Posts by Crispin

    Zendayas Hand auf seiner eigenen war weich und warm - so beruhigend und so aufregend zugleich. Crispin sah darauf hinab und lächelte unwillkürlich. "Das glaube ich auch. Immerhin hat er es all die Jahre sorgsam bewahrt." Für ihn stand außer Frage, dass auch er es in Ehren halten würde. Da war so viel, was er diesem Mann zu verdanken hatte.... Und ja... scheinbar hatte er unter Zendayas Leuten Freunde gefunden. "Das kann ich jedenfalls bestätigen." schmunzelte der junge Mann dazu, dass man mit den Dheoran nur Gutes verbinden könnte. Er beschloss, später noch einmal über all das nach zu denken.

    "Na die ungebetenen Gäste dort in der Ecke." lachte Crispin. "Ihr müsst mir nur versprechen, vorsichtig zu sein. Fritzchen ist recht zahm. Aber das dicke Graue ...... nicht." Und es hatte scharfe Krallen und lange Zähne. Und überhaupt kein gutes Benehmen. Crispin holte Luft, atmete dann aber nur ergeben aus. "Nehmt den Beutel dort mit." Er deutete auf ein Säckchen im Regal. "Die mögen sie gern."

    Crispin ging an Zendaya vorbei zu der Ecke mit dem dubiosen Blätterhaufen und winkte der Dheoran, ihm zu folgen.

    "Nun... ja." Crispin lächelte, offensichtlich ein wenig überfordert. "Ich denke, ja. Es hing über seinem Bett..." Welches inzwischen sein eigenes Bett war, was sich hier und da noch immer seltsam anfühlte... "Ich denke, ja." wiederholte er etwas resoluter. "Es war von Eurem Volk und ich denke, es war ihm wichtig.... es hat einen Ehrenplatz verdient." Sein Blick suchte den von Zendaya. "Mein Onkel ist lange Jahre kreuz und quer über diese Insel gereist. Er hat mir viel davon erzählt. Offenbar nicht alles.... Mit Eurem Volk verband ihn wohl viel Gutes..." Es waren zu viele Gedanken, die gerade über ihn hinweg schäumten, gleichsam den Schaumkronen der Wellen des Meeres in dem ewigen Spiel von Ebbe und Flut.

    Wie viel leichter und angenehmer war es da, das andere Thema aufzugreifen? Jungfrauen in Not.... Crispin versuchte vergeblich, das Lachen zu unterdrücken, welches sich in seinem Bauch aufbaute und energisch gegen seinen Brustkorb klopfte. "Und wie auf der Straße sitzen!" nickte er verschwörerisch. "Nicht wahr?" rief er etwas lauter und es keckerte erneut.

    Es war eine willkommene Unterbrechung in einem Moment, den Crispin gar nicht mal vor der süßen jungen Dheoran geheim halten wollte - von dem er nur selbst gerade gar nicht wusste, wie er damit umgehen sollte. "Wollt Ihr sie sehen?"

    "Der Glückliche!" bekannte Crispin frei und zog dann eine Augenbraue empor. "Das gibt aber viele Tränen bei den anderen neunundvierzig, das wisst Ihr."Es war halb Frage, halb Feststellung - so oder so begleitet von einem Lachen. Und auch mit Kindern kannte die junge Dheoran sich aus. "Genau meine Meinung."

    Crispin warf einen weiteren Blick zu dem Blätterhaufen in der Ecke hinüber, nachdem er Zendaya das Bild ausgehändigt hatte und wieder bei Atem war. "Ein Haustierchen?" fragte er mit gespieltem Entsetzen. "Nur über meine Leiche." Er blinzelte verschwörerisch. "Ungebetene Gäste trifft es eher." Ein wenig atemlos tätschelte seine Brust und räusperte sich. "Ich wollts lieber nicht drauf ankommen lassen." schmunzelte er dazu, dass sie nicht weglaufen wollte, denn einen so anregenden Abend hatte er in der Tat schon lange nicht mehr erlebt.

    Gebannt sah er zu, wie Zendayas feingliedrige schlanke Finger über die Knoten und Holzperlen glitten und spitzte neugierig lächelnd die Ohren zu ihren Worten. Als Zendaya ihn wieder ansah, war sein Lächeln einem Stirnrunzeln gewichen. Bedächtig nickte er zu ihrer Einschätzung der ..... nun, man konnte es wohl Botschaft nennen. Oder Zuspruch? Er lächelte die schöne junge Frau an und sagte nachdenklich. "Er hat mir nie gesagt, was es bedeutet. Nur, dass es von den Dheoran sei und dass Eure Leute es lesen könnten."

    "Dass Euch fünfzig und mehr Männer zu Füßen liegen könnten?" Crispin nickte mit schelmischem Grinsen. "Na und ob. Ich hab schließlich Augen im Kopf." Und dass die junge Dheoran schön und bezaubernd zugleich war, ließ sich nicht abstreiten.

