habe ich immerhin auch noch niemand vor den Kopf gestoßen.“ Da hob sich eine Augenbraue der Cath'shyrr. "Ach, besteht diese Gefahr?", erwiderte sie mit einer gewissen Überraschung in der Stimme und sie musterte ihn einen Moment prüfend, aber mit einem belustigten Funkeln in den Katzenaugen. Bis jetzt machte er nicht den Eindruck auf sie, als könnte er bekannt dafür sein, aber es machte sie neugierig, was dahinter steckte. „Wie es aussieht, scheint es eine Art von Zurückhaltung zu sein, wenn Ihr mich fragt. Seht nur, wie sie alle suchend die Köpfe recken und auf mögliche Karten schielen, oder wie sie vermuten, dass die getragene Kleidung auch einen Hinweis geben könnte… Ich mag es lieber, wie Ihr es handhabt. Offen und leicht zu entdecken.“ Elaya kicherte belustigt bei seinen Worten, die das, was sie sah, sehr zutreffend beschrieb. "Vielleicht gibt es ihnen ein gutes Gefühl, die Macht darüber zu besitzen, wie und vor allem wann sie ihr Geheimnis lüften", überlegte sie mit einem Grinsen. Vielleicht interpretierte sie aber auch nur zu viel hinein. Irgendwie steigerte es ja auch die Spannung. „Der Abend ist noch jung, aber bislang entwickelt er sich nicht schlecht, würde ich meinen. Noch besser würde er sich entwickeln, wenn Ihr mir vielleicht für später einen Tanz zusagen wollt?“ Zuerst nickte sie zustimmend, denn sie musste zugeben, dass das Gespräch ein angenehmer Zeitvertreib war bis zum Auftauchen ihres Tanzpartners. Dann aber stutzte Elaya sichtlich überrascht von seiner Offensive. Ihr war durchaus klar, dass es nur um einen Tanz ging. Trotzdem hatte sie nicht damit gerechnet, solch ein Interesse zu wecken. "Oh, wieso nicht", erwiderte sie etwas überrumpelt, bevor sie merkte, dass ihre Worte danach klangen, als hätte sie sowieso nichts Besseres vor. "Ich meine, gerne!", schob sie deshalb schnell hinterher und strich sich eine Strähne hinters Ohr. Der Abend würde in jedem Fall nicht langweilig werden und schließlich war sie wegen der Abwechslung hergekommen. „Ich finde die Idee dieses Fests tatsächlich erfrischend, muss ich gestehen. Einmal, weil es eh viel zu selten Feste für die Allgemeinheit gibt und zum anderen, freue ich mich immer neue Leute in so ungezwungenem Umfeld kennenzulernen. Wer fremd ist, muss ja nicht fremd bleiben. Wie steht es mit Euch?“ Sie betrachtete sein Gesicht mit dem sympathischen Lächeln und nickte. "Da sagt ihr etwas Wahres", stimmte sie zu. "Es ist schön zu sehen, dass dieses Fest für jedermann ist. Eine gute Gelegenheit, sich treiben zu lassen, eine Auszeit vom Alltag.. und wie man sieht, ein guter Ort, um nette Bekanntschaften zu schließen." Sie lächelte verschmitzt, weil sie durchaus ihn meinte. Allerdings klang sie dabei nicht so, als würde sie sich einschmeicheln wollen, sondern einfach nur aufrichtig.

