Posts by Atashkada

    Atashkada freute es, dass Mordecai auch der Ansicht war, dass seine Aufmerksamkeit nun seiner Ziehtochter gelten sollte. “Ich wünsche euch beiden auch einen wundervollen Abend. Auf dass er nur noch schönes für euch bereithalten mag und vielleicht die ein oder andere Süßigkeit.” Hier zwinkerte sie dem Affen zu, ob sie nun ein wahrhaftiges Kind war oder nicht, ihre Wünsche waren ernst gemeint und kamen von Herzen. “Passt auch gut auf euch auf und genießt den Abend.” Tasha sah den beiden nach. Ziehvater und Ziehtochter. Und auch wie winkte Sölvi zu. Wer wusste schon, was die Götter für ihre Wege vorgesehen hatten. Aber Mordecai hatte es ja auch durchaus selbst in der Hand, denn er wusste wo die Fahrenden lagerten. Als die beiden langsam von den anderen Gästen verschluckt wurden, machte sich Tasha auf daran selbst etwas umherzulaufen, noch hatte sie nicht alles gesehen.

    Die Dhoran war sich natürlich nicht sicher, wie genau die Situation und Lage von Mordecai und die von Sölvi war. War Sölvi wirklich ein Mädchen? Vielleicht auch aus dem Volk der Corvae? Und hatte es ein Fluch ereilt? Oder ein missglücktes Experiment? Oder war der Affe vielleicht einfach nur ein Affe und Mordecai ein wenig verwirrt, was dies anbelangte? Sie wusste es nicht und ob es sie interessierte, wusste Atashkada auch nicht. Aber sie glaubte den Worten des Corvae, dass er sich etwas anders für Sölvi wünschte, als als aufmerksamkeitsheischende Attraktion Verwendung zu finden.

    “Ich… das ist sehr nett von Euch Mordecai. Aber ich denke, Eure Aufmerksamkeit sollte jetzt, wo Sölvi da ist, ihr gehören und nicht durch meine Anwesenheit abgelenkt werden.” Kinder, und so wollte Tasha Sölvi für Mordecai sehen, sollten die Aufmerksamkeit ihres Vaters oder Ziehvaters auf einem solchen Fest nicht teilen müssen. Vor allem, da dies für beide etwas Besonderes zu sein schien. Und sie, die Fahrende in ihren bunten Kleidern, war kein besonders gutes Schutzschild, um Blicke abzuhalten. Sicher wäre sie noch auf die ‘Schatzjagd’, für ein Geschenk für Sölvi mit ihm gegangen, aber nun, da sie hier war und vielleicht sogar selbst entscheiden konnte, wollte die Schwarzhaarige sich da nicht einmischen.

    Mordecai sah ob Atashkadas Nachfragen noch verärgerter aus, als eh schon und sie fragte sich, was sie nun schon wieder falsch gemacht hatte? Scheinbar durfte sie kein Interesse an dem zeigen, was ihr ihr zugedachter Tanzpartner für den ersten Tanz tat oder dachte oder wollte. Wie gut, dass der Tanz bereits vorbei war und es ihr frei stand, sich nach anderer Gesellschaft umzusehen, denn noch länger würde sie das Fest so nicht verbringen wollen.

    Seine Worte verstand sie natürlich wieder nicht, den Inhalt schon, den Sachverhalt nein. Aber sie wagte es nicht, erneut nachzufragen, da sie jedes Mal eine etwas barsche Abfuhr erhielt oder ihre Fragen einfach ignoriert wurden. Sollte er seine Worte und Geschichten doch für sich behalten! Tasha verlor immer mehr das Interesse an ihrem Gesprächspartner, was aber nicht schlimm war, da man sich auch nicht mit jedem verstehen musste oder gar konnte. Außerdem ging sie das, was zwischen Mordecai und seiner Prinzipalin vorging, auch absolut nichts an.

    Als der Corvae den Namen des Affens sagte, fiel der Dheoran wieder ein, was Mordecai ihr beim Tanzen erzählt hatte. Seine Ziehtochter? ‘Sie trägt eine Maske, die sie nicht ablegen kann. Eine, die viel pelziger und unhandlicher ist, als es einem jungen Mädchen zusteht.’ Tasha war sich nicht sicher, was sie nun von all dem halten sollte. Ob das Mädchen wirklich einem Fluch unterlag? Oder ob das einfach nur eine Geschichte von Zirkusleuten war? Atashkada hatte nichts für große Affen übrig. Sie konnte nicht einmal sagen, warum. Aber so war das eben nunmal. Der eine mochte Katzen lieber, der andere Hunde, der nächste beides und dann gab es sogar Leute, die gar keine Tiere mochten. Gut, letzteren sollte man vielleicht mit Vorsicht begegnen. Dennoch gab es eben verschiedene Vorlieben, warum auch immer. Zehn oder elf Jahre, im Alter der Corvae, hatte Mordecai gesagt, soll Sölvi sein. Was nicht viel anders als das Alter eines Menschen war.