    Zendayas Beschreibung des Handpuppentheaters machte ihn neugierig. Puppen mit Texten und Musik klang nach einem faszinierenden Erlebnis - nicht mal nur für Kinder. "Ich freue mich darauf." lächelte er aufrichtig, konnte den Spaßvogel in ihm aber nicht ausblenden, der sich mit sehnsuchtsvoller Miene die Hand aufs Herz legte. "Ach Teuerste - Ihr und ich und ein Stall voll Kinder. Da wird mir das Herze warm und die Knie ganz weich." Crispin grinste von einem Ohr bis zum anderen. Ein Körnchen Wahrheit lag drin, denn Kinder kannte er einige und da würde er mit seiner aufregenden Bekanntschaft ganz schön Pluspunkte sammeln können.

    An Enttäuschung glaubte Crispin keinesfalls, .... "Papperlapapp!" .... deshalb wischte er diese Worte mit lockerer Handbewegung beiseite. Er nickte eifrig, als Zendaya seine Worte als Frage wiederholte und schüttelte den Kopf zu den Umständen. "Entschuldigt mich nur kurz." bat er und eilte die Treppe auf der anderen Seite des Raumes hinauf, stieß an der Decke eine Falltür auf und verschwand für kurze Zeit. Ein leises Keckern war zu hören. Als Crispin die Treppe wieder hinunter sauste, war das Keckern lauter zu hören. Der junge Mann hob mahnend den Finger zu etwas, das aussah wie ein brusthoher Blätterhaufen in der hinteren Ecke des Raumes. "Ruhe!" schimpfte er ohne hinzusehen. "Wer jetzt stört, fliegt raus!"

    Wieder bei der jungen Dheoran angekommen war Crispin ein wenig ausser Atem als er ihr das Mitbringsel überreichte. Zwei etwa fingerdicke und vielleicht zwei Hände lange glatte Holzstäbe mit jeweils einer Kugel an den Enden und dazwischen eng aufgezogene verschiedenfarbige Lederriemen, die teils verflochten, teils verknotet waren oder durch Holzperlchen in unterschiedlichen Farben und Größen zusammen geführt wurden - wie ein kleines Bild aus Schnüren, Knoten und Perlen. "Mein Onkel meinte, Dheoran könnten es ...... lesen?"

    "Das glaube ich Euch wohl." Crispin lachte. Verehrer konnte man wohl nie genug haben. "An welcher Stelle werde ich mich einsortieren müssen? Platz fünfzig? Oder noch weiter hinten?" Wie viele Städte gab es noch mal auf Beleriar?

    Dem jungen Mann entging der kurze Stimmungswechsel nicht, welcher sich in den ausdrucksvollen Zügen seines schönen Gastes widerspiegelte. Er bedauerte das, nur gab es im Verhältnis zu seinem Erzeuger leider nichts zu beschönigen und ganz sicher war es kein Thema für ein unbeschwertes erstes Kennenlernen. Vielleicht an einem anderen Ort, an einem anderen Tag...

    Zendayas Familie war dafür offensichtlich wesentlich besser geeignet. "Ein Handpuppentheater." wiederholte Crispin fragend. Er konnte sich darunter nichts vorstellen aber... "Das klingt spannend. Was genau ist es?" Theater sagte ihm natürlich etwas. Für Kinder? Er grinste ein wenig boshaft... "Und werdet Ihr mich dann auch schön an die Hand nehmen, damit ich brav bin?" ... und zwinkerte der jungen Frau zu, dass es nur ein Spaß sei. Obwohl.....

    "Auf die Akrobaten bin ich gespannt." Das war er wirklich. "Ihr werdet Leben in die Stadt bringen, dass wird die Leute sehr freuen." Er lächelte bei der Vorstellung. Strich sich dann durch die Haare. "Ich habe oben etwas von den Dheoran." Eigentlich sein Onkel, aber wie die Dinge nun einmal standen..... "Möchtet Ihr es sehen? Dann hol ich es runter."

    "Hui...." Crispin schürzte die Lippen und riss die Augen weit auf. "Jetzt werd ich doch tatsächlich nervös." behauptete er, obwohl er es angesichts des fröhlichen Lächelns auf dem aparten Gesicht vor ihm natürlich nicht war. Fasziniert sah er der jungen Frau bei ihren leichtfüßigen Bewegungen zu und lauschte der melodiösen Stimme, während er ihr Lied amüsiert schmunzelnd aufgriff, in die Hände klatschte und sich sanft im Takt hin und her wiegte. "Wenn Ihr so weiter macht, Teuerste, werde ich heute Abend noch zu Euren wundervollen Füßchen hinabsinken und Euch ewige Liebe und Treue schwören." warnte er die anmutige Dheoran grinsend und mit schalkhaftem Funkeln in den Augen, als Zendaya ihre kleine Vorführung beendete.

    Er würde sich nicht sofort alle verwandtschaftlichen Beziehungen merken müssen. "Das klingt gut!" flötete er erleichtert und neigte etwas den Kopf, während er Zendayas Worten aufmerksam lauschte. Er nickte dazu und lächelte. "Das klingt sehr schön." bekannte er am Ende freimütig.