    Ins Gespräch vertieft, hatte sie kaum Augen für ihr Umfeld gehabt. Jetzt bemerkte sie aber, dass sich immer mehr Paare fanden und sich die Tanzfläche Stück für Stück füllte. Dabei fiel ihr ganz besonders die Frau ins Auge, die dort ohne Tanzpartner tanzte. Elaya betrachtete die dunkelhaarige Tänzerin für einige Momente und lächelte versonnen über die reine Freude, die die Andere ausstrahlte. Ganz unabhängig von einem etwaigen Tanzpartner hatte sie auch ohne diesen Spaß, und das machte sie in Elayas Augen direkt sympathisch. Ihr Blick fiel auf die fliederfarbene Karte, die aus ihrer Tasche hervor blitzte. Sie wollte sich gerade an Navaron wenden, um ihn darauf aufmerksam zu machen, als ihr Blick in der Bewegung auf etwas anderes fiel. Eine honiggelbe Karte. Elaya hielt in der Bewegung inne und musterte den Mann, der ihre Zwillingskarte in der Hand hielt. Er hatte sich ähnlich in Schale geworfen wie Navaron an ihrer Seite. Elaya war ehrlich überrascht über den guten Kleidungsstil der anwesenden Männer, ließen einige Halunken in den Vierteln, in denen sie sich so herum trieb, doch nicht so eine vornehme Kleiderauswahl erahnen. Gleichzeitig konnte man den Eindruck gewinnen, dass ihre Kleiderwahl nicht ausgefallen genug war, was Elaya im Grunde aber nur authentisch machte. Falls der Mann mit ihrer Karte zu ihr hinüber sah, würde Elaya ihm mit einem wissenden Lächeln zunicken. Sie trug ihre Karte schon eine Weile offen vor sich, der Fremde stand in Sichtweite und machte bisher keine Anstalten, sie auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings legte sie auch nicht viel Wert darauf, förmlich aufgefordert zu werden, und vielleicht war er einfach nur höflich und wartete, bis sie ihr Gespräch beendete. Die Katzenaugen sahen schelmisch zu Navaron hinauf. "Scheint so, dass unsere Tanzpartner aufgetaucht sind." Sie lächelte ihm zu und deutete mit dem Kopf in Richtung Amelie. Dennoch führte das nicht dazu, dass sie ihn einfach stehen ließ. "Hoffentlich seid ihr schwindelfrei." Sie schnaubte amüsiert, denn die Tänzerin mit der fliederfarbenen Karte sah voller Energie aus und es war ihr anzusehen, dass ihr das Tanzen im Blut lag. "Also, dann sehen wir uns später zu einem Tanz?", kam Elaya noch einmal auf sein Angebot von vorhin zurück. Navaron schien freundlich zu sein und das kurze Gespräch hatte in jedem Fall ihre Neugierde geweckt. Sie grinste leicht und verabschiedete sich schließlich in aller Ruhe von ihm.

    Brennan

    Erst danach drehte sich die Cath'shyrr wieder in die Richtung des Mannes mit der honiggelben Karte. Die Katzenaugen suchten seinen Blick und kurz wartete sie ab, was er tun würde. Dann ging sie jedoch offen auf ihn zu und blieb ein paar Schritte vor ihm stehen. Mit einem leichten Schmunzeln hob sie ihre Karte ein Stück in sein Sichtfeld, obwohl sie sich ziemlich sicher war, dass er sie schon längst entdeckt hatte. "Guten Abend. Darf ich euch eure Tanzpartnerin vorstellen? Elaya mein Name", ergriff sie schließlich das Wort und musterte ihn unverhohlen aus der Nähe, als könne sie allein dadurch ergründen, mit wem sie es zu tun hatte.

  • „Wie bedauerlich...“, flüsterte Lelia leise. Es war ein wenig schade, dass die Farbkarten bestimmten, wer nun auf wem treffen würde. So sah die Bardin sich um und zog durch die Menge während sich die Paare nach und nach fanden und rümpfte die Nase. Mit einem kurzen Schmunzeln stellte sie fest, dass sie nicht die Einzige war der es so erging. Denn eine andere Dame hatte offensichtlich beschlossen sich nicht den Abend verderben zu lassen und einfach alleine zu tanzen. Für einen kurzen Moment wollte sie es ihr gleich tun, dann kam ihr jedoch eine bessere Idee.

    Sie begab sich zu den hiesigen Musikanten und flüsterte ihnen ihre Idee ins Ohr, die sogleich ihr Spiel abbrachen. Dann griff sie nach ihrem birnenförmigen Streichinstrument legte es an ihre Schulter und begann langsam mit dem Bogen zu streichen. Es war ein lang gezogener Ton, gefolgt vom hellen Klang der Glöckchen, ehe sie mit einer sanften Stimme zu singen begann.