    “Nein”, war die ehrliche Antwort der Dheoran. “Das hat aber weniger mit der Lächerlichkeit zu tun, sondern eher damit, dass Sölvi jetzt schon die Neugier auf sich zieht und sie wird mit Sicherheit nicht weniger werden.” Denn wo waren die Bewohner von Dörfern und Städten eben. Neugierig und immer in Sorge, etwas zu verpassen. Tasha trat auf Sölvi zu, legte ihre Hand an die Wange, wie sie es auch bei einem echten Mädchen tun würde, in dem Alter, das ihr genannt worden war, und streichelte sanft darüber.
    “Wenn es Sölvi nicht stört, dass sie die Blicke auf sich ziehen wird und über sie gesprochen wird, dann solltet Ihr das Fest ganz normal verbringen, wie jeder andere auch.” Dann trat sie wieder zurück. “Gleiches gilt natürlich auch für Euch, Mordecai. Ich kann hier nicht sagen, was richtig oder falsch ist, gut oder schlecht.” Sie hob sacht die Schultern. “Aber nun könntet ihr gemeinsam das Geschenk aussuchen.”

    Das mit der keine leichte Kost, verstand die Schwarzhaarige wieder nicht. Denn ja, es war seltsam, auf einem solchen Fest einen Affen an seiner Seite zu haben. Aber wenn es die beiden nicht störte, wer wäre sie dazu etwas zu sagen? Nur hatte sie nicht vor, das dritte Rad am Wagen zu sein oder sich mit ihren neugierigen Fragen weitere Abfuhren einzuholen.

    Atashkada hatte nicht einmal den Hauch einer Idee gehabt, was in Mordecai gefahren war, und auch jetzt fragte sie sich, was das hier sollte. Er hatte einen Affen mit an ihren Stehtisch gebracht. Sie wusste wirklich nicht, was sie dazu sagen sollte. Denn, dass dies mehr als nur neugierige Blicke auf sich zog, konnte man nicht von der Hand weisen und auch, dass dies Mordecai nicht recht zu sein schien, da er den Affen mit seinem Gehrock zu schützen versuchte. Was natürlich nicht gelang. Wie auch?

    „Das kann ich mir vorstellen“, meinte sie, als er sagte, dass das nicht geplant war. „Wie habt Ihr das Treiben Eurer Prinzipalin entdeckt? Und wird sie nicht verärgert sein, wenn sie entdeckt, dass man gegen ihre Order handelt?“ Tasha verstand die Worte des Corvae nicht. Denn für einen Zirkus musste man Werbung machen und wenn ein solcher Tiere beherbergte, wurden diese hier und da auch benutzt. Nicht, dass sie das richtig fand, aber dass sich Mordecai nun gegen die Prinzipalin auflehnte und dies unterband? Ob das nicht Ärger nach sich zog? Und ob ein solches Fest ein besserer Ort für einen Affen war, wagte die Schwarzhaarige zu bezweifeln. Dennoch wollte sie von Mordecai wissen: „Was habt Ihr nun vor?“

    Die Fahrende fragte sich, warum sie nur gefragt hatte, denn die Antwort, die der Corvae ihr gab, konnte sie fast nicht glauben. Er wollte, dass sie ihn ermutigte fremdes Eigentum an sich zu bringen? Er hatte überlegt, einen oder mehrere dieser Kristalle an sich zu bringen? Und sie hätte ihn auch noch decken sollen? Sie war innerlich geschockt. Vielleicht auch mehr als nur geschockt. Denn damit hatte sie nun wahrlich nicht gerechnet. Sicher für den ein oder anderen mochte es nur Dekoration sein, aber auch diese gehörte jemanden. NIE wäre sie auf diese Idee gekommen und daher war es auch nicht verwunderlich, dass sie ander nicht verstanden. So nahm sie zumindest an. Denn Mordecai hatte scheinbar keine Skrupel, etwas an sich zu bringen, was ihm nicht gehörte und für das er nicht bezahlt hatte. Sie hingegen sehr wohl. Dheoran hassten Lug, Betrug und Diebstahl. Sie waren ehrliche Leute.