    Nun waren sie einander auch offiziell vorgestellt, beschloss Crispin für sich. "Die Ehre ist ganz meinerseits." Eine erneute Verneigung. Wie bei hohen Damen und Herren lachte es in seinem Inneren bevor er augenrollend die Stirn runzelte. "Da ist noch mein Vater." sagte er achselzuckend. "Aber glaubt mir: über den wollt Ihr nix wissen. Ich hasse den so, wie der mich." Mit schiefem Grinsen hob er die Achseln und griff nach seinem Teebecher. Er prostete der jungen Dheoran augenzwinkernd zu. "Erzählt lieber noch etwas mehr von Eurer Familie. Sind auch Schauspieler darunter? Oder Kunsthandwerker?"

    Das klang spannend in Crispins Ohren. Das Gegenteil. "Was mag wohl das Gegenteil sein von davon gejagt werden?" fragte er amüsiert. Lob und Preis und Ehr? Bei der Vorstellung lachte er leise auf.

    "Natürlich." bestätigte der junge Mann die Frage nach Festbesuchen. "Was kann es Schöneres geben als feucht-fröhliche Abende mit Musik, Tanz, bierbeseelten Geschichten und Liedern?" Die niemals zu enden schienen, weil irgendeiner immer noch einen einzigen letzten trinken wollte, bevor..... Crispin schüttelte sacht den Kopf bei der Erinnerung und grinste.

    "Klingt kompliziert." gestand er der jungen Dheoran offenherzig. "Ich hoffe nur, es gilt bei Eurer Familie nicht als Unhöflichkeit, wenn man öfter hören muss, wer mit wem wie verwandt ist, um es zu behalten. Wie ist das so, wenn man so viel Familie immerzu um sich hat?" Das fragte Crispin sich wirklich. Wobei.... wenn sie dort alle so umgänglich und liebreizend waren, wie die junge Frau, die hier vor ihm stand, dann war die Vorstellung schon weit weniger schwierig.

    Zu Zendayas Beileidsbekundung nickte Crispin knapp, wenn auch nicht undankbar. "Nairod." nannte er den Namen und stellte den Teebecher für den Moment ab, um sich die Hand auf die Brust zu legen und seine tiefste Verbeugung vor der Dheoran zu machen. "Crispin Nairod, Verehrteste - zu Euren treuen Diensten." lachte er schon wieder. "Er war der Bruder meiner Mutter."

    Crispin stütze einen Arm auf die Ablage, wo ihre Teebecher standen, legte den Kopf auf die Seite und blickte der jungen Frau prüfend ins Gesicht. War da nicht etwas Rot in diese weiche glatte Haut ihrer Wangen gestiegen? Charmeur nannte sie ihn. Er schmunzelte und zwinkerte der jungen Dheoran zu. "In der Liebe und im Krieg sind alle Mittel erlaubt, sagt man."

    Ein Blick durch die Fenster verriet ihm, dass der Abend inzwischen herein gebrochen war und zwar schon seit einer Weile. "Ich verlasse mich da ganz auf Euch, ab wann es noch als Rettung gilt, wenn ich Euch begleite und ab wann als Unverschämtheit, wegen der man mich in Schimpf und Schande davon jagen wird." Er grinste erheitert ob dieser Vorstellung und griff nach seinem Teebecher, um es mit einem vorsichtigen kleinen Schluck zu versuchen.

    "Nun...." begann er dann stirnrunzelnd. ".... ich nehme an, dass unsere Stadt für den Adel und die reichen Kaufleute tatsächlich so einiges an Kurzweil und Aufregung zu bieten hat. Für die allermeisten Leute hier ist der tägliche Kampf ums Dasein allerdings schon aufregend genug, fürchte ich." Crispin lächelte. "Aber natürlich gibt hier und da auch Festlichkeiten für alle."

    Er war nicht wenig erstaunt. "Alle, die in Eurer Gruppe mitreisen, sind mit Euch verwandt?" Das waren manchmal nicht wenige, dass wusste Crispin. "Und Euer Großvater ist dann das Familienoberhaupt?" Der Blick des jungen Mannes sank zu Boden, nachdem er noch einen weiteren kleinen Schluck Tee zu sich genommen hatte. "Carnels Allerlei Nützliches und Skurriles." antwortete er. "Das Haus und der Laden gehörten zuvor meinem Onkel und zum Andenken hab ich den Namen gelassen."

    "Solange es nur Euer Herz höher schlagen lässt, schöne Zendaya!" zwinkerte Crispin unverfroren und wischte andere Damenherzen mit einer lässigen Handbewegung beiseite. Als die junge Dheoran den unsichtbaren kleinen Schmetterling wieder in ihr Herz führte, nickte er lächelnd. Sie unterschied sich schon sehr von den Frauen, auf die er sonst so traf.

