[Fest des Erwachens] Der erste Tanz

  • Kurz wurde die Musik unterbrochen. Nach einer zusätzlichen Drehung blieb Amelie stehen. Doch gleich darauf setzte sie wieder ein. Etwas anders. Und mit Gesang. Der Text der Hellhaarigen ließ vermuten, dass diese ebenfalls noch auf ihren Tanzpartner wartete. Was Amelie wieder dazu brachte, selbst Ausschau zu halten. Und dabei ein bekanntes Gesicht zu entdecken. Ein Gesicht, welchem sie allerdings keine weitere Beachtung schenkte, denn offensichtlich, war ihm eine andere Farbe zugeteilt worden.

    Und während sich die Tanzfläche mehr und mehr füllte, war Amelie es, die sich geschickt durch die Paare hindurch wand. Bei ihr lief eben immer alles etwas anders, als bei anderen. Und genau das war es, was sie an ihrem Leben so sehr liebte. "Verzeihung", entschuldigte sie sich hier und da, als der eine oder andere kleine Rempler sich nicht vermeiden ließ.

    Eine Weile hatte es gebraucht, die Tanzfläche zu verlassen und zu deren Rand zu gelangen. Dorthin, wo die Stehtische für die Durstigen bereit standen. Amelies Schritte trugen sie an den Tischen entlang. Hier wirkte es - im Gegensatz zur Tanzfläche - recht übersichtlich.

    Und so dauerte es auch nicht lange, bis sie ihn sah. Den Mann mit der passenden Karte in der Einstecktasche seines Gehrocks. Leise räusperte sie sich, als sie sich ihm näherte. "Bitte verzeiht mir meine Ungeduld", setzte sie an. "Aber wenn Musik erklingt, kann ich einfach nicht anders, als zu tanzen". Sie hatte den Kopf leicht anheben müssen, um dem hochgewachsenen Mann beim Sprechen in die Augen sehen zu können. Er kam ihr nicht bekannt vor. Aber das war auch kein Wunder. War Amelie doch lange Zeit andernorts unterwegs gewesen und auch hier stand das Leben nicht still.

    "Ich hoffe doch sehr, dass Ihr noch immer gewillt seid, mit mir zu tanzen", ließ die Nymphe wissen, dass sie durchaus interessiert war.

  • „Ich hielt das Schicksal immer für einen Komödianten mit schauderhaftem Humor. Doch heute erscheint mir seine Pointe überraschend präzise. Dass es ausgerechnet euch als Gegenstück gewählt hat, kann ich wahrlich nicht kritisieren.“, fügte Mordecai noch auf Atashkadas Worte hinzu. Ob dies auf Gegenseitigkeit beruhte? Wenn nicht, so ließ es sich die Dame es sich nicht anmerken.

    Während der Corvae seine Begleiterin in Richtung Tanzfläche führte überlegte er fieberhaft welche Art von Tanz wohl auf solch einem Fest erwartet werden würde. Er kannte die Gesellschaftstänze vom Rabenhorst, die wohl eher an eine Art vogelhaften Balztanz erinnerte, wo ein paar Mal auf dem Platz herum gehüpft und mit den Kopf geruckelt wurde und man seiner Gegenüber die Pracht seiner Flügel präsentierte, begleitet von einer ganz einzigartigen Art von Musik, die Außenstehende wohl weniger verstehen konnten. Auf die Art hatte er auch seine damalige Frau kennen und lieben gelernt. Die er vermutlich auch nie verlassen hätte, wenn er nicht den Handel mit Valeska eingegangen wäre. Etwas, das er jedoch nicht bereute, angesichts dessen was, passiert wäre, hätte er es nicht getan. Seither hatte er eher weniger getanzt. Schon gar nicht auf Festen. Aber vielleicht konnte er durch Zusehen ein wenig lernen und sich an den Tanzstil der anderen Gäste anpassen.

    Kurz vor dem Tanzplatz blieb er stehen und runzelte die Stirn, als die Musik für einen kurzen Augenblick verstummte und sich veränderte. Als er dann auch noch einen Text vernahm, der noch nicht so ganz ins das Konzept „offizieller erster Tanz“ passte, wandte er sich an die Dame an seiner Seite. „So wie es aussieht sind noch einige auf der Suche“, sprach er zu ihr und deutete auf die Sängerin, die wohl ihre eigene Art gefunden hatte um ihren potentiellen ersten Tanzpartner auf sich aufmerksam zu machen. „Auf welche Art pflegt ihr es für gewöhnlich zu tanzen?“, fragte er noch einmal vorsichtig nach.

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

  • Mit ruhigen Schritten verließ Daishanee die Kutsche, die sie hergebracht hatte. Die kleine Tanzkarte in der Hand, deren sanftes Lavendel sich in weichem Ton über die Oberfläche erstreckte, durchzogen von feinen, silbrig anmutenden Linien.

    Das Kleid das sie trug, hatte die selbe Farbe wie ihre Tanzkarte, ein edles Collier lag um ihren Hals, die langen Locken ausnahmsweise gebändigt in einer edlen Hochsteckfrisur - doch das Feuer, das sie in sich trug, spiegelte sich weiterhin in Haar, Augen und ihrer Haltung. Langsam näherte sie sich der Tanzfläche, musterte die Anwesenden, Paare die sich bereits gefunden hatten ebenso, wie jene die möglicherweise noch allein standen.

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    Weiterhin langsam umrundete sie die Tanzfläche, dem Lied der Hellhaarigen lauschend, die just in diesem Moment zu singen begann. Ihre Schritte führten sie zu den Getränken, wo sie sich alsbald erst einmal eines zur Hand nahm, noch ohne zu trinken. Ihr Blick schweifte weiter aufmerksam über die Anwesenden.

