Der Sturm kam. Und bei den Göttern, die Satyrin hielt sich wahrlich nicht zurück. Atashkadas Lächeln wurde breiter, als das Klipp-Klopp der Hufe plötzlich wie ein zweiter Takt unter die Melodie schlug. Sie hörte das Klatschen der Umstehenden, das Stampfen auf dem Holz und dazwischen das helle Klingen ihrer eigenen Glöckchen. Alles schien sich miteinander zu verweben, schneller und schneller, bis kaum noch auszumachen war, wo die Musik endete und der Tanz begann. Für die Dehoran gab es ohnehin längst nichts anderes mehr. Keinen Markt. Keine neugierigen Blicke. Keine Stände und kein Stimmengewirr. Nur noch den nächsten Schritt. Die nächste Drehung. Den nächsten Ton.
Ihr Rock wirbelte um ihre Beine, während ihre Füße flink über den Boden glitten. Wo die Melodie plötzlich brach, änderte sie die Richtung. Wo der Bogen die Töne beinahe vor sich herpeitschte, wurden ihre Schritte kürzer und schneller. Das dunkle Haar hatte sich längst aus seiner Ordnung gelöst und flog ihr bei jeder Drehung um die Schultern. Anstrengend? Oh ja. Das würde sie allerdings ganz gewiss nicht ausgerechnet jetzt zugeben. Ihr Herz schlug ihr kräftig gegen die Brust und ihr Atem ging längst schneller als zu Beginn ihres kleinen Spiels. Auch die Muskeln ihrer Beine machten inzwischen deutlich, dass sie durchaus eine Meinung zu Lelias Ehrgeiz hatten. Aber jedes Mal, wenn Atashkadas indigoblaue Augen die Satyrin fanden, blitzte darin noch immer dieselbe unbändige Freude auf. Sie würde nicht aufgeben. Nicht vor all diesen Leuten. Und ganz besonders nicht, nachdem Lelia sie derart herausgefordert hatte. Als einer ihrer unfreiwilligen Tanzpartner bei einer schnellen Drehung beinahe über seine eigenen Füße stolperte, entkam Tasha sogar ein helles Lachen. Sie fing ihn noch an beiden Händen ab, schenkte ihm einen entschuldigenden – wenn auch wenig reumütigen – Blick und schickte ihn mit einem kleinen Schubs zurück zu den Umstehenden.
Dann gehörte der Tanz wieder ihr. Bis – Stille. Der letzte Ton kam so plötzlich und scharf, dass Atashkada mitten in der Bewegung innehielt. Ein Fuß setzte noch auf, die Glöckchen erklangen ein letztes Mal und ihr Rock schmiegte sich nach einer letzten Drehung langsam wieder um ihre Beine. Für einen kurzen Moment stand sie einfach nur da. Ihre Brust hob und senkte sich deutlich. Einige dunkle Locken klebten ihr an Stirn und Schläfen und in ihren Wangen lag eine kräftige Röte. Dann stemmte Tasha die Hände in die Hüften und holte erst einmal tief Luft. „Bei E’lor…“ Mehr brachte sie für den Augenblick nicht hervor. Ein leises Lachen folgte, noch immer ein wenig atemlos, während sie den Kopf schüttelte. Erst dann hob sie den Blick wieder zu Lelia. Bei deren Worten richtete sie sich ein kleines Stück stolzer auf. „Das“, erklärte sie und deutete mit einer Hand auf die Satyrin und deren Instrument, „war gemein.“ Der Vorwurf hätte vielleicht überzeugender geklungen, hätte sich nicht bereits wieder ein breites Grinsen auf ihre Lippen gestohlen.
Langsam trat Atashkada näher an den Pavillon heran. Ihre Glöckchen begleiteten jeden Schritt nun wieder mit ihrem vertrauten, sanften Klingeln. Vor Lelia angekommen, legte sie eine Hand an ihre Brust und deutete eine übertrieben förmliche Verbeugung an. „Aber ich nehme die Hörnerneigung natürlich an.“ Als sie sich wieder aufrichtete, funkelten ihre Augen amüsiert. „Und Ihr spielt wirklich gut.“ Einen Moment musterte sie die Satyrin, dann zuckte ein Mundwinkel höher. „Auch wenn ich langsam den Verdacht hege, dass Ihr weniger für die Leute gespielt habt und vielmehr versucht habt, mich auf die Nase fallen zu sehen.“ Tasha legte den Kopf ein wenig schief. „Ich bin übrigens Atashkada.“ Kurz hielt sie inne, ehe ihr Blick vielsagend zu Lelias Hörnern wanderte. „Und nachdem Ihr Eure Hörner schon vor mir neigt, sollte ich wohl wenigstens wissen, wem sie gehören.“