    Etwas Mühe bereiteten ihm Zendayas nächste Worte und er war sich nicht sicher, ob er deren Sinn richtig erfasst hatte. "Keine Sorge, wir brechen auf sobald wir den Tee ausgetrunken haben. Einverstanden?" versuchte er es aufs Geradewohl. Gedankenverloren rührte er mit dem Stäbchen in seinem Tee herum, während er der Route der Dheoran lauschte. Es faszinierte ihn, wie leicht ihr die Namen der Städte von den Lippen gingen und schüttelte mit leisem Bedauern den Kopf. "Nein. Leider bin ich in meinem bisherigen Leben nur innerhalb dieser Stadtmauern herum gereist. Nicht sonderlich aufregend." Was zumindest die halbe Wahrheit war. "Ihr sagtet vorhin etwas..... "aus dem Feuer des Nelio", erinnerte Crispin die Worte und blickte die junge Frau neugierig an. "Ist das so etwas wie Euer Familienname?"

    "Das glaube ich aber auch." Gespielt pikiert tätschelte Crispin seinen flachen Bauch und grinste dann zu der Wortverdrehung. Genau sein Humor. "Rank und schlank." Eine seiner Brauen hob sich boshaft, als Zendaya beteuerte, es mit Kuss und Bett nicht ernst gemeint zu haben. Hätte er es mal drauf ankommen lassen sollen...?

    Bedeutungsschwanger drehte er die erhobene Faust noch einmal hin und wieder her und öffnete sie dann langsam, nachdem die junge Frau seinen Vorschlag zur Begleichung ihrer Schuld angenommen hatte. Sein Blick schien den zarten Flügelschlag eines kleinen Schmetterlings zu verfolgen, der von seiner Handfläche abhob und den nur er selbst sehen konnte. Die verschnörkelte Flugbahn des imaginären Wesens oder Dings endete schließlich im Antlitz der jungen Dheoran.

    "Na klar." lachte Crispin vergnügt. "Ich kenne hier doch alle Fluchtwege und Verstecke. Seht es doch einmal so, Teuerste: Ihr besorgt damit, dass ich eine friedvolle Nachtruhe haben werde und mich nicht voller Sorge um Euer ungewisses Schicksal unruhig und schweißgebadet von einer Seite meines Bettes auf die andere werfe." Er hatte dazu bedeutsam genickt und eine oberlehrerhafte Miene aufgesetzt, die am Ende in ein vergnügtes Lächeln zerstob.

    Er langte nach einem Metallstäbchen, um damit den Deckel des Steinguttopfes aufzustemmen und sich mit dem geplätteten Ende eine Portion Honig für seinen Becher heraus zu drehen. "Nur zu." nickte er Zendaya zu, es ihm gleich zu tun. "Erzählt mir ein bisschen von Euch." bat er dann. "Wie lange seid Ihr schon in der Stadt und aus welcher Richtung seid Ihr gekommen?"

    "Natürlich!" Crispin grinste breit. Wer bekam nicht gern Komplimente? "Eitelkeit ist ein prächtig glänzendes Fell, welches ausgiebiger Pflege bedarf." gestand der junge Mann offenherzig ein, wobei er die Wahrheit mal wieder so übertrieben würzte, dass es nicht so ganz leicht war, einzuschätzen, wie ernst er es wirklich meinte.

    Er hatte seinen Spaß daran, dass Zendaya seine "Offenbarung" auch gleich mit weiteren Komplimenten versorgte. "Für mich bitte mit Honig." Ebenso daran, dass die junge Frau scheinbar auch ein Leckermäulchen war, wenn es um Süßes ging. Er seufzte theatralisch... "Hach ja.... Komplimente und Honig - der Luxus der kleinen Leute." ...und hoffte, dass die Lachfältchen in seinen Augen ihn nicht zu offensichtlich verrieten. Richtig schlau wurde er aus der Antwort der jungen Frau zu seiner Einladung nicht, allerdings konnte er es ihr nun wirklich nicht verübeln, wenn ihr Interesse an seinem Krimskrams hier drinnen doch nicht sonderlich ausprägt wäre und sie nur viel zu charmant und freundlich war, ihm das auf die Nase zu binden.

    Zendaya entschied sich tatsächlich zu einem zweiten Rateversuch und Crispin sah ihr amüsiert und zugleich bezaubert dabei zu, wie sie überlegte. Ob sie sich ihrer Ausstrahlung wohl bewusst war? Ein guter Geist musste dafür gesorgt haben, dass so ein Tee erst noch ziehen musste, bevor man ihn zu sich nehmen konnte, sonst hätte Crispin sich bei dem "Kuss" auf jeden Fall daran verschluckt. Aber auch ganz ohne Tee erlitt er zwischen Protest und Lachsalve einen Hustenanfall bei Zendayas Worten. "Ihr habt ja eine tolle Meinung von mir als edlem Ritter und Retter von Jungfrauen und Waisen." krächzte er, als das Schlimmste vorüber war. Bettgeschichten - du liebe Güte. "Nun...." immer noch lachend hob er die geschlossene Faust wieder etwas empor, um die Frage zu beantworten ".... wie wäre es damit: Wir trinken in Ruhe aus, plaudern dabei ein wenig und dann gestattet Ihr, dass ich Euch zu Eurem Lager begleite. Nur für den Fall, dass diese beiden Halunken noch irgendwo hier in der Nähe herumstrolchen sollten."