  • “Das Schicksal ist eine Biene. Es hat ein Lied - es hat einen Stachel - und, ach, auch hat es Flügel. Es bleibt nur immer die Frage, was uns davon ereilen wird oder ob man dem Schicksal nicht ein Schnippchen schlagen kann. Denn eigentlich geht es auch gar nicht um das Schicksal selbst, sondern eher um das, wie man damit umgeht oder was man daraus macht, aus dem, was es einem bietet.” Die Fahrende lächelte und fragte sich, ob Mordecai ihre Volkszugehörigkeit erkannt hat. Nicht jeder kam darauf, dass sie nicht nur eine Fahrende war, sondern den Dheoran angehört. Doch seine Worte ließen genau das vermuten, da er auf ihre Gegensätzlichkeiten zu sprechen kam. Wo ihr Volk gern gesehen war, weil es ehrlich, offen und gastfreundlich war, war das Volk der Corvae verrufen und hatte einen schlechten Leumund, was aber auch nicht von ungefähr kam.

    Mit eleganten Schritten ließ sich Atashkada von ihrem ihr zugedachten Tanzpartner auf das Parkett führen, oder besser gesagt bis kurz vor diese. Mordecai wirkte unsicher und schien die Tanzenden geradezu durchdringend zu mustern. Tasha wusste um die Intelligenz seines Volkes, doch ob er sich Tänze einfach so absehen konnte, so seine Bewegungen auch ganz andere waren, als jene der meisten Tanzenden. Sie sagte nichts, sie ließ ihm Zeit und überlegte für sich, was dem Corvae wohl gerade durch den Kopf gehen mochte.

    Atashkada musste leise Lachen und verbarg dieses hinter vorgehaltener Hand, als sie dem Text der singenden Stimme lauschte. Da hatte es wohl jemand eilig, seinen Tanzpartner zu finden. Eine gewitzte Idee, aber vielleicht auch etwas aufdringlich? Nun, das musste der Tanzpartner mit der Karte der Farbe Grün beurteilen. Dennoch gefiel ihr der Schneid der Sängerin und auch die Textzeilen, die sie dazu ersann. “Nun, das Fest hat doch gerade erst begonnen und nicht jeder kann so viel Glück haben, wie wir beide”, meinte die Dunkelhaarige mit einem sonnigen Lächeln und hob dann leicht ihre Schultern. “Ich tanze, wie es die Musik und mein Tanzpartner vorgibt. Ich bin geübt in höfischen Tänzen, aber natürlich auch in den Tänzen des gemeinen Volks. Paartanz oder Gruppentanz, ganz wie Euch beliebt. Was liegt Euch mehr, Sir Mordecai?”

  • Zu erkennen, dass Amelie ganz in seiner Nähe den Tanz für sich schon eröffnet hatte, war nicht sonderlich schwer gewesen. Das wunderschöne Kleid, die schwungvollen Bewegungen der Bardin - zu einer anderen Zeit hätte Brennan einfach weiter dort gestanden und ihr zugesehen. Vielleicht hätte er sogar einiges dafür in Bewegung gesetzt, ihr Tanzpartner zu werden.. vielleicht.

    Doch die Zeiten waren vorbei - und so wie Amelie ihn keinen weiteren Blickes würdigte, war auch Brennans Augenmerk schnell wieder auf seine tatsächliche Tanzpartnerin gerichtet.

    "Elaya.." sprach er in ruhigem Ton nach und deutete eine Verneigung an. "Es freut mich euch kennen zu lernen. Ich bin Brennan und.." Er schmunzelte, hob seine Karte kurz an, bevor er sie wieder in der Jacke verschwinden ließ. ".. es sieht wohl tatsächlich so aus, als müsstet ihr euch beim ersten Tanz vor meinen Füßen in Acht nehmen."

    Das Lächeln blieb auf seinen Lippen liegen, während der Vogelhändler die rechte Hand auf die Brust legte. Sein Blick war nun wieder ganz bei der Frau vor ihm.

    „Ich hoffe, ich habe euch in eurer Unterhaltung nicht gestört“, fügte er hinzu, wobei ein Funke ehrlichen Interesses in seinen Augen zu erkennen war. „Die Wahl, ob ihr den Farben vertraut, bleibt natürlich ganz bei euch.“ Er zwinkerte ihr keck zu und deutete dann mit einer knappen Kopfbewegung in Richtung der Bühne.

    „Im Allgemeinen scheint es fast so, als müssten wir mit dem eigentlichen Tanz warten, bis auch die Bardin ihren Partner gefunden hat …“ Brennan lachte ehrlich amüsiert.

