[Fest des Erwachens] Der erste Tanz

  • Mordecai hielt für einen Augenblick inne und sah mit seinen dunklen undurchdringlichen Augen zu seiner Tanzpartnerin hinüber ehe sich sein Haupt leicht neigte. „Ein berechtigter Einwand“, entgegnete er ihr mit einer gewissen Weichheit in der Stimme, während er das nagende Gefühl der Zerknirschtheit weit fort schickte. „Verzeiht dem Buchhalter in mir, der manchmal ganz vergisst, dass die Welt nicht nur aus Paragraphen und mathematischen Formeln besteht, eine Angewohnheit, die sich schwer ablegen lässt...“

    Wie lange war es bereits her, seit dem er sich das letzte Mal wirklich amüsiert hatte? Es war nicht so, als hätte er nicht reichlich Gelegenheit dazu gehabt, es war schlicht und ergreifend so, dass er sich nicht die Erlaubnis gegeben hatte. Nicht solange er seinen Fehler nicht rückgängig gemacht hatte. Vielleicht lag hier der Hund begraben.

    „Lassen wir die Äpfel und Birnen im Korb... konzentrieren wir uns auf das was gerade ist.“, brachte der Corvae seine Gedanken zu Ende. Er passte seine Bewegungen an ihre Leichtigkeit an und versuchte nicht nur ihre Bewegungen zu spiegeln, sondern auch so etwas wie Freude daran zu empfinden. Als wollte er den Schatten schwerer Themen vertreiben, schüttelte er sich dabei leicht, passte seinen Körper an den Rhythmus an. Bei der nächsten Spiegelung trat er etwas näher an sie heran, ließ er für einen kurzen Moment die Distanz verschwinden und legte seine behandschuhte Hand leicht auf ihre Taille, so flüchtig wie ein Schatten, ehe er sie in eine fließende Drehung umleitete die weniger an Geometrie sondern mehr an das Wiegen von Getreide und Wind erinnerte.

    Das Klick-Klack seiner Krallen die das Parkett streiften fügte sich etwas harmonischer in den Takt der Spielleute ein, während er Atashkada durch die Menge navigierte, darauf bedacht ihr den Raum zu geben, den sie für ihre unbeschwerte Art zu Tanzen benötigte.

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

  • Brennan hielt den Rhythmus ruhig. Er ließ Elaya inzwischen selbst bestimmen und passte sich nur noch ihrem Takt an. Es war kein perfekter Tanz , aber.. genau das schien ihn irgendwie stimmig zu machen

    „Keine Regeln also.." Der Händler nickte. Sein Blick blieb bei ihr – noch immer ruhig und aufmerksam. „Und ich stimme euch zu. Regeln sind etwas für diejenigen, die die Welt nur in Schwarz und Weiß einteilen.“ fügte er beiläufig hinzu. „Die interessanteren Wege liegen immer dazwischen.“

    Ein leichter Druck seiner Hand gab den nächsten Schritt vor, ohne sie wirklich zu führen. Er ließ sie eine kleine Drehung machen und nutzte diesen Moment um sich ebenfalls in der Menge umzusehen. Wieder fiel sein Blick auf sie, doch wandte Brennan sich gleich wieder ab. Er beschloss, dass sein Gegenüber für den Moment die weitaus interessantere Person war.

    „Ich muss beruflich häufiger auf solchen Veranstaltungen sein“, meinte er dann etwas nüchterner. „Ob ich will oder nicht.“

    Seine dunklen Augen blickten Elaya einen Moment länger an. Sein Lächeln wurde breit, seine Züge wirkten entspannt.

    „Und heute wollte ich.“ Ein paar Tanzschritte lang sprach Brennan nicht, ließ die Musik wirken, bevor er fort fuhr. "Ihr meintet, ich sei schwer aus der Ruhe zu bringen? Nun, ich arbeite mit Vögeln.“ Ein kaum merkliches Zucken seiner Schultern. „Wenn man da zu viel will, fliegen sie. Also gibt man ihnen Raum .. und sieht, was sie tun.“ Galant ließ er Elaya durch eine Drehung gehen, gab sie für einen Herzschlag gänzlich frei und fing sie dann wieder auf.