    "Na mitten ins Herz!" seufzte Crispin ergeben und legte seine freie Hand auf die entsprechende Stelle seines Brustkorbs, um der Inbrunst der Worte Nachdruck zu verleihen. "Welch besserer Lohn könnte einem edlen Ritter denn sonst zu teil werden als dieses?" Nur die spöttisch funkelnden Augen straften seine heroischen Worte Lügen.

    Zendaya hatte bereits alles vorbereitet, kleine metallene Teeeier steckten in den Becher, ihre kleinen Kettchen hingen über den Rändern und Crispin war gespannt, welchen Tee sie wohl ausgesucht hatte. Mit dem Kinn deutete er zu einem handlichen Topf Steingut, der mit einem pfropfartigen Deckel verschlossen an der Wand stand, überließ ansonsten aber das Geschäft der weiteren Teezubereitung der jungen Frau. "Honig, wenn Ihr mögt." Eine handvoll dünner metallener Stäbchen mit breit geklopftem Ende stand in einem Becher daneben. Crispin hatte ihre andere Frage nicht vergessen und lud die junge Dheoran ausgesprochen gern zu weiteren Besuchen ein. "Kommt her, wann immer Ihr Lust habt und es Euch nach staubigen alten Gerätschaften verlangt, Zendaya." Sein Lächeln war nunmehr freundlich und ehrlich. Vielleicht ein wenig ungläubig, weil sich derart schöne und anziehende Frauen in seiner Welt bislang nicht für solcherlei Dinge interessiert hatten.

    Crispin ließ Körper und Schultern in übertriebenem Schauspiel herunter sacken. "Das war wirklich schlecht geraten!" lachte er dann belustigt, ohne sie beleidigen zu wollen sondern nur, weil Zendaya es bereits eingestanden hatte. Wobei...... "Unbedingt möchte ich einen Abend in Eurem Lager mit Euch und den Euren verbringen....." gestand er ein. Wer könnte das nicht wollen? ".... nur ist das natürlich nicht ausreichend um eine solche Schuld abzutragen." Augenzwinkernd deutete er auf die geschlossene Faust. "Noch ein Versuch?"

    "Hmmmmmm...." Crispin tat so, als müsse er nachdenken, grinste am Ende aber breit. "Also ich setze auf die Meisterin." erklärte er siegesgewiss und folgte mit den Augen den Worten der jungen Dheoran zum Destilliergerät auf der Arbeitsplatte. "Gern, wenn es Euch interessiert." Ein wahrlich ungewöhnlicher Wunsch für eine so bezaubernde junge Frau. Faszinierend! "Aber heut Abend nicht mehr, einverstanden?" Gerade interessierte der junge Mann sich weitaus mehr für seinen unerwarteten Gast als für das Sammelsurium von Konstruktionen in seiner Werkstatt.

    Zendaya entschied sich für Tee und wechselte um die mittige Arbeitsplatte herum zu dem Wandregal auf das Crispin gezeigt hatte, um die verschiedenen Tütchen, die sein Teesortiment bildeten, zu inspizieren. Ganz natürlich bewegte sich die junge Dheoran durch seine Werkstatt und Crispin hatte seinen Spaß daran, dass sie es so vollkommen ungekünstelt tat. "Nein nein. Tee ist wunderbar." gab er zurück und entschied sich, auch noch die letzte Portion der Blütenschnipsel ins Gerät zu geben, welches die Arbeit nun ohne ihn zu Ende führen konnte. " Früchtetee ist in den hellen Beuteln, Kräutertee in den Dunklen. Sucht einen für uns aus." forderte er Zendaya auf, neugierig, was sie wohl wählen mochte und weil - anders als in seinem Laden - an der Schnürung eines jeden Tütchens ein kleines Etikett mit Abbildern der jeweiligen Geschmacksrichtung hing.

    Seinerseits umrundete Crispin den Arbeitstisch auf der anderen Seite, wo er an der offenen Feuerstelle des Raumes vorbei kam. Dort schob er seinen Wasserkessel über die glühenden Kohlen im hinteren Bereich, nicht bevor er diese mit dem Blasebalg noch einmal kurz angefacht hatte. Gut, dass Zendaya das amüsierte Funkeln seiner Augen nicht sehen sondern nur seine halb lachende halb seufzende Stimme hören konnte. "Und WIE es mich trifft, wenn so betörende Lippen mich Meister nennen. Und dann noch gleich zweimal hintereinander." Kaum quoll der erste Wasserdampf aus dem kleinen Kessel, ergriff Crispin denselben.

