Ein Abend voller Möglichkeiten

  • Elaya schlenderte vom Silberquell-Pavillon mit Navaron an ihrer Seite durch die Menge. Auf dem Fest herrschte noch immer reges Treiben und überall gab es etwas zu entdecken, sodass die grünen Augen der Cath'shyrr aufmerksam über den Platz schweiften. Die verschiedenen Marktstände reihten sich hier aneinander, aber es gab genug Platz, um nebeneinander her zu gehen, ohne befürchten zu müssen, sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Über ihnen wehten bunte Bänder und kleine Laternen im Abendwind, während aus verschiedenen Richtungen Musik und Stimmen zu ihnen herüber drangen. Elaya ließ sich von dem Treiben führen und Navaron fiel vielleicht auf, dass sie es gar nicht so eilig hatte und nicht geradewegs auf ein bestimmtes Ziel zusteuerte. Im Moment blieb ihr Blick an den verschiedenen Auslagen der Stände hängen. Vielleicht dachte er schon, dass sie vergessen hatte, dass sie etwas vorgehabt hatte. Aber es war vielmehr so, dass ihr Fokus nicht einfach nur auf dem Erreichen des Ziels lag. Für den Moment wollte sie einfach das Fest genießen, die vielen Eindrücke auf sich wirken lassen und letztendlich ließ sich von den Auslagen der Händler auch etwas ablenken. Hier und da blieb die Cath'shyrr stehen, betrachtete die Waren genauer, oder wartete ebenso auf Navaron, falls seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes fiel. Bald schon blieb sie an einem Stand stehen, der verschiedene Waren aus Leder und Holz anbot. Zwischen einfachen Gürteln, kleinen Beuteln und Lederscheiden lagen geschnitzte Tierfiguren, Holzschalen und kleine Anhänger. Lächelnd betrachtete sie die Dinge und hob dann fragend den Blick zu Navaron. "Wenn ihr etwas für euren Hof aussuchen müsstet, würdet ihr eher etwas Praktisches nehmen oder etwas, das schön aussieht?", fragte sie dann neugierig, was ihr bei der hiesigen Auswahl in den Sinn gekommen war, bevor ihr Blick zurück auf die Waren fiel und sie einen hölzernen Anhänger zwischen die Finger nahm, um ihn vorsichtig zu betasten.

  • Wohin dieser geheimnisvolle Spaziergang führen sollte, erschloss sich Navaron auch nach den ersten Minuten nicht. Anfangs hatte er noch erwartet, dass Elaya zielstrebig irgendeinen bestimmten Ort ansteuern würde. Schließlich hatte ihr Ausdruck am Pavillon durchaus den Eindruck vermittelt, als wäre ihr etwas Konkretes eingefallen. Stattdessen schlenderten sie zwischen den Marktständen hindurch, ohne dass seine Begleiterin besondere Eile zeigte. Navaron störte das nicht. Im Gegenteil. Nach den vergangenen Jahren hatte er gelernt, dass eine Reise nicht immer dadurch besser wurde, dass man möglichst schnell an ihrem Ende ankam. Gerade auf den Märkten, die er mit den Pferden besucht hatte, wäre ihm sonst einiges entgangen. Menschen beobachten, Gespräche aufschnappen, Waren betrachten und hier und da mit einem Händler ins Gespräch kommen – all das gehörte für ihn ebenso zu einem Markt wie das eigentliche Geschäft. Und heute musste er nicht einmal Geschäfte machen. Eine ausgesprochen angenehme Abwechslung.

    So passte Navaron sein Tempo ganz selbstverständlich dem Elayas an. Sein Blick wanderte immer wieder über die verschiedenen Auslagen, blieb an einem Stand etwas länger hängen und schweifte beim nächsten bereits weiter. Manches davon kannte er von anderen Märkten, anderes wiederum war ihm neu. Zwischendurch beobachtete er eher die Menschen als die angebotenen Waren. Einmal blieb er tatsächlich einige Schritte zurück, weil ein Händler Werkzeug ausgestellt hatte und Navaron unwillkürlich einen genaueren Blick darauf werfen musste. Eine alte Angewohnheit. Seit er seinen eigenen Hof bewirtschaftete, sah er derartige Dinge mit anderen Augen. Plötzlich war ein gutes Werkzeug nicht mehr einfach nur ein gutes Werkzeug. Es war etwas, das einem morgen mehrere Stunden Arbeit ersparen konnte.

    Als er wieder zu Elaya aufschloss, bemerkte er durchaus, dass sie auf ihn gewartet hatte. „Ihr habt Euer Ziel nicht zufällig vergessen?“, fragte er irgendwann mit einem Seitenblick. Das Grinsen, das seine Frage begleitete, verriet allerdings, dass er sie nicht zur Eile antreiben wollte. Wenn dies bereits Teil dessen war, was Elaya mit ihm vorgehabt hatte, konnte er damit gut leben. Schließlich blieben sie gemeinsam vor einem Stand stehen, dessen Auslage auch Navarons Aufmerksamkeit weckte. Lederwaren waren für ihn beinahe zwangsläufig interessant. Bei Pferden gab es schließlich genügend Dinge, die aus Leder gefertigt wurden, und entsprechend schnell entwickelte man ein Auge dafür, ob jemand sein Handwerk verstand. Navaron ließ den Blick über Gürtel, Beutel und Scheiden wandern, betrachtete einige Nähte etwas genauer und wandte seine Aufmerksamkeit schließlich den geschnitzten Gegenständen zu. Elayas Frage brachte ihn zum Schmunzeln. „Für meinen Hof?“ Er verschränkte locker die Arme und betrachtete die Auslage nun tatsächlich unter diesem Gesichtspunkt. „Praktisch“, antwortete er zunächst ohne langes Zögern.

    Das war vermutlich wenig überraschend. Sein Hof hatte ihn genug Arbeit und Geld gekostet, dass er gerade zu Beginn jeden Kupferling zweimal hatte umdrehen müssen. Als er ihn gepachtet hatte, war einiges daran in einem Zustand gewesen, bei dem baufällig beinahe noch freundlich geklungen hatte. Damals hatte er wenig Verwendung für Dinge gehabt, die lediglich schön aussahen. Doch nach einem Augenblick verzog Navaron nachdenklich den Mund. „Wobei...“ Sein Blick glitt von einem der schlichten Lederbeutel zu den kleinen Holzfiguren. „Vielleicht ist das zu einfach.“ Er griff nach einer der geschnitzten Tierfiguren und drehte sie zwischen den Fingern, um die Arbeit von allen Seiten zu betrachten. „Als ich den Hof übernommen habe, hätte ich Euch ohne nachzudenken gesagt, dass etwas Nützliches immer die bessere Wahl ist. Es gab genug zu reparieren und herzurichten. Geld für etwas auszugeben, das nur herumsteht und hübsch aussieht, wäre mir damals ziemlich töricht vorgekommen.“ Ein kleines Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen. „Aber irgendwann soll aus einem Hof schließlich auch ein Zuhause werden.“

    Diese Erkenntnis war eher schleichend gekommen. Anfangs war der Hof vor allem eine Möglichkeit gewesen. Ein Ort, an dem er seine eigene Zucht weiter ausbauen und sich etwas Eigenes schaffen konnte. Mit jedem reparierten Zaun, jedem Tier im Stall und jedem weiteren Tag, den er dort verbracht hatte, war daraus jedoch mehr geworden. Navaron stellte die Figur behutsam zurück. „Also vermutlich etwas Praktisches, das gleichzeitig schön aussieht“, entschied er schließlich. „Damit umgehe ich Eure Frage ausgesprochen geschickt.“ Er warf Elaya einen schelmischen Seitenblick zu. „Ein guter Händler nimmt schließlich beides, wenn er es zum gleichen Preis bekommen kann.“ Seine Aufmerksamkeit wanderte zu dem Anhänger, den sie gerade zwischen ihren Fingern hielt. „Bei Euch würde ich allerdings auf eine andere Antwort tippen.“ Navaron neigte den Kopf ein wenig und betrachtete erst den Anhänger und anschließend Elaya. „Ihr würdet etwas nehmen, das Euch gefällt, selbst wenn Ihr noch gar nicht wisst, wofür Ihr es gebrauchen könnt.“ Es klang weniger wie eine Feststellung als eine Vermutung, die er bewusst zur Diskussion stellte. Nach allem, was er bisher von ihr erlebt hatte, konnte er sich zumindest gut vorstellen, dass Elaya sich eher von ihrer Neugier und ihrem Gefühl leiten ließ als von einer nüchternen Liste praktischer Vorzüge. Ein Grinsen huschte über seine Lippen. „Und anschließend würdet Ihr vermutlich einen ausgezeichneten Grund dafür finden, warum Ihr es unbedingt gebraucht habt.“ Er deutete mit dem Kinn auf den Anhänger in ihrer Hand. „Liege ich sehr daneben?“

  • Ein Lächeln lag auf Elayas Lippen, während sie sich das bunte Treiben in diesem Teil des Festes betrachtete. Hier gab es allerlei für die Sinne zu entdecken, sodass die Cath’shyrr sich einfach nur treiben ließ. Als sich Navaron interessiert den Werkzeugen zuwandte, wartete sie geduldig und ließ den Blick dabei über die Umgebung schweifen. Werkzeuge gehörten nun nicht gerade zu ihren großen Interessengebieten, aber sie hatten es auch nicht eilig, hier einfach nur schnell voran zu kommen. Manchmal war der Weg das Ziel. Als Navaron zu ihr aufschloss und sie fragte, ob sie eben jenes schon vergessen hatte, wurde Elayas Lächeln eine Spur breiter. “Nein, nicht vergessen”, antwortete sie salopp. “Ich genieße nur den Spaziergang.” Es funkelte in ihrem grünen Blick. Immerhin hatte sie genau das in Aussicht gestellt - einen Spaziergang. Dass das nicht alles war, was ihr dabei so im Sinn stand, war ihr anhand des verschmitzten Gesichtsausdruck anzusehen. Dann aber erhaschte der nächste Stand ihre Aufmerksamkeit. “Genießt den Augenblick”, fügte sie noch frech hinzu, bevor sie sich den Waren zuwandte. Dabei interessierten sie weniger die Lederwaren als vielmehr die geschnitzten Anhänger.

    Elaya sah an Navarons Seite zu ihm auf, als er auf ihre Frage antwortete und lächelte wissend. Praktisch. Das überraschte sie nicht. Ihr Blick lag auf ihm, während er offenbar noch weiter darüber nachdachte, und Elaya schwieg abwartend und gleichsam neugierig, falls er mehr hinzufügen wollte. Ihr Blick folgte seiner Geste, als er nach einem der geschnitzten Tiere griff. Vielleicht musste in Navarons Leben ja doch nicht alles so praktisch sein. Sie warf ihm einen Seitenblick zu, um seine Reaktion zu beobachten, und als er dann doch ausführlicher antwortete, wandte sie sich ihm wieder zu. “Zu einem Zuhause gehören auch Dinge, die man nicht unbedingt braucht, aber trotzdem gerne ansieht”, fügte sie seinen Worten hinzu und lächelte warm. Dann schnaubte sie amüsiert. “Ich finde, ihr habt die Frage geschickt beantwortet”, widersprach sie ihm mit einem Grinsen und schaute zurück zu dem Anhänger in ihrer Hand. Es war eine kleine Holzscheibe mit verschlungenen Linien, die kein konkretes Abbild darstellten. Mit dem Finger fuhr sie über das helle Holz. Als er eine Vermutung anstellte, wie ihre Antwort auf diese Frage ausfallen würde, schaute sie jedoch zurück zu Navaron. Ein Grinsen umspielte dabei ihre Lippen, denn sie vermutete, was auch immer jetzt kam, er würde richtig damit liegen. Sie lachte belustigt, als er dann wirklich so passende Worte fand. “Mir scheint, ihr kennt mich schon erstaunlich gut. Sicher, dass die Begegnung heute Abend so zufällig war?” Mit gespielten Misstrauen musterte sie ihn, als wäre seine Einschätzung etwas, die man nur treffen konnte, wenn man sie schon sehr lange kannte. “Offenbar bin ich doch nicht so geheimnisvoll, wie ich dachte”, scherzte sie dann über sich selbst. “Und ihr habt recht. Ich kann sehr erfinderisch sein, wenn mir etwas gefällt”, bestätigte sie dann ohne Scheu seine Annahme. Das Grinsen auf ihren Lippen ließ darauf schließen, dass sie auch ziemlich stolz darauf war. Dann legte sie den Anhänger wieder zurück an seinen Platz. “Weckt hier etwas euer Interesse oder wollen wir weiter?” Ihr Blick wanderte an den nächsten Ständen vorbei, um damit die weitere Richtung anzudeuten, bevor sie zurück zu Navaron sah.

  • „Den Augenblick genießen“, wiederholte Navaron und ließ den Blick für einen Moment über das bunte Treiben ringsum schweifen. „Das klingt verdächtig danach, als wolltet Ihr mich davon abhalten, weitere Fragen über unser geheimnisvolles Ziel zu stellen.“ Der Tonfall war zwar vorwurfsvoll, das leichte Grinsen auf seinen Lippen verriet jedoch, dass er nicht ernsthaft auf eine Antwort drängte. Elaya hatte ihm einen Spaziergang versprochen und genau den bekam er schließlich. Dass sie dabei nicht den kürzesten Weg wählte, sondern sich von den verschiedenen Ständen und Eindrücken treiben ließ, störte ihn nicht. Ganz im Gegenteil. Er verbrachte genug Zeit seines Lebens damit, ein bestimmtes Ziel erreichen zu müssen. Ein Pferd musste zu seinem neuen Besitzer, ein Handel abgeschlossen, eine Arbeit auf dem Hof erledigt werden. Heute gab es keinen Grund, sich selbst ähnliche Vorgaben zu machen. Also würde er ihren Rat ausnahmsweise beherzigen. „Aber gut. Ich werde versuchen, mich in Geduld zu üben.“ Wie erfolgreich dieses Vorhaben sein würde, blieb allerdings abzuwarten.