    Sein Mundwinkel hob sich erneut zu diesem spitzbübischen Lächeln.

    „Die meisten bleiben.“

    Edited once, last by Brennan (May 7, 2026 at 12:26 AM).

  • Der Mann erwiderte Lelias Händedruck nicht einmal richtig; stattdessen ließ er ihre Finger lieblos wieder los, sobald er sie kurz taxiert hatte. Er trug einen dunklen Rock, der seine besten Tage schon lange hinter sich hatte und an den Säumen fast schon speckig glänzte. Sein Gesicht war in tiefe, missgünstige Falten gelegt.

    „Lelia, was?“, krächzte er und kniff die Augen zusammen, während sein Blick abschätzig an ihren Hörnern hängen blieb. Er schüttelte langsam den Kopf. „Na ja. Aus der Ferne dachte ich schon, das Los hätte mir was Schlimmeres beschert. Von nahem besehen seid Ihr ja eigentlich ganz ansehnlich – wenn man mal von den haarigen Beinen da unten absieht.“

    Er machte keine Anstalten, ihr höflich den Arm anzubieten. Stattdessen deutete er nur ruppig mit dem Kinn zur Tanzfläche, während die alte Dame zum ersten Tanz aufrief.

    „Sagt mal, Lelia..“, schob er hinterher und seine Stimme wurde eine Spur leiser, aber dafür irgendwie.. schmierig.

    Sein Blick blieb an ihr hängen, abschätzend und unangenehm.

    „Ich könnte eure Dienste gebrauchen. Ist schon eine Weile her, dass ich jemanden hatte, der mir… bei den Schafen hilft.“ Er lächelte schief. „Oder bei anderen Dingen.“

    Er wartete die Antwort gar nicht ab, sondern trottete bereits los, wobei er sie am Ellbogen eher mitschleifte als führte.

  • “Schon vergessen”, lächelte Atashkada den Corvae fröhlich an, auch wenn sie es ein wenig traurig fand, dass Mordecai seine Arbeit so sehr mit sich herumzutragen schien. “Ihr seid also Buchhalter? Seid Ihr hier in der Stadt tätig?”, fragte sie leichthin, ohne Absicht zu tief in das Thema einzusteigen, aber ein bisschen plaudern konnten sie ja dennoch. “Sehr gern”, stimmte sie dem Rabenmann zu, sich nicht länger über Äpfel und Birnen oder gar ungelegte Eier den Kopf zu zerbrechen. Lieber konzentrierte sie sich auf den Tanz, der auch für sie ungewöhnlich war, so dass er hier und da etwas Improvisation brauchte. Doch Mordecai machte seine Sache mit jedem Streich der Musikanten besser und besser. So ließ sie sich auch immer mehr und mehr auf seine Führung ein, drehte sich, wenn er sie so führte, bewegte sich mit ihm, ob näher beisammen oder etwas voneinander distanziert. “Wie fühlt Ihr Euch?”, wollte sie dann wissen, da ihm das nicht sonderlich gut anzusehen war. Sie hingegen wirkte ausgelassen und fröhlich.

  • Mordecai erwiderte das Lächeln der Dame für einen kurzen Augenblick und atmete noch einmal tief durch. Eigentlich hatte er schon fast damit gerechnet, dass die beiden sich für den Rest des Tanzes anschweigen würden. Er selbst hätte zumindest keinen weiteren Versuch gestartet das Gespräch fort zu setzen.

    Da sie jedoch fragte, ließ er sich dann doch noch zu einer Antwort hin reißen: „Ich bin Verwalter des Zirkus Ophidian, der gerade in der Stadt seine Zelte aufgeschlagen hat.“ Sollte er stolz auf diese Berufung sein? Es gab mal eine Zeit da war er es. Und wie er das war! Von seiner weiteren Rolle als Dompteur hielt er lieber Abstand … im Moment. Sie beschlossen die Äpfel und Birnen im Korb zu belassen. Also konzentrierte er sich auf den Tanz. Darauf, dass er hier war und das Fest genießen konnte, auch wenn andere nicht ….