    Mit dem heißen Wasser in der einen Hand und der triumphierend hochgehaltenen Faust kam er offensichtlich vergnügt bei Zendaya an. "Mir schwebt da schon etwas vor, womit Ihr Euch freikaufen könntet." grinste er spitzbübisch. "Erratet Ihr, was es ist?" Den kleinen Kessel platzierte er auf dem bereit stehenden Stövchen.

    "Entweder das." Crispin grinste breit. "Oder Ihr seid einfach eine Meisterin Eures Fachs." stellte er der jungen Dheoran einen alternative Möglichkeit zu verfrühten Vorschusslorbeeren vor. "Vielleicht finden wir es noch heraus." Wenn Zendaya von ihrer Gruppe sprach, dann bedeutete das wohl, dass ein ganzer Wagenzug der Dheoran in der Stadt angekommen war. Das war eine gute Nachricht, sie versprach Kurzweil am Tag wie auch am Abend - erstaunliche Darbietungen, fliegende bunte Kleider und fröhliche tanzende Leute. Der Besuch eines Dheoranlagers hatte für jedermann etwas zu bieten.

    Crispins Augen funkelten in sanftem Spott, während er eine Hand hob und zu einer lockeren Faust ballte. So betrachtet sollte er den beiden Schuften wohl dankbar sein, denn ohne deren freundliche "Unterstützung" hätte Zendayas Weg sie kaum in seinen Laden geführt und das, gestand er sich freimütig ein, wäre doch wirklich sehr bedauerlich gewesen. "Richtig...... Ihr steht ja ohnehin schon in meiner Schuld......" Vielsagend betrachtete er seine Faust von vorne und von hinten, als ob Zendaya nicht vor ihm stehen würde sondern in seiner Hand gefangen wäre. "Da hab ich Euch nun...."

    Dann allerdings musste der junge Mann offenherzig grinsen als er Zendayas Worte zu den ihr angeboteten Getränken hörte. Als ob nicht seine Faust sondern ein weitaus größerer Gegenstand vor seinem Gesicht in der Luft hängen würde, linste er um selbigen herum zu Zendaya hinüber. "Wenn es unverschämt wäre, wäre nicht ich dann noch unverschämter, weil ich es überhaupt angeboten habe?" fragte er belustigt und wedelte mit dem Daumen seiner freien Hand über die Arbeitsplatte hinüber zur anderen Seite der Werkstatt, wo in einem Wandregal gut erkennbar einige Becher und einige kleine Beutel aufgereiht standen. "Tee gibts dort drüben, Teuerste Dheoran."

    Na, die Freude war doch mal ganz seinerseits. Ähhhhh...... "Genau! Seife!" strahlte er die junge Frau nickend an und nahm sich vor, sie später unbedingt noch danach zu fragen, woher sie dergleichen wusste. Es passierte ihm wahrlich nicht oft, dass Besucher eine Idee davon hatten, was er hier hinten in seiner Werkstatt mit all den Gerätschaften und Aufbauten so alles trieb und er begann, sich ernsthafter für diese Schönheit zu interessieren. Seife.... du liebe Güte. Wobei..... welche Wirkung das wohl erzielen würde.....? Also wenn man sich mit diiieser Seife am ....Crispin hatte etwas Mühe, die unwillkürlich in ihm aufkeimenden Gedanken am Kragen zu packen und schleunigst aus seinem Kopf hinaus zu befördern.

    Sein später Gast war so entzückend, ihm dabei zu helfen, erst recht als die Dheoran sich auch noch sehr anmutig im Kreis herum drehte und tief in einer edlen Verneigung versank., die ungewöhnlichen Augen zwinkerten strahlend zu ihm empor. "Glaubt mir, Teuerste - denen seid Ihr jetzt schon gerecht geworden." er nickte übertrieben hingerissen. Aus dem Feuer des Nelio hatte Zandaya gesagt und Crispin meinte zu erinnern, dass dies etwas mit Abstammung zu tun hatte? war sich aber nicht sicher und nahm sich vor, selbiges ebenfalls noch zu erfragen.

    Seine Augen beobachteten, wie Zendaya sich erhob und sein Lächeln wurde ernster als die junge Frau nun von den Männern sprach, die sie verfolgt hatten. Zu ihren Vermutungen nickte er sacht, vermied es aber, dazu noch etwas zu sagen, weil es zu einem solchen Vorfall nun wirklich nur Unangenehmes zu sagen gegeben hätte - zog dann allerdings am Ende spöttisch eine Augenbraue empor. "Ihr sucht nun nicht ernsthaft die Schuld für solcherlei Abschaum bei Euch, oder?"

    "Nein, nichts passiert! Da könnt Ihr ganz beruhigt sein." versicherte Crispin der jungen Frau ganz ohne Flax, nachdem er noch einmal seine Gerätschaft in Augenschein genommen und erneut einige Blütenschnipsel nachgefüllt hatte und sich wieder aufrichtete. "Wie wäre es mit einem Tee? Oder......." angesichts des Schreckens, den sie kurz zuvor noch erlitten hatte ".... doch lieber einen Schnaps?" Sein fragender Blick musterte das aparte Frauenzimmer vor sich von oben bis unten.