    Ihre Worte über sein Zuhause ließen ihn wenig später nachdenklicher werden. Navarons Blick ruhte noch einen Moment auf der kleinen geschnitzten Tierfigur in seiner Hand, bevor er sie zurücklegte. Dinge, die man nicht unbedingt brauchte, aber trotzdem gerne ansah. „Da ist wohl etwas Wahres dran“, stimmte er schließlich zu. Früher hätte er über eine solche Aussage vermutlich anders gedacht. Als er den Hof übernommen hatte, hatte er hauptsächlich Arbeit gesehen. Dächer, die ausgebessert werden mussten. Zäune, die ihre besten Jahre hinter sich hatten. Stallungen, bei denen ihm bereits beim ersten Rundgang aufgefallen war, was er alles verändern wollte. Dazu die Frage, wie er aus dem Ganzen tatsächlich etwas machen sollte, das ihm irgendwann einen verlässlichen Lebensunterhalt einbrachte. Damals war jeder Gegenstand, den er nicht brauchte, vor allem eines gewesen: eine unnötige Ausgabe. Mittlerweile sah er das etwas anders. „Vielleicht sollte ich mir Euren Rat sogar zu Herzen nehmen“, meinte er und betrachtete noch einmal die Auslage. „Auf meinem Hof gibt es vermutlich tatsächlich mehr Dinge, die einen Zweck erfüllen, als solche, die einfach nur schön anzusehen sind.“ Seine Mundwinkel hoben sich leicht. „Wobei die Pferde selbstverständlich beides hervorragend miteinander verbinden.“ Das musste er als Pferdezüchter schließlich anmerken.

    Interessanter als die Frage nach der Einrichtung seines Hofes wurde jedoch Elayas Reaktion auf seine Einschätzung ihrer Person. Ihr gespieltes Misstrauen brachte Navaron zum Lachen. „Ihr habt mich erwischt.“ Mit einem Mal wurde sein Gesicht vollkommen ernst. „Nichts an unserer Begegnung war Zufall.“ Er verschränkte die Arme locker vor der Brust und sah sie mit einer Ruhe an, als würde nun tatsächlich ein großes Geheimnis folgen. „In Wahrheit beobachte ich Euch natürlich schon seit Wochen. Ich habe Eure Gewohnheiten studiert, Eure Vorlieben zusammengetragen und diesen Abend sorgfältig geplant, nur damit ich Euch irgendwann an genau diesem Stand mit meinem erstaunlichen Wissen beeindrucken kann.“ Eine kurze Pause folgte. Navaron ließ seinen Blick demonstrativ zu dem Anhänger wandern, den Elaya gerade zurückgelegt hatte. „Zugegeben, dass Ihr ausgerechnet diesen Anhänger in die Hand nehmt, war ein gewisses Risiko.“ Länger hielt er seine ernste Miene nicht aufrecht. Ein Grinsen durchbrach sie und er schüttelte leicht den Kopf. „Oder aber Ihr macht es mir manchmal einfach.“ Dabei meinte er das keineswegs abwertend. Navaron hatte in den vergangenen Jahren zwangsläufig gelernt, Menschen genauer zu beobachten. Wer regelmäßig Pferde verkaufte, verhandelte nicht nur über Preise. Man musste erkennen, wonach jemand tatsächlich suchte. Mancher Käufer behauptete, ein ruhiges und verlässliches Pferd zu wollen, während sein Blick die ganze Zeit an dem temperamentvollsten Hengst im Stall hing. Andere interessierten sich angeblich nicht für den Preis und begannen trotzdem bei jeder genannten Summe unbewusst zu rechnen. Personen verrieten viel über sich, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gab. Und Elaya war zwar in mancherlei Hinsicht durchaus geheimnisvoll, ihre Begeisterung verbarg sie hingegen selten besonders lange.

    „Ich fürchte also, Euer großes Geheimnis ist vorerst noch sicher“, beruhigte er sie. „Ich weiß lediglich, dass Ihr neugierig seid, Euch gerne amüsiert und offenbar eine bemerkenswerte Begabung dafür besitzt, Dinge zu rechtfertigen, die Ihr unbedingt haben wollt.“ Er legte den Kopf etwas schief und betrachtete sie mit gespielter Nachdenklichkeit. „Eigentlich erschreckend wenig, wenn man bedenkt, wie lange wir uns nun schon kennen.“ Dass sie auf ihre Erfindungsgabe sogar ein wenig stolz zu sein schien, entlockte ihm erneut ein leises Lachen. „Immerhin gesteht Ihr es ein.“

    Sein Blick wanderte noch einmal über die Waren des Standes, als Elaya fragte, ob etwas davon sein Interesse geweckt hatte. Tatsächlich blieb er noch einmal an den Lederarbeiten hängen. Ein schlichter Beutel wäre auf dem Hof durchaus zu gebrauchen gewesen. Ebenso fand er eine der Lederscheiden handwerklich ordentlich gearbeitet. Doch nichts davon war etwas, das er gerade dringend benötigte. Und nur weil sie eben noch darüber gesprochen hatten, dass nicht alles einen praktischen Nutzen haben musste, würde er nun kaum auf Zwang irgendetwas kaufen. Schließlich blieb sein Blick wieder an den kleinen geschnitzten Figuren hängen. Für einen kurzen Augenblick überlegte er. Dann schüttelte er den Kopf. „Nein. Zumindest nichts, bei dem ich mich morgen ärgern würde, es zurückgelassen zu haben.“ Navaron warf Elaya einen Seitenblick zu. „Und da Ihr Euren Anhänger ebenfalls wieder zurückgelegt habt, nehme ich an, dass Eure außerordentliche Erfindungsgabe diesmal keinen überzeugenden Verwendungszweck gefunden hat.“ Ein schelmisches Lächeln begleitete die Bemerkung.

    Er trat einen Schritt vom Stand zurück und folgte anschließend ihrem Blick zu den nächsten Auslagen. Noch immer hatte er keine Ahnung, wohin Elaya ihn eigentlich führte. Mittlerweile begann er allerdings zu vermuten, dass es vielleicht gar nicht darum ging, möglichst schnell irgendwo anzukommen. Und erstaunlicherweise störte ihn das überhaupt nicht. „Gehen wir weiter.“ Mit einer kleinen Geste bedeutete er ihr, den Weg zu wählen, bevor er sich wieder neben sie stellte. „Ich habe schließlich versprochen, den Augenblick zu genießen.“ Sein Blick glitt kurz zu ihr. „Außerdem möchte ich sehen, wie lange Ihr es noch schafft, mir unser eigentliches Ziel vorzuenthalten.“ Ein herausforderndes Funkeln trat in seine silbergrauen Augen. „Langsam glaube ich nämlich, dass Ihr mindestens ebenso viel Spaß an meiner Neugier habt wie an dem, was Ihr ursprünglich mit mir vorhattet.“

  • Elaya betrachtete Navaron nachdenklich. "Vielleicht braucht ihr ja auch einfach nur eure Pferde, um euch wie zu Hause zu fühlen", dachte sie laut über seine Worte nach, nachdem er die Tiere erwähnt hatte. Dann hob Elaya die Augenbrauen, als er bestätigte, dass ihre Begegnung nicht zufällig war. "Ach ja?", fragte sie und stemmte die Hände in die Hüften. Dabei musterte sie Navaron eingehend. Nicht, dass sie ihm glaubte, aber seine ernste Miene war schon recht überzeugend und passte nicht recht zu dem Mann, den sie heute kennengelernt hatte. Trotzdem spielte sie das Spiel mit und behielt die misstrauische Miene bei. Dann zuckte es aber in ihrem Mundwinkel. "Wusst ich's doch", murmelte sie bei seinem Geständnis und dann breitete sich ein Grinsen auf ihren Lippen aus. "Das erklärt natürlich einiges und vielleicht sollte ich in Zukunft vorsichtiger sein", erwiderte sie nachdenklich. Als er erwähnte, dass sie es ihm vielleicht auch nur einfach machte, sah sie ihn geheimnisvoll an und grinste in sich hinein. "Ich mache es euch also zu einfach, hmm.. gut zu wissen." Sie nickte und sah dabei aus, als würde sie sich das merken, um das zukünftig anders zu handhaben. Doch ihr Geheimnis war noch immer sicher, was sie selbstsicher nicken ließ. "Das trifft es ziemlich gut", gab sie nach seiner Aufzählung, über das, was er bereits über sie wusste, grinsend zu, denn im Grunde war das wirklich nicht viel. Doch das konnte sich noch ändern, denn der Abend war noch jung und Elaya hatte noch einiges vor.

    Allerdings gab sie Navaron die Zeit, die er brauchte, und handelte nicht überstürzt. Für einen Moment glaubte sie, dass er ernsthaft darüber nachdachte, sich etwas zu kaufen, doch dann verneinte er ihre Frage. Sie nickte lediglich, bis er auf den Anhänger zu sprechen kam, den sie wieder zurückgelegt hatte, und ihre Erfindungsgabe. "Nun ja, vielleicht habe ich ja doch einen Verwendungszweck.. aber vielleicht sollte ich auch nicht ganz so wahllos Dinge kaufen", gestand sie ein und verzog kurz den Mund. Dann nickte sie und wandte sich in Richtung der anderen Marktstände zu. Dabei folgte sie der Straße in östlicher Richtung. Ein feines Grinsen huschte über die Lippen der Artistin, als er erwähnte, den Augenblick genießen zu wollen, bevor der Blick aus den grünen Augen wieder auf ihm landete. War das eine Herausforderung, die da ihre Ohren kitzelte? "Möchtet ihr das wirklich sehen?", fragte sie und bezweifelte indirekt, dass er die Geduld dafür besaß, noch lange auf die Folter gespannt zu werden. "Aber ja, ich habe gerade viel Spaß", gab sie dann unumwunden zu und lachte amüsiert auf.

    Beschwingt lief sie an den verschiedene Marktständen vorbei. Interessiert ließ sie den Blick über die Waren schweifen, blieb aber nicht noch einmal stehen, außer Navaron entdeckte etwas, das er betrachten wollte. Sie liefen an Ständen mit verschiedenem Handwerk vorbei, an Schmuck, bunte Tücher, Gewürze und allerlei anderen Dingen. Den Ständen folgend, bogen sie schließlich um eine Häuserecke, wo in ein paar Metern Entfernung eine kleine Gruppe Menschen in Sicht kam. Beim Näherkommen sahen sie dann auch den Grund dafür. An einem einfachen Holzgestell hingen mehrere flache Holzscheiben an Schnüren. Manche waren größer, andere kleiner, auf allen waren mehrere Ringe aufgemalt. Der leichte Abendwind ließ die Ziele sanft hin und her pendeln, sodass sie ständig in Bewegung blieben. In einiger Entfernung zu den Zielscheiben standen Körbe mit kleinen Stoff- und Ledersäckchen. Gerade als sie näher kamen, traf einer der Anwesenden eine der Scheiben, woraufhin vereinzelte Zuschauer jubelten. Elayas Blick blieb für einige Momente an der getroffenen und jetzt schaukelnden Zielscheibe hängen, dann wanderte er weiter zu Navaron an ihrer Seite. "Oh, seht euch das an." Sie sah ihn überrascht an, als würde sie das gerade zum ersten Mal sehen. Aber dann funkelte etwas in ihrem Blick und ihr verräterisches Grinsen suggerierte, dass sie nicht ganz zufällig hier vorbeigekommen waren. "Da ich das Wetttrinken, das nie stattgefunden hat, gewonnen habe.. möchtet ihr vielleicht eine Revanche?", fragte sie und sah ihn erwartungsvoll an.

  • „Vielleicht“, erwiderte Navaron nachdenklich, als Elaya vermutete, dass er womöglich nur seine Pferde brauchte, um sich irgendwo zu Hause zu fühlen. Sein Blick löste sich für einen Moment von der Auslage und wanderte über das bunte Treiben des Marktes, ohne etwas Bestimmtes zu betrachten. Ganz falsch lag sie damit vermutlich nicht. Pferde hatten ihn schließlich sein gesamtes Leben begleitet. Schon als kleiner Junge hatte er mehr Zeit in Ställen, auf Weiden und zwischen den Tieren verbracht als an vielen anderen Orten. Der Geruch nach Heu und Leder, das Schnauben eines Pferdes oder das gleichmäßige Geräusch von Hufen waren für ihn so vertraut, dass er kaum noch darüber nachdachte. „Zumindest würde sich ein Ort ohne sie vermutlich ziemlich merkwürdig anfühlen“, gestand er schließlich und sah wieder zu Elaya. Ein leichtes Lächeln trat auf seine Lippen. „Aber ich hoffe doch, dass es noch ein wenig mehr braucht, damit aus irgendeinem Ort ein Zuhause wird.“ Personen zum Beispiel. Diesen Gedanken sprach er allerdings nicht aus. Stattdessen widmete er sich lieber wieder ihrem kleinen Spiel und stellte mit einiger Belustigung fest, dass Elaya seine vollkommen glaubwürdige Geschichte über die sorgfältige Planung ihrer Begegnung bereitwillig aufgriff. Als sie sogar ankündigte, in Zukunft vorsichtiger sein zu müssen, nickte Navaron mit ernster Miene.n„Das solltet Ihr unbedingt.“Er senkte verschwörerisch die Stimme.n„Wer weiß, was ich bei unserer nächsten Begegnung bereits alles herausgefunden habe.“

    Spätestens als sie jedoch seine Bemerkung aufgriff, dass sie es ihm möglicherweise zu einfach machte, wurde Navaron ein wenig aufmerksamer. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht gefiel ihm nicht. Oder vielleicht gefiel er ihm gerade deshalb. „Oh.“ Seine Augen verengten sich leicht. „Ich habe das ungute Gefühl, dass ich diesen Satz noch bereuen werde.“ Wenn Elaya sich nun tatsächlich vornahm, ihm künftig weniger von sich zu verraten, hatte er sich seine eigene Aufgabe wohl unnötig erschwert. Andererseits bezweifelte Navaron, dass sie sich dauerhaft verstellen würde, nur um ihn im Ungewissen zu lassen. Und wenn doch, wäre es zumindest interessant herauszufinden, wie lange sie es durchhielt.

