Posts by Zendaya

    Sie lächelte Crispin an ob seiner Worte, dass auch er selbst bestätigte, dass man mit ihrem Volk nur Gutes verbinden konnte. Nun, sie konnte von dem jungen Ladeninhaber bislang auch nichts Schlechtes sagen. Er hatte ihr mit seiner Idee den Schlüssel herumzudrehen geholfen und nicht nur allein mit dieser. Immerhin hatte er sie nicht gleich wieder aus dem Laden gejagt, sondern ihr sogar direkt, einem perfekten Gastgeber gleich, etwas zu trinken angeboten. Und das Gespräch, das sie bislang geführt hatten, was angenehm und abwechslungsreich. Er war jemand besonderes in dieser rauen Welt, in der man manchmal sein Gegenüber viel zu sehr hinterfragen musste.

    Ihre Lippen formten ein stummes OH, als der junge Mann ihr erklärte, was er ihr zeigen wollte. Sie sah sich natürlich sogleich nach dem Beutel um und nahm in an sich. Aber natürlich nicht, ohne vorher einen Blick hineinzuwerfen, da es sich nach etwas Runden und Harten anfühlte und sie nicht mit Murmeln rechnete. Haselnüsse… Doch Haustierchen, dachte sie sich und schmunzelte leicht. Dieser Mann hatte einfach ein gutes Herz. Sie folgte ihm. „Also gut, ich verspreche vorsichtig zu sein.“ Sie stellte sich neben Crispin und sah zu ihm auf und hob eine der Nüsse. „Und damit kann ich vielleicht also das Herz von Fritzchen etwas höher schlagen lassen?“ Fritzchen, was für ein niedlicher Name! „Es wird doch nicht so ein niedliches kleines Wesen sein, das sich an Nüssen erfreut und es liebt Bäume hinauf und hinunter zu klettern?“, versuchte sie sich erneut im Raten und ließ Crispin an ihren Überlegungen teilhaben.

    Die Dunkelhaarige legte für einen Augenblick ihre Hand über die Hand des jungen Mannes, die auf dem Tresen ruhte, als sie dessen leichte Überforderung bemerkte. „Es wird seinen Platz finden, wenn die Zeit dafür gekommen ist“, meinte sie aufrichtig. Es war für Crispins Onkel wichtig gewesen, aber nicht für den jetzigen Inhaber dieses Ladens. Er musste es nicht in Ehren halten. Ihrer Meinung nach zumindest. „Ich glaube, dass er vielleicht sogar einen guten Freund in unserem Volk gefunden hatte und dieser ihm für eine schwere Zeit beistehen wollte.“ Sie drückte die arme Hand kurz und ließ dann wieder von ihm ab und versuchte mehr Leichtigkeit herbeizufürhen. „Wie sollte es auch anders sein? Mit unserem Volk kann man ja nur Gutes verbinden“, meinte sie vorsichtig scherzend und hoffte, dass Crispin nicht so bald erleben würde, wie heftig die Streits bei ihnen aufgrund ihres Temperaments ausfallen konnten. Aber das waren keine Gedanken für jetzt.

    Was auch immer sich dort in der Ecke verbarg, es schien sich tatsächlich von dem jungen Mann immer zum richtigen Moment angesprochen zu fühlen. Was Zendaya leise lachen ließ. Außerdem wusste sie, dass ihr Gastgeber niemanden so einfach vor die Tür setzte. Zumindest nicht, wenn Gefahr in Verzug war. „Was möchte ich sehen?“, fragte sie dann nach, da sie dem Braunhaarigen nun nicht ganz folgen konnte. „Aber da Ihr jetzt meine Neugier erneut geschürt habt, muss die Antwort ganz gleich, was Ihr nun sagt, ja, heißen.“

    „Oh bitte, sagt das nicht. Ich wüsste nicht, wie ich mit all den Männertränen umgehen sollte“, gab sie amüsiert zurück und lachte dann leise, als Crispin ihr ob dem Stall der Kinder zustimmte. Sie mochte sein Lachen. Es war so frei, ehrlich und ungezwungen.

    „Ungebetene Gäste?“ Die keckerten und in einem Laubhaufen wohnten? Was das wohl in einer Stadt wie dieser sein mochte? „Ihr helft also nicht nur Jungfrauen in Nöten, sondern nehmt auch noch besondere Gäste auf, die sonst auf der Straße sitzen würden? Der Begriff edel reicht für Euch nun bald aber nicht mehr aus, Ritter Crispin Nairod.“ Sie lächelte ihn sonnig an und fühlte sich ob seiner Worte etwas geschmeichelt. Aber auch für sie hatte sich dieser Ausflug längst bezahlt gemacht.

    „Also wisst Ihr auch gar nicht, ob es eine Botschaft an Euren Onkel war, oder ob er sie nicht nur per Zufall in die Hände bekommen hat?“, fragte sie und blickte erneut darauf. „Euer Onkel war mit Sicherheit eine sehr interessante Persönlichkeit… Was werdet Ihr damit nun tun? Wieder einen Stock weiter oben aufbewahren?“

    Nun stieg der jungen Frau erneut die Wärme etwas in die Wangen, ob des überaus charmanten Kompliments, das Crispin ihr gemacht hatte. “Danke”, meinte sie etwas verlegen, “aber noch ist es nicht so weit und wer braucht schon fünfzig? Mir wäre der eine lieber.” War Zendaya romantisch veranlagt? Ja, das war sie. Natürlich fand sie Gefallen an den Geschichten von ihrer Tante oder ihrem Onkel. Wobei letzterer öfter schon in Not geraten ist, weil er sich nicht gut genug informiert hatte. Aber sie liebte vor allem jene Geschichten, die mit einem und wenn sie nicht gestorben sind, endeten.