    Oder ob er die Ladentür an diesem Abend noch ein weiteres Mal würde versperren müssen. Aber nein, sie war schon durch die Tür getreten und näherte sich mit anmutigen Schritten. Hier, bei Lichte betrachtet, entpuppte sich die Bekleidung der schönen junge Frau - in gedämpften Farben gehalten - ebenfalls als adretter Anblick. Er grübelte kurz..... Zendaya ....hatte sie gesagt.

    "Der Sir nennt sich Crispin." erklärte er amüsiert und trat ein wenig beiseite. Es gefiel ihm, dass die junge Frau ganz unverhohlen und ohne Allüren seine Destillierapparatur betrachtete und auch noch mit einer intelligenten Frage dazu aufwartete. Trotzdem war er nicht traurig darum, dass er gerade diese Apparatur heute Abend im Einsatz hatte - und nicht etwa gerade einen großen Kessel mit einem Berg von Knochen auskochte. "Clever!" Sie hatte es nicht ganz getroffen, war aber verdammt nah dran für diesen kurzen Eindruck. Crispin nickte anerkennend mit breitem Grinsen und erwiderte unbekümmert den Blick in die Augen seines Gastes.

    Und auch dieser Anblick war außergewöhnlich. Außergewöhnlich ungewöhnlich. Gesehen hatte er dergleichen noch nie, aber jetzt, wo er es sah, erkannte er es aus den Erzählungen seines Onkels. So also sah es aus, wenn man einer Dheoran so nah gegenüberstand, deren Augen kaum eine Pupille aufzuweisen schienen.

    "Ihr seid vom Fahrenden Volk - nicht wahr, Zendaya?" platzte es überrascht und erfreut aus ihm heraus. "Welch ein Glanz für diese Hütte!" Ein so angenehmer, weil spannender Besuch war Crispin zu abendlicher Stunde schon lange nicht mehr vor die Tür gelegt worden. Oder besser - gejagt worden. "Haben diese Kerle Euch belästigt?"

    Crispin hielt unwillkürlich den Atem an, bis das leise, vertraute 'schnapp..schnapp' des Schlüssels zu hören war, welches ihm verriet, dass sich der Riegel tief in den mächtigen Türbalken geschoben hatte. Ihre fünf Sinne hatte der unerwartete Gast - denn nach Kundin wirkte die Situation nun wahrhaftig nicht - zum Glück noch beieinander, trotz ihrer hörbaren Furcht.

    Keinen Augenblick zu früh, denn sogar noch bevor Crispin ein weiterer Spaß entfleuchen konnte, versuchte abermals jemand, seine Ladentür zu öffnen. Verfolger gab es also schon einmal. Das Glöckchen schwieg beharrlich und Crispin sah es regelrecht vor sich, wie es mit verschränkten Ärmchen verächtlich das Näschen rümpfte. Der junge Mann versuchte, den gedämpften Stimmen zu lauschen, die von draußen zu ihnen herein drangen, aber so wirklich aussagekräftig war das, was er erhaschen konnte, nicht. Erst recht nicht, als die Stimmen sich entfernten. 'Na - wer ist hier nun der Bösewicht?' fragte er sich innerlich schmunzelnd, da er durchaus beides für möglich hielt.

    Die Frau fühlte sich nunmehr sicher genug, um aus ihrer Deckung heraus zu treten und wandte sich ihm zu. Seine Augen hatten sich mittlerweile an die bescheidenen Lichtverhältnisse gewöhnt und Crispin sah seinen ersten flüchtigen Eindruck bestätigt. Sehr jung und sehr hinreißend. Auch, wie sie fast beiläufig ihre Kleidung glatt strich und leicht in die Knie sank, war ein Anblick, der die späte Störung allemal wett machte.

    "Das bin ich, Verehrteste." bestätigte Crispin mit breitem Grinsen und ausgiebigem Nicken die Frage nach der Inhaberschaft des Ladens. "Aber meine vornehmste Professur ist selbstredend die Errettung bezaubender Jungfrauen vor den bösen Drachen der Nacht." versicherte er dann mit gespielt todernster Miene, während er sich an dem Anblick erfreute. Wirklich bezaubernd. Und duftig, wie er nun bemerkte. Duftig wie.......

    "Meine Blüten!" durchfuhr die Erinnerung an selbige den jungen Mann wie ein Blitz. Er raufte sich die Haare und machte auf dem Absatz kehrt. "Kommt nur ruhig mit!" winkte er der jungen Frau, ihm zu folgen und ließ die Verbindungstür dieses mal offen stehen. Er hastete zu seiner Apparatur, kontrollierte sie mit wachsamem Auge und füllte dann an einem Ende mit einer Pinzette einzelne zarte Blütenblätter nach.