    Beim Anhänger musste er schließlich schmunzeln. „Das klingt ausgesprochen vernünftig.“ Er warf einen letzten Blick auf das kleine Stück Holz. „Fast ein wenig zu vernünftig für jemanden, der gerade noch stolz auf seine Fähigkeit war, für alles einen Verwendungszweck zu finden.“ Damit ließ er das Thema allerdings ruhen und folgte Elaya weiter.

    Ihre Gegenfrage bezüglich seiner Geduld quittierte Navaron zunächst mit einem Seitenblick. „Nun fordert Ihr mich aber heraus.“ Natürlich wollte er wissen, wohin sie ihn führte. Spätestens seit Elaya angefangen hatte, ein derartiges Geheimnis daraus zu machen, war seine Neugier geweckt. Trotzdem würde er ihr kaum die Genugtuung gönnen, nun alle paar Schritte nachzufragen. „Ihr werdet feststellen, dass ich erstaunlich geduldig sein kann, wenn ich möchte.“ Pferde hatten ihm diese Eigenschaft früh beigebracht. Mit Ungeduld kam man bei einem nervösen oder eigensinnigen Tier selten besonders weit. Und auch der Handel war nicht gerade ein Beruf, bei dem es von Vorteil war, unbedingt als Erster das Schweigen brechen zu müssen. Ob diese Geduld allerdings auch gegen eine Cath’shyrr half, die offensichtlich großen Spaß daran hatte, ihn absichtlich neugierig zu machen, war eine andere Frage. „Aber wenigstens gebt Ihr offen zu, dass Ihr Euch auf meine Kosten amüsiert.“ Er schüttelte den Kopf, konnte dabei jedoch selbst ein Grinsen nicht verbergen. „Ich merke mir das.“

    Navaron schlenderte weiterhin neben ihr her und ließ seinen Blick ebenso über die zahlreichen Stände wandern. Bei einigen der angebotenen Handwerkswaren verweilte seine Aufmerksamkeit etwas länger, doch diesmal entdeckte er nichts, was ihn zum Stehenbleiben brachte. Schmuck zog seinen Blick nur flüchtig auf sich, während er bei den Gewürzen unwillkürlich etwas langsamer wurde. Einige der Gerüche kannte er, andere waren ihm vollkommen fremd. Trotzdem folgte er Elaya weiter, ohne ihren Spaziergang erneut zu unterbrechen.

    Erst als sie um die Häuserecke bogen und die kleine Ansammlung von Menschen sichtbar wurde, richtete sich seine Aufmerksamkeit von selbst nach vorn. Navaron brauchte einen Augenblick, um zu erkennen, was dort veranstaltet wurde. Sein Blick wanderte über die aufgehängten Holzscheiben und blieb an deren stetiger Bewegung hängen. Der Abendwind machte die Sache zweifellos interessanter. Anschließend betrachtete er die kleinen Säckchen in den Körben und schließlich den Mann, der gerade eines der Ziele traf. Der Jubel der Umstehenden ließ Navaron lächeln. „Nicht schlecht“, murmelte er anerkennend. Dann meldete sich Elaya neben ihm zu Wort. Oh, seht euch das an. Langsam wandte Navaron den Kopf in ihre Richtung. Sein Blick traf ihren. Für einen Moment sagte er gar nichts. Diese gespielte Überraschung hätte vielleicht sogar funktioniert, wenn da nicht dieses verräterische Funkeln in ihren grünen Augen gewesen wäre. Spätestens das Grinsen machte jeden Versuch zunichte, ihm weiszumachen, dass sie rein zufällig hier gelandet waren. Navaron hob langsam eine Augenbraue. „Welch bemerkenswerter Zufall.“ Seine Stimme war vollkommen trocken. Nun wusste er also endlich, wohin der geheimnisvolle Spaziergang hatte führen sollen. „Und ich dachte schon, Ihr hättet überhaupt kein bestimmtes Ziel gehabt.“

    Er betrachtete Elaya einen Augenblick lang mit gespieltem Vorwurf, doch eigentlich musste er sich eingestehen, dass sie ihn erfolgreich hingehalten hatte. Sie hatte sich Zeit gelassen, war mit ihm über den Markt geschlendert und hatte dabei nie wirklich erkennen lassen, wonach sie suchte. Gar nicht schlecht. Dann fiel allerdings das Wort Revanche. Navarons Blick wanderte zurück zu den pendelnden Holzscheiben. Etwas regte sich in ihm, das ihm ausgesprochen vertraut vorkam. Früher hatte es nicht besonders viel gebraucht, damit Landros und er aus irgendeiner Tätigkeit einen Wettkampf machten. Wer als Erster einen bestimmten Baum erreichte. Wer länger auf einem Pferd ohne Sattel blieb. Wer beim Üben häufiger traf. Sein Großvater hatte ihnen mehr als einmal erklären müssen, dass nicht alles im Leben danach verlangte, einen Sieger zu bestimmen. Genützt hatte diese Weisheit bei zwei Jungen ihres Alters nur bedingt. Navaron war inzwischen älter geworden. Vernünftiger vermutlich auch. Doch nicht vernünftig genug, um Elayas Herausforderung einfach auszuschlagen. Langsam breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Eine Revanche also.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und betrachtete die Ziele erneut. Anders als beim Wein hatte diese Herausforderung immerhin den entscheidenden Vorteil, dass er am Ende noch geradeaus gehen konnte. „Lasst mich kurz überlegen.“ Navaron legte demonstrativ die Stirn in Falten. „Ihr führt mich unter einem Vorwand quer über das Fest, haltet mich absichtlich über unser Ziel im Ungewissen und präsentiert mir dann rein zufällig eine Gelegenheit, eine Niederlage auszugleichen, die Ihr mir zuvor ohne stattgefundenen Wettstreit zugesprochen habt.“ Sein Blick kehrte zu Elaya zurück. „Das klingt verdächtig nach einer Falle.“ Eine kleine Pause entstand. Dann trat Navaron einen Schritt in Richtung des Standes. „Ich bin dabei.“ Das Funkeln in seinen silbergrauen Augen verriet, dass Elaya nun tatsächlich seinen Ehrgeiz geweckt hatte. Er warf noch einmal einen prüfenden Blick auf die pendelnden Scheiben. Einen unbeweglichen Gegenstand zu treffen, wäre kaum eine Herausforderung gewesen. Doch mit dem Wind und den unterschiedlich großen Zielen sah die Sache schon interessanter aus. Wie schwer die Säckchen waren und wie sie sich werfen ließen, würde er ebenfalls erst ausprobieren müssen. Gut. Ein vollkommen vorhersehbarer Wettkampf wäre schließlich langweilig. „Aber bevor Ihr Euch bereits Euren zweiten Sieg zuschreibt, sollten wir vielleicht die Regeln klären.“ Navaron trat neben Elaya und sah zu ihr hinab. „Gleiche Anzahl an Würfen. Gleiche Entfernung. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.“ Er deutete auf die verschieden großen Scheiben. „Und falls die kleineren Ziele mehr Punkte bringen, zählen wir natürlich die Punkte und nicht nur die Treffer.“ Sein Mundwinkel hob sich. „Damit Ihr mir hinterher nicht wieder mit irgendeiner höchst kreativen Rechnung erklärt, weshalb Ihr gewonnen habt.“ Ein leises Lachen begleitete die Worte. Dann streckte er ihr die Hand entgegen, als wollten sie gerade einen ausgesprochen wichtigen Handel besiegeln. „Und diesmal, Mylady, bekommt Ihr Euren Wettstreit.“ Sein Blick hielt den ihren und sein Grinsen wurde ein wenig breiter. „Damit wir anschließend endlich zweifelsfrei feststellen können, wer von uns beiden ein guter Verlierer ist.“

  • Als Navaron ihr noch versicherte, dass er durchaus geduldig sein konnte, wog Elaya zustimmend den Kopf. "Das kann ich mir gut vorstellen", erwiderte sie ohne Ironie. Ihr war klar, dass man im Umgang mit Tieren Geduld brauchte, und vielleicht sogar noch mehr im Umgang mit Händlern. Daher glaubte sie ihm dieses Zugeständnis ohne Zweifel. Aber das änderte nichts daran, diese Geduld ein wenig strapazieren zu wollen, indem sie aus ihrem eigentlichen Ziel ein Geheimnis machte. Auf den Kommentar, dass er sich das merken würde, grinste Elaya nur. Dass er zu Späßen aufgelegt war, wusste sie inzwischen ja schon. Allerdings fragte sie sich, wie weit er es treiben würde. Sie fragte ihn jedoch nicht direkt danach, sondern sah ihn nur mit diesem auffordernden Funkeln in den Augen an, bevor sie beschwingt voran ging und wie zufällig vor einem gewissen Stand stehen blieb, der geradezu dazu einlud, das abendliche Programm mit einem Wettbewerb zu füllen.

    Elaya beobachtete Navaron von der Seite mit einem frechen Grinsen und verfolgte mit einer gewissen Spannung seine Reaktion. Als sich ihre Blicke schließlich wieder trafen, konnte sie nicht anders, als ihre Freude über die gelungene Überraschung zu zeigen. Sie kicherte leise, als sie das Verstehen in seiner Mimik sah. Natürlich hatte sie ein bestimmtes Ziel gehabt, auch wenn Navaron offenbar daran gezweifelt hatte - was natürlich auch Teil ihres Plans gewesen war. "Dann wisst ihr es beim nächsten Treffen besser", erwiderte sie mit einem Zwinkern, weil sie damit auf das Gespräch von vorhin anknüpfte, in dem er angedeutet hatte, beim nächsten Mal schon mehr über sie zu wissen. Als sein Blick zu den Wurfzielen schweifte, wippte Elaya ungeduldig auf den Fersen. Würde er zustimmen? Oder dachte er gerade über eine höfliche Abfuhr nach? War ihre Idee eines weiteren Wettbewerbs vielleicht doch nicht so gut gewesen? Elaya zweifelte schon an ihrer Idee, weil ihr das Schweigen so lang vorkam. Doch als er die Stirn in Falten legte und die Einzelteile ihres Plans so passend und trocken kommentierte, zeichnete sich ein Lächeln auf den Lippen der Artistin ab. Das klang nicht nach einer Ablehnung. "Euch würde ich nie in eine Falle locken", meinte sie unschuldig und ernster, als er es vermutlich wissen konnte. Als Navaron eine Schritt auf den Stand zumachte, wurde ihr Grinsen noch eine Spur breiter. Für einige Momente war sie sich nicht sicher gewesen, ob er die Herausforderung annehmen würde, aber sie hatte darauf gehofft, und als er zustimmte, strahlte Elaya. "Sehr schön!" Sie grinste breit, als sie das Funkeln in Navarons Augen sah, das ihre Zweifel zunichte machte. Ihr Blick folgte seinem zu den Holzscheiben, die es zu treffen galt, bis er sich wieder ihr zuwandte, um die Regeln zu klären. Sie sah von unten zu ihm hinauf und nickte zu jeder Regel, die er aufstellte. "Gleiche Anzahl an Würfen. Gleiche Entfernung", wiederholte sie geflissentlich. "Und natürlich zählen die Punkte. Oder fürchtet ihr etwa, dass ich euch bei den kleineren Zielen überlegen sein könnte?", ließ sie sich dazu hinreißen, seinen Ehrgeiz um ein weiteres anzustacheln. Vielleicht nicht ohne Hintergedanken. Dann hob sie den Zeigefinger, um ihn zu korrigieren. "Soweit ich mich erinnere, habt ihr mir den Sieg zugesprochen", hakte sie kurz ein. "Aber ich werde - auch wenn ich mir sicher bin, es gibt immer ein Schlupfloch - mit ehrlichen Mitteln und den Regeln getreu gewin.. gegen euch antreten." Die Cath'shyrr grinste belustigt und griff nach seiner Hand, um einen weiteren Wettstreit zu besiegeln. "Abgemacht, Ritter Navaron", lächelte sie und drückte seine Hand.

    "Na, wie sieht's aus? Wollt ihr euer Glück versuchen?", ertönte da die tiefe Stimme des Standbesitzers, der offensichtlich ihre Abmachung am Rande mitbekommen hatte. Sein Blick wanderte zwischen Navaron und Elaya hin und her, wobei letztere ihre Hand wieder sinken ließ und ihre Aufmerksamkeit auf den Mann vor ihnen richtete. "Wollt wohl herausfinden, wer von euch beiden das Sagen hat, hm?" Gemurmel und ein Pfiff erklangen in der Menschentraube, während sich die Augen aller auf sie beide legten. Elaya blinzelte einen Moment und räusperte sich neben Navaron. Da er direkt neben ihr stand, fielen ihm vielleicht auch die leicht geröteten Wangen auf, die vom Wein, der warmen Abendluft oder doch der plötzlichen Aufmerksamkeit rühren konnten. Währenddessen bückte sich der Händler und hob dann einen der kleinen Lederbeutel in ihr Blickfeld. "Oh, also.." Bevor sie etwas einwenden konnte, übertönte der Händler das Stimmengemurmel erneut. "Ist ganz einfach: Jeder hat fünf Würfe. Ihr bleibt beide hinter der Linie dort." Er zeigte auf eine unauffällige Markierung neben sich auf dem Boden. "Die großen Scheiben bringen einen Punkt, die kleinen zwei. Trefft ihr den Rand, zählt der Punkt. Daneben is' daneben." Damit schob er die Körbe etwas weiter nach vorne in ihre Richtung und sah beide erwartungsvoll an. "Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt. Bei Gleichstand gibt's einen sechsten Wurf. Na, wer von euch beiden fängt an?" Elaya drehte den Kopf zu Navaron an ihrer Seite und musste nicht lange überlegen. "Ihr habt die Regeln aufgestellt, also dürft ihr auch anfangen." Mit einem Grinsen ließ sie ihm den Vortritt und trat demonstrativ einen kleinen Schritt zur Seite, während sie ihn aufmerksam beobachtete. Immerhin war das hier ein Wettkampf und sie wollte ergründen, wie gut er in dieser Disziplin war.