    „Ich streife durch den Lichterglanz,

    bereit für Spiel und ersten Tanz.

    Mein Haar ist hell, wie weißer Sand,

    umrahmt mein Haupt, mein Festgewand.

    Die Menge lacht, das Gold erstrahlt,

    doch Sehnsucht hat ein Bild gemalt“

    Sie machte eine kurze Pause in der sie noch ein paar Mal die Lyra strich.


    „Ich suche das Grün, das leise spricht,

    verborgen vor dem Tageslicht.

    Ein Waldgeflüster, tief und rein,

    soll heute mein Begleiter sein.

    Wo ist die Karte, die zu mir passt?

    Ich such dich in der Festtagshast...“

    Sie machte eine weitere Pause und sah sich aufmerksam um. Ob sich jemand melden würde? Ansonsten hatte sie beschlossen sich einfach einen Spaß daraus zu machen und weiter zu singen. Ein paar lustige Strophen würden ihr bestimmt noch einfallen.

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • Gut, vielleicht sollte man sich doch vor diesem Corvae in Acht nehmen, da er den Namen aus dem Rabenhorst führte. Hier rankten sich verschiedene Geschichten und Gerüchte, denen Tasha aber heute nicht auf den Grund gehen wollte. Sie war neugierig auf den Tanz. Denn Corvae galten nun nicht gerade als begnadete Tänzer, aber ihr erster Tanz heute würde die Wahrheit darüber ans Licht bringen. Die Verbeugung mutete ein wenig seltsam, vielleicht gar inszeniert an, vor allem in dem Moment, als der Stock zu Boden fiel. Dennoch betrachtete Atashkada mit leider Bewunderung und Neugier das Federkleid, das hier und da in der gedämpften Beleuchtung der Szenerie etwas schillerte.

    “Mit der größten Freude, Sir Mordecai.” Sie lächelte ihr offenes und strahlendes Lächeln, legte einer Feder gleich ihre Hand in die Seine. Mordecais Finger waren langgliedrig und er hatte Krallen, dies hatte sie gesehen, als er den Handschuh ausgezogen hatte. Aber, und da war Tasha sich fast vollkommen sicher, er wusste damit umzugehen, um sie nicht ungewollt zu verletzen. “So haben es die Karten für uns entschieden und ich bin neugierig, was dieser Hauch von Schicksal wohl bereit ist zu vollbringen.” Die Dheoran wartete und überließ es dem Herren an ihrer Seite, die Führung zu übernehmen.

  • “Niemals absichtlich”, gestand Navaron ein, als es darum ging, dass er noch niemanden vor den Kopf gestoßen hatte. “Aber nun stellt Euch vor, ich wäre zu spät gekommen und meine mir zugeloste Tanzpartnerin hätte am Rande des Tanzparketts verweilen müssen. Dies hätte mir das Herz gebrochen und ihr vielleicht, ganz vielleicht die gute Laune.” Gut, hier übertrieb er vielleicht etwas, aber selbst wenn er Leute vor den Kopf stoßen sollte, dann wirklich niemals mit Absicht, vielleicht aber aus purer Ehrlichkeit heraus, denn diese vertrug auch nicht jeder. Doch das war ein Thema für ein anderes Gespräch. Elaya lachte, was Navaron lächeln ließ. Bei ihren Worten zu den Gästen, die ihre Karten noch versteckten rieb er sich überlegend das Kinn und nickte. “Auch eine Möglichkeit”, gestand er ihr zu und sein Lächeln wurde etwas breiter, als Elaya ihm einen Tanz für später zusagte. “Das freut mich. Aber, sollte Euer Tanzpartner Euch voll und ganz für den heutigen Abend vereinnahmen, werte Elaya, dann seht Euch von dieser Zusage entbunden. Ich möchte nicht der Schuldige sein, der Euch um Euer Schicksal bringt.” Wieder lächelte er die junge Frau fröhlich an, meinte seine Worte aber auch durchaus ernst. Und wieder nickte er und sein Lächeln wurde ob des kleinen Kompliments eine Spur wärmer.