  • Der Becher Dünnbier war noch kaum angetastet, denn viel zu sehr lag die Aufmerksamkeit auf den Paaren, die sich nun mehr und mehr auf der Tanzfläche einfanden. Und die Karten taten, was sonst womöglich kaum einer vermochte. Sie brachten die unterschiedlichsten Leute zusammen. War da nicht auch ein Mann des Rabenvolks? Was es hier nicht alles gab. Navarons Augen erfassten auch die schöne Schwarzhaarige in ihrem mitternachtsblauen Kleid, die nun scheinbar ihren Tanz beendet hatte und einer Fee gleich über den Boden schwebte. Auf ihn zu. Oha. Er lächelte sie freundlich und warm an. “Wie könnte ich so einer begabten Tänzerin etwas nachtragen?” ( Amelie ) “Es war ein überaus schöner Anblick Euch beim Tanzen zuzusehen, My Lady”, sagte er offen und ehrlich heraus. “Es wäre mir eine Ehre, Euch zum Tanz zu führen. Aber vielleicht beginne ich von vorne?” Er sah sie mit einem belustigeten Lächeln an. “Navaron, mein Name”, sagte er und verbeugte sich, wie man es tat, wenn man um einen Tanz bat. “Wenn ich die Dame um den ersten oder nächs… “, er verstummte, als er einen näheren Blick auf die Karte warf, die noch immer aus der Tasche der dunkelhaarigen Tänzerin lugte. Nun, wo er sie so nah vor Augen hatte, zeigte sich eine andere Nuance der Farbe Lila. Es war nicht viel, aber dennoch sehr offensichtlich, wenn man die beiden Karten nun miteinander verglich. Flieder war ein helles Lila mit einem deutlich rosafarbenen Schimmer, während Lavendel ein blasses Violett mit einem höheren Blauanteil war. “Ich bin mir nicht sicher, ob wir für den ersten Tanz miteinander bestimmt sind”, meinte Navaron dann und runzelte etwas die Stirn. “Nicht, dass ich nicht möchte, denn das würde ich nur zu gern, aber ich möchte Euch auch nicht Eurem Tanzpartner vorenthalten.” Gerade als er dies sagte, kam eine rothaarige Frau um die Kurve der Tanzfläche und direkt in sein Sichtfeld. Das Kleid, in das sie gehüllt war, war fast schon für ein Fest eines hohen Adelsmannes gemacht und brachte den ein oder anderen bestimmt zum Staunen, doch Navaron interessierte sich mehr für die Farbe und für die Farbe der Tanzkarte in ihrer Hand. “Seht nur”, meinte er dann und winkte der Rothaarigen ( Daishanee) zu, dass sie sich zu ihnen gesellen mochte. “Ich glaube, ihre Karte gleicht mehr der Euren.” Ein wenig Enttäuschung konnte Navaron nicht verhindern, doch ließ er sich dies nicht anmerken. Aber wer hätte nicht gern mit der schönen Schwarzhaarigen oder auch Rothaarigen getanzt? So würde er, sollten deren Karten sie zu einem Tanz verbinden, zusehen und sich an deren Anblick eben erfreuen. Er zog nun seine Tanzkarte aus seiner Einstecktasche hervor und präsentierte sie in ihrer feinen Fliederfarbe mit Linien, nicht Silber, nicht Gold, fast durchsichtig, die nur im richtigen Licht zu schimmern schienen.

  • Lelias Worte verklangen zwischen den bunten Bändern und Blüten, als für einen Moment eine seltsame Ruhe über den Platz fiel.

    Dann löste sich ein Mann aus der Menge. Er war schlank und wirkte in seinen Bewegungen fast etwas zu hastig, als hätte er zu lange gezögert und müsste die Zeit nun wiedergutmachen. Sein Lächeln saß nicht ganz sicher und seine Kleidung war zwar festlich, wirkte aber einen Hauch zu dunkel für den Anlass.

    In seiner Hand hielt er eine Karte. Das Grün darauf war nicht hell und lebendig wie Lelias, sondern ein tiefer, schwerer Waldton. Er trat näher und hob das Papier hoch, als müsse er beweisen, dass er Lelias Tanzpartner sein sollte.

    „Nun …“, begann er, und seine Stimme klang in der Stille etwas zu laut. Ein schiefes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er verneigte sich – einen Augenblick zu spät und eine Spur zu tief, um natürlich zu wirken. „… wenn ihr es schon für alle hörbar macht, wäre es doch unhöflich, euch noch weiter warten zu lassen.“

    Er hielt Lelia die Hand hin. Die Geste war nicht grob, aber auch nicht sonderlich elegant. Es wirkte eher so, als erwarte er schlicht, dass sie zugreift. Seine Finger bewegten unangenehm näher, als hätte er nicht die Absicht, diese Einladung allzu lange unbeantwortet zu lassen.

    Für einen Moment lag etwas in der Luft, dass sich nicht ganz richtig anfühlte.

    Und genau in diesem Zwischenraum setzte die Musik wieder an. Die Harfe fand eine klare Linie, die Flöte legte sich darüber, ein ausgelassener Takt setzte ein. Die Zeit des Suchens war vorbei.

    Überall auf dem Platz reagierten die Paare. Gespräche brachen ab und Blicke fanden sich. Hände wurden gereicht – manche sicher, andere zögernd. Am Rand der Tanzfläche trat eine ältere Frau hervor. Ihre Präsenz war unaufdringlich, aber unübersehbar.

    „Meine Damen und Herren …“, ihre Stimme legte sich ruhig über die ersten Takte. „Der Frühling bittet nicht zweimal.“ Sie lächelte fein. „Tanzt!“


    Wie auf ein Signal hin füllte sich die Mitte des Platzes.
    Was zusammengehörte, wurde nun zueinander geführt.
    Und wer noch zweifelte, musste sich jetzt entscheiden.

  • Dem aufmerksamen Blick entging nicht die Geste des Mannes, der bei der Schwarzhaarigen stand. Den Kopf leicht schräg legend, schwebte die doch relativ groß gewachsene Dai'vaar vermutlich nicht minder elegant als die Nymphe auf die beiden zu.

    "Seid mir gegrüßt." Ein sachtes, formvollendetes Kopfneigen folgte den Worten, ebenso wie ein neugieriger Blick über den Mann und die Schwarzhaarige. Beide durchaus ansehenswert, doch der Blick suchte alsbald auch nach den Karten.