    Sie musste wieder lachen, als sie das überaus breite Lächeln des jungen Mannes sah. Er war ein kleiner oder vielleicht auch großer Schelm und sie hatte ihre Freude daran. “An einem Stall voll Kindern hat man solange freude, solange man sie wieder abgeben kann”, gab sie erheitert zurück. Aber ja, irgendwann wollte auch sie Kinder.

    “Sicherlich”, versicherte die Dunkelhaarige ihrem Gastgeber, als er sich kurz entschuldigte. Sie sah ihm nach und dabei zu, wie er eine Treppe erklomm, über eine Falltüre in der Decke verschwand und wieder auftauchte. Fragend hatten sich ihre Augenbrauen zusammengezogen, als er mit jemandem oder etwas schimpfte. Was auch immer es war, es verstummte. “Wer oder was war das?”, konnte sie sich die Frage nicht verkneifen. “Ein Haustierchen?”, fragte sie, während Crispin zu ihr herüber kam und aufgrund seiner Eile noch etwas nach Luft rang. “Ich hatte nicht vor, Euch wegzulaufen”, neckte sie ihn dann und nahm etwas entgegen, das sie schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Eine verspielte und detaillierte Variante der Knüpfschrift. Wenn es mal mehr sein sollte als seine simple Nachricht, oder sogar gesehen werden sollte, warum auch immer. Zendayas Finger glitten über das Flecht- und Knotwerk. Ihr Bruder war darin ein wenig geschickter als sie. “Euer Onkel hat sich nicht geirrt. Es ist, wie er gesagt hat. Aber woher wusste er dies?” Ob sein Onkel ein weit gereister Mann war? Oder ob er einfach nur ein Sammler von Wissen war? Ihr Blick war auf das kleine Kunstwerk gerichtet und noch ein paar weitere Male fuhren ihre Finger die Flechten und Knoten ab, betrachtete die Farben, die nicht zufällig gewählt waren. “Ich muss gestehen, dass ich etwas aus der Übung bin”, schickte sie voraus. “Auch die schwärzeste aller Nachte… aller Nächte endet mit dem schi… swi.. nein… mit dem Schimmer der Dämmerung … eines neuen Morgens, …guter Freund.” Sie ließ ihre Hände sinken und sah zu Crispin hinüber. “Eine interessante Botschaft”, wie Zendaya fand. Ob sie dem Onkel von Crispin einst Mut zusprechen sollte, oder ob er dies nur so irgendwo gefunden hatte?

    Die Dunkelhaarige musste leise lachen, ob der Annahme die Crispin in den Raum stellte. Als hätte sie bereits fünfzig Männer, die ihr zu Füßen lagen. Ihre Tante hatte dies vielleicht, denn sie faszinierte die Männer gewaltig und war auch ein paar Jahre älter als sie. „So schätzt Ihr mich ein?“, stellte sie dann eine Gegenfrage, noch immer belustigt und absolut nicht gekränkt. Immerhin kannte sie den Ruf, den sich der ein oder andere vom Fahrenden Volk hart erarbeitet hatte. Ihr Onkel zum Beispiel.

    Das Thema des Handpuppentheaters kam ihr nicht ungelegen, und so berichtete sie mit reichlichen Gesten unterstrichen: „Meine Tante hat einen umgebauten Wagen und Puppen für die Hände. Der Wagen dient als Bühne für die Puppen, hat eigene Bühnenbilder und einen Vorhang. Einfache Stücke kann sie alleine spielen und für andere befinden sich weitere im Hintergrund. Man sieht nur die Puppen und es gibt auch immer jemanden, der die Geschichte erzählt und mit etwas Musik unterstreicht. Die Puppen werden von den Puppenspielern im Hintergrund gesprochen. Es sind leicht verständliche Stücke für die ganz Kleinen und etwas kompliziertere für die etwas Älteren.“ Sie sah in Crispins blitzende Augen, nickte aber unbekümmert. „Sicher, und Euch den besten Platz zwischen den Kindern aussuchen“, neckte sie ihn zurück. „Nicht nur Kinder sehen sich dies an. Aber für sie ist es gemacht, da für sie oft sehr wenig getan wird.“ Zumindest sah ihre Tante es so.

    “Nun, dann hoffe ich, Ihr werdet nicht enttäuscht“, meinte sie, glaubte aber, dass ihre Familie durchaus zu überzeugen verstand. Und behielt hierzu für sich, was für Akrobatik angeboten wurde. „Das wäre sehr schön und wünschenswert.“ Wenn die Leute sich freuten, würden sich sicherlich auch gute Geschäfte machen lassen. Und viele Bekanntschaften schließen, oder vielleicht sogar etwas mehr als das? Zendaya hatte ihren Blick auf Crispin gerichtet und dann blitzte Neugier in ihnen auf. „Ihr habt etwas von den Dheoran?“, wiederholte sie. „Sicher, wenn es Euch keine Umstände macht?“ Da war sie gespannt, was das sein mochte.