  • „Beim nächsten Treffen?“ Navaron griff die Worte mit einem leichten Schmunzeln auf. Das nächste Treffen war schließlich längst keine vage Möglichkeit mehr. In wenigen Tagen wollte Elaya ihn auf seinem Hof besuchen, und wenn sie es sich bis dahin nicht anders überlegte, würden sie nicht nur gemeinsam ausreiten, sondern auch herausfinden, wer von ihnen bei einem Pferderennen die Nase vorn hatte. Dass Elaya ausgerechnet jetzt ankündigte, er würde es beim nächsten Mal besser wissen, ließ ihn deshalb eine Augenbraue heben. „Das klingt beinahe wie eine Warnung.“ Sein Blick ruhte einen Moment lang auf ihr, ehe das Schmunzeln breiter wurde. „Dabei dachte ich, beim nächsten Mal müsste ich mich hauptsächlich darauf vorbereiten, Euch auf meinem eigenen Hof zu empfangen und anschließend dafür zu sorgen, dass Ihr beim Rennen nicht allzu weit hinter mir zurückbleibt.“ Dass er diese Behauptung mit vollkommener Selbstverständlichkeit vorbrachte, machte wohl deutlich, dass er keineswegs vorhatte, Elaya den nächsten Sieg ebenso großzügig zu überlassen wie den vermeintlich ersten.

    „Aber gut zu wissen, dass ich offenbar auch noch damit rechnen muss, dass Ihr es mir absichtlich schwerer macht, Euch zu durchschauen.“ Dabei war Navaron durchaus gespannt darauf, ob ihr das gelingen würde. Elaya mochte einige Dinge für sich behalten, doch wenn sie sich freute oder etwas ihre Neugier weckte, zeigte sie das bislang recht offen. Gerade das machte ihre Gesellschaft angenehm. Er musste nicht bei jedem Wort überlegen, ob sich dahinter irgendeine verborgene Absicht versteckte. Als sie ihm wenig später versicherte, ihn niemals in eine Falle locken zu wollen, musterte Navaron sie einen Augenblick. Etwas an ihrem Ton unterschied sich von ihrer sonst so spielerischen Art. Nur eine Kleinigkeit, die vielleicht ebenso gut seiner Einbildung entsprungen sein konnte. Dennoch verzichtete er darauf, die perfekte Vorlage für einen weiteren Scherz zu nutzen. „Dann glaube ich Euch das“, antwortete er schlicht. Für einen Moment lag etwas Ruhigeres in seinem Blick. Dann war dieser Augenblick auch schon wieder vorüber.

    Spätestens als Elaya wissen wollte, ob er etwa fürchtete, dass sie ihm bei den kleineren Zielen überlegen sein könnte, kehrte das amüsierte Funkeln in seine silbergrauen Augen zurück. „Fürchten? Nein.“ Navarons Blick wanderte zu den pendelnden Scheiben und anschließend wieder zu ihr. „Aber ich sehe durchaus, was Ihr da versucht.“ Sie stachelte ihn an. Und zu seinem eigenen Vergnügen musste er feststellen, dass es funktionierte. Nicht genug, dass aus einem harmlosen Spiel plötzlich eine Frage seiner Ehre wurde, aber durchaus genug, um in ihm jenen Ehrgeiz zu wecken, den er aus früheren Jahren nur allzu gut kannte. Landros und er hatten aus weit weniger Anlass Wettkämpfe entstehen lassen.

    „Ihr solltet nur vorsichtig sein“, warnte er sie mit gespieltem Ernst. „Am Ende sorgt Ihr noch dafür, dass ich mich tatsächlich anstrenge.“ Bei ihrer Korrektur bezüglich des angeblich bereits verlorenen Wettstreits atmete Navaron hörbar aus. „Diesen einen Satz werde ich mir vermutlich noch sehr lange anhören müssen, nicht wahr?“ Dabei war ihm natürlich nicht entgangen, wie Elaya ihr beinahe ausgesprochenes Gewinnen gerade noch rechtzeitig in ein deutlich neutraleres gegen Euch antreten verwandelt hatte. Langsam wanderte eine seiner Augenbrauen nach oben. „Sehr geschickt.“ Er deutete mit einem Finger auf sie. „Fast hätte ich nicht bemerkt, wie Ihr Euch den nächsten Sieg bereits zurechtlegen wolltet.“

    Dass sie vermutlich irgendwo tatsächlich noch ein Schlupfloch finden würde, bezweifelte er nicht einmal. Elaya wirkte ausgesprochen erfinderisch, wenn es darum ging, eine Gelegenheit für einen weiteren Scherz zu entdecken. Dann griff sie nach seiner ausgestreckten Hand. Navaron erwiderte ihren Händedruck, hielt bei ihrer Anrede jedoch für den Bruchteil eines Augenblicks inne. Ritter Navaron. Es war nur ein scherzhaft gewählter Titel. Elaya konnte schließlich nicht wissen, welche Bedeutung dieses Wort einmal für ihn gehabt hatte. Dennoch genügte es, um eine Erinnerung hervorzurufen, die er längst nicht mehr so häufig besuchte wie früher. Zwei Jungen mit Übungsschwertern in den Händen. Die Geschichten seines Großvaters. Die vollkommen selbstverständliche Überzeugung, dass Landros und er eines Tages selbst Ritter sein würden. Später die Aussicht auf ihre Zeit als Knappen. Und schließlich eine Jagd, nach der für Navaron alles anders gekommen war. Früher hatte es lange gedauert, bis er seinen Frieden damit gemacht hatte. Heute empfand er bei der Erinnerung eher ein fernes Ziehen als wirklichen Schmerz. Sein Leben war anders verlaufen, als er es sich als Junge ausgemalt hatte, aber deswegen war es nicht schlechter geworden. Sein eigener Hof und die Pferde waren schließlich ebenfalls etwas, auf das er stolz sein konnte.

    „Ihr solltet mit diesem Titel vorsichtig sein“, erwiderte er deshalb lediglich mit einem schiefen Lächeln. „Am Ende gewöhne ich mich noch daran.“ Dann mischte sich der Standbesitzer ein. Bei dessen Vermutung, sie wollten wohl herausfinden, wer von ihnen beiden das Sagen hatte, wanderte Navarons Blick zunächst zu dem Mann. Dann langsam zu Elaya. Das Gemurmel und insbesondere der Pfiff aus der kleinen Zuschauermenge machten die Situation nicht unbedingt besser. Navaron biss sich kurz auf die Innenseite seiner Wange, um nicht sofort loszulachen. Dabei entging ihm auch nicht die leichte Röte, die sich auf Elayas Wangen gelegt hatte. Ob nun der Wein, die warme Abendluft oder die plötzliche Aufmerksamkeit dafür verantwortlich waren, konnte er nicht sagen. Vielleicht war es auch die Bemerkung des Standbesitzers gewesen. So verlockend es allerdings war, Elaya damit aufzuziehen, ließ Navaron diese Gelegenheit verstreichen. Sie vor einer ganzen Gruppe Fremder in Verlegenheit zu bringen, nur um einen weiteren Punkt in ihrem kleinen Wortgefecht zu erzielen, erschien ihm wenig reizvoll. Stattdessen wandte er sich mit erstaunlich ernster Miene an den Mann. „Das Sagen? Nein.“ Navaron schüttelte den Kopf. „Wir versuchen lediglich, eine höchst wichtige Streitfrage darüber zu klären, wer von uns beiden besser kleine Ledersäckchen auf bewegliche Holzscheiben werfen kann.“ Sein Mundwinkel zuckte. „Ihr versteht sicherlich, dass so etwas unmöglich ungeklärt bleiben kann.“ Das Lachen einiger Umstehender brachte schließlich auch ihn zum Grinsen. Während der Standbesitzer anschließend die Regeln erklärte, richtete Navaron seine Aufmerksamkeit wieder auf die Scheiben. Fünf Würfe. Große Ziele, einen Punkt, kleine zwei. Gleiche Entfernung. Bei Gleichstand ein Entscheidungswurf. Beinahe genau das, worauf Elaya und er sich ohnehin geeinigt hatten. „Klingt fair.“

    Navaron musterte die pendelnden Scheiben genauer. Der Abendwind bewegte sie nicht vollkommen gleichmäßig. Die größeren waren zweifellos leichter zu treffen, allerdings würde man allein mit sicheren Treffern kaum weit kommen, wenn der andere sein Glück erfolgreich bei den kleineren versuchte. Unwillkürlich begann er bereits abzuschätzen, wie stark sie ausschlugen. Dabei fiel ihm auf, dass er einen simplen Zeitvertreib auf einem Frühlingsfest schon wieder deutlich ernster nahm, als eigentlich notwendig gewesen wäre. Sein Großvater hätte vermutlich nur den Kopf geschüttelt. Landros hätte ihn verstanden. Als Elaya ihm schließlich den ersten Wurf überließ, sah Navaron zu ihr hinüber. „Wie großzügig von Euch.“ Sein Blick blieb einen Moment an ihrem erwartungsvollen Grinsen hängen. „Oder wollt Ihr lediglich zuerst herausfinden, womit Ihr es zu tun habt?“ Das würde sogar zu ihr passen. „Ihr könnt meine Technik natürlich gerne studieren. Ich bezweifle nur, dass ich Euch damit einen Vorteil verschaffe.“ Die Behauptung war ausgesprochen selbstbewusst für jemanden, der noch kein einziges dieser Säckchen geworfen hatte. Navaron trat an ihr vorbei und stellte sich hinter die markierte Linie. Anschließend nahm er eines der kleinen Ledersäckchen aus dem Korb und wog es prüfend in der Hand. Die Füllung bewegte sich darin. Anders als ein Stein. Anders als alles, womit sein Großvater ihm früher beigebracht hatte, ein Ziel zu treffen. Er warf das Säckchen einmal nur wenige Fingerbreit in die Höhe und fing es wieder auf. „Interessant.“ Sein Blick wanderte zu den Scheiben. Für den ersten Versuch wäre es vernünftig gewesen, eine der größeren zu wählen. Erst ein Gefühl für Gewicht und Flugbahn bekommen, danach das Risiko erhöhen. Vernünftig. Navarons Blick glitt zu einer der kleineren Scheiben. Dann kurz zu Elaya. Das herausfordernde Funkeln in ihren grünen Augen hatte offenbar Folgen. „Nur damit wir uns richtig verstehen“, begann er und drehte das Säckchen noch einmal zwischen seinen Fingern. „Wenn ich gewinne, zählt dieser Sieg tatsächlich?“ Eine Braue wanderte nach oben. „Nicht, dass Ihr mir hinterher erklärt, auch dieser Wettstreit hätte niemals stattgefunden.“ Ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Immerhin brauche ich eine verlässliche Grundlage für unsere Bilanz. Spätestens nach unserem Pferderennen könnte es sonst kompliziert werden.“ Und bei diesem Wettkampf hatte Navaron ganz sicher nicht vor, ihr bereits vorher einen Sieg zu schenken. Sein Blick kehrte zu den Zielen zurück. Er entschied sich für eine der kleinen Scheiben. Wenn schon ein Wettkampf, dann wollte er wenigstens versuchen, ihn ordentlich zu bestreiten.

  • Navaron wartete einige Herzschläge und beobachtete das Pendeln des Holzes. Rechts. Zurück. Wieder rechts. Er versuchte nicht, auf den Punkt zu zielen, an dem die Scheibe gerade hing, sondern dorthin, wo sie sich befinden würde, wenn das Säckchen sie erreichte. Dann zog er den Arm zurück und warf. Aufmerksam verfolgte er die Flugbahn, bereit, aus diesem ersten Versuch zumindest etwas für die nächsten vier mitzunehmen. Ganz gleich, wie erfolgreich der Wurf ausging, eines stand inzwischen fest: Elaya hatte seinen Ehrgeiz geweckt. Und er hatte Spaß daran. Nachdem das Ergebnis seines ersten Versuchs feststand, drehte Navaron sich wieder halb zu ihr und griff nach dem nächsten Säckchen. „Übrigens…“ Ein verdächtig beiläufiger Ton hatte sich in seine Stimme geschlichen. „Ihr habt die Frage unseres freundlichen Spielleiters noch gar nicht beantwortet.“ Er deutete mit dem Säckchen kurz in Richtung des Standbesitzers. „Wer von uns beiden hat denn nun das Sagen?“ Sein Blick traf ihren und ein schelmisches Grinsen erschien auf seinen Lippen. Wenn Elaya glaubte, sie könne ihn den ganzen Abend aus der Reserve locken, durfte sie schließlich auch einmal selbst an der Reihe sein.

  • Elaya lachte belustigt auf, weil Navaron heute schon mit einer Selbstverständlichkeit von seinem Sieg im Pferderennen in ein paar Tagen ausging, die ihr gefiel. Sie mochte die Selbstsicherheit und glaubte auch nicht, dass er damit übertrieb. Sie nahm die Sticheleien amüsiert hin, denn das war ihr weitaus lieber, als wenn man sie mit Samthandschuhen anfasste. Sie wollte nicht, dass man es ihr einfacher machte. Und obwohl sie wusste, dass er dieses Pferderennen gewinnen würde, würde sie sich diese Herausforderung nicht nehmen lassen. So wie sie es sich nicht nehmen ließ, Navaron hier und jetzt herauszufordern. Der Ehrgeiz in seinen Augen, mit dem er zu dem zu treffenden Ziel schaute, war ihr Antwort genug auf ihre herausfordernden Worte. "Das hoffe ich doch, dass ihr das tut", erwiderte sie noch. Wenn er sich nicht anstrengte, war es ja kein echter Wettbewerb. "Werdet ihr", versicherte sie ihm dann mit einem zufriedenen Lächeln, dass er noch lange von ihrem Sieg beim Wetttrinken zu hören bekommen würde.