    Anschliessend folgte ein leichtes Hochziehen der Augenbrauen. Wer immer die Karten vergeben hatte, brachte offenbar wirklich allerlei Gegensätze zusammen - und wenn es denn zwei Frauen waren, die tanzen sollten. Das dunkle Kleid der Schwarzhaarigen stellte ebenso wie ihre Haarfarbe im Prinzip das genaue Gegenteil zu ihr selbst dar. Mit Sicherheit eine spannende Sache.

    Scheinbar hatte auch die hellhäutige Frau, die gesungen hatte, nun einen Tanzpartner gefunden. Denn alsbald begannen die ersten Töne der Musik zu erklingen und so sah Daishanee zwischen den beiden hin und her. "Scheint, als ginge es los." lächelte sie.

  • Navaron

    Elaya lachte noch amüsiert auf, als Navaron erwähnte, dass ihr Tanzpartner im Gegensatz zu seiner ihm zugedachten Partnerin auf sie gewartet hatte. "Ihr könnt euch immerhin sicher sein, dass sie gut tanzen kann und eure Füße vermutlich verschont bleiben", erwiderte sie belustigt. Es war deutlich zu erkennen, dass die Fremde mit der fliederfarbenen Karte - für die Elaya sie in diesem Moment aus der Entfernung hielt - durchaus Talent besaß. "Es hat mich ebenfalls gefreut, Navaron", meinte sie dann aufrichtig. "Allerdings bin ich so einiges, aber gewiss keine Lady." Sie sah ihn mit einem frechen Blitzen in den grünen Augen an und er konnte sicher sein, dass sie es nicht nur so daher sagte. "Ich werde euch an eure Worte erinnern", grinste sie dann noch und zumindest in diesem Augenblick war sie sich sicher, dass sie sehr wohl auf diesen Tanz oder mindestens auf ein weiteres Gespräch mit ihm zurückkommen würde. Sie war zwar neugierig, wie Navaron es anstellte, seine Tanzpartnerin auf der Tanzfläche einzufangen, allerdings wandte sie sich dann dem Mann mit der gelben Karte zu und betrachtete ihn neugierig. Elaya konnte nicht abstreiten, dass diese Art der Zuteilung eine gewisse Spannung bereithielt.

    Brennan

    Vor ihr stand ein völlig Fremder, mit dem sie gleich das Tanzbein schwingen sollte. Allerdings zeigte die Cath’shyrr auch jetzt keine falsche Scheu. “Sehr erfreut, Brennan”, erwiderte sie ehrlich und ihr Blick blieb an seinen dunklen Augen hängen. Als er sie warnte, dass sie sich während des Tanzes vor seinen Füßen in Acht nehmen musste, sah sie ihn prüfend an. “Oh, das ist..”, sie zögerte einen Moment, als müsste sie nach den richtigen Worten suchen. “..mutig von euch”, beendete sie schließlich ihren Satz, um keine Worte verlegen. Ihr Schmunzeln verriet, dass sie das aber gewiss nicht abschreckte. Genau genommen hatte sie aufgrund seiner Kleidung vermutet, dass er häufig Feste wie diese besuchte und entsprechend gut tanzen konnte. Sie war neugierig, ob es also nur leere Worte waren oder etwas Wahres dran war. “Nein, ihr habt nicht gestört. Immerhin wollen wir die anderen nicht warten lassen”, antwortete sie darauf, ob er ihr Gespräch gestört hatte. Für einen Moment sah sie zu Navaron hinüber und dann wieder zu Brennan. “Außerdem hat er, wie es der Zufall so will, ebenfalls seine Tanzpartnerin gefunden.” Jedenfalls glaubte das Elaya noch, die nichts davon mitbekam, dass sich die Tanzkarten der beiden von der Farbe ähnelten, aber eben nicht identisch waren. “Natürlich vertraue ich den Karten. Ihr doch hoffentlich auch?” Sie schaute Brennan fragend an, als wäre das nun seine letzte Gelegenheit, sich vor dem Tanz zu drücken. Immerhin hatte sie ihn direkt angesprochen und er sich zurückhaltender verhalten. Es blieb also ein leiser Zweifel, ob er denn überhaupt gewillt war, mit ihr zu tanzen. Dann erregte die Satyrin ihre Aufmerksamkeit, als sie plötzlich zu singen begann. Zunächst dachte Elaya, dass dieser Auftritt geplant war, aber die liebliche Stimme der Bardin machte alsbald klar, dass sie auf diesem Wege nach dem Träger der anderen grünen Karte suchte. Elaya schnaubte amüsiert und reckte etwas den Kopf, um zu sehen, ob sich denn das Gegenstück bemerkbar machte. Gleichzeitig überlegte sie, wann sie das letzte Mal eine Satyrin gesehen hatte. Sie sah zu Brennan, der belustigt über das Geschehen lachte. “Das ist ein unkonventioneller Weg der Suche”, kommentierte sie. “Aber scheinbar von Erfolg gekrönt”, murmelte sie dann kurz darauf, als der Gesuchte tatsächlich auf der Bildfläche auftauchte. Ihm war wohl die Aufmerksamkeit aller sicher und Elayas Augen engten sich für einen Moment, als sie ihn beobachtete. Sie konnte nicht sagen, wieso, aber irgendwie wirkte er.. nicht ganz passend. Die Cath’shyrr musterte den Fremden, ohne ihn ganz einordnen zu können. Als die Musik wieder einsetzte, schien der seltsame Moment jedoch verflogen. Sie sah zu Brennan hinauf, um zu sehen, ob ihm das auch aufgefallen war und ob er ähnlich irritiert darüber war, sagte jedoch nichts weiter dazu. Als schließlich eine Frau hervor trat und den Tanz für eröffnet erklärte, entspannte sich Elaya wieder ein wenig. “Jetzt gibt es wohl kein Zurück mehr.” Sie wedelte vielsagend mit der Karte vor Brennan und verstaute sie dann in einer unauffälligen Tasche ihres Rocks. Dabei ließ sie ihn jedoch nicht aus den Augen und sah ihn schließlich erwartungsvoll an, bereit für den ersten Tanz des Abends.