    Die Dunkelhaarige strahlte sonnig ob der Worte des jungen Mannes. Er hatte, so wie es schien, auch ein Gespür für Takt und Musik, was die junge Fahrende sehr freute. „Ihr übertreibt“, gab sie leise belustigt zurück. „Aber, ich werde Euch nicht davon abhalten“, meinte sie keck und lächelte freundlich.

    Als es um Crispins Familie ging, wurde Zendaya rasch ernst, als er ihr von dem Hass zwischen Vater und Sohn berichtete. Das war traurig, sehr sogar. Wobei sie sich mehr als sicher war, dass Crispin allen Grund dazu hatte, so wie er dies formulierte. Daher wollte sie dort tatsächlich nicht weiter bohren und hatte nur sacht genickt. Sie nahm daher den Wunsch ihres Gastgebers auf, trank einen Schluck und wandte sich dann dem Thema ihrer Familie zu. „Schauspieler tatsächlich nein. Das, was dem am nächsten kommt, ist wohl meine Tante mit ihrem Handpuppentheater. Aber wir haben auch Musikanten, Sänger, Tänzer, Akrobaten und Kunsthandwerker in unseren Reihen. Das Handpuppentheater müsst Ihr Euch unbedingt ansehen. Es gefällt mir noch immer sehr, auch wenn ich die Stücke schon oft gesehen habe. Wobei ich sagen muss, dass mir die glücklichen Gesichter der Kinder bei den Vorstellungen besonders gut gefallen. Ich werde Euch abholen, wenn es so weit ist, einverstanden? Also nur… wenn ihr wollt?“

    „Das werde ich Euch nicht verraten. Das werdet Ihr herausfinden müssen und werdet es bald schon sehen“, meinte Zendaya mit einem fröhlich-wissenden Lächeln. Da sie Crispin als sehr gesellig einschätzte und als jemanden der die Feste durchaus auch feierte wie sie fielen hatte sie keine Bedenken ihn mitten in den Rund ihrer Familie zu nehmen und ihn als ihren Retter vorzustellen.

    Zendaya stellte den Becher zurück auf den Tresen, als der junge Mann von den Festen in der Stadt sprach, die allen offen standen. Sie hob die Arme etwas und machte zu einer Melodie, die oft auf Festen gespielt wurde, ein paar Tanzbewegungen und Drehungen. „Kaum etwas Schöneres", stimmte sie ihm dann zu und lächelte ihren Gastgeber sonnig an.

    Den Kopf schüttelte sie, als es um den Verwandtschaftsgrad in ihrer Familie ging. „Daraus wird Euch keiner einen Strick drehen. Manchmal ist es selbst für uns nicht mehr leicht.“ Sie lachte leise und hoffte, ihm diese Sorge nehmen zu können. „Ich finde es wundervoll und manchmal nervend zugleich“, gestand Zendaya ihm ein, als er danach fragte, wie es war, so viel Familie um sich herum zu haben. „Man ist selten bis nie allein, die Aufgaben werden aufgeteilt und man findet immer jemanden, der ein offenes Ohr für einen hat. Aber wie das mit Familie so ist, gerät man hier und da auch mal aneinander und das Temperament von einigen von uns ist heiß und wild, da geht es dann schon mal hoch her. Nicht jeder ist dafür gemacht, aber ich liebe es. Die Großen achten auf die Kleinen, jeder kann von jedem lernen.“ Sie hob etwas unschlüssig die Schultern. Es war ihr Leben und sie hatte es sich nie anders gewünscht.

    „Es ist mir eine Ehre, Crispin Nairod. Eine besondere sogar.“ Sie knickste leicht und sah ihn dann noch immer mitfühlend an. Sein Onkel schien ihm etwas bedeutet zu haben, auch wenn sie noch nicht abschätzen konnte, wie viel. Aber einiges gewiss. „Habt Ihr noch Famile?“, fragte sie dann doch, da sie gern wissen wollte, ob Crispin allein war, oder ob er noch Rückhalt hatte.

    „Soso“, meinte Zendaya und ihre Wangen waren noch immer warm. „Sagt man das?“ Er war wirklich unverbesserlich. Charmant, edel und unverbesserlich. Sie hielt ihre Nase über den Dampf des Tees, atmete diesen ein und pustete dann leicht, einfach, um sich von der Aussage etwas abzulenken, denn diese warf Fragen auf. Fragen, die sie nicht stellen wollte.

    Sie musste leise lachen. „Es wird immer eine Rettung bleiben und keiner wird Euch mit Schimpf und Schande davonjagen. Rechnet lieber mit dem Gegenteil, Meisterritter Crispin.“ Sie lächelte und nahm dann einen kleinen Schluck des Tees.