    Während die junge Frau ihre Augen schweifen ließ, tat Navaron das Gleiche und da entdeckte er einen edlen Mann mit kurz geschnittenem dunklen Haar, der eine Karte in gleicher gelber Farbe hielt, wie seine Gesprächspartnerin dies tat. Er kam nicht dazu, sie darauf aufmerksam zu machen, denn sie war es, die die besseren Augen von ihnen beiden hatte. Sie hatte ihrer beider Tanzpartner schon erblickt? Er nickte dem Fremden freundlich zu, als Geste, dass er seine Partnerin für den Tanz gleich voll und ganz für sich haben würde. Denn er fand es überaus anständig und höflich, dass er sie nicht einfach forsch unterbrochen hatte und so wollte Navaron dem Fremden ebenso viel Anstand entgegenbringen und dessen zugedachte Tanzpartnerin nicht länger von ihm fern halten. Doch zuerst folgte er dem Zeig von Elaya und seine Augen blieben an einer wunderschönen blasshäutigen Frau mit dunklen langem Haar, gehüllt in ein dunkelblaues Kleid hängen, die allein tanzende Kreise auf dem Parkett zog. “Oh, das hoffe ich auch”, meinte er dazu, dass es besser war, wenn er schwindelfrei war. “Nun, immerhin hat Euer Tanzpartner auf Euch gewartet, Lady Elaya”, grinste er sie spitzbübisch an. “Es war mir eine Ehre”, meinte er mit einer angedeuteten Verbeugung. “Wann immer es Euch nach einem Tanz verlangt, werde ich da sein.” Nun zwinkerte er ihr belustigt und nickte dem Tanzpartner der jungen Frau freundlich zu. “Einen schönen ersten Tanz, wünsche ich Euch beiden.” ( Brennan) Damit verabschiedete er sich und überlegte, was er nun mit der tanzenden Dame tun sollte. Seiner ihm zugedachten Tanzpartnerin für den ersten Tanz des Abends.

    Mittlerweile, nach ungefähr dem dritten Blick auf sie, war ihm auch aufgefallen, was die faszinierenden Augen Elayas sofort gesehen haben mussten. Eine fliederfarbene Karte, die aus einer verborgenen Tasche des Kleides heraus linste. Seine Tanzpartnerin hatte nicht gewartet, hatte nicht nach ihm gesucht. Und auf ihn wirkte es so, als wollte sie die Karte auch nicht offen zeigen. Vielleicht hatte sie es sich anders überlegt und wollte lieber doch keinen Partner für den ersten Tanz? Immerhin tanzte sie diesen bereits. Oder sie hatte seine Karte bereits gesehen und sich entschieden, sich nicht finden zu lassen? Da es auf ihn so wirkte und er die tanzende Schönheit nicht stören wollte, denn es war etwas anderes eine wartende Person in ein Gespräch zu verwickeln, um die Wartezeit zu verkürzen, denn eine Frau bei ihrem Tanz zu stören, den sie sehr zu genießen schien, bezog Navaron an einem Stehtisch am Rande des Parketts Stellung, nachdem er sich einen Becher Dünnbier besorgt hatte. Es gab eine Veränderung und nun gab es neben Musik auch Gesang. Er musste lächeln, als er dem Text lauschte. Ob diese Tanzwillige so ihren Tanzpartner suchte? Und Grün ihre Farbe war? Oh ja, so war es, jede weitere Zeile machte es deutlich. Er wiegte sich etwas hin und her, fand es sehr originell und fand es fast schade, dass seine Karte nicht die Farbe Grün zeigte. Aber nein, seine Karte steckte noch immer sichtbar für die Augen, die sie sehen wollten, in der Einstecktasche seines Gehrocks. Fliederfarben.

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