    Akatashkadas Frage kam plötzlich. Hatte sie ihm etwa alles angesehen? Möglicherweise, doch vielleicht wollte sie auch einfach nur wissen wie es um sein Wohlbefinden in ihrer Gegenwart stand. „Ganz ehrlich?“, fragte er vorsichtig nach, „Es ist wie eine unerwartete Atempause. In meiner Welt gibt es nur Verpflichtungen und harte Konsequenzen … unglücklicher Kalkulationen.“ Er versuchte dabei nicht allzu melancholisch zu klingen.

    „Es fühlt sich an, als hätte ich die Erlaubnis für die Dauer des Liedes einfach nur selbstbestimmt zu sein. Eine Empfindung, die ich fast vergessen hatte. Es ist … mehr als angenehm. Es ist … notwendig.“ Der Rabe machte noch einige weiteren Bewegungen, während sein Blick auf die anderen Gäste abschweifte. Es war erstaunlich welch unterschiedliche Völker hier gerade an einem Ort zusammen kamen und einfach nur tanzten. „Und … wie steht es um euch?“

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

  • Elaya stellte fest, dass Brennan die Dinge nicht so eng sah, wie sie anfangs vielleicht vermutet hatte. Offenbar waren sie sich einig darin, dass die Wege abseits von Regeln, von Schwarz und Weiß interessanter waren. Das weckte Elayas Neugier. "Die Welt ist bunt ohnehin viel schöner", erwiderte sie, bevor sie seiner Drehung folgte. Schließlich wollte sie aber mehr über ihren Tanzpartner erfahren und als er erwähnte, dass er sich auch mal widerwillig auf Veranstaltungen wie diesen zeigen musste, wurde ihr Blick fragend. Offenbar erkannte er die stumme Frage in ihrem Blick und sie spiegelte sein Lächeln, als er preisgab, dass er heute aber durchaus hier sein wollte. "Ich glaube, ihr habt die richtige Wahl getroffen, herzukommen. Und ich kann mir vorstellen, dass eure beruflichen Veranstaltungen nicht mit diesem Fest zu vergleichen sind", erwiderte sie aufgeschlossen. Sie meinte es nicht böse, es fiel ihr bisher aber schwer, sich Brennan wirklich ausgelassen vorzustellen. Vielmehr nahm sie an, dass er einen seriösen Beruf ausführte und diese Veranstaltungen entsprechend.. langweilig waren. Als er erzählte, dass er mit Vögeln arbeitete, traf ihn ein überraschter Blick. Dann schlich sich ein feines Grinsen auf ihre Lippen. "Vögel also." Er konnte heraushören, dass sie nicht damit gerechnet hatte. Sie dachte über seine Erfahrungen mit den Tieren, die er ihr schilderte, nach, während er sie für eine weitere Drehung freigab. Elaya drehte sich schwungvoll und kam ihm dann im Takt der Musik wieder näher. Sie erwiderte sein Lächeln, während sie den Blick wieder zu seinen dunklen Augen hob. "Ihr beobachtet also, gebt ihnen Raum und wartet ab, wer bleibt", wiederholte sie nachdenklich. "Klingt danach, dass ihr nicht nur Vögel so behandelt." Ihre Augen funkelten auf, belustigt und vielleicht auch eine Spur provokant. Man konnte ja fast meinen, dass das dieselbe Strategie war, die er auf dieser Tanzfläche mit ihr angewandt hatte. "Und, habt ihr Erfolg damit?" Sie machte nicht zufällig eine kurze Pause. "Mit eurem Geschäft?", präzisierte sie dann mit einem frechen Schmunzeln, das durchaus herausfordernd wirken konnte.

  • “Oh, ein Zirkus ist in der Stadt? Davon hatte ich noch gar nichts gehört”, gab Tasha ganz offen zu und zeigte sich durchaus interessiert. “Ist er gut besucht? Das Fest wird ihm zumindest für heute den Rang etwas abspenstig gemacht haben. Aber morgen ist das alles wieder anders, nehme ich an.” Sie lächelte und tanzte, wie die Musik und ihr Tanzpartner es vorgaben.