    „Na gut, wenn ihr es so sagt, dann stimmt es wohl“, stimmte sie, was die Kurzweil, Reich und Arm betraf zu. „Geht Ihr gern zu den Festen, die für jedermann geboten werden?“

    „Großvater ist das Oberhaupt ja. Chronist und Führer der Familie. Und oft sind wir miteinander verwandt, ja, aber nicht immer. Oft schließen sich auch gern Reisende unserer Gruppe an, damit sie in unserem Schutz reisen können. Das ist gar nicht unüblich. Aber der Großteil von uns ist miteinander verwandt. In den verschiedensten Verwandheitsgraden.“ Sie schmunzelte leicht, doch als es um Crispins Onkel ging, wurde ihr Ausdruck ernster und mitfühlend. „Mein Beileid, wegen Eures Onkels. Und was für ein schönes Andenken Ihr ihm gegeben habt. Carnels Allerlei Nützliches und Skurriles.“ Sie wiederholte den Namen, damit sie ihn ja nicht vergaß, denn auch wenn sie sich zuvor so ungenau ausgedrückt hatte, hatte sie tatsächlich vor, Crispin erneut aufzusuchen und sich vielleicht die Gerätschaft erklären lassen. Ob sie den jungen Mann nach seiner anderen Familie fragen sollte? Sie war sich nicht sicher und wollte nicht in Wunden bohren, die sie nicht absehen konnte. „Ist Euer Name dann Crispin Carnel?“

    Nun hatte Crispin es geschafft und die Wangen von Zendaya wurden ein wenig warm. Natürlich nahm sie seine Worte nicht für ernst, dass es ihm reichen würde, wenn ihr Herz allein höher schlagen würde, denn immerhin konnte dieser findige, charmante junge Mann zahlreiche Herzen im Sturm erobern, wenn er nur wollte, so glaubte sie zumindest. “Charmeur“, raunte sie daher und lächelte ihn, vielleicht sogar ein wenig verlegen, an.

    „Oh, ich wollte nicht zur Eile drängen. Ich gehe nicht davon aus, dass die anderen jetzt schon zurück sind und so ist mein Abhandenkommen noch gar nicht aufgefallen. Ich bin dennoch sehr froh, dass Ihr mich begleiten werdet.“ Sie sah ihn mit einem kleinen und aufrichtigen Lächeln an. Dann war sie es, die den Kopf schüttelte. „Das glaube ich Euch nicht. Dass diese Stadt nicht aufregend sein kann. Ich habe es zuvor ja selbst erlebt. Und bestimmt hat sie noch viele andere Aufregungen, vielleicht auch schönere, zu bieten“, sagte sie und meinte es auch so. Welche große Stadt hatte nicht etwas zu bieten, was aufregend war? Dennoch wollte sie das Reisen nicht missen. Nun nickte sie. „So ist es. Wobei der Name des Feuers auch wechseln kann. Unser Chronist, mein Großvater heißt Nelio und es ist sein Feuer, um das wir uns versammeln… seine… unsere Familie.“ Sie lachte leise, da es mit dem Namen der Familien etwas anders war, als bei anderen. „Und der Eure Crispin? Wie heißt eigentlich Euer Laden, in den ich einfach so herein gestolpert bin?“

    “Rank, schlank und nicht klein. Alles was Damenherzen höher schlagen lässt.“ Sie lächelte ihn unschuldig, ob seine Augenbrauen so herausfordernd hob. Beließ es aber bei ihrer Aussage mit dem Kuss. Nun vielleicht hätte sie, vielleicht aber auch nicht. Ein Küsschen auf die Wange? Ein züchtiger richtiger Kuss… Nun, dieses Rätsel würde wohl ungeklärt bleiben.

    Zendaya tat so, als wäre etwas zu ihr zurückgekehrt, das Crispin gerade noch gefangen hatte, denn so wirkte es auf sie, als er seine Augen für sie unspezifisch durch den Raum gleiten ließ. Sie fing es ein und führte es zu ihrem Herzen. „Ihr seid wahrlich ein edler Ritter und Edelmann, Crispin“, sagte sie und meinte es auch so. Denn viele andere hätten sich für diese Dienste reichlich entlohnen lassen.

    Und auch seine nächsten Worte sprachen für ihn. Ein Mann mit einem reinen Herzen. „Nun. So eine Nacht möchte ich Euch sicher nicht zumuten, denn nachdem ich dies nun weiß, kann ich es absolut nicht zulassen. Aber da meine Familie mein Fernbleiben auch irgendwann bemerken wird und Ihr mir versichert, dass es mir dann nicht so gehen muss, wie Euch, freue ich mich schon darauf, an Eurer Seite die Stadt bei Dunkelheit ein wenig zu entdecken.“ Sie sah ihm dabei aufmerksam in seine haselnussbraunen Augen, die sein hübsches Lächeln ebenso zeigten.

    Die dunkelhaarige ließ sich nicht lange bitten, sondern tat es ihrem Gastgeber gleich, holte Honig aus dem Töpfchen und ließ diesen in den Tee fließen bis es zu tröpfeln begann. Dann steckte sie das Stäbchen in den Tee, um nichts von der natürlichen Süße zu verschwenden. „Wir sind die Ostküste entlang gekommen. Die letzte Stadt, in der wir waren, war Ymarue und als nächstes wird es wohl nach Wiesenfeld gehen“, plauderte Zendaya unbekümmert. „Wir sind Vorgestern angekommen. Unser Lager ist ungefähr eine halbe Stundenkerze flussaufwärts vor der Stadt.“ Sie sah Crispin freundlich an. „Seid ihr schon viel gereist, Meister Crispin?“, fragte sie, hob dann den Becher an und probierte einen kleinen Schluck. Ein zufriedenes Seufzen entkam ihr dabei.