    Tasha konnte nun aber auch nicht mehr zurück und vielleicht sollte sie Mordecai auch anrechnen, dass er es nicht getan hatte. Einen solchen Gedanken zu haben, machte einen Mann ja noch nicht direkt schlecht. Den Gedanken dann aber in die Tat umzusetzen sehr wohl. Nur wie nah war Mordecai daran, solche Gedanken wahr werden zu lassen? Sie wusste es nicht und war sich auch nicht sicher, ob sie dies herausfinden wollte. Sie hoffte einfach, dass er sehr wohl wusste, was richtig und was falsch war und dass er auch entsprechend handeln würde.

    Er versuchte nun herauszufinden, was er nun tun wollte, wonach es ihn verlangte und wieder passierte etwas, womit die Schwarzhaarige nicht gerechnet hatte. Nun war sie es, die zurückgelassen wurde. Ein paar Augenblicke sah Tasha dem Corvae nach, zuckte dann aber mit den Schultern und aß das letzte Stück ihrer kandierten Früchte. Was wohl in ihn gefahren sein mochte? Und wie lange sollte sie hier warten? Sie wusste es nicht, aber noch war sie mit ihrem Spieß und ihrem Getränk beschäftigt, diese Zeit würde sie ihm geben, mehr dann aber auch nicht.

    Mordecai ließ Atashkadas Frage an ihn unbeantwortet, aber wie sollte sie ihn verstehen, wenn er ihr immer wieder und wieder die Antworten auf ihre Fragen versagte? Gut, wer nicht wollte, dem konnte auch sie nicht helfen. Derweil fand sie sich sehr wohl als offen und zugänglich.

    “Die Sache ist die Mordecai, wenn Ihr mir nicht erklärt, worum es geht, dann kann ich auch nicht mehr dazu sagen. Ich habe wirklich nicht verstanden, was Ihr mir mit den Kristallen zu verstehen geben wollt und das habe ich Euch gesagt. Nun ist es an Euch, entweder erklärt Ihr mir, worum es Euch ging, oder eben nicht.” Sie hob leicht ihre Schultern. “Ich bin gern bereit Euren Worten zu lauschen und ich versuche wirklich zu verstehen, aber wenn ich es nicht tue, werde ich Euch nicht im Glauben lassen, dass ich es tue. Das wäre Euch gegenüber nicht in Ordnung, meiner Meinung nach.” Als er ihr sagte, dass er nach etwas anderem suchte als sie, konnte sie sich nicht vorstellen was das sein sollte. “Was sucht Ihr denn genau Mordecai?”, fragte sie also, da sie ihn wieder nicht verstand. Wollte er sie näher kennenlernen? Nur dann musste er halt die richtigen Fragen stellen. Ob sie ihm darauf antworten würde, würde sich dann zeigen, aber sie redeten über oberflächliche Dinge und Dinge, deren Zwischenzeilen sie nicht in der Lage war zu lesen.

    “Danke”, sagte sie, als der Corvae meinte, dass sie ein seltenes Talent besaß. Auch wenn man dies durchaus auch als Beleidigung auffassen konnte. Was wusste er schon von ihrem Leben? “Ich bin nicht allein mit diesem Talent. Seht Euch die Feiernden an. Sie lachen, schäkern und scherzen. Sie lernen neue Leute kennen, führen Gespräche und tanzen. Eigentlich tun sie genau das, was ich Euch aufgezählt habe. Ganz gleich wie schwer wohl das Leben sein mag, sie nehmen dieses Fest zum Anlass für zumindest einen Abend aus ihrem Alltag auszubrechen, um neue schöne Erinnerungen zu schaffen.” Sie sah ihn mitfühlend an. NICHT mitleidig! Mitfühlend. “Versuchen wir es. Versucht nur an den Moment zu denken. Also, ganz ohne darüber nachzudenken: Was wollt Ihr jetzt tun? Wonach verlangt es Euch?”

    „Ich fühle mich alles andere als unwohl, Mordecai. Was treibt Euch zu der Annahme, ich könnte mich unwohl fühlen?“, fragte Tasha etwas irritiert nach. Nur weil sie ihm gesagt hatte, dass sie seiner Erklärung nicht folgen konnte? Durfte man so etwas nun nicht mehr äußern? Ja, die Konversation mit Mordecai war nicht so angenehm wie das Geräusch eines vor sich hinplätschernden Baches. Sondern es mochte eher einem tiefen Gewässer gleichen, dass sich nicht leicht ergründen ließ, und mit den Steinen, die hier und dort daraus hervorragten, auch nicht ganz ungefährlich schien. Aber das war nichts, woran sich Atashkada stieß. Immerhin hatte sie nicht vor, den Mann des Rabenvolkes zum Ehemann zu nehmen. Und so war es ihr gleich, ob sie gut harmonierten oder nicht. Aber scheinbar schien Mordecai sich an etwas zu stoßen und er schien wieder, wie zuvor schon, den Fehler bei ihr zu suchen.