    “Sicher, ganz ehrlich", bestätigte sie Mordecai und war überrascht, was er ihr sagte. Eine Welt, die nur aus Verpflichtungen und harten Konsequenzen bestand, wollte Tasha sich gar nicht erst vorstellen. Sicher, die wenigsten Leben waren nur leicht und bestanden nur aus den schönen Seiten, aber dennoch sollte man selbst versuchen, einen Ausgleich zu schaffen, so wie heute… Ob sie da nachfragen sollte? Vermutlich nicht jetzt und hier, denn es klang so, als wären alle Zwänge und Verpflichtungen von Mordecai zumindest für die Dauer ihres Tanzes abgelegt. “Sehr gut. Ich erfreue mich des Abends, der Musik und natürlich auch der Gesellschaft. Auch bin ich gespannt, was der Abend sonst noch so für Überraschungen bereithalten mag. Mir liegt es im Blut die Feste zu feiern, wie sie fallen, aber wie ist es mit Euch? Was hat Euch dazu veranlasst, heute hier zu sein?”, fragte sie ihn aufrichtig interessiert.

  • Brennan lachte und sein Lachen klang offen und ehrlich. Um seine Augen bildeten sich kleine Fältchen.

    „Man könnte sagen, ich bin erfolgreich, ja“, erwiderte er mit einem Nicken und führte Elaya ohne viel Aufhebens durch die nächste Drehung. „Und wahrscheinlich liegt es wirklich daran, dass ich gleichermaßen mit Vögeln und mit Menschen umzugehen weiß. Beide brauchen das Gefühl, dass sie jederzeit gehen könnten – und bei beiden muss man wissen, wann man aufhören muss, sie festhalten zu wollen.“

    Er neigte den Kopf ein wenig zu ihr und sprach in verschwörerischem Ton weiter.

    „Ihr seid aufmerksam, Elaya. Das ist äußerst erfrischend.“

    Kurz nickte er ihr anerkennend zu. Doch dann veränderte sich etwas in seinem Blick. Brennan ließ die junge Frau für einen Moment los, wandte den Kopf zur Seite und musste niesen. Und noch ein zweites Mal. Mit einem leisen Ausatmen fuhr er sich kurz über den Nacken, bevor er sich der Cath’shyrr wieder zuwandte.

    „Verzeiht …“ murmelte er und ein kurzes entschuldigendes Grinsen legte sich auf seine Lippen. Mehr sagte er dazu jedoch nicht. Stattdessen nahm er den Rhythmus des Tanzes wieder auf, als wäre die kleine Unterbrechung nie passiert. Lange würde der erste Tanz ohnehin nicht mehr andauern.

    „Aber genug von mir und meinem Geschäft“, sprach er weiter und seine Stimme wurde eine Spur dunkler, während er seine Partnerin geschickt an einem anderen Paar vorbeimanövrierte. „Erzählt mir lieber von Euch. Außer Eurem Namen weiß ich noch gar nicht, mit welcher hervorragenden Tänzerin ich es hier eigentlich zu tun habe.“

    Frech zwinkerte er ihr zu. " Wer seid ihr, wenn ihr nicht gerade mit Fremden tanzt und wie erlangt man eure Aufmerksamkeit, wenn man zufällig grade keine passende Farbkarte zur Hand hat?"

    Edited once, last by Brennan (May 8, 2026 at 5:06 PM).

  • „Habt ihr nicht?“, fragte der Corvae verwundert, „Dabei wurden so viele Plakate aufgehängt. Auf einigen ist sogar mein Gesicht darauf.“ Es war ein Kompromiss gewesen. Ursprüngliche Versionen des Plakates erinnerten ein wenig wie die Anpreisung einer Kuriosität oder eines dramatisch wirkenden Henkers mit Rabenkopf. Maßlose Übertreibungen! Dennoch war er es nicht gewohnt so derartig in den Fokus gerückt zu werden. Auch sein anfänglicher Enthusiasmus die zehntausend Goldmünzen schnell und auf ehrliche Weise beisammen zu haben, stellte sich als Finte heraus und so blieb ihm nichts anderes übrig als Zahlen zu manipulieren und Valeska eine beträchtliche Menge an Geld zu unterschlagen. Doch dies waren alles Dinge, die er zumindest für einen Augenblick beiseite lassen wollte. Vielleicht ginge sich nach dem Fest noch ein Spaziergang in der Stadt aus, um zu überprüfen, ob sie womöglich abgehängt wurden. „Nicht so gut, wie er besucht sein könnte“, antwortete er ehrlich, denn seine Motivation noch mehr Energie in den Zirkus zu investieren hatte stark nachgelassen.