    Sorgen machte Crispin sich nicht. Entweder, die Kerle draußen waren Diebe, welche die junge Frau hatten überfallen wollen - dann war sie vermutlich froh über noch etwas mehr Zeit in sicheren vier Wänden. Oder aber sie war eine Diebin, die erwischt und von rechtschaffenen Häschern verfolgt worden war - dann würde sie vermutlich die Gelegenheit ergreifen und sich verdrücken. Trotzdem vertraute Crispin auf die Ehre der Diebe, einen Helfer nicht zu bestehlen.

    Er legte die Pinzette auf der Arbeitsplatte ab und wandte sich der Verbindungstür zu - neugierig, ob der unerwartete Gast ihm tatsächlich gefolgt wäre.

    Auf seine Werkbank gestützt beobachtete Crispin konzentriert, wie die Apparatur vor seinem Gesicht ihre Arbeit tat. Hatte sich doch gelohnt, sie noch aufzubauen - die Blüten waren einzigartig - und so pfiffen seine Lippen zufrieden eine kleine Melodie vor sich hin. Bis sich unerwartet das helle "DingDingDing" seines Türglöckchens dazu gesellte und fast ein wenig empört klang. Crispin grinste bei dieser Vorstellung in sich hinein, da er offenbar mal wieder vergessen hatte, die Ladentür abzusperren und ihm seine wohlverdiente Nachtruhe zu gönnen. Beunruhigt war der junge Mann nicht. So manche seiner Kunden hatten verhältnismäßig wenig Probleme damit, ihm zu jeder erdenklichen seligen wie unerhört unseligen Zeit ihre Wünsche zu unterbreiten.

    So stieß er sich vom Tresen ab und trottete in Richtung der Verbindungstür, die seinen Werkstattbereich von seinem Ladenlokal trennte. "Bin schon da-ha." rief er halblaut, während er die Tür öffnete - und blieb stehen. Es war schon weitaus dunkler, als er gedacht hatte und der plötzliche Lichtwechsel zwang ihn, die Augen zusammen zu kneifen und zu blinzeln, bis er wieder etwas erkennen konnte.

    Aber dann.... hoppla! Mit dergleichen Kundschaft hatte Crispin zu so später Stunde nicht mehr gerechnet. "Je später der Abend desto hübscher die Kundschaft!" grinste sein Mund bevor sein Kopf die Situation überhaupt erfasst hatte. Crispins Mund war ein Fall für sich und hatte ihm schon viel Ärger eingehandelt. Verdammt viel Ärger. Weil immer wieder gern Worte seine Lippen verließen, die Crispin eindeutig besser mal hinunter geschluckt hätte.

    Immerhin stand dort tatsächlich ein ausnehmend hübsches Frauenzimmer. Das konnte er sogar im Halbdunkel des Ladens erkennen. Geduckt, dicht an die Tür gepresst, mit schnellem Atem und offensichtlich weitaus mehr an allem draußen auf der Gasse interessiert als an dem, was hier drinnen so alles rumstand, stand sie da. Instinktiv zog Crispin die Verbindungstür wieder hinter sich zu, damit der Lichtschein nicht nach draußen fallen mochte. Irgendwas .... war da komisch. "Ma'am?" flüsterte er halblaut ohne die Belustigung in seiner Stimme unterdrücken zu können. "Wenn Ihr den Schlüssel rum dreht, braucht Ihr sie nicht zu zuhalten."

    Der kleine Laden liegt etwas versteckt in einer der schmaleren Seitengassen des Händlerviertels - hinter den prächtigen Geschäften und Auslagen der reichen Kaufleute. An der Fassade prangt an zwei schweren gusseisernen Haken ein nicht mehr neues Schild auf dem in verschnörkelten Buchstaben "Carnels Allerlei Nützliches & Skurriles“ zu lesen ist. Wenn der Wind durch die ärmlichere Gasse pfeift, schaukelt es gemächlich und quietschend vor sich hin. Wer die schmale Tür öffnet, um den Laden zu betreten, wird vom hellen, aufgeregten Klang einer kleinen Türglocke begrüßt, welcher in krassem Gegensatz zu den dämmerigen Lichtverhältnissen steht, die den Besucher im Inneren erwarten. Etwas Vorsicht ist geboten in dem winzigen Verkaufsraum, denn der junge Mann hinter der Ladentheke, der einen mit freundlichem Lächeln und schalkhaftem Zwinkern in den haselnussbraunen Augen begrüßt und sich als Crispin Nairod vorstellt, scheint mit dem Einsortieren seiner Waren nie ganz fertig zu werden. Und so stehen dem Kauflustigen beim Nähertreten gern einmal Schachteln, Kisten oder Truhen unbeabsichtigter Weise als Hindernisse im Weg herum. Nur wenige der zahlreichen Waren sind mit einem Etikett versehen, verraten dem Besucher aber dennoch, dass er oder sie hier von Lichtquellen, Leim oder Rostlösung über Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel bis hin zu Feuerwerk oder duftiger Seife und Holzteer alles Erdenkliche erstehen oder zusammengerührt bekommen kann.