  • „Das klingt als hättet ihr Erfahrungen mit dem Schicksal Atashkada aus dem Feuer des Nelio“, erwiderte er schneidig mit einem Hauch von ehrlichen Interesse und musterte die Dame neugierig mit seinen schwarzen Augen. Ob sie Dinge wusste, die ihm bei der Lösung seines Problems weiterhelfen könnten? Vielleicht … vielleicht auch nicht. Der Abend würde es zeigen.

    Doch zunächst musste er noch eine weitere Herausforderung meistern. Nämlich den ersten Tanz. Nachdem die Gesangseinlage der Bardin von Erfolg gekrönt war und die Musik nun tatsächlich den ersten Tanz einstimmte, hatte Mordecai noch einmal kurz gezögert und nach ihren Tanzgepflogenheiten gefragt. Allerdings konnte er mit der Antwort auch nicht viel anfangen. Auch bezweifelte er, dass sie mit den Tänzen der Corvae vertraut war. Alleine schon, weil ihr die körperlichen Voraussetzungen fehlten, hin und wieder kurz vom Boden abzuheben. Allzu lange wollte er darüber jedoch nicht nachdenken.

    „Gut... dann machen wir es so. Einer gibt die Bewegungen vor, der andere spiegelt sie, so gut er kann und so es das Schicksal möchte, tauschen wir die Führung, wie es uns beliebt“, schlug er vor. Da sich seine Tanzpartnerin ohnehin nach ihm richten wollte, ging er von einer Zustimmung aus und hob seine Hand um sie auf das Parkett zu geleiten.

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

  • Als Elaya ihn fragte, ob er den Karten ebenfalls vertraue, legte Brennan den Kopf leicht schief.

    „Ich vertraue den Karten so sehr, wie ich dem Wind vertraue, Elaya“, erwiderte er, während seine dunklen Augen kurz aufblitzten. „Er bringt einen immer irgendwohin – aber man muss selbst entscheiden, ob man die Segel setzt oder sich treiben lässt.“

    Mit einem leichten Lächeln quittierte er das Wedeln ihrer Karte – und trat einen Schritt näher.

    Nicht drängend. Nicht zögernd.

    Eher … selbstverständlich.

    Sein Blick lag einen Moment auf ihr, als würde er prüfen, ob sie diesen Schritt mitging – oder ihn stoppen würde.

    Da sie es nicht tat, setzte er an, den Arm zu heben.

    Ein leises Einatmen unterbrach die Bewegung. Kaum hörbar, fast beiläufig – und doch begleitet von einem flüchtigen Zucken um seine Nase, als hätte ihn ein unerwarteter Reiz aus dem Gleichgewicht gebracht. Seine Finger hielten einen Herzschlag zu lange inne.

    Dann fing er sich wieder.

    Als wäre nichts gewesen, bot er ihr den Arm an – ruhig, kontrolliert, ohne sichtbare Unsicherheit.Ein Hauch von Belustigung kehrte in seine Stimme zurück.

    „Und keine Sorge … ich trete nur dann auf Füße, wenn es sich wirklich lohnt.“

    Mit einem beiläufigen Zwinkern führte er sie schließlich auf die Tanzfläche – und schon in den ersten Momenten wurde klar, dass ihre Füße keiner Gefahr ausgesetzt waren.

  • Ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als Brennan den Vergleich mit dem Wind brachte und als er wie selbstverständlich an sie heran trat, schlich der Gedanke durch ihren Kopf, dass er wohl doch gewillt war, den Karten eine Chance zu geben. Ein wenig seltsam war es schon, nun mit jemandem zu tanzen, von dem sie lediglich den Namen kannte. Sie hatte natürlich gewusst, worauf sie sich einließ und sie scheute sich auch nicht. Andererseits war das dennoch alles andere als alltäglich für Elaya. Sie waren sich so nah, dass ihr das leichte Zögern nicht entging, als er seinen Arm hob. War es wirklich ein Zögern oder hatte er Schmerzen? Elayas Augen huschten kurz zu seinem Arm, nur einen Moment, bevor sie sich bei ihm einhakte. Ihre Berührung an seinem Arm war dabei leichter als notwendig und deutete darauf hin, dass es ihr durchaus aufgefallen war, auch wenn sie es nicht kommentierte. Bereitwillig ließ sie sich von ihm zur Tanzfläche führen und kicherte amüsiert über seine Worte. Ihr Herzschlag indes erhöhte sich merklich, als sie den Tanzenden näher kamen. Sie hatte sich im Vorfeld nicht wirklich Gedanken gemacht, aber jetzt wurde ihr klar, dass sie gar nicht so recht wusste, wie man tanzte. Jedenfalls nicht als Paar. Sie konnte tanzen, das lag ihr wohl im Blut und sie war damit aufgewachsen. Allerdings war sie eher für ausgelassene Tänze in der Menge bekannt und weniger dafür, über die Tanzfläche geführt zu werden. Elaya räusperte sich und wirkte mit einem Mal nicht mehr ganz so locker, als sie auf der Tanzfläche angekommen waren. Hier und da sah sie verstohlen zu den tanzenden Frauen in ihrer Nähe und ahmte anfangs ihre Haltung nach, während sie gleichzeitig froh war, dass Brennan die Führung übernahm. Allerdings zeigte sich schnell, wie anpassungsfähig Elaya war, denn mit jedem Schritt wurde die Cath'shyrr wieder lockerer und es wurde deutlich, dass ihre Zurückhaltung nicht dem Tanzen an sich geschuldet war und sie sich durchaus im Rhythmus der Musik zu bewegen wusste.