    “Eine Brücke zu schlagen? In welchem Bezug genau?“, fragte sie nach, da sie einfach nicht verstand, was er sich erhoffte und wünschte. „Wegen mir muss man sicher nicht im Dunkeln tappen, Mordecai. Was ich mir von dem Abend erwarte? Spass. Leichtigkeit. Neue Leute kennenlernen. Bekanntschaften knüpfen. Nette, leichte Gespräche führen. Tanzen. Herumwandern und entdecken, was das Fest zu bieten hat. “ Nun, wenn sich ein Mann fand, der sie interessierte, würde sie die Liste auch noch etwas ergänzen, aber das war nicht für die Ohren des Corvae bestimmt. „Und das Gleiche wünsche ich mir auch für Euch, mein werter Herr.“ Sie lächelte ihn offen und ehrlich an. „Wenn Ihr nun Eure Worte bereut, dass wir uns die Stände gemeinsam ansehen sollen, so könnte sich unser Weg nun hier trennen. Es steht Euch gänzlich frei.“ Sie wäre weder eingeschnappt noch nachtragend. Die Dheoran nahm es einfach wie es kam und wenn Mordecai ob ihr ein schlechtes Gefühl hatte, wollte sie nicht darauf bestehen, dass er an dem zuvor gefassten Plan festhalten würde.

    „Wovon genau soll ich Euch erzählen, Mordecai?“, fragte Atashkada nach, denn einfach aus dem Nähkästen würde sie jetzt auch nicht plaudern. Hier musste der Corvae schon etwas genauer sagen, was er wissen wollte oder worüber Tasha etwas erzählen sollte. Denn einmal mehr hatte die Fahrende das Gefühl, dass sie beide aneinander vorbeireden würden, würde sie nun einfach antworten.

    Wie schon im nächsten Augenblick. Eine Requisite war nur dann nützlich, wenn sie ein Problem löste? Scheinbar war ein Zirkus anders als das Leben der Fahrenden. Requisiten gehörten bei Ihnen dazu, etwas zu unterstreichen oder gar zum Leben zu erwecken oder authentischer erscheinen zu lassen. Ein Kostüm, eine Kulisse, Objekte, die das Gesamtbild verbesserten oder gar vervollständigten. Aber es diente weniger dazu, ein „Problem“ zu lösen. Gut, es konnte schon auch sein, aber im Vordergrund stand anderes. „Aha“, sagte die Schwarzhaarige daher dazu, da sie auch vermeiden wollte, wieder einen Rüffel zu erhalten, den sie ihrer Meinung nach gar nicht verdiente.

    Der Blick der Dheoran folgte dem Blick ihres Tanzpartners, der nun keiner mehr war. Und hob leicht die Schultern, da sie ihn nicht ganz verstand. Vielleicht ging sie die Dinge auch einfach nur anders an. „Ich kann Euch leider nicht folgen, was Ihr mir zu verstehen geben wollt“, gestand sie dann ein, da sie ihn wirklich nicht verstand.

    Tasha verstand nicht so ganz, woran der Corvae sich nur immer wieder störte. Versuchte sie die Schuld auf sich zu nehmen, dass er nicht mit Gentlemanmanieren glänzen konnte, meinte er, sich verteidigen zu müssen. Wenn sie ihm sagte, er müsse sich nicht verteidigen, da es nichts gäbe, um dies zu tun, versuchte er hier wieder das Haar im Wein, denn Suppe gab es gerade keine, zu finden. Und auch als sie einfach nur anmerkte, dass die Stände wirklich einiges zu bieten hatten, meinte er, sie brauche ihn nicht überzeugen… Ja, sie hatte nicht vergessen, dass sie gemeinsam die Stände aufsuchen wollten. Außerdem war er es gewesen, der sie darum gebeten hatte, nicht umgekehrt. Sie wollte einfach nur leichte Konversation betreiben.
    Doch diese Form der Konversation empfand Atashkada mit der Zeit als immer anstrengender. Aber vielleicht war für Mordecai ein Becher eben immer halbleer und nicht halbvoll, was wusste sie schon, warum dieser immer eher die negative Seite von was auch immer beleuchtete und eigentlich interessierte es sie im Moment auch nicht sonderlich, sie wollte das Fest genießen und Spass haben.