    Als sie auf ihre Abmachung einschlugen und sie ihn eigentlich nur scherzhaft als Ritter betitelte, um sich für die förmliche Anrede an sie zu revanchieren, glaubte sie, dass sich etwas in Navarons Mimik änderte. Elaya runzelte für einen Moment die Stirn, als sie sein Innehalten bemerkte. Offenbar weckte diese Anrede doch mehr als nur Kindheitserinnerungen. Der Ton, mit dem er sie dieses Mal darauf hinwies, vorsichtig mit diesem Titel umzugehen, passte nicht so ganz zu seinem Lächeln. Bis jetzt hatte sie angenommen, dass ihn die Anrede amüsierte, so wie es ihr erging, wenn er sie so, in ihren Augen, unpassend förmlich ansprach. Aber offenbar steckte mehr dahinter und Elaya bemerkte, dass hier und jetzt sicherlich nicht der rechte Zeitpunkt war, um das zu ergründen. "Wenn ihr das sagt", erwiderte sie mit einer gewissen Scherzhaftigkeit, die den Moment überspielen sollte, als wäre ihr nichts aufgefallen. Erleichtert stellte sie fest, dass Navaron aber nicht den Spaß an der Sache verlor und als er auf die Worte des Standbesitzers einging, kehrte ein kleines Grinsen zurück auf Elayas Lippen. Sie nickte zustimmend zu seinen passenden Worten, bevor sie ihm den Vortritt ließ. Als er ihre Großzügigkeit erwähnte, neigte sie übertrieben gönnerhaft den Kopf, um seine Worte zu unterstreichen. "Vielleicht schaue ich euch einfach nur gerne an", grinste sie und hob die Augenbrauen. Nun, das war vermutlich nicht der wirkliche Grund, wieso sie ihn beobachtete, aber ein bisschen wollte sie ihn dann doch mit seiner Selbstsicherheit aufziehen. Er hatte erwähnt, dass er gut im Bogenschießen war, daher war sie tatsächlich gespannt, wie er sich in dieser Disziplin schlagen würde. Er musste über eine gewisse Zielsicherheit und Körperbeherrschung verfügen. So wie sie im Messerwurf, den sie bisher nicht erwähnt hatte. Elaya war tatsächlich neugierig, wie hilfreich ihrer beider Fähigkeiten beim Treffen der Wurfscheiben wären. Als er ihr den Rücken zuwandte, lächelte sie erneut über seine Selbstsicherheit und verfolgte neugierig seine Bewegungen.

    Dann aber trafen sich ihre Blicke erneut und sie hob fragend eine Augenbraue, was ihm vom Wurf abhielt. "Natürlich. Und ihr hättet jede Menge Zeugen", versicherte sie ihm, seinen Sieg anzuerkennen. "Offenbar muss ich an meiner Glaubhaftigkeit arbeiten", murmelte sie dann, mit einem Schmunzeln und absichtlich so laut, dass Navaron es hören konnte. Schließlich stand ihr nun tatsächlich nicht im Sinn, ihn auszutricksen, sondern herauszufinden, wer von ihnen beiden besser war. Als sie erkannte, dass er auf eine der kleineren Scheiben zielte, verzog sie anerkennend das Gesicht. Sie hatte erwartet, dass er sich an die größeren Scheiben heran tastete. Sein Ehrgeiz war wohl wirklich geweckt und seine Selbstsicherheit war nicht nur Fassade, wie sich kurz darauf zeigte, als er tatsächlich traf. Jubel ertönte neben ihnen und die Zuschauer hatten sichtbar und hörbar Spaß dabei, ihnen zuzusehen. "Überraschend gut", kommentierte Elaya ehrlich und nickte Navaron anerkennend zu, als er sich zu ihr herum drehte. Bei seinem verdächtigen Tonfall merkt sie dann aber auf. "Ja?" Er nahm tatsächlich die Frage des Standbesitzers noch einmal auf und war so frech, sie ihr offen vor allen Anwesenden zu stellen. Elayas Mund öffnete sich ein Stück, während die grünen Augen seinen silbernen Blick hielten. Er konnte erkennen, dass er sie für einen Moment aus dem Konzept brachte. Nach der ersten Überraschung erschien jedoch ein Grinsen auf ihren Lippen. Sie schnaubte amüsiert und kam einen Schritt näher, um sich dann selbst ein Säckchen aus dem Korb zu nehmen. Dann schaute sie zu dem Spielleiter, der offenbar ernsthaft neugierig auf eine Antwort wartete, und wieder zurück zu Navaron, dem sie unweigerlich näher gekommen war. "Ihr wollt wirklich, dass ich darauf antworte?", fragte sie und sah ihn sichtlich amüsiert an. "Nun, ich sag mal so.. ich hab gesagt, wo es lang geht, oder nicht?" Sie grinste breit, denn sie hatte ihn tatsächlich hier her geführt und den Weg vorgegeben. "Aber ihr stellt die Regeln auf", fügte sie dann hinzu. "Ich würde sagen, im Moment hält es sich die Waage. Was sagt ihr?" Sie betrachtete Navaron noch für einen Moment und hob dann den Ball in ihrer Hand. "Darf ich? Der Wurf war gut, aber vielleicht möchtet ihr vor dem nächsten noch einmal kurz durchatmen", bot sie mit einem feinen Grinsen an.

  • Elayas Bemerkung kam so beiläufig, dass Navaron einen Moment brauchte, bis die Worte wirklich bei ihm ankamen. Vielleicht schaue ich Euch einfach nur gerne an. Seine Hand, die gerade nach einem der Säckchen gegriffen hatte, verharrte für den Bruchteil eines Augenblicks. Nun. Damit hatte er nicht gerechnet.

    Navaron drehte den Kopf ein wenig zu ihr und begegnete ihrem Grinsen. Natürlich zog sie ihn auf. Zumindest ging er davon aus. Dieses unschuldige Spiel beherrschte Elaya inzwischen ausgesprochen gut, und vermutlich wollte sie lediglich sehen, ob sie einen Riss in seiner zur Schau getragenen Selbstsicherheit fand. Den Gefallen wollte er ihr nicht machen. „Verständlich“, erwiderte er deshalb mit einer Gelassenheit, die beinahe ein wenig zu selbstverständlich klang. Er ließ eine kleine Pause entstehen, ehe sich ein schiefes Grinsen auf seine Lippen schlich. „Dann will ich Euch die Aussicht natürlich nicht verwehren.“ Das war vermutlich die einzig angemessene Antwort auf eine solche Vorlage. Trotzdem war er nicht vollkommen unberührt davon geblieben. Nicht, weil er Elayas Worte gleich für ein ernst gemeintes Kompliment hielt. Dafür genoss sie ihre gegenseitigen Sticheleien viel zu sehr. Aber sie hatte ihn damit überrascht, und das gelang ihr inzwischen auffällig regelmäßig. Also wandte Navaron seine Aufmerksamkeit lieber wieder den Zielen zu.

    Dass Elaya ihm versicherte, seinen möglichen Sieg diesmal tatsächlich anzuerkennen, quittierte er mit einem zufriedenen Nicken. „Gut. Zeugen sind bei Geschäften immer von Vorteil.“ Einige der Umstehenden konnten die Bemerkung hören, was Navaron nur noch mehr amüsierte. Elayas gemurmeltes Eingeständnis bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit entging ihm ebenfalls nicht. „Ein wenig“, bestätigte er trocken. Dann konzentrierte er sich auf seinen Wurf.

    Er beobachtete das Pendeln der kleinen Scheibe, wartete den richtigen Augenblick ab und ließ das Säckchen schließlich aus seiner Hand gleiten. Für einen kurzen Moment war nur dessen Flugbahn von Bedeutung. Dann traf es. Nicht vollkommen mittig. Das Säckchen erwischte den äußeren Bereich der kleinen Holzscheibe, doch der Treffer war eindeutig. Das Holz schwang unter dem Aufprall zurück, während aus der kleinen Zuschauermenge Jubel erklang. Navarons Brauen wanderten leicht nach oben. Zwei Punkte. Ein ausgesprochen brauchbarer Anfang.

    Er konnte nicht behaupten, dass er mit einem Treffer gerechnet hatte. Darauf gehofft, gewiss. Aber zwischen einem Bogen und einem mit irgendeiner Füllung ausgestopften Ledersäckchen lagen doch einige Unterschiede. Offenbar hatte ihm seine Einschätzung der Bewegung trotzdem nicht ganz im Stich gelassen. Zufriedenheit breitete sich in ihm aus. Dann hörte er Elayas Urteil. Überraschend gut. Navaron drehte sich zu ihr herum. „Überraschend?“ Fast hätte er sich über den Treffer selbstzufrieden zeigen können. Dieses eine Wort machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Er legte eine Hand an die Brust, als hätte sie ihn gerade schwer beleidigt. „Und ich dachte, Ihr hättet Vertrauen in meine Fähigkeiten.“ Der gespielte Vorwurf hielt allerdings kaum länger als einen Augenblick. „Ich nehme das gut trotzdem.“

    Das anerkennende Nicken, das sie ihm schenkte, gefiel ihm ohnehin besser als ein geschenktes Kompliment. Er hatte inzwischen den Eindruck gewonnen, dass Elaya mit Lob ebenso wenig um sich warf wie er selbst. Wenn sie etwas gut fand, sagte sie es. Wenn nicht, würde sie vermutlich ebenso wenig zögern, das kundzutun. Dann gelang es ihm tatsächlich, sie mit seiner Frage aus dem Konzept zu bringen. Nur für einen kurzen Moment. Aber Navaron sah es. Wie sich ihre Lippen ein Stück öffneten und sie ihn zunächst einfach nur ansah. Er musste sich beherrschen, nicht sofort triumphierend zu grinsen. Nachdem Elaya den bisherigen Abend einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit damit verbracht hatte, ihn herauszufordern, war es ausgesprochen befriedigend, sie einmal selbst zu überraschen. Natürlich fing sie sich schnell wieder. Das hätte er inzwischen erwarten sollen.

    Als Elaya näher trat, um sich ein Säckchen zu nehmen, blieb Navaron stehen. Sein Blick folgte kurz ihrer Hand und kehrte anschließend zu ihrem Gesicht zurück. Durch den Schritt stand sie nun näher bei ihm als zuvor, sodass er den Kopf ein wenig senken musste, um ihren Blick zu halten. „Durchaus“, beantwortete er ihre Frage, ob er wirklich eine Antwort wollte. Jetzt gab es ohnehin kein Zurück mehr. Und ihre Erklärung ließ nicht lange auf sich warten. Sie hatte gesagt, wo es langging. Navaron schnaubte leise. „Ah, darum geht es also.“ Er nickte langsam, als hätte Elaya gerade einen vollkommen überzeugenden Beweis vorgebracht. „Ihr führt mich einmal über den Markt und erhebt damit bereits Führungsansprüche.“ Ein amüsiertes Funkeln lag in seinen Augen. „Das merke ich mir besser für unseren Ausritt.“ Denn wenn diese Logik Bestand hatte, konnte die Frage, wer dort den Weg vorgab, plötzlich ungeahnte Bedeutung bekommen.

    Dass Elaya ihm im Gegenzug zugestand, die Regeln aufgestellt zu haben, fand er hingegen ausgesprochen vernünftig. „Im Moment hält es sich die Waage“, wiederholte Navaron nachdenklich. Sein Blick glitt für einen Moment zu den Zuschauern und dem Standbesitzer, ehe er wieder bei ihr landete. „Damit kann ich leben.“ Er ließ eine kleine Pause verstreichen. „Vorerst.“ Schließlich waren erst zwei Punkte vergeben worden. Dann hob Elaya das Säckchen zwischen ihnen und fragte, ob sie nun werfen dürfe. Navaron sah zunächst darauf. Dann zu ihr. Vielleicht möchtet Ihr vor dem nächsten noch einmal kurz durchatmen. Ein leises Lachen entwich ihm. „Wie rücksichtsvoll.“ Er trat von der Linie zurück und machte mit einer höflichen Geste den Platz für sie frei. „Ich wusste gar nicht, dass Ihr Euch solche Sorgen um mich macht.“

    Natürlich wusste er genau, was sie tat. Nachdem er mit seinem ersten Versuch gleich die kleinere Scheibe getroffen hatte, wollte sie offenbar verhindern, dass er sich darauf zu viel einbildete. Oder sie wollte ihn schlicht wieder aufziehen. Vermutlich beides. „Aber Ihr habt recht. Nach dieser außergewöhnlichen körperlichen Anstrengung brauche ich dringend eine Pause.“ Navaron atmete demonstrativ tief ein und wieder aus. „Ich denke, es geht schon wieder.“ Sein Blick fiel auf das Säckchen in ihrer Hand. Nun war er tatsächlich neugierig.

    Bisher hatte Elaya nicht erwähnt, ob sie Erfahrung mit etwas Vergleichbarem besaß. Als Artistin verfügte sie zweifellos über eine ausgezeichnete Körperbeherrschung und Koordination. Ob sich das auch beim Werfen zeigte, würde er gleich erfahren. Navaron trat noch einen halben Schritt zur Seite, damit sie freie Bahn hatte. „Also bitte.“ Mit einer einladenden Bewegung deutete er zur Wurflinie. „Zeigt mir, weshalb Ihr so zuversichtlich seid.“ Seine Aufmerksamkeit blieb auf ihr, während sie sich vorbereitete. Diesmal war er derjenige, der beobachten konnte. Und nach ihrem Kommentar von eben konnte er es sich unmöglich verkneifen. „Keine Sorge“, fügte er mit scheinbarer Beiläufigkeit hinzu. „Vielleicht schaue ich Euch auch einfach nur gerne an.“ Nun war es heraus. Das Grinsen, das seine Mundwinkel umspielte, verriet deutlich, dass er ihre eigenen Worte ganz bewusst gegen sie verwendete. Navaron verschränkte locker die Arme vor der Brust. „Kein Druck, versteht sich.“ Sein Blick wanderte demonstrativ zu der kleinen Schar Zuschauer. „Es sehen Euch nur alle zu.“ Er ließ die Worte einen Augenblick wirken, bevor er ihr wieder in die Augen sah. „Mich eingeschlossen.“ Diesmal würde sich zeigen, ob Elaya sich ebenso leicht aus der Ruhe bringen ließ, wie sie es bei ihm immer wieder versuchte. Und wenn nicht? Dann würde er zumindest erfahren, wie ernst er seine neue Konkurrentin für die verbleibenden vier Würfe nehmen musste.