    Die Dunkelhaarige schmunzelte, als es um die Komplimente ging. Aber sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Crispin eitel oder gar oberflächlich war. Er schien bodenständig und das Herz am rechten Fleck zu haben. Natürlich konnte sie sich auch irren, vor allem, da sie ihn ja noch nicht einmal eine Stundenkerze lang kannte. Aber auch daran glaubte sie nicht.

    Als die junge Frau wieder bei Crispin einkehrte, stellte sie den Honig zu den Tassen. Dann maß sie ihn ob seiner Größe und deutete dies mit Gesten ihrer Hände an. „Nun, so klein finde ich Euch gar nicht. Eigentlich habt ihr eine ganz stattliche Figur“, neckte sie ihn, denn sie verstand durchaus, was er mit „kleinen Leute“ gemeint hatte. Sie zwinkerte ihm belustigt zu.

    Die Lippen der Dheoran verzogen sich zu einem leicht belustigten fröhlichen Lächeln. Natürlich hatte sie niemals gedacht, dass Crispin sich das wünschen würde, wobei man bei Männern ja nie wissen konnte, was diese sich so wünschten. Zumindest nicht, wenn sie auf ihre älteren Verwandten hörte. Selbst unter ihnen gab es so manches Schlitzohr, dass in jeder Stadt von einer anderen Frau das Bett gewärmt bekam. Und ihre unverheiratete Tante war da keine Ausnahme. „Ich habe das nicht ernst gemeint“, versicherte sie ihm den Braunhaarigen mit den besonders funkelnden haselnussbraunen Augen. „Bislang habe ich sogar eine sehr gute Meinung von Euch, Crispin.“ Sie sah auf seine Faust, als er diese hob. Das Zeichen, das er sie in der Hand hatte. Sie blinzelte ob des Vorschlags. „Das ist sehr ehrenhaft Meister Ritter Crispin. Aber dann stehe ich ja noch mehr in Eurer Schuld, da ich noch mehr Eurer kostbaren Zeit raube.“ Sie senkte für zwei Wimpernschläge den Blick. „Aber ich würde das Angebot dennoch gern annehmen“, sagte sie und sah ihm dankbar in die Augen. „Aber nur, wenn Ihr denkt, dass der Rückweg für Euch sicher sein wird.“ Sie war sich da nun nicht mehr so ganz sicher. Wollte aber auch nicht, dass sich der junge Mann ihr gegenüber in Gefahr begab und das nur, weil sie nicht vorsichtig genug gewesen war. Dennoch würde sie sich sehr darüber freuen, wenn er sie begleiten würde, einfach, weil ihre gemeinsam Zeit dann für heute noch kein Ende finden würde und sie schon lange keine so nette Begegnung mehr gehabt hatte.

    Zendaya lachte leise. „Ihr bekommt also gern Komplimente gemacht? Das werde ich mir merken.“ Sie lächelte noch immer sonnig. „Da selbst die edlen Ritter nur Männer sind, ist es schwer zu sagen, ob dies als Lohn reicht. Ich hätte ja eher auf nein getippt… Aber ich lasse mich gern eines besseren belehren, wo Ihr ja einer dieser legendären Helden seid, von denen es mehr Geschichten als echte Persönlichkeiten gibt.“ Ein wenig Neckerei und ein wenig Ernst schwang in ihren Worten mit.

    „Honig“, wiederholte sie und ließ dies nicht zweimal sagen. „Ihr seid hervorragend ausgestattet, edler Ritter und Meister Crispin. Wie trinkt Ihr Euren Tee am liebsten?“, fragte sie dann. Sie mochte Honig gern, nicht zu viel, aber ein bisschen davon. Natürlich kam es auch immer auf die Teesorte an. Wenn dieser schon süßlich war, brauchte es keinen Honig, wenn aber nicht… Denn ein Löffelchen voll Honig selbst die bitterste Medizin versüßt… Sie sah Crispin ob seiner Einladung forschend an. „Es könnte durchaus sein, dass ich das Angebot annehmen werde. Nun, zumindest so lange unser Lager nahe der Stadt ist. Habt Dank dafür.“ Sie lächelte ihn freundlich an und musste sich eingestehen, dass sie wirklich Glück gehabt hatte, genau in diese Türe gestolpert zu sein.

    Die Dunkelhaarige hielt sich die Hand vor den Mund, als sie zu lachen begann. „Ich hatte Euch doch gewarnt. Aber wie sollte ich auch Eure Gedanken erraten können?“ Sie tätschelte leicht seinen Unterarm. „Es ist also zu wenig… verstehe“, meinte sie dann und tippte sich bedacht gegen ihr Kinn. „Einen noch“, nickte sie und überlegte weiter. Was könnte ein Mann wie Crispin im Tausch haben wollen… Nein, nicht als Tausch, als Dankeschön? Sie war wirklich nicht gut darin zu erraten, was in anderer Leute Köpfe vor sich ging. Außerdem hatte sie keine Ahnung, wie viel er von der Geschichte der Dheoran wusste. Wie wanderte ein bisschen in dem Hinterraum auf und ab. Ließ ihren Blick schweifen, aber wurde leider auch keiner Idee dadurch fündig. „Einen Kuss vielleicht? Aber auch das wäre zu wenig für Euren Einsatz und Eure Gastfreundschaft.” Wobei er sich ja mit seiner Einladung bereits das Glück, dass man sich daraus versprach, wenn ein Dheoran die Gastfreundschaft annahm, schon gesichert hatte. “Dass Ihr Euch das Bett wärmen lassen wollt, für eine oder ein paar Nächte glaube ich auch nicht, immerhin seid Ihr ja ein edler Ritter…” Sie schüttelte den Kopf. “Was ist es also, das Ihr begehrt?“, fragte sie dann nach, da sie nicht darauf kam.