    „Ihr wisst gar nicht, was ich alles erahne“, gab sie belustigt zurück. ‚Oder gar weiß‘, fügte sie in Gedanken dazu. Nicht nur in einem Zirkus hatte es Artisten. „Nach was für Requisiten sucht ihr denn?“, fragte sie aus reiner Neugier und weil sie sich fragte, ob so etwas hier wirklich feilgeboten wurde. Einige Utensilien mussten ja auch speziell angefertigt werden. Je nach je wie besonders sie waren.

    „Verteidigung? Wer hat denn gesagt, dass Ihr Euch verteidigen müsst?“, fragte die Schwarzhaarige und lächelte ein belustigtes Lächeln. „Es gibt weder etwas, für das Ihr eine Entschuldigung finden müsstest noch etwas, für das Ich Euch verteidigen müsstest.“ Sie verstand den Corvae in dieser Situation nicht, er hatte es ihr doch freigestellt, sich selbst zu versorgen und nun, wo sie dies getan hatte, hatte es an seinem Stolz gekratzt? Verstand einer die Männer. Ganz gleich welcher Rasse oder welchem Volk sie angehörten. Da sie von Mordecai nichts erwartete, würde es ihm auch nicht gelingen, sie zu enttäuschen. Aber vielleicht war das auch etwas, was nicht jeder verstand. Sie war sich nicht sicher, und wollte um dieses Thema nicht herumdiskutieren.

    Das klingt auch nicht so schlecht? Innerlich amüsierte sie sich über die nicht sonderlich positive Einstellung und Wortwahl des Corvae, sagte aber nichts dazu. Sie war mit ihrer Wahl des Getränks mehr als zufrieden.

    Gut gelaunt beobachtete sie die widerstreitenden Empfindungen, in des Corvaes Antlitzes. Doch hatte er sich dann dazu entschieden, ihrem Angebot zu folgen. Sie schob die von ihm gewählte und gekostete Frucht noch weiter zum Ende der Spitze des Spießes. „Der Rest gehört natürlich auch Euch“, meinte sie und wartete, bis ihr Begleiter den Rest der Frucht zu sich genommen hatte. Dann ließ sie sich die nächste davon schmecken und meinte, als ihr Mund wieder frei war: „Die Stände haben wirklich einiges zu bieten. Ich denke, dass fast jeder findet, was auch immer er sucht oder nicht sucht.“ Tasha lachte leise und nahm einen Schluck von ihrem Getränkt.

    Er hatte tatsächlich fast an Ort und Stelle gewartet, stellte Tasha fest und schritt somit auf den Corvae zu. Leckte sich ein Stück der bröckeligen Karamellglasur von der Lippe. Sie lächelte den Schwarzhaarigen freundlich-fröhlich an, als er sprach. Nun, an dem Gentleman musste er vielleicht noch etwas arbeiten, aber: “Ich bin keine edle Dame und auch gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.” Sie lachte leise. “Ich hoffe, Ihr verzeiht mir, dass ich Euer Ansinnen dahingehend torpediert habe. Das war nicht meine Absicht. Aber ich muss sagen, der Weg hat sich gelohnt, das Angebot ist soooo vielfältig.” Ach ja, Tasha konnte sich für solcherlei immer begeistern. “Stoßen wir an, dann probiere ich und wenn es so gut ist, wie ich hoffe, verrate ich Euch, was ich erstanden habe.” Die Fahrende hob ihren Becher und ließ ihn gegen das Glas des Mannes des Rabenvolks klacken. “Cheers und auf einen schönen Abend.” Die Schwarzhaarige führte den Becher an ihre Lippen und kostete den etwas gestreckten Beerenwein. Er war erfrischend, fruchtig und dennoch nicht zu süß, aber süß genug, um nicht zu sauer zu sein. “Mmmmmmhhhhh”, meinte sie und ihre Augen funkelten vor Genuss. “Beerenwein mit etwas Wasser verdünnt. Ich kann es wirklich nur empfehlen. Ebenso aber auch die kandierten Früchte. Wollt Ihr probieren?”