  • “Das kommt darauf, was Ihr damit meint, Mordecai. Denn hat nicht jeder schon mit dem Schicksal zu tun gehabt? Auf die eine oder andere Weise? Und dann ist es auch immer eine Frage, was man dem Schicksal zubilligt. Woran war es beteiligt und woran nicht? Unsere Karten heute zum Beispiel und unser rasches Finden… War dies Schicksal oder war es Zufall?” Sie sah den Mann des Rabenvolkes aufmerksam an, um zu sehen, ob er verstand, was sie meinte. “Ich selbst habe schon so einiges gesehen und gehört noch so viel mehr, aber ich selbst habe zumindest keinen Grund, Klage zu erheben.” Sie lächelte leicht. Aber ihre Familie war groß und auch dort hatte es Situationen gegeben die man wohl Schicksalsschläge nennen konnte. Doch auch dies sah für jeden anders aus. Doch das wunderbare an ihrer Familie, sie waren immer und immer füreinander da.

    Atashkada verfolgte das Geschehen rund um die Bardin und ihren nun gefundenen Tanzpartner. Sie freute sich für die die hellhaarige Frau, denn wäre ihr Ansinnen unbeantwortet geblieben, wäre das vielleicht unschön für sie gewesen, doch so würde nun auch sie zu ihrem ersten Tanz des Abends kommen und wer wusste schon, wie viele mehr es geben würde. Tanz, Gespräche, Bekanntschaften…

    Nun wurde endgültig zum Tanz aufgefordert, was ihren Tanzpartner nun auch dazu brauchte, eine Entscheidung zu treffen. Eine recht eigenwillige zwar und sie war sich auch nicht sicher, wie sie dies umsetzen sollte, aber Tasha störte sich nicht daran. Sie ließ sich von dem Mann des Rabenvolks auf die Tanzfläche führen und hielt die Hände ihres Tanzpartners locker mit den ihren, als sie begann, sich zu der Melodie der Musikanten zu bewegen.

  • Als Elaya sich bei ihm einhakte, spürte Brennan die leichte Zurückhaltung in ihrer Berührung. Er ging nicht darauf ein. Stattdessen führte er sie mit ruhigen, einfachen Schritten in die Mitte des Platzes. Kein großes Aufziehen, keine komplizierten Figuren – nicht mehr als ein klarer Rhythmus, an dem sie sich orientieren konnte.

    Er bemerkte, wie ihr Blick immer wieder zu den anderen Frauen glitt, wie sie versuchte, deren Haltung zu übernehmen.

    „Schaut nicht zu den anderen“, raunte er ihr leise zu. „Ihr tanzt nicht für sie.“

    Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht, während er sie durch eine erste, kleine Drehung führte. Und Elayas Geschmeidigkeit verriet, dass sie die Bewegungen verstand.

    „Selbst wenn wir hier einfach nur stehen und uns im Takt wiegen würden…“ Sein Blick streifte die Paare um sie herum „…würde es niemand merken. Jeder ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.“ Wie sein Lächeln, blieb auch seine Führung. Ruhig, aber bewusst. Doch ließ er Elaya etwas mehr Raum, nahm den Druck raus – und wartete. Und dann dauerte es auch nicht lange. Mit ein paar Schritten fand sie ihren eigenen Rhythmus, wurde sicherer, freier.

    „So ist besser“, murmelte er leise und sein Lächeln wurde breiter. Kurz, bevor erneut ein flüchtiges Zucken über seine Nase ging . Kaum sichtbar. Ein etwas tieferer Atemzug – dann war es wieder fort.

    „Ihr könnt euch bewegen“ seine Stimme war ruhig und doch so nah, dass sie die Musik gut übertönte. „Nur dieses Korsett aus festen Schrittfolgen passt nicht zu euch.“ Ein tiefer Blick traf Elaya. „Weil ihr anderes gewohnt seid. Oder täusche ich mich?“ Nun ließ Brennan für einen Moment lang die Führung los. Nicht ganz, sondern grade soweit, dass Elaya es bemerken musste und selbst das Tempo des Tanzes wählen konnte.

  • Die Antwort des Mannes erleichterte Amelie sehr, schien er doch nicht wirklich nachtragend zu sein. Zudem machte er den Eindruck, als hätte ihm ihre spontane Tanzeinlage gefallen. "Amelie", nannte sie ihren Namen gleich nachdem er den Seinen bekannt gegeben hatte. So gerne ich auch alleine tanze, würde ich mich ebenfalls freuen, mit Euch gemeinsam die Tanzfläche zu betreten, Navaron", erklärte sie mit einem Lächeln.

    Doch nachdem er seinen nächsten Satz mitten im Wort unterbrach, wich das Lächeln einem irritierten Gesichtsausdruck und ihr Blick folgte dem Seinen. Und schnell war klar: Er hatte die Farbkarte erfasst.

    Füreinander bestimmt, ging es Amelie durch den Kopf.