    Die junge Frau lächelte sonnig, als Crispin sich nicht von seinem Lob und seiner Meinung abbringen ließ. Sie ließ es nun einfach so stehen und würde abwarten, ob die Zeit seine Ansicht ändern oder bestärken würde. Zendaya war weder enttäuscht noch traurig, dass der junge Tüftler ihr nicht gleich Auskunft geben wollte. Sicherlich war sie noch immer neugierig. Allein schon, weil die Apparatur so interessant aussah. Aber so bedeutete seine Aussage auch: “Das heißt dann wohl, dass Ihr gewillt seid, Euch zu einem anderen Zeitpunkt mit mir zusammenzusetzen, um mir dies zu erklären?”, fragte sie mit einem unschuldigen Augenaufschlag und einem neckenden Lächeln nach.

    Ohne groß oder lange darüber nachzudenken, entschied die Dunkelhaarige sich für den Früchtetee. Die Abbildung zeigte ein paar verschiedene Beeren, wenn sie diese recht erkannte. Brombeeren, Heidelbeeren… Erdbeere? Sie war gespannt. Sollte man sich fragen, warum sie sich für den Früchtetee entschieden hatte, dann lag das daran, dass sie Kräutertees nur bedingt leiden konnte. Meist dann, wenn eine Krankheit sie heimsuchte, was zum Glück nicht oft der Fall war. Aber dann gab sie sich auch mit Thymian- oder Kamillentee zufrieden. Sie betrachtete die netten kleinen Abbildungen. Viel Aufwand, sehr klein aber dennoch hübsch anzusehen. Dann beobachtete sie den nun, mittlerweile durfte sie Crispin wohl auch als ihren Gastgeber bezeichnen, jetzt wo er ihr sogar Tee angeboten hatte. Seine Handgriffe waren gekonnt und geschickt. Er verstand etwas davon, wie man mit dem Feuer einer Feuerstelle umging und davon, wie man Wasser erhitzte. Sie schmunzelte. “Ach ja? WIE trifft es Euch denn?”, wollte sie es dann doch näher wissen.

    Crispin steuerte das heiße Wasser bei und Zendaya ihre Beute, bestehend aus zwei Beutelchen Früchtetee und zwei Becher. Die Beutelchen hatten bereits den Weg in die Becher gefunden und Zendaya schürzte ihre Lippen, als sie überlegte. “Ich bin nicht gut in diesen Ratespielchen”, gestand sie ihrem Gastgeber ein. “Vielleicht wollt Ihr einen Abend an unserem Feuer mit uns verbringen?”, riet sie dann also einfach ins Blaue. Aber da dies kein so seltener Wunsch war, vor allem, da Crispin auch so rasch erraten hatte, welchem Volk sie angehörte. Entweder kannte er die Gastfreundschaft der Dheoran bereits oder hatte davon gehört und wollte diese auf die Probe stellen. Sie sah ihn interessiert an.

    Die Dunkelhaarige lachte leise, aber glockenhell auf. „Vielleicht tun wir das. Die Wahrheit wird vermutlich in der Mitte dieser beiden Möglichkeiten liegen“, zwinkerte sie ihm belustigt zu. Crispin stand Zendaya, so fand sie, in nichts nach. Er war charmant, witzig und hatte einen sehr wachen Geist. „Verrät mir der Meister der Duftextraktion und Seifenherstellung, wie genau sein Handwerk funktioniert?“, fragte sie nach. Zwar hatte Zendaya eine Idee und eine sehr vage Vorstellung davon, aber sie wollte es gern von einem Experten erklärt bekommen, zwar würde ihr dieses Wissen wohl nie nutzen, aber wenn man schon mal einen Fachmann an der Hand hatte und dann auch noch so einen interessanten Aufbau auf der Werkbank, da musste sie einfach mehr wissen.

    „Da habt ihr mich nun. Knietief stehe ich in Eurer Schuld. Und vielleicht verrät mir mein edler Retter, wie ich die Schuld vielleicht abtragen könnte, damit ich irgendwann wieder freikomme?“, fragte sie ihn und sah ihn sehr aufmerksam an. Wie edel dieser Retter wohl war? Auch da hatte die junge Frau eine Ahnung, und war mehr als neugierig, ob sie stimmte, oder sich irrte. Sie betrachtete ihn aufmerksam und interessiert zugleich. Auch lächelte sie, als er zu ihr herüber sah.