  • Ihre beiläufige Bemerkung brachte Navaron offenbar aus dem Konzept. Elaya bemerkte sein Stutzen. Einerseits mit Zufriedenheit, denn ihr Ziel war es durchaus gewesen, seine Selbstsicherheit abzumildern oder vielleicht auch ein wenig zu testen. Andererseits schien er wirklich überrascht zu sein. Über die Worte an sich? Dabei nahm sie an, Scherz hin oder her, dass er wusste, dass er eine gute Figur machte.. ganz objektiv betrachtet natürlich. Sie lächelte ihn unschuldig an, als er sie ansah, und hätte zu gerne gewusst, was ihm in diesem Moment wirklich durch den Kopf ging. Elaya wartete ab und musste dann leise lachen, als er souverän antwortete. Seine offensive Antwort überraschte sie und ließ es in den grünen Augen aufblitzen. "Das freut mich zu hören", führte sie den Spaß weiter, schwieg dann jedoch, nicht dass sie sich noch vorwerfen lassen musste, ihn vom Zielen abzulenken.

    Dass er die kleine Scheibe und diese auch noch direkt beim ersten Wurf traf, hatte sie nicht erwartet. Anhand seiner Reaktion stellte sie fest, dass ihr Urteil vielleicht etwas zu hart ausfiel. Beschwichtigend hob Elaya die Hände. "Überraschend für mich", stellte sie klar. "Ich gebe zu, ich habe nicht damit gerechnet, dass ihr das kleinere Ziel beim ersten Mal trefft. Und ich fürchte, das war mehr als nur Glück. Sah' jedenfalls so aus", musste sie zugeben und schmunzelte. Es stand ihr nicht im Sinn, seine Freude über den Treffer zu dämpfen, da sie doch ziemlich angemessen war.

    Dann waren es jedoch seine Worte, die sie kurz aus dem Konzept brachten. Vielleicht schätzte sie Navaron doch anders ein, als er war. Oder er zeigte mehr und mehr, dass er auch anders konnte. Lange wollte Elaya ihm aber nicht den Triumph gönnen, sie sprachlos zu sehen. Also legte sie sich schnell eine Erwiderung zurecht, während sie ihm näher kam. "Geht es nicht darum?", fragte sie grinsend zurück. "Wer hat das Sagen. Wer sagt, wo es lang geht. Wer hat die Zügel in der Hand. Oder - wer hat das letzte Wort." Dabei musste sie amüsiert lachen, denn zugegebenermaßen hatte sie das wirklich gerne. Als er anmerkte, sich die Führungsansprüche merken zu wollen, die sie hier erhob, verschränkte sie die Arme vor der Brust. "Merkt euch das ruhig", entgegnete sie ihm dann einfach nur lächelnd und gestand ihm indirekt ein, die Führung beim Ausritt zu übernehmen. Vermutlich würde er sie sowieso abhängen und sie musste zusehen, wie sie hinter ihm herkam. Aber im Moment erschien ihr ihr Zusammensein doch alles in allem recht ausgeglichen zu sein und so scherzhaft sie auch miteinander umgingen, war Elaya doch froh, dass Navaron das scheinbar ähnlich sah. Bis auf den Punkt, dass er gerade tatsächlich getroffen hatte und führte. Also drängte sich Elaya in den Vordergrund, um den Treffer auszugleichen, oder Navaron davon abzuhalten, mit jedem Wurf besser zu werden, wenn sie ihn nicht unterbrach. Bei seinem Lachen hielt sie einen Moment inne und lächelte ihn an. "Natürlich mache ich mir Sorgen", erwiderte sie und im nächsten Moment nahm ihre Gesichtsausdruck diese verschmitzte Mimik an. "Ihr habt schließlich gerade erst bewiesen, wie zielsicher ihr treffen könnt."

    Dann folgte ihr Blick seinem zu dem Säckchen in ihrer Hand. Es fühlte sich nicht ganz so fremd an, wie vielleicht für Navaron. Sie jonglierte mit Bällen, daher war sie grundsätzlich geübt darin. Allerdings waren diese hier leichter und formloser. Und mit ihren Messern hatten sie überhaupt nichts gemein. Sie überlegte schon, wie sie die Säckchen werfen müsste, um zu treffen, als Navaron sie von der Seite ansprach. Sie drehte den Kopf in seine Richtung. Und grinste dann breit, als er ihre Worte gegen sie verwendete. Diese Worte zu sagen, war das eine, aber sie zu hören noch einmal etwas anderes, wie Elaya gerade feststellte. Aber gewiss waren sie genauso scherzhaft gemeint wie ihre zuvor. "Touché", sagte sie in Ermangelung einer schlagfertigen Antwort und mit einem feinen Grinsen auf den Lippen. Als er dazu noch die restlichen Zuschauer erwähnte, flog ihr Blick über jene, die hinter ihm und in ihrem Blickfeld standen, bevor sie wieder Navaron ansah. "Wer könnte es euch verdenken", fiel ihr dann doch noch eine Erwiderung ein. Die Zuschauer war sie gewöhnt. Ein Teil von ihr lebte für die Bühne und das Rampenlicht. Das war nichts, was sie aus der Ruhe brachte. Es war dann doch eher der Umstand, dass Navaron wirklich direkt getroffen hatte, der sie unter Druck setzte, nachdem sie wie immer sehr siegessicher gewesen war. Aber sie würde sich bestimmt keine Zweifel anmerken lassen. "Dann schaut genau zu", ließ sie sich nicht unterkriegen und stellte sich dann an die Markierung.

    Elaya kniff die Augen zusammen, als sie eine der größeren Scheiben ins Visier nahm. Anders als Navaron hatte sie von Anfang an entschieden, sich an die Ziele und die nötige Technik heranzutasten. So wie sie es auch von ihm erwartet hatte. Dass er direkt zwei Punkte gemacht hatte, ließ natürlich den Gedanken zu, das gleiche wie er zu versuchen, um einen direkten Ausgleich zu schaffen. Allerdings hatte Elaya das hier noch nie getan. Sie warf den Ball in ihrer Hand ein wenig in die Höhe, prüfte seine Form und sein Gewicht. Ihr Körper spannte sich an, als sie ganz automatisch in eine Position fand, in der sie normalerweise warf. Sie blendete Navaron und die Menge um sich herum aus und beobachtete ihr Ziel, das sich unberechenbar im Abendwind drehte. Elaya versuchte, die Flugbahn, die Geschwindigkeit und den Wind einzuberechnen und stellte dabei fest, dass ihr Kopf langsamer arbeitete. So sehr der Wein ihre Schlagfertigkeit befeuert hatte, sah das mit der Konzentration und Zielsicherheit gerade anders aus. Kaum hatte der Ball ihre Hand verlassen, wusste sie bereits, dass der Wurf nicht gut war. Er streifte die Scheibe nicht einmal, sondern flog knapp an ihr vorbei. Hier und da ertönte ein Raunen unter den Zuschauern. "Verdammt", murmelte sie zu sich selbst und atmete frustriert aus. Elaya verharrte noch einen Augenblick, presste die Lippen aufeinander, und starrte auf die Holzscheibe, die sich gehässig im Wind hin und her schaukelte. Dann erinnerte sie sich an die Menschen um sich herum und an Navaron. Der Fehlwurf ärgerte sie, aber sie versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass sie das hier ernster nahm, als es aussehen sollte. Natürlich war ihre Selbstsicherheit auch zum Teil Fassade gewesen. Trotzdem war sie fest davon ausgegangen, wenigstens die große Scheibe zu treffen. "Nun.." Sie atmete tief ein und strich sich die Kleidung glatt. Dann drehte sie sich langsam zu Navaron. "Ich hoffe, ihr habt gut aufgepasst." Sie grinste breit über ihren Fehlwurf hinweg und gleichzeitig konnte er erkennen, dass sie sein Urteil erwartete.

  • Elayas Erklärung seines ersten Treffers nahm Navaron mit sichtlicher Zufriedenheit entgegen. Das klang doch schon deutlich besser als ein bloßes überraschend gut. Vor allem der Nachsatz, dass sie nicht an reines Glück glaubte, gefiel ihm. „Das lasse ich gelten“, erwiderte er mit einem versöhnlichen Nicken. Mehr Triumph wollte er aus dem Treffer allerdings noch nicht ziehen. Es war schließlich erst der erste von fünf Würfen gewesen und durchaus möglich, dass die nächsten Säckchen beschlossen, seine eben bewiesene Zielsicherheit wieder gründlich infrage zu stellen.

    Als Elaya anschließend begann aufzuzählen, woran man festmachen konnte, wer von ihnen beiden das Sagen hatte, hörte Navaron mit zunehmender Belustigung zu. Wer sagte, wo es langging. Wer die Zügel in der Hand hielt. Wer das letzte Wort hatte. Spätestens beim letzten Punkt entwich ihm ein leises Lachen. „Ich glaube, langsam verstehe ich, worauf Ihr hinauswollt.“ Er neigte den Kopf ein wenig zu ihr. „Und irgendetwas sagt mir, dass Ihr besonders auf das letzte Wort nur äußerst ungern verzichtet.“ Dabei sah er sie an, als hätte er gerade eine vollkommen neue und überraschende Erkenntnis über sie gewonnen. Tatsächlich passte diese Aussage ausgezeichnet zu dem Eindruck, den er bislang von Elaya gewonnen hatte. Nicht unbedingt, weil sie anderen ihren Willen aufzwingen wollte. Dafür hatte er sie bisher als viel zu ungezwungen erlebt. Aber eine passende Erwiderung einfach unausgesprochen zu lassen? Das konnte er sich bei ihr inzwischen nur schwer vorstellen. Dass sie ihm zumindest beim bevorstehenden Ausritt offenbar bereitwillig die Führung überließ, nahm Navaron mit einem zufriedenen Schmunzeln zur Kenntnis. „Gut. Dann sind die Zuständigkeiten für unseren Ausritt ja schon einmal geklärt.“ Auf seinem Hof und den umliegenden Wegen kannte er sich ohnehin besser aus. Beim anschließenden Rennen würde sich allerdings zeigen, wie lange Elaya bereit war, ihm die Führung zu überlassen. Vermutlich genau bis zum Start.

    Ihre nächste Bemerkung ließ ihn jedoch aufhorchen. Natürlich machte sie sich Sorgen – schließlich hatte er gerade bewiesen, wie zielsicher er treffen konnte. Navaron sah sie einen Moment lang an. „Ach, deshalb.“ Er nickte langsam, als hätte er ihre Sorge nun endlich verstanden. „Und ich dachte schon, Euch läge etwas an meinem Wohlergehen.“ Ein bedauerndes Seufzen folgte. „Dabei sorgt Ihr Euch offenbar nur um Eure eigenen Siegchancen.“ Lange hielt er die enttäuschte Miene nicht aufrecht. Dafür machte ihm ihr Wortgefecht viel zu viel Spaß.

    Dass Elaya anschließend auf seine Retourkutsche lediglich ein Touché fand, verbuchte Navaron durchaus als kleinen Erfolg. Immerhin hatte sie ihn mit denselben Worten zuvor selbst für einen Augenblick überrascht. Nun wusste er zumindest, dass die Wirkung in beide Richtungen funktionierte. Ihre schließlich doch noch gefundene Erwiderung war allerdings nicht schlecht. Wer könnte es Euch verdenken. Navaron hob anerkennend die Brauen. „Da ist sie ja wieder.“ Ein Grinsen umspielte seine Lippen. „Ich hatte schon Sorge, ich hätte Euch tatsächlich um eine Antwort gebracht.“ Das wäre inzwischen beinahe enttäuschend gewesen.

    Dann forderte Elaya ihn auf, genau hinzusehen. „Oh, das hatte ich ohnehin vor.“ Damit überließ Navaron ihr die Wurflinie. Sein scherzhafter Ausdruck wich dabei allmählich echter Aufmerksamkeit. Er war schließlich tatsächlich neugierig darauf, wie Elaya sich schlagen würde. Schon die Art, wie sie das Säckchen prüfte, ließ ihn vermuten, dass ihr das Werfen zumindest nicht vollkommen fremd war. Sie ließ es leicht in die Höhe steigen, fing es wieder auf und nahm anschließend eine Haltung ein, die nicht danach aussah, als würde sie zum ersten Mal versuchen, ein Ziel zu treffen. Interessant. Navaron verschränkte locker die Arme vor der Brust und beobachtete sie. Dass sie sich zunächst für eine der größeren Scheiben entschied, erschien ihm vernünftig. Eigentlich sogar vernünftiger als seine eigene Entscheidung, sofort auf zwei Punkte zu gehen. Er hatte bei seinem ersten Wurf schlicht seinem Ehrgeiz nachgegeben und dabei etwas Glück gehabt, auch wenn er das Elaya gegenüber selbstverständlich nicht so formulieren würde.