    „Das freut mich“, sprach er mit freundlichem Tonfall und lächelte die Dame an. Er konnte sich vorstellen, dass die Überraschung bereits groß genug war ausgerechnet an einen Corvae als Tanzpartner zu geraten. Außerhalb vom Rabenhorst traf man Seinesgleichen recht selten an. Die Meisten blieben unter sich und arbeiteten hart für ihre Königin, die sich bemühte das höfische Leben weiterhin aufrecht zu erhalten. Auch wenn das Schloss immer weiter der Verwahrlosung zum Opfer fiel. Mordecai legte seinen Kopf leicht schräg und rückte sein Monokel zurecht. „Braucht ein Rabe etwa einen Grund um hin und wieder das Tanzbein zu schwingen?“, fragte er nach, seine Stimme klang ein wenig spöttisch, wenn aber nicht unfreundlich. „Wenn ihr es genau wissen wollt, meine ... Ziehtochter hat mich … auf die Idee gebracht. Leider konnte sie nicht mitkommen. Ich denke ich werde ihr etwas Schönes mitbringen.“

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

  • Für einen kurzen Moment fragte sich Lelia was dieser Mann nun erreichen wollte. Warum hatte er sich überhaupt gemeldet? Gut er hatte die zweite grüne Karte. War es denn so? Sollte sie vielleicht noch einmal drüber sehen? Bei so vielen Leuten war es doch unmöglich, dass es nur zwei grüne Karten gab.

    Der Kerl, der sich noch nicht einmal vorgestellt hatte, trottete bereits los, schleifte sie am Ellbogen mit als wäre sie ein bockiges Nutztier, das man zur Tränke zerrt. Die Satyrin blieb stehen, so abrupt, dass ihre Hufe ein hartes Klacken von sich gaben. Der Ruck ging durch seinen ganzen Arm und riss ihn ungeschickt nach hinten.

    Die Bardin löste sich aus seinem Griff und richtete sich auf, die Hörner fingen einen Teil des Abendlichtes ein, während sie ihm in die Augen sah. „Wisst ihr, mein Herr“, fing sie an. Ihre Stimme war klar und unverblümt, „Ich habe schon viele Kreaturen des Waldes getroffen. Vom stolzen Hirschen bis hin zu wilden Keilern.“ Sie atmete noch einmal tief durch. „Aber ihr seid der erste der den Charme eines nassen Schaffells mit der Höflichkeit eines Misthaufens in sich vereint.“

    Ein paar der umstehenden Gäste hielten inne und kicherten leise. Lelia ließ sich davon nicht beirren und fuhr fort, bevor dieser schmierige Typ etwas erwidern konnte. „Eigentlich müsste ich euch für diesen Griff und die unverschämten Worte zeigen, wie hart ein Satyrhuf wirklich sein kann. Aber ich werde euren beschränkten Weltbild nicht den Gefallen tun, die Wilde zu spielen. Das würde voraus setzen, dass ich euch ernst nehme.“

    Sie trat einen Schritt zurück und musterte seinen speckigen Rock. Ein Hauch von Mitleid gepaart mit Ekel zeigte sich in ihrem Blick. „Behaltet eure Dienste und eure Schafe. Ich werde den Rest des Abends lieber damit verbringen ein Lied über diesen Moment zu sinnieren. Es wird ´Der Bock, der dachte er sei ein Hirte heißen´. Das Publikum wird es lieben, ihr vermutlich weniger.“ Sie warf ihm noch ein liebloses Lächeln zu und drehte sich um.