    „Touché. Ihr seid nicht nur ein Meister der Düfte und Seifen, sondern auch Meister des Wortes und Wortgefechts wie mir scheint.“ Sie lächelte fröhlich-verspielt und wandte sich dann den Bechern und kleinen Beutelchen zu und beugte sich näher zu diesen heran. „Um welche Sorte von Tee handelt es sich? Und eine weitere Frage, nehmt Ihr auch einen, oder bedient Ihr euch lieber an dem erwähnten Schnaps?“

    „Wirklich?“, fragte Zendaya erstaunt und begeistert zugleich, da sie eigentlich mehr geraten hatte, als dass sie es wirklich wusste. Aber sie liebte duftende Seifen, nicht, dass sie diese regelmäßig zur Verwendung hatte, aber sie hatte schon hier und da eine in den Händen gehabt und sie war von dem ein oder anderen Duft sehr entzückt gewesen. Wie auch von den Ölen, die sich so manche Frau ins Badewasser gab, oder sich hinter das Ohr pinselte. Hach ja, Düfte waren schon etwas ganz besonderes und sie bewunderte jeden, der das Wissen hatte, wie man sie haltbar oder übertragbar machte.

    Crispin war also ein kluger Kopf. Dessen war Zen sich wirklich sicher. Und sie fragte sich, was er neben Duftseifen wohl noch so herstellte. Und ob er die Seife gänzlich selbst fabrizierte. Denn soweit sie gehört hatte, war die Seifenherstellung nicht so schön, wie das Endprodukt selbst. Dennoch war es faszinierend, wie solche Dinge Schritt um Schritt entstanden.

    Die Dunkelhaarige neigte den Kopf etwas und lächelte Crispin belustigt an. „Ihr seid also leicht zu beeindrucken, Crispin?“, fragte sie ob seiner Versicherung, dass sie die Vorschusslorbeeren bereits verdient hatte. Sie mochte den Ladenbesitzer jetzt schon gut leiden. Er war weder bieder noch zu ernst. Eher hatte er den Schalk im Nacken, aber wirkte nicht kindlich oder gar kindisch auf sie.

    Auf seine Frage zu der Situation um die Männer schüttelte Zendaya rasch den Kopf. „Mit Sicherheit nicht. Dennoch hätte ich vielleicht einfach bei meiner Gruppe bleiben sollen und etwas besser darauf achten können, wohin mich meine Füße tragen.“ Sie lächelte und es war eine Mischung aus schuldbewusst und wagemut. „Ich habe mich zu sehr von all den Läden und deren Auslagen einnehmen lassen und habe es nicht mal zum Instrumentenbauer geschafft.“ Sie lächelte nun wieder etwas fröhlicher. „Aber immerhin hat mich mein Weg in Euren Laden geführt.“

    Sie sah Crispin aufmerksam dabei zu, wie er wieder ein paar Blütenblätter in seine Apparatur gab. „Zum Glück. Sonst hätte ich nun noch mehr in Eurer Schuld gestanden als eh schon“, meinte sie und es klang ein wenig erheitert. Auf sein Angebot sah sie ihn offen an. „Wenn Ihr es nicht als unverschämt erachtet… dann hätte ich gern einen Tee.“

    „Sehr erfreut Crispin“, entgegnete die Dunkelhaarige und lächelte den Ladeninhaber freundlich an und es wurde ein klitzekleines bisschen sonniger, als er ihre Frage als clever bezeichnete. „Wozu? Für Seifen?“, wollte sie es nun aber genauer wissen und fragte sich dabei noch, was wohl seine berufliche Profession war. Nach etwas Simplen sah ihr das nicht aus. Vielleicht hätte sie ja mal auf das Ladenschild sehen sollen, doch in der Eile hatte sie daran nicht gedacht. Vielleicht gedachte ja Crispin, ihr Unwissen zu ändern. Früher oder später.

    Zendaya mochte die fröhlich unbeschwerte Art ihres Gegenübers gern leiden. Sie nickte auf seine Frage hin. „Richtig“, fügte sie dieser Geste noch an und lachte dann leise auf, als die Pferde ein wenig mit ihrem neuen Bekannten durchgingen. Vor Freude, wie sie meinte. Sie schnappte sich kurzerhand eine Falte ihres Kleides, drehte sich einmal um sich selbst, sagte: „Zendaya aus dem Feuer des Nelio“ und sank in einen tiefen Knicks, aus dem sie keck-verspielt zu Crispin aufblickte. „Ich hoffe meine Anwesenheit kann diesen Vorschusslorbeeren gerecht werden.“ Sie erhob sich wieder und sorgte dafür, dass ihr Rock wieder tadellos fiel.

    „Sie kamen nicht dazu. Ich kann auch nicht sagen, was sie genau von mir wollten. Vielleicht mein Hab und Gut. Vielleicht aber auch etwas … anderes…“ Sie zuckte leicht mit den Schultern. „Ich hätte aufmerksamer sein müssen“, gestand sie dem jungen Mann ihr gegenüber. Und vielleicht hätte sie auch einfach bei den anderen bleiben sollen. Aber dann wäre sie nicht hier gelandet und hätte auch keine neue Bekanntschaft geschlossen. „Ich hoffe mein Auftauchen hat sich nicht nachteilig auf Eure Arbeit oder Experiment ausgewirkt?“

    Nun wo die Gefahr vor der Tür gebannt war und der Ladenbesitzer nicht unbedingt den Eindruck machte eine weitere Gefahr für die junge Frau darzustellen entspannte sich das Nervenkostüm von Zendaya mehr und mehr und sie lachte und angemessen des Scherzes der Rettung von Jungfrauen in Not. Im Anschluss atmete sie erstmal tief durch und bemerkte nun den Duft von Blüten, der in der Luft hing und sah nun ihrerseits belustigt dem Fremden nach, als dieser mit einem Ausruf auf den Lippen auf seinem Absatz kehrt machte und in einen angrenzenden Raum davonstob.