    IMG_1690.png

    Für einen Augenblick war von ihrer spielerischen Art wenig übrig. Ihre Aufmerksamkeit lag vollständig auf dem Ziel. Navaron konnte sehen, wie sich ihre Haltung veränderte, wie sie sich auf den Wurf konzentrierte. Dann flog das Säckchen. Und an der Scheibe vorbei. Navarons Blick folgte ihm bis zum Ende seiner Flugbahn. Das Raunen der Zuschauer war kaum zu überhören. Er sah zurück zu Elaya. Ihr gemurmeltes Fluchen hatte er gehört. Ebenso entging ihm nicht, dass sie einen Moment länger auf die unversehrte Scheibe starrte, als es jemand getan hätte, dem der Fehlwurf vollkommen gleichgültig war. Offenbar war er nicht der Einzige, dessen Ehrgeiz bei diesem kleinen Wettbewerb geweckt worden war. Navaron kannte dieses Gefühl gut genug. Wenn man von sich selbst überzeugt war, etwas zumindest ordentlich zu können, ärgerte ein schlechter Versuch umso mehr. Und Elaya hatte ihm bereits mehr als einmal gezeigt, dass sie Herausforderungen nicht nur zum Zeitvertreib annahm. Sie wollte sie auch gewinnen. Deshalb verkniff er sich das Erste, was ihm auf der Zunge lag. Er hätte ihren Fehlwurf leicht mit einer ihrer vorherigen Sticheleien beantworten können. Vor Publikum sogar besonders wirkungsvoll. Doch sie wirkte bereits ausreichend unzufrieden damit. Er wollte mit ihr konkurrieren, nicht sich an einem misslungenen Versuch weiden. Als Elaya sich schließlich wieder zu ihm drehte, war ihr breites Grinsen zurück. Navaron bemerkte trotzdem den erwartungsvollen Ausdruck in ihren Augen. Ich hoffe, Ihr habt gut aufgepasst. „Sehr genau sogar.“ Er ließ die Arme sinken und betrachtete zunächst die Scheibe, dann Elaya. Für einen Moment legte er eine nachdenkliche Miene auf. „Ich bin nur noch nicht sicher, was genau Ihr mir mit dieser beeindruckenden Vorführung beibringen wolltet.“ Die ernste Miene hielt zwei Herzschläge. Dann verriet ihn sein Mundwinkel. „Vielleicht, dass ich besser weiterhin auf die Scheiben zielen sollte?“ Ganz ohne Stichelei würde sie schließlich nicht davonkommen. Navaron lachte leise, ehe er mit einem kleinen Kopfschütteln deutlich machte, dass er es dabei bewenden lassen würde. „Der nächste sitzt.“ Die Worte kamen erstaunlich selbstverständlich. Kein Spott. Auch kein übertriebenes Aufmuntern, das den Fehlwurf größer gemacht hätte, als er war. Nur die schlichte Feststellung, dass sie noch vier Versuche hatte. Sein Blick wanderte zu dem Säckchen, das inzwischen abseits der Ziele lag. „Außerdem glaube ich nicht, dass Ihr mir gerade alles gezeigt habt.“ Er hatte ihre Haltung vor dem Wurf gesehen. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie das Säckchen geprüft hatte. Vielleicht irrte er sich, doch es sah nicht so aus, als wäre Zielen und Werfen für sie völliges Neuland. „Dafür habt Ihr Euch vor dem Wurf ein wenig zu sicher hingestellt.“ Neugier trat in seinen Blick. „Ihr habt so etwas schon einmal gemacht.“ Es war weniger eine Frage als eine Vermutung. „Vielleicht nicht mit Ledersäckchen auf schwankende Holzscheiben“, fügte er hinzu, bevor sie ihm diese offensichtliche Lücke in seiner Feststellung vorhalten konnte. „Aber Ihr könnt werfen.“ Navaron musterte sie kurz. „Bälle?“ Bei einer Artistin wäre das seine erste Vermutung gewesen. Jonglieren gehörte schließlich zu den Dingen, die er durchaus mit ihrem Beruf verband. Dann verengten sich seine Augen ein wenig. Irgendetwas sagte ihm, dass die Antwort nicht ganz so harmlos ausfallen könnte. „Oder sollte ich besser gar nicht erst versuchen zu erraten, womit Ihr sonst auf Ziele werft?“ Ein amüsiertes Lächeln erschien auf seinen Lippen. Vielleicht gab es an Elaya tatsächlich noch einige Überraschungen zu entdecken. Dann trat Navaron wieder an ihr vorbei zur Wurflinie. „Aber bevor ich Euch zu lange Zeit gebe, meinen Vorsprung schlechtzureden…“ Er nahm das nächste Säckchen aus dem Korb und wog es in der Hand. Zwei zu null. Nach einem Wurf sagte das noch überhaupt nichts aus. Und obwohl er Elaya eben noch Zuversicht für ihren nächsten Versuch zugesprochen hatte, hatte er nicht vor, es ihr leichter zu machen. Im Gegenteil. Sie hatte schließlich ausdrücklich verlangt, dass er sich anstrengte.

  • Navaron betrachtete erneut die Ziele. Der erste Treffer verleitete dazu, es noch einmal bei einer kleinen Scheibe zu versuchen. Gleichzeitig wusste er, dass genau darin die Gefahr lag. Ein erfolgreicher Wurf machte noch keine verlässliche Technik. Vielleicht wäre die große Scheibe die klügere Wahl, um seinen Vorsprung zunächst auszubauen. Er drehte das Säckchen einmal in seiner Hand. Dann fiel sein Blick noch einmal zu Elaya. „Eine Sache muss ich allerdings noch richtigstellen.“ Ein Grinsen erschien auf seinen Lippen. „Ihr habt vorhin behauptet, es hielte sich zwischen uns die Waage.“ Er deutete mit dem Säckchen zwischen ihnen hin und her. „Beim Sagen vielleicht.“ Anschließend zeigte er damit auf die Ziele. „Hier steht es zwei zu null.“ Seine silbergrauen Augen blitzten herausfordernd auf. „Nur damit wir bei all Eurer Erfindungsgabe nicht plötzlich anfangen, unterschiedliche Arten von Punkten miteinander zu verrechnen.“ Damit wandte er sich wieder der Wurflinie zu. Vielleicht war es ein wenig gemein, sie unmittelbar nach ihrem Fehlwurf an seinen Vorsprung zu erinnern. Aber Elaya hatte ausdrücklich gewollt, dass er sich anstrengte. Und Navaron begann zu verstehen, dass sie ihm vermutlich ebenso wenig verzeihen würde, wenn er sie nun mit Samthandschuhen anfasste. Also würde er genau das nicht tun.

    Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die pendelnden Scheiben. Für einen Moment blieb sein Blick an einem der großen Ziele hängen. Ein sicherer Punkt wäre vernünftig gewesen und hätte seinen Vorsprung weiter ausgebaut. Doch dann wanderte sein Blick zu einer der kleineren Scheiben. Navaron schmunzelte. Wenn er jetzt auf Nummer sicher ging, nachdem er Elaya gerade noch so selbstbewusst an seinen Punktestand erinnert hatte, würde sie ihm das vermutlich ebenso genüsslich vorhalten wie alles andere. Also wartete er erneut auf den Rhythmus der Bewegung, zog den Arm zurück und warf. Diesmal wusste er bereits im nächsten Augenblick, dass er die Bewegung der Scheibe nicht ganz richtig eingeschätzt hatte. Das Säckchen schoss auf das Ziel zu, doch ein Windstoß ließ die Holzscheibe im entscheidenden Moment ein Stück zurückpendeln. Knapp rauschte der Wurf an ihrem Rand vorbei. Ein enttäuschtes Raunen ging durch die Zuschauer. Navaron verzog kurz den Mund und blieb einen Moment auf die Scheibe blickend stehen. „Nun gut“, stellte er trocken fest. „Offenbar wollte ich Euch nur demonstrieren, dass Eure Technik ebenfalls ihre Berechtigung hat.“ Erst dann wandte er sich mit einem schiefen Grinsen wieder Elaya zu und trat von der Linie zurück. „Zwei zu null bleibt es trotzdem.“ Mit einer einladenden Geste deutete er auf ihren Platz. „Aber ich fürchte, Ihr habt jetzt tatsächlich die Gelegenheit aufzuholen.“

  • Für einen Moment wich die spaßige Gelassenheit aus Elaya und gab den Blick auf den Ehrgeiz der Cath’shyrr frei. Sie hatte verfehlt. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie versuchte es mit einem Spruch zu kaschieren und wartete tapfer Navarons Reaktion ab. Lange währte der Anflug von Frustration aber nicht, als sie seine Mimik sah. Ein Schmunzeln schlich sich auf ihre Lippen, als er mit ernster Miene so tat, als wäre es ihm ein Rätsel, was er mit ihrer Vorführung anfangen sollte. Ihre Augenbraue hob sich bei seiner Stichelei, die milder ausfiel als erwartet. “Nun.. jetzt wisst ihr wenigstens, wie man es nicht macht”, fügte sie seinen Worten hinzu. Tatsächlich folgte keine weitere Stichelei, was sie schweigend zur Kenntnis nahm. Elaya lächelte über seine Zuversicht, die ihren nächsten Wurf anging - oder vielmehr über die Aufmunterung, die seine Worte implizierte. Er hätte genug Gründe gehabt, sie aufzuziehen, aber er tat es nicht. Ihr Blick wurde etwas weicher. Mit seiner Vermutung, dass sie nicht alles gezeigt hatte, weckte er sichtlich ihre Neugierde. Sie hatte verfehlt und trotzdem war er sich darüber sicher. “Wie kommt ihr darauf?”, fragte sie ehrlich neugierig. Als er sich erklärte, wurde das Lächeln auf ihren Lippen breiter. Er besaß eine sehr gute Beobachtungsgabe, wie sie feststellte. Nun, sie war Artistin, das war wohl ein grober Hinweis. Trotzdem gab es dabei allerlei Disziplinen und es war sicher nicht selbstverständlich, das zu wissen. Als er die Bälle erwähnte, nickte sie und wollte gerade etwas erwidern, als er noch weiter sprach und indirekt die Vermutung aufstellte, ob sie nicht noch mit anderen Dingen warf. Sie schnaubte amüsiert, als er hinzufügte, ob es vielleicht besser war, nicht zu raten, womit sie sonst so warf. War das wirklich so offensichtlich? Oder wollte er sie nur aufziehen und wusste gar nicht, dass er gar nicht so Unrecht hatte. “Bälle sind mir tatsächlich vertrauter als diese kleinen Ledersäckchen”, bestätigte sie schließlich, aber das beantwortete seine Frage nicht. “Ihr könnt gerne raten.. oder ihr lasst euch überraschen.” Gut, das beantwortete sie auch nicht. Elaya grinste, weil ihr das durchaus bewusst war. Sie überließ es ihm, was er denken oder gar raten würde. Ein Teil von ihr war neugierig, was er ihr alles zutrauen würde. Als Navaron nach einem weiteren Ledersäckchen griff, machte sie ihm Platz. “Keine Sorge, euren Vorsprung verkrafte ich”, versicherte sie ihm mit einem schiefen Grinsen, da er ihr nicht die Zeit geben wollte, seinen Vorsprung schlecht zureden.

    Sie verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Navaron abwartend. Ob er noch einmal auf eine der kleinen Scheiben zielen würde? Doch bevor sie das herausfinden konnte, wandte er sich noch einmal an sie. Elaya konnte nicht anders, als amüsiert darüber zu lachen, als er es sich nicht nehmen ließ, den Punktestand noch einmal deutlich zu verkünden, als gäbe es irgendeinen Zweifel daran. Sie löste die Arme aus der Verschränkung und hob die Hände in einer beschwichtigenden Geste. “Zwei zu null”, bestätigte sie. “Ihr habt euch euren Vorsprung verdient.” Sie sah ihn mit anerkennender Miene an. Als sich seine Aufmerksamkeit auf die Zielscheiben legte, konnte sie nicht anders, als ein “Genießt ihn, so lange er weilt” hinzuzufügen, um ihn grinsend von der Seite anzusehen, falls er sich denn noch einmal ablenken ließ. Die grünen Augen verfolgten seine Bewegungen und sie konnte nicht leugnen, dass es sie erstaunte, weil er wirklich noch einmal auf die kleinere Scheibe warf. Er wollte es ihr offenbar nicht so einfach machen. Und das gefiel ihr. Genauso, dass er ehrgeizig und mutig war. Der Wurf sah vielversprechend aus, aber dann sah sie, wie die Scheibe sich drehte und das Säckchen daneben flog. Elaya entkam ein Laut, der darauf schließen ließ, dass zumindest ein Teil von ihr den Fehlwurf bedauerte - ganz ohne Spott -, sagte jedoch erst einmal nichts weiter, sondern beobachtete Navaron. Als er auf ihre Technik anspielte, lachte sie kurz auf. "Ach so ist das. Ich muss sagen, ihr habt wirklich gut beobachtet", bescheinigte sie ihm, als wäre das etwas Gutes, ihren Misserfolg zu kopieren. In ihren Worten war jedoch keine Schadenfreude. Sie musste zugeben, dass sie trotzdem erleichtert war, dass sich sein Vorsprung nicht direkt auf vier Punkte erhöht hatte. Nicht, dass sie es ihm nicht gönnte, aber wer würde sich schon selbst noch mehr Druck wünschen. Bei seinem erneuten Hinweis auf den Punktestand schüttelte sie amüsiert den Kopf. "Zwei zu null", wiederholte sie. "Ihr hängt an diesen zwei Punkten", stellte sie schmunzelnd fest. Vielleicht würden es ja auch die einzigen beiden bleiben. Sie sprach es nicht aus, aber ihr Tonfall und ihr Blick verrieten ihre Gedanken. Elaya schöpfte neuen Mut und trat mit dem nächsten Ledersäckchen an die Linie. “Ich würde lügen, würde ich sagen, dass mich das nicht freut”, erwiderte sie dann schmunzelnd. Die Gelegenheit aufzuholen, würde sie nicht kampflos verstreichen lassen.

    Elaya straffte die Schultern und kam wieder in die konzentrierte Wurfposition. Sie biss sich auf die Unterlippe, als sie ihr Ziel fixierte. Eine große Scheibe. Das war vielleicht nicht so mutig, aber auch sie wollte jetzt nicht ihre Taktik ändern. Einmal setzte sie zum Wurf an, wartete dann jedoch, als ein frischer Wind an ihnen vorüber zog. Sie wartete, bis der Wind abflaute, dann atmete sie ein, hielt den Atem an und warf. Sie fürchtete schon, dass sie wieder daneben werfen würde, doch dieses Mal traf sie immerhin den Rand der großen Scheibe. Augenblicklich legte sich ein Grinsen auf ihre Lippen und ihre Gestalt entspannte sich wieder. “Zwei zu eins”, kommentierte sie schelmisch und sah zu ihm hinauf. Sie trat von der Linie zurück und blieb einen Moment neben ihm stehen. “Ihr hattet recht. Der nächste sitzt”, lächelte sie. “Vielleicht konzentriert ihr euch auch lieber auf die große Scheibe?” Der Rat klang beinahe wohlmeinend. Es war wirklich einfacher, das größere Ziel zu treffen und lieber einen statt keinen Punkt zu machen. Aber da war natürlich auch der Umstand, dass es ihr zu gute kommen würde, wenn er nur einen Punkt machte und seine Führung nicht direkt mit zwei weiteren Punkten ausbaute. Denn das traute Elaya ihm durchaus zu, auch wenn sie das sicherlich nicht offen zugeben würde.

  • Navaron hatte durchaus bemerkt, dass Elaya seine Worte nach ihrem ersten Fehlwurf nicht einfach nur als Stichelei aufgefasst hatte. Das weichere Lächeln, das für einen kurzen Moment auf ihren Lippen erschienen war, war ihm nicht entgangen. Er hatte allerdings keinen Anlass gesehen, weiter darauf einzugehen. Nicht jeder kleine Augenblick musste mit Worten gefüllt werden, und schon gar nicht, wenn diese Gefahr liefen, ihn unnötig bedeutsam zu machen.