    Innerlich verdrehte Atashkada die Augen. Verstand einer diesen Corvae. Sie teilte den Humor, wenn man diese “Wortspiele” und “Schlagabtausch” so bezeichnen mochte, nicht. Mit etwas Leichtem meinte sie eben keinen schweren roten Wein - aber auch keinen leeren Becher. Sondern gewässerten Wein, oder einen leichten Weißen. Sicherlich würde es heute Abend nicht nur bei einem Becher bleiben, daher würde sie mit nichts schwerem beginnen wollen. Sie fragte nun auch nicht weiter nach, welchen Wein der Corvae bevorzugte, denn scheinbar wollte er diese Information nicht mit ihr teilen, außer, dass er Wein wollte.

    “Bitte macht Euch keine Umstände, ich sehe mich selbst um, was die Stände zu bieten haben”, meinte sie und lächelte aufrichtig. Sie hatte noch nie einen Mann gebraucht, um sich zu versorgen, weder einen Gentleman noch jemanden, der versuchte, einer zu sein. “Treffen wir uns doch einfach wieder hier, wenn jeder hat, was er möchte”, schlug die Schwarzhaarige vor und besah sich sogleich das Getränkeangebot der Buden. Hier waren auf Tafeln geschrieben, was sie feilboten und daneben in einer feinen Kreidezeichnung ein entsprechendes Bild für jene, die des Lesens nicht mächtig waren. Atashkada entschied sich für einen Beerenwein, den sie sich mit klarem Wasser aufgießen ließ, an dem einen Stand und an einem anderen, an dem sie einfach nicht hatte vorbeigehen können, für einen Spieß mit kandierten Früchten. Die Ware wechselte den Besitzer und im Gegenzug auch die Münzen, die die Dheoran gut zu hüten wusste. Mit ihrer Ausbeute aus dem kleinen Streifzug kehrte sie an dem Treffpunkt wieder ein. Ihre Augen voller Freude über ihre Errungenschaften. Mit einem Glitzern kindlichen Vergnügen in ihrem Blick biss die Fahrende in die erste Frucht ihres Spießes und sah sich nach dem schwarzen Schopf des Tanzpartners um, den die farbige Karte ihr für den ersten Tanz des Abends zugedacht hatte.

    RE: [Fest des Erwachens] Der erste Tanz -->

    Tasha folgte der Führung ihres ihr zugedachten Tanzpartners hinüber zu dem aufgebauten Pavillon. Staunend und erfreut hob die Dheoran den Blick in die Kronen der Bäume und betrachtete die Kristalle, wie sie in allen Facetten der Farben das Licht reflektierten. Sie muss in einem anderen wohl mal eine Elster gewesen sein, denn ihr gefielen glitzernde und funkelnde Dinge schon sehr. Aber vielleicht war das auch eine Eigenheit von Frauen, denn sie kannte noch ein paar andere Geschlechtsgenossinnen, denen es sehr ähnlich erging.

    “Gern”, entgegnete sie. “Mir wäre es nach etwas Leichtem und Euch? Was bevorzugt Ihr? Ganz gleich ob Getränk oder Essen”, frage sie nach, da sie auf ihre vorherige Frage keine Antwort erhalten hatte.

    Irgendwie fühlte sich einiges was Mordecai und sie miteinander sprachen nach einem Wettbewerb an. Atashkada konnte es nicht benennen, aber auf simple Erwiderungen ihrerseits bekam sie des Öfteren eine Definitionserklärung eines Wortes oder Sachverhalts. Sie ließ sich diese Gedanken nicht anmerken, hatte sie auch gleich schon wieder vergessen. Sie war neugierig was sie nun erwartete und folgte dem Corvae an dessen Seite.

    -->RE: [Fest des Erwachens] Der Silberquell-Pavillon

    „Vielleicht ja, vielleicht nein. Jedenfalls hat mir der Abend bereits Erinnerungen geschenkt, die mich immer begleiten werden.“ Atashkada lächelte und nahm den angebotenen Arm gerne an und schritt mit ihrem Tanzpartner von der Tanzfläche. Sie war neugierig auf das, was neben der Musik und der Tanzfläche geboten war. Auch wenn sie sich sehr wohl später wieder dort einfinden wollte, einfach weil sie Musik liebte und sich zu dieser zu bewegen. Doch nun waren ihre Schritte beschwingt und leicht, obwohl sie sich von dem Parkett entfernte.

    Der Corvae nahm seinen Stock wieder auf und Tasha fragte sich, ob dieser bei einem solchen Anlass nicht eher hinderlich war, vor allem da es nicht so wirkte, als würde ihr Begleiter diesen wirklich benötigen. Aber ja, sie hatte von solchen Moden gehört, wo dies als ein Accessoir für den Mann galt, oder gar das Innere eines solchen Stocks sogar etwas beherbergte, was ihn schützen und anderen großen Schaden zufügen konnte.