    Sie beschloss sich erst einmal etwas zu Trinken zu holen. Der Abend war noch jung. Der erste Tanz war nicht der letzte Tanz. Vielleicht ergab sich heute noch eine schöne Gelegenheit.

    „Hinter jeder Note liegt ein Schweigen, das tiefer ist als das Meer; dort, wo die Schatten ihre wahren Namen flüstern.“

  • „Wie viele sind so viele?“, wollte Atashkada von dem Corvae wissen, da sie neugierig war, in wie viele Plakate ein Zirkus wohl investierte. Immerhin waren diese nicht ganz günstig und je nach deren Größe kostete es auch Zeit diese anzufertigen oder anfertigen zu lassen. Und bei so einer großen Stadt… Ihre Familie und sie handhabten ihr Erscheinen anders. Eine kleine Gruppe der Familie kam zusammen, besuchte den Markt am Markttagen und vollführten einen kleinen Auftritt. Mundpropaganda war günstiger und kam dennoch überall an. Vor allem mussten die Leute dazu nicht lesen können. Und dann gab es noch das Handpuppentheater, das sehr wohl auch verbreitete, dass sie nahe der Stadt waren.

    „Ich muss gestehen, wir sind noch nicht so lange hier und ich habe mich noch nicht zu viel in der Stadt umgesehen, vielleicht liegt es auch einfach nur daran“, versuchte sie den Verwalter des Zirkusses zu beruhigen, da er etwas besorgt wirkte. „Vielleicht solltet Ihr eine kleine Aufführung in jedem der Stadtviertel veranstalten? Dort könnten die Auftretenden vielleicht ein paar Münzen verdienen und auf den Zirkus aufmerksam machen?“, schlug sie dem Rabenmann vor.

    “Braucht er nicht. Aber Ihr sagtet selbst, ihr vergönnt es Euch sonst nicht. Also gibt es einen Grund, oder etwas hat sich geändert. Ich war nur neugierig", gestand sie ein, ohne weiter nachzubohren, denn wer solche Gegenfragen stellte, wollte meist nicht antworten und damit war sie auch zufrieden. Doch dann verriet er ihr es doch. „Wirklich schade, dass sie das Fest nicht mit Euch genießen kann. Aber Eure Idee ist wunderbar. Sie wird sich sicherlich sehr darüber freuen. Habt Ihr schon etwas im Auge, was es werden könnte?“