    Viel interessanter fand er ohnehin ihre Reaktion auf seine Vermutung, dass sie durchaus Erfahrung im Werfen besaß. Als sie bestätigte, dass ihr Bälle vertrauter waren als die kleinen Ledersäckchen, nickte er zunächst zufrieden. Mit seiner ersten Vermutung hatte er also richtiggelegen. Dass sie den zweiten Teil seiner Frage jedoch so geschickt umging, ließ ihn aufhorchen. Ihr könnt gerne raten ... oder Ihr lasst Euch überraschen. Navaron betrachtete sie einen Moment lang mit unverhohlener Neugier. „Das klingt verdächtig danach, als wäre meine zweite Vermutung ebenfalls nicht ganz falsch gewesen.“ Er legte den Kopf leicht schief und musterte sie, als könnte er die Antwort allein an ihrem Gesicht ablesen. „Nun, Ihr seid Artistin. Da fallen mir durchaus ein paar Möglichkeiten ein. Wurfmesser zum Beispiel.“ Es war keineswegs ungewöhnlich, dass Artisten auch mit solchen Dingen umzugehen wussten. Allerdings hatte er Elaya bislang noch nicht bei einer ihrer Darbietungen gesehen und konnte daher nur Vermutungen anstellen. „Oder vielleicht etwas vollkommen anderes, auf das ich niemals kommen würde.“ Ein amüsiertes Lächeln trat auf seine Lippen. „Aber wisst Ihr was? Ich glaube, diesmal lasse ich mich tatsächlich lieber überraschen.“ Er hatte ohnehin den Eindruck, dass Elaya ihm nicht gleich alle ihre Geheimnisse verraten würde. Und vielleicht wäre es auch schade, wenn er schon an diesem Abend alles über sie erführe. Schließlich hatten sie noch einen gemeinsamen Ausritt vor sich, bei dem sich sicherlich weitere Gelegenheiten für Gespräche ergeben würden. „Nur eine Bitte hätte ich“, fügte er mit einem gespielt besorgten Blick hinzu. „Falls Ihr tatsächlich mit Messern werft, sagt mir vorher Bescheid, bevor Ihr beschließt, Eure Fähigkeiten an mir zu demonstrieren.“ Dass er dabei grinste, machte wohl deutlich, wie ernst diese Bitte gemeint war.

    Ihre Versicherung, seinen Vorsprung durchaus verkraften zu können, quittierte Navaron anschließend mit einem anerkennenden Nicken. „Das freut mich zu hören. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste Euch nachher trösten.“ Wobei er sich kaum vorstellen konnte, dass Elaya eine Niederlage besonders lange beschäftigen würde. Ärgern würde sie sich gewiss, das hatte ihr erster Fehlwurf bereits gezeigt. Doch sie wirkte nicht wie jemand, der sich von einem misslungenen Versuch dauerhaft die Laune verderben ließ. Zumindest hoffte er das.

    Als sie ihm seinen Vorsprung schließlich ausdrücklich zugestand, konnte Navaron nicht widerstehen, ihr ein zufriedenes Lächeln zu schenken. „Seht Ihr? So klingt eine faire Gegnerin.“ Ihr anschließender Rat, diesen Vorsprung zu genießen, solange er währte, entlockte ihm ein leises Schnauben. „Keine Sorge, das tue ich.“ Und das hatte er tatsächlich vorgehabt. Bis sein zweites Säckchen die kleine Scheibe knapp verfehlte. Der enttäuschte Laut, den Elaya dabei von sich gab, überraschte ihn ein wenig. Zumindest hatte er eher mit einem triumphierenden Kommentar gerechnet als mit einem Anflug ehrlichen Bedauerns. Offenbar gönnte sie ihm seine Treffer durchaus, solange sie selbst nicht vollkommen den Anschluss verlor. Eine Eigenschaft, die er zu schätzen wusste.

    Als sie ihm anschließend bescheinigte, bei ihrem Fehlwurf gut aufgepasst zu haben, lachte Navaron. „Ich lerne eben schnell.“ Dass sie dabei keine Schadenfreude zeigte, machte es ihm umso leichter, seinen eigenen Fehlwurf mit Humor zu nehmen. Natürlich ärgerte er sich ein wenig. Er hätte gerne bewiesen, dass der erste Treffer nicht nur ein glücklicher Zufall gewesen war. Aber die Scheiben bewegten sich nun einmal, und selbst der beste Schütze konnte danebenwerfen. Außerdem hatte er noch drei Versuche. Und Elaya ebenfalls.

    Als sie ihm vorwarf, erstaunlich an seinen zwei Punkten zu hängen, verschränkte Navaron die Arme vor der Brust und betrachtete sie mit gespieltem Unverständnis. „Selbstverständlich hänge ich daran.“ Er machte eine kleine Pause. „Das sind schließlich die einzigen Punkte, die ich bisher habe.“ Sein Mundwinkel zuckte. „Und wenn Ihr Euch weiterhin so großzügig zeigt, sie mir nicht streitig zu machen, werde ich sie selbstverständlich in Ehren halten.“ Ihr Blick verriet allerdings ziemlich deutlich, dass sie genau das nicht vorhatte.

    Navaron sah ihr nach, als sie wieder an die Wurflinie trat. Ihre Bewegungen wirkten nun etwas bedachter als zuvor. Sie hatte ihren ersten Fehlwurf offensichtlich nicht vergessen und schien entschlossen, denselben Fehler nicht noch einmal zu machen. Er beobachtete, wie sie das Säckchen in der Hand hielt, die Schultern straffte und sich auf eine der größeren Scheiben konzentrierte. Diesmal wirkte sie weniger darauf bedacht, möglichst schnell zu beweisen, was sie konnte. Sie nahm sich Zeit. Als ein frischer Windstoß die aufgehängten Holzscheiben stärker in Bewegung versetzte, unterbrach sie ihren Wurfansatz und wartete. Navaron nickte unwillkürlich. Eine vernünftige Entscheidung. Er selbst hatte beim letzten Versuch den Wind unterschätzt. Elaya schien nicht vorgehabt zu haben, denselben Fehler zu wiederholen. Schließlich ließ sie das Säckchen fliegen. Navarons Blick folgte der Flugbahn. Für einen Augenblick sah es aus, als würde es erneut knapp an der Scheibe vorbeigehen. Dann streifte es den äußeren Rand des Holzes, das unter dem Treffer zur Seite schwang. Ein Punkt. „Na also!“ Die Worte kamen beinahe gleichzeitig mit dem Jubel einiger Zuschauer. Navaron lächelte anerkennend und klatschte zweimal in die Hände. „Ein sauberer Treffer.“ Nun, zumindest sauber genug, um nach den Regeln zu zählen. Und darauf kam es schließlich an. Dass Elaya sich darüber freute, war ihr deutlich anzusehen. Ihre zuvor angespannte Haltung löste sich und das vertraute Grinsen kehrte auf ihre Lippen zurück. Zwei zu eins. Navaron neigte zustimmend den Kopf. „Zwei zu eins“, bestätigte er. „Ihr seht, ich habe Euch nicht umsonst gesagt, dass der nächste sitzt.“ Er hatte es tatsächlich vermutet. Nicht, weil er ihre Fähigkeiten bereits genau einschätzen konnte, sondern weil sie ihm beim ersten Versuch keineswegs unbeholfen erschienen war. Der Fehlwurf hatte nicht zu ihrer Haltung gepasst. Nun hatte sie gezeigt, dass sie durchaus in der Lage war, sich auf die ungewohnten Wurfgeschosse einzustellen. „Und diesmal habt Ihr Euch auch nicht vom Wind überraschen lassen.“ Sein Blick glitt kurz zu den noch immer pendelnden Scheiben. „Vielleicht sollte ich mir davon etwas abschauen.“

    Als Elaya jedoch vorschlug, er möge sich bei seinem nächsten Versuch lieber auf die große Scheibe konzentrieren, sah Navaron langsam wieder zu ihr. Für einen Moment schwieg er. Dann erschien ein wissendes Lächeln auf seinem Gesicht. „Wie überaus fürsorglich von Euch.“ Er betrachtete sie mit unverhohlener Belustigung. „Erst macht Ihr Euch Sorgen um meine Gesundheit, jetzt auch noch um meine Trefferquote.“ Sein Blick wanderte zu dem kleinen Ledersäckchen in ihrer Hand, ehe er wieder ihre grünen Augen suchte. „Ich könnte mich beinahe daran gewöhnen.“ Natürlich war ihm nicht entgangen, dass ihr Vorschlag durchaus einen gewissen Vorteil für sie selbst mit sich brachte. Wenn er auf die große Scheibe zielte, konnte er höchstens einen Punkt gewinnen. Und auch wenn ein sicherer Treffer besser war als ein weiterer Fehlwurf, würde Elaya damit deutlich leichter aufholen können. Andererseits war es genau diese Überlegung, die ihn bereits vor seinem zweiten Wurf beschäftigt hatte. Vielleicht war es tatsächlich klüger, zunächst die Führung auszubauen, statt mit jedem Versuch zwei Punkte erzwingen zu wollen.

    Navaron ließ seinen Blick nachdenklich über die Ziele wandern. „Aber ich muss Euch zugestehen, dass Euer Rat gar nicht so schlecht ist.“ Er nickte langsam. „Ein Punkt ist schließlich besser als keiner. Und Ihr habt gerade bewiesen, dass man mit ein wenig Geduld durchaus zum Ziel kommen kann.“ Dann sah er wieder zu ihr. „Allerdings frage ich mich, ob Ihr mir diesen Rat aus reiner Nächstenliebe gebt.“ Er senkte verschwörerisch die Stimme. „Oder weil Ihr insgeheim hofft, dass ich Euch damit eine Gelegenheit verschaffe, mich noch einzuholen.“ Ein herausforderndes Funkeln lag in seinen silbergrauen Augen. „Ich vermute ja Letzteres.“ Er ließ ein leises Lachen hören und trat anschließend wieder an die Wurflinie.

  • Diesmal nahm er sich etwas mehr Zeit, bevor er nach einem Säckchen griff. Sein Blick wanderte von den großen zu den kleinen Scheiben und wieder zurück. Zwei zu eins. Noch drei Würfe für jeden. Er lag vorne, aber sein Vorsprung war alles andere als uneinholbar. Ein einziger guter Wurf von Elaya konnte die Führung bereits verändern. Vielleicht sollte er also tatsächlich vernünftig sein. Sein Großvater hatte ihm oft genug erklärt, dass Mut und Leichtsinn nicht dasselbe waren. Eine Lektion, die er als Junge nur widerwillig angenommen hatte und die Landros und er mehr als einmal auf die harte Tour hatten lernen müssen. Navaron schmunzelte bei der Erinnerung. Dann fiel seine Entscheidung. „Nun gut. Ich werde Euren Rat beherzigen.“ Er warf Elaya einen kurzen Seitenblick zu. „Aber nur dieses eine Mal. Sonst glaubt Ihr am Ende noch, Ihr könntet mir tatsächlich Vorschriften machen.“ Damit wandte er sich wieder den Zielen zu. Er wählte eine der größeren Scheiben. Sie hing etwas weiter links und pendelte in einem vergleichsweise gleichmäßigen Rhythmus. Navaron beobachtete die Bewegung, wog das Säckchen in der Hand und versuchte, sich den Ablauf seines ersten erfolgreichen Wurfs in Erinnerung zu rufen. Nicht zu früh. Nicht zu spät. Vor allem nicht wieder den Wind unterschätzen. Er wartete, bis die Scheibe ihren äußersten Punkt erreichte und zurückzuschwingen begann. Dann holte er aus und ließ das Säckchen fliegen. Diesmal stimmte die Richtung. Das kleine Geschoss beschrieb einen flachen Bogen und traf die große Holzscheibe etwas oberhalb ihrer Mitte. Ein dumpfes Klatschen war zu hören, ehe das Ziel zurückschwang. Navaron ließ den Arm sinken. Für einen Augenblick betrachtete er das Ergebnis, dann breitete sich ein zufriedenes Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Na bitte.“ Einige der Zuschauer spendeten Beifall, während der Standbesitzer den Treffer bestätigte. Drei Punkte. Navaron drehte sich zu Elaya um. „Ich fürchte, Ihr hattet recht.“ Er klang dabei, als wäre dieses Eingeständnis eine ausgesprochen schwere Entscheidung. „Die große Scheibe ist tatsächlich leichter zu treffen.“ Dann hob er einen Finger. „Aber bildet Euch bloß nichts darauf ein.“ Das Grinsen auf seinem Gesicht wurde breiter. „Ich werde Euch schließlich nicht nach jedem Wurf recht geben.“ Er trat von der Linie zurück und ließ den Blick kurz zu den übrigen Zielen wandern. Noch zwei Würfe für jeden. Drei zu eins. Ein Vorsprung, der sich durchaus sehen lassen konnte, aber noch lange keinen Sieg bedeutete. Navaron wusste das nur zu gut. „Drei zu eins“, verkündete er dennoch mit demonstrativer Zufriedenheit und sah Elaya an. „Ich hoffe, Ihr verzeiht mir, dass ich auch an diesem dritten Punkt ein wenig hängen werde.“ Er machte ihr Platz und deutete mit einer einladenden Handbewegung zur Linie. „Aber nun seid Ihr wieder an der Reihe.“ Sein Blick blieb an ihrem Gesicht hängen. „Und da Ihr offenbar beschlossen habt, mir heute nicht nur eine Herausforderung, sondern auch noch wertvolle Ratschläge zu liefern, bin ich gespannt, was Ihr als Nächstes vorhabt.“ Er verschränkte die Arme locker vor der Brust. „Bleibt Ihr bei Eurer vorsichtigen Taktik? Oder versucht Ihr nun doch, mir mit einem einzigen Wurf zwei Punkte abzunehmen?“ Ein schelmisches Lächeln begleitete seine Frage. „Ich verspreche auch, ganz genau hinzusehen.“ Diesmal meinte er damit nicht nur ihre Wurftechnik.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!