    Die Einzige, deren Bestimmung sich die Priesterin jemals fügen würde, war Shirashai. Daher winkte sie unbekümmert ab. "Und ICH bin mir sicher, dass dies alles seine Richtigkeit hat. Wen kümmern schon Farben?" Sicher, es war eine durchaus nette Idee, Paare mit Tanzkarten einander zuzuwürfeln. Allerdings würde keine Muschel daran zerbrechen, wenn sich jemand nicht ganz so ernst daran hielt. Verschwörerisch beugte sie sich zu Navaron und flüsterte: "Lasst uns doch ein wenig schummeln". Gefolgt von einem Augenzwinkern. "Ist es nicht langweilig, sich immer nur an Vorgaben zu halten?"

    Und dann wurden ihre Blicke abermals abgelenkt, als sich eine rothaarige Schönheit ( Daishanee) elegant ihren Weg zu ihnen bahnte. Und er schien Recht zu haben. Ihre Farben passten besser zueinander. Doch Amelie hatte ja im Vorfeld bereits deutlich gemacht, wieviel Wert sie darauf legte.

    Also wandte sie sich an die Rothaarige: "Ich grüße Euch ebenfalls. Amelie mein Name", antwortete sie mit freundlichem Lächeln. Dann blickte sie abwechselnd zwischen Navaron und Daishanee hin und her. "Nun, meine Dame, der Herr", setzte sie an und grinste schelmisch, während sie beide Hände zu ihnen ausstreckte. "Lasst uns doch aus der Reihe tanzen", schlug sie heiter vor. "Ich wüsste nicht, dass tanzen nur zu zweit erlaubt wäre ..."

    Ob die beiden auf Amelies etwas ungewöhnliches Angebot eingehen würden, zeigte sich sicherlich in den nächsten Augenblicken.

  • „Es gibt noch etwas anderes jenseits von Schicksal oder Zufall“, eröffnete ihr der Rabe. Sein Monokel blitzte leicht, als ein Lichtstrahl darauf fiel, „Wahrscheinlichkeitsrechnungen... deren Variablen uns noch nicht bekannt sind.“ Ob er sie damit nun gelangweilt hatte? Möglicherweise.

    So führte Mordecai die Dame auf die Bühne, ihre Hand locker in der Seinen während sie versuchte ihre Bewegungen an den Rhythmus anpasste. Er versuchte es ihr gleich zu tun, seine Bewegungen wirkten im Gegensatz zu ihr jedoch ein wenig holprig und abgehackt. Er ließ sich davon jedoch nicht allzu sehr zu beirren.

    „Dieser Tanz folgt Regeln, genau wie ein Vertrag“, versuchte er den Dialog fortzusetzen, „Doch während wir hier die Freiheit haben, die Schritte zu interpretieren gibt es Verträge die keine Metaphern dulden.“ Er hob die Arme etwas in die Höhe, es wirkte fast so als wäre er kurz davor seine Flügel auszubreiten, eher er sie wieder senkte. „Ich habe von Fällen gehört, in denen eine harmlose Klausel in den Händen einer besonders perfide kalkulierenden Person zur physischen Deformation einer anderen wurde. Grausam, wie Sprache missbraucht werden kann. Ist das dann noch Schicksal? Oder nur ein böser Rechenfehler der korrigiert werden kann?“

    Er streckte vorsichtig die Hand aus, um wieder so etwas wie eine Berührung wiederherzustellen, während seine Beine leicht zur Seite tippten, was ein wenig so wirkte als wolle er in kleinen Schritten vor sich hin hüpfen.

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

  • Allzu lange musste die Bardin nicht warten, da löste sich schon eine Person aus der Menge, die mit hastigen Schritten auf sie zuging. Der Besitzer der anderen grünen Karte! Hastig legte sie ihre Lyra und den Bogen zur Seite und musterte ihn.

    „Was soll ich dazu sagen? Es liegt in meiner Natur Musik zu machen und die Blicke auf mich zu ziehen“, sprach die hellhaarige Satyrin. Sollte sie sich dafür schuldig fühlen? Sie hätte das Lied noch um einige weitere Strophen ergänzen können. „Mein Name ist Lelia... es freut mich euch kennen zu lernen“, ergänzte sie in freundlichen Ton, ehe sie einen leichten Knicks machte und dem dunkel gekleideten Mann ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte. Sie lächelte, als er ihr die Hand hin hielt. Vorsichtig griff sie zu und deutete in Richtung Tanzfläche, ehe die alte Dame erschien und nun zum offiziellen ersten Tanz aufrief.

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • Amelie war also der Name der schönen dunkelhaarigen Tänzerin und sie war ein kleiner Freigeist wie ihm schien, was Navaron auf keinen Fall störte. Und ja, ihn würde die verschiedenen Farben auch nicht stören, wenn nicht eben jemand anderer dann allein dastehen würde. „Ich mag Eure Einstellung, Amelie“, gestand er ihr ein, ob des Schummelns und sich nicht an die Vorgaben zu halten und er würde dies auch tun, doch nun standen sie erstmal zu dritt zusammen. „Sehr erfreut, werte Dame“, begrüßte er die Rothaarige ( Daishanee). „Navaron mein Name.“ Er lächelte und fasste kurzerhand nach der zarten Hand der Schwarzhaarigen. „Wie könnte ich bei so einem Angebot auch nur ein Nein in Erwägung ziehen?“ Für ihn machte es keinen Unterschied, ob zu zweit, zu dritt oder zu fünft. Auf ländlichen Festen ging es eh oft etwas lockerer und bunter zu. Und da dies hier ein Fest für jedermann war, warum also nicht zu dritt tanzen? Er und zwei wunderschöne Frauen, was konnte Mann mehr wollen?