    „Wonach steht Euch nun der Sinn? Wein? Bier? Oder etwas mit mehr Fruch?“ Sie sah sich bereits ein wenig um, aber sah noch nicht sonderlich viel.

    Die Dheoran sah den Corvae etwas skeptisch fragend an, als er sich dann nicht zu der Handpuppe äußern wollte. Aber sie ließ dies einfach so stehen. Die Frage war für sie, was sie mit einer solchen Puppe für eine Geschichte erzählen wollte. Wollte sie die Vorurteile befeuern, die weithin verbreitet waren oder sollte sie in Mordecai einen Vertreter des Rabenvolks gefunden haben, der diesen Vorwürfen widersprach? Sie wusste es nicht. Sie konnte ihn nicht einschätzen und wollte dies auch gar nicht nach so kurzer Zeit. Nur sollte er sich durchaus in Acht nehmen, sollte er unlautere Absichten ihr gegenüber hegen. Aber das war nichts, was sie aussprechen würde. Entweder er kannte ihr Volk, dann wusste er dies selbst, denn auch zu ihnen gab es Geschichten oder er kannte sie nicht, dann würde sich zeigen, wie es sich entwickelte.

    Ein wenig wehmütig sah sie schon auf die Tanzfläche, als ihr Tanzpartner diese schon verlassen wollte. Aber der Abend war ja noch jung, und sie würde bestimmt noch zu weiteren Tänzen kommen. So hoffte sie. “Gut, dann lasst uns gern gehen. Ich habe mich, so muss ich gestehen, noch gar nicht weiter groß umgesehen. Was wir wohl alles entdecken mögen?”, meinte sie schon wieder vergnügt wie eh und je. “Wein klingt hervorragend”, stimmte sie zu.

    „Das werde ich gern tun“, meinte Atashkada und beschrieb ihrem Tanzpartner den Lagerplatz ihrer Familie. Er lag einen kleinen Fußmarsch von einer halben Stundenkerze flussaufwärts von der Stadt entfernt auf einer großen Lichtung, von Bäumen geschützt und nahe dem Fluss.

    „Sölvi“, wiederholte die Dheoran und nickte für sich. Mit dem Alter konnte sie etwas anfangen und auch mit dem Schicksal, dass ihr wohl widerfahren war. Leider gab es viel zu viele Kinder, denen es so erging. Ein Geist, der sich nicht einsperren lässt? Aber welches Kind ließ sich schon gern einsperren? Wurde sie etwa eingesperrt? „Und welcher Art sollte die Verewigung in meinem Handpuppentheater sein?“, fragte sie nach, denn so ganz verstand sie diesen Gedankengang des Corvae nicht.

    „Das mag in gewissen Bereichen durchaus zutreffen. Aber Abwechslung ist die Würze des Lebens. Sie verleiht ihm seinen Geschmack“, gab die Dheoran zurück und lächelte leicht. „Doch das muss ja auch jeder für sich selbst wissen, wie neugierig er sein will oder eben nicht.“ Warum sie darüber nun diskutierten? Immerhin hatte Mordecai ja durchaus bewiesen, dass er durchaus neugierig sein konnte.

    „Scheint ganz so“, gab sie bekannt, auch wenn sie wusste, dass er und sie dennoch sehr unterschiedlich waren. Und das nicht nur in der Optik, sondern auch, wie sie vom Rest der Bevölkerung gesehen wurden. Sie nickte bestätigend ob seiner fragenden Wiederholung ihrer Tätigkeit. „Sehr gern, wir heißen Besucher immer gern willkommen und teilen unser Feuer gern.“ Sie lächelte noch immer und bestätigte ihre Einladung damit.

    „Bunte Steine und Murmeln“, wiederholte nun sie und nickte leicht. „Wie alt ist sie denn?“, fragte sie dann noch nach, denn das Alter machte ja auch viel aus. Tasha musste mehr als nur Schmunzeln, als ihr Tanzpartner von den Murmeln im Wohnwagen sprach. „Nun, immerhin habt Ihr hier den ein oder anderen Vorteil auf Eurer Seite“, gab sie belustigt zurück. Sie kannte das nur zu gut, denn ihr Zug hatte so einige Kinder im unterschiedlichsten Alter. Die Dheoran nickte leicht. „Das kann ich gern tun. Nur dazu müsste ich noch etwas mehr über Eure Ziehtochter wissen… Vielleicht fangen wir beim Namen an?“

    Vermutlich hatte jeder Verwalter andere Aufgaben, weshalb Tasha, nachdem Mordecai weder die Anzahl der Plakate nannte noch darauf eingehen wollte, was man neben dieser tun konnte sonst so tun konnte, das Thema fallen ließ. Sie würde niemandem etwas aufdrängen, worüber er nicht reden oder nachdenken wollte, oder eben, entscheiden konnte. Sie ließ sich dann lieber wieder mehr von der Musik bezaubern und nahm diese mit jeder ihrer Bewegungen auf. Immerhin liebte sie, so wie ihr Volk Musik, auch wenn ihre Lieder und Balladen hier und da mal schwerer waren, als die fröhlichen Tanzlieder, die nun hier gespielt wurden.