  • Als Brennan so ehrlich lachte, erhellte sich Elayas Gesicht. "Das hab ich mir gedacht", warf sie ein, als er bestätigte, dass er durchaus erfolgreich war. Sie fand interessant, was er erzählte, das konnte er daran erkennen, dass ihre Aufmerksamkeit ganz ihm galt. Sie verharrte vor ihm, als er den Kopf neigte und ihr so näher kam. Sein Kompliment quittierte sie mit einem zufriedenen Lächeln. Nichts lag ihr ferner, als langweilig zu sein. Sie begann, Spaß an der Unterhaltung mit Brennan zu finden. Als sich seine Haltung mit einem Mal änderte und er inne hielt, blinzelte Elaya und sah ihn fragend an. Bis er den Kopf drehte und nieste. Für einen Moment ließ sie den Blick schweifen, der auf die Satyrin fiel, die gerade dabei war, ihrem zugedachten Tanzpartner eine Abfuhr zu erteilen. Elaya bekam keine Details mit, auch wenn sie versuchte, die Ohren zu spitzen, aber die Musik war zu laut, um das Gespräch zu verfolgen. Die Körpersprache der Bardin sprachen jedoch Bände. Als Brennan sich mit einer Entschuldigung wieder ihr zuwandte, sah sie zurück in sein Gesicht und winkte ab. "Nicht dafür", murmelte sie mit leiser Belustigung. "Ihr werdet doch nicht etwa krank?" Sie klang, als wäre sie besorgt und engte kurz die Augen, als hätte sie zu befürchten, dass er sie ansteckte. Allerdings verriet ihr Grinsen, dass sie es nicht ernst meinte. Als er sie als hervorragende Tänzerin betitelte, funkelten ihre Augen belustigt. "Wartet erst einmal ab, wie die anderen tanzen", empfahl sie ihm. Sie konnte zwar tanzen und sich durchaus bewegen, allerdings würde sie sich selbst nicht als hervorragend darin bezeichnen. Da gab es sicher andere, begabtere Anwesende. Als er fragte, wie man ihre Aufmerksamkeit abseits dieses Festes erregte, musste Elaya nicht lange überlegen. "Oh, das ist einfach: Schokolade", erwiderte sie prompt und lachte dann gelöst auf. "Das ist genauso wirksam wie die passende Farbkarte." Sie kicherte über ihren eigenen Witz. Dann wurde sie ernster und überlegte einen Moment, bevor auch ihr Blick verschwörerisch wurde. "Ich bin jemand, der gerne für Unterhaltung sorgt. Jemand, der die Menschen für ein paar Minuten alles andere vergessen lässt." Elaya drehte sich, wodurch die Worte für einen Moment zwischen ihnen standen. Dann trafen sich ihre Hände und Blicke wieder. "Ich bin Artistin", lächelte sie und war gespannt auf seine Reaktion. "Ich landete vor einigen Jahren hier in Nir'alenar und beschloss, zu bleiben. Seitdem mache ich die Straßen und Tavernen unsicher und erfreue die Menschen mit Akrobatik und anderen Kunststücken, manchmal sogar Zauberei", gab sie in Plauderlaune preis und lächelte geheimnisvoll. Ein neugieriges Funkeln trat in ihre Augen. "Sind das Dinge, für die ihr auch zu begeistern seid? Oder womit lenkt ihr euch, vom Tanzen abgesehen, im Alltag ab?"

  • „Es tut mir wirklich leid. Aber ich möchte gerade nicht über Verwaltungsangelegenheiten des Zirkus besprechen. Davon abgesehen liegt das letzte Wort immer noch bei unserer Direktorin. Ich bin nur der Schatzmeister und das ausführende Organ“, sprach er im Angesicht von Atashkadas Vorschlägen. Tatsächlich hatte er bereits die eine oder andere kleine Aufführung in anderen Städten organisiert und auch selbst mit Sölvi ein paar Kunststückchen zum Vorgeschmack erarbeitet und aufgeführt. Hin und wieder hatte er auch mit dem Gedanken gespielt den Zirkus zu übernehmen, aber in dem Fall müsste sich Sölvi wohl für immer mit ihrem Schicksal abfinden und das wollte er ihr nicht zumuten.

    „Die Neugier ist der Katzes Tod, wie man so schön sagt“, Mordecai lächelte kurz, „Was mich zu der Frage bringt... was denn eure Berufung ist, abgesehen vom Tanzen auf Festen und … was hat es mit dem Feuer von Nelio auf sich?“

    Etwas Wehmut zeigte sich in seinem Gesicht, ehe er kurz darauf den Kopf sank. „Wohl wahr … das ist sehr bedauerlich“, bestätigte er seine Geste und überlegte, wie er dieses Gespräch nun noch weiter fort setzen sollte. Er hatte keine Lust auf oberflächliches Geplänkel, wollte sie aber auch nicht mit allzu schweren Themen in die Flucht schlagen.

    „Ihr fragt, was ihr Freude machen würde? Nun … sie befindet sich derzeit in einer Situation in der die Welt ihr fremd geworden ist.“ Er biss sich auf die Unterlippe. „Sagen wir, sie trägt eine Maske, die sie nicht ablegen kann. Eine, die viel pelziger und unhandlicher ist als es einem jungen Mädchen zusteht...“ Er machte eine kleine, elegante Pause um eine Drehung zu vollenden und zog nachdenklich seine Stirn in Falten. „Ein Spiegel wäre wohl ein denkbar schlechtes Geschenk. Aber … vielleicht eine Spieldose oder eine von den kleinen Holzpuppen könnten ihr gefallen.“

    Mordecai Belasquín

    „Man kann die Feder brechen, aber nicht den Strich, den sie zog.“

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