  • Elaya ärgerte sich innerlich, dass Brennan ihr ansah, dass sie sich nicht ganz wohl fühlte - oder vielmehr, dass er sie das auch noch wissen ließ. Ihr entwich ein leises Schnauben, als er ihr scheinbar Mut machen wollte und meinte, sie würde nicht für die anderen tanzen. "Das ist es nicht", erwiderte sie. Ihr Unwohlsein war eher den kontrollierten Haltungen und Schritten geschuldet, von denen sie dachte, dass sie erwartet wurden. Dennoch folgte sie beinahe automatisch Brennans Führung und fand sich in einer Drehung wieder. Offensichtlich musste sie sich auch keine Sorgen um ihre Füße machen. Brennan schien zu wissen, was er tat. An ihrem Lächeln war erkennbar, dass es ihr half, sich mehr auf den Moment und das zwischen ihnen einzulassen. Immerhin musste sie auch erst Brennan einschätzen, der jedoch eine feste Ruhe ausstrahlte. Als er sie lobte, grinste sie für einen Moment frech auf. Da sie ihm so nah war, erkannte sie auch das erneute, kaum merkliche Zucken seiner Gesichtszüge. Sie fragte sich, was dahinter steckte, war jedoch nicht so dreist, ganz direkt danach zu fragen. Also konzentrierte sie sich einfach auf diesen Tanz. Als er aber die Vermutung aufstellte, dass sie anderes gewohnt war, funkelte es in ihren Augen, mit denen sie seinen dunklen Blick erwiderte. Dann hob sich ihr Mundwinkel. "Nein, ihr täuscht euch nicht, Brennan." Sie musterte ihn ein paar Augenblicke, als würde sie überlegen, was sie als nächstes sagte. Er wirkte so ruhig und kontrolliert, dass es sie überraschte, als er die Führung etwas auflöste und so auf sie einging. Das überzeugte sie schließlich, ehrlich zu sein. "Ich mag es nicht, wenn jeder Schritt vorher feststeht. Das könnte damit zusammenhängen, dass ich keine große Freundin von fest geschriebenen Regeln bin." Es funkelte schelmisch in ihrem Blick und vielleicht hatte sie nur diesen Stupser und die Gewissheit über eine gewisse Freiheit gebraucht, die ihr fremder Tanzpartner zugestehen konnte. Elaya entspannte sich sich zunehmend, was dazu führte, dass sie sich nicht steif auf irgendwelche Schritte konzentrierte. Ihre Bewegungen wurden geschmeidiger und lockerer. Sie reagierte nun instinktiv auf die Musik, auf den Rhythmus und setzte kleine Impulse, sodass ihr gemeinsamer Tanz schließlich locker und fließend wurde. Ihr Blick glitt kurz über die übrigen Tänzer hinweg und blieb für einen Moment an einem Corvae in ihrer Nähe hängen, den sie staunend musterte. Dann legten sich die grünen Augen aber wieder auf ihren Tanzpartner. "Ihr scheint das öfter zu machen", sagte sie, als sie sich einen Moment näher kamen, bevor Elayas rhythmische Schritte wieder Abstand schufen. Sie ließ seine Hände los, drehte sich einmal schwungvoll, und kam ihm dann wieder näher. "Jedenfalls scheint es so, dass ihr nicht leicht aus der Ruhe zu bringen seid", schloss sie mit einem gewissen Interesse und unterschwellige Neugier.

  • „Die Wahrscheinlichkeitsrechnung quantifiziert Zufall, indem die Unsicherheit von Ereignissen rechnerisch messbar gemacht wird. Das Schicksal passt hier nicht in den Kontext, denn das Schicksal ist eine ganz andere Herangehensweise, um sich Ereignisse im Leben zu erklären, die sich unserer bewussten Kontrolle entziehen. Während die Berechnung der Wahrscheinlichkeit ein berechenbares Element trotz Unsicherheit darstellt, wird das Schicksal oft als eine vorbestimmte Macht gesehen“, meinte Tasha, die nicht gedacht hatte, dass sie dieses Thema weiter vertiefen würden. Sie ließ sich davon aber nicht abhalten und sich zu den Takten der Musik zu bewegen. Für einen Augenblick fragte sie sich, wie es wohl für einen Betrachter aussehen wollte, eine Dheoran und ein Corvae, vereint in einem Tanz. Anfühlen tat es sich gut, sie fühlte sich weder unwohl noch unsicher und sie hoffte auch, dass ihr Tanzpartner Spass an der Bewegung zur Melodie hatte. Sie lächelte ihn an, hob dann aber die Augenbraue, als er statt über die Dekoration, die Tanzenden oder anderen leichten Themen etwas sagte, sondern zu Regeln und Verträgen. „Verzeiht mir Mordecai, aber ich muss gestehen, ich kann Euren Gedankengängen nicht so ganz folgen. Für mein Verständnis vergleicht Ihr Äpfel mit Birnen. Wir müssten uns erst mit den Begrifflichkeiten befassen, ehe wir uns mit Eurer Aussage näher beschäftigen. Aber ich denke, und ich hoffe Ihr verzeiht, wenn ich dieses so unumwunden ausspreche, dass dieser Tanz nicht unbedingt der geeignete Zeitpunkt ist, sich mit solcherlei zu befassen.” Sie lächelte ihren Tanzpartner freundlich an und geriet nicht einen Moment ins Straucheln, aber sie wollte sich an dem Tanz erfreuen und sich nicht mit dem unerfreulichen Thema befassen, das Mordecai aufgeworfen hatte. Dazu gab es sicherlich bessere Gelegenheiten, sofern er das wollte.

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