    “Wir bewegen uns weiter, öffnen neue Türen und tun neue Dinge, weil wir neugierig sind und die Neugier uns immer wieder auf neue Wege führt”, gab Atashkada mit einem kleinen Schmunzeln zurück. Denn sicherlich kannte sie auch die Aussage, dass Neugier gefährlich war, aber sie war nunmal ein stetiger Antrieb. “Ich gehöre einer Familie von Fahrenden an unser Handwerk ist vielfältig, aber mich begeistert die Akrobatik und auch besitze ich ein Handpuppentheater. Aus dem Feuer des Nelio ist der Name unserer Familie und der sagt aus, dass Nelio unser, nun sagen wir Oberhaupt ist”, gab sie bereitwillig Auskunft, hielt sich aber dennoch auch etwas zurück, da der Corvae die Dheoran vielleicht als Volk nicht kannte. “Vielleicht besucht Ihr unser Lager ja irgendwann einmal, so lange wir noch vor der Stadt lagern”, bot sie ihm an.

    Die Schwarzhaarige lauschte den Worten ihres Tanzpartners und fragte sich sogleich, was seiner Ziehtochter zugestoßen sein mochte, denn so klang es. Ein Fluch? Sie kannte sich mit Flüchen etwas aus, immerhin waren die Dheoran unter anderem auch dafür bekannt, doch wollte sie das dem Fremden nicht direkt auf die Nase binden. Vor allem könnte ihre Überlegung auch sehr vorschnell zu Ende gedacht gewesen sein. “Ich weiß leider gar nicht, was ich dazu sagen soll. Außer, dass es mir sehr leid für Eure Ziehtochter tut. Aber sie wird ihren Weg mit Eurer Hilfe sicherlich finden.” Sie meinte es ernst und aufrichtig. “Eine Spieluhr ist eine sehr schöne Idee finde ich, so wie das andere auch. Oder gibt es vielleicht etwas, das sie sammelt?”

    „Wie viele sind so viele?“, wollte Atashkada von dem Corvae wissen, da sie neugierig war, in wie viele Plakate ein Zirkus wohl investierte. Immerhin waren diese nicht ganz günstig und je nach deren Größe kostete es auch Zeit diese anzufertigen oder anfertigen zu lassen. Und bei so einer großen Stadt… Ihre Familie und sie handhabten ihr Erscheinen anders. Eine kleine Gruppe der Familie kam zusammen, besuchte den Markt am Markttagen und vollführten einen kleinen Auftritt. Mundpropaganda war günstiger und kam dennoch überall an. Vor allem mussten die Leute dazu nicht lesen können. Und dann gab es noch das Handpuppentheater, das sehr wohl auch verbreitete, dass sie nahe der Stadt waren.

    „Ich muss gestehen, wir sind noch nicht so lange hier und ich habe mich noch nicht zu viel in der Stadt umgesehen, vielleicht liegt es auch einfach nur daran“, versuchte sie den Verwalter des Zirkusses zu beruhigen, da er etwas besorgt wirkte. „Vielleicht solltet Ihr eine kleine Aufführung in jedem der Stadtviertel veranstalten? Dort könnten die Auftretenden vielleicht ein paar Münzen verdienen und auf den Zirkus aufmerksam machen?“, schlug sie dem Rabenmann vor.

    “Braucht er nicht. Aber Ihr sagtet selbst, ihr vergönnt es Euch sonst nicht. Also gibt es einen Grund, oder etwas hat sich geändert. Ich war nur neugierig", gestand sie ein, ohne weiter nachzubohren, denn wer solche Gegenfragen stellte, wollte meist nicht antworten und damit war sie auch zufrieden. Doch dann verriet er ihr es doch. „Wirklich schade, dass sie das Fest nicht mit Euch genießen kann. Aber Eure Idee ist wunderbar. Sie wird sich sicherlich sehr darüber freuen. Habt Ihr schon etwas im Auge, was es werden könnte?“