    Sie überlegte einen Augenblick, ob er ihm wirklich folgen sollte, oder nicht doch lieber das Schloss öffnen, um sich auf den Rückweg zu ihrer Familie zu machen. Doch die Neugier war, wie so oft, stärker. Bedacht suchte sie sich einen Weg um ein paar Kisten bis hin zu der Tür, durch die der Retter in der Not verschwunden war.

    Im Nebenraum war es heller als im Ladenraum und auch hier gab es allerhand zu entdecken. Einmal den Besitzer des Ladens, der gerade dabei beschäftigt war, mit einer vor ihm aufgebauten Apparatur zu hantieren. Nun, wo eine Lichtquelle etwas mehr Licht spendete, betrachtete sie den Fremden etwas näher. Er selbst musste noch recht jung sein. Trug saubere und ordentliche Kleidung, wenn auch passend für den Bezirk, in dem sie sich befanden. Er schien einen wachen Verstand zu besitzen, was ihr natürlich nicht ihre äußerliche Betrachtung verriet, sondern der Umstand, dass er den offensichtlichen und pragmatischen Vorschlag mit dem Schlüssel gebracht hatte und weil er hier mit einer interessanten Apparatur hantierte, als wüsste er, was er da tat.

    Zendaya trat näher, die Hände hinter ihrem Rücken, etwas über ihrem Hintern ineinander verschränkt. „Was tut Ihr hier, Sir?“, wollte sie dann von ihm wissen. Dass es etwas mit Blüten und Duft zu tun hatte, konnte sie erkennen, doch um was es hier genau gehen sollte, weniger. „Den Duft der Blüten entziehen und … irgendwie haltbar machen?“, riet sie leise vor sich hin und sah dann in die haselnussbraunen Augen ihres unverhofften Schutzgebers.

    Die junge Frau war so mit ihrer Situation beschäftigt, dass sie den fröhlich-freundlichen Ruf im anderen Teil des Ladens überhörte. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ihr Herz ihr so laut in den Ohren schlug, dass nichts anderes als dieses stetige pulsierende Rauschen für sie zu hören war. Zendaya fuhr erschrocken herum, als etwas später die Stimme, die sie eben nicht gehört hatte, klar und deutlich hinter ihr erklang. Ihre Augen weiteten sich, doch noch ehe sie etwas sagen konnte, kam ein Hinweis, für den sie dem Fremden unendlich dankbar war. Sie hätte sich vor die Stirn hauen können, da ihr das selbst nicht eingefallen war. Und so drehte sie den Schlüssel, der wahrhaftig in dem Türschloss steckte, mit einem leisen Klack um.

    Keinen Augenblick zu spät, wie sich sogleich herausstellen sollte, da kaum drei Wimpernschläge danach die Türklinke von außen nach unten gedrückt und versucht wurde, die Tür aufzudrücken. „Zu, wie die anderen auch“, drang es leise von draußen nach drinnen und die Braunhaarige drückte sich eng in die Ecke von Tür und Wand. „Aber wo kann sie nur hin sein?“ - „Keine Ahnung. Lass uns die nächsten Türen noch überprüfen.“ Die Stimmen klangen immer leiser und erst jetzt wagte Zendaya vorsichtig aufzuatmen und ihren Blick zu dem Tippgeber richten. Sie löste sich etwas aus der Ecke und strich dann sofort ihre Kleidung glatt. Nun, so glatt es eben ging. Gekleidet war sie in ein grünes züchtiges Kleid, da es weder zu viel ihres Dekolletees oder der Schultern zeigte, und einen weiten Rock sein eigen nannte. Darüber trug sie eine taillierte braune Weste, die an ein Korsett Anlehnung fand und von einem breiteren Gürtel gehalten wurde. Ihre Füße steckten in braunen Lederschuhen.

    Sie lächelte zurückhaltend. Freund oder Feind? Das fragte sie sich gerade, wobei sie diesem jungen Herren damit unrecht tat, immerhin hatte er ihr, den Hinweis gegeben, wie sie die Unholde draußen halten konnte und sie weiter ihrer Wege zogen, ohne ihrer Habseligkeiten habhaft geworden zu sein. Nun abgesehen von ihrem Schultertuch. Wobei sie dies mit Sicherheit einfach dort zurückgelassen hatten, wo sie es verloren hatte, denn es war für solche Männer mit Sicherheit nicht von Interesse.

    Sie sah die Belustigung in des Fremden Mine und ihr Lächeln wurde sicherer. Sollte er sich ruhig amüsieren, solange er sie nicht gleich wieder vor die Tür setzte. „Mein Retter in der Not“, meinte sie und knickste leicht. „Es tut mir sehr leid, dass ich Euch zu später Stunde noch aufgescheucht habe. Das war sicher nicht meine Absicht. Aber… aber…“, sie verstummte und ihr Blick glitt nun etwas durch den Laden. Er war ein wenig, nun ja, unaufgeräumt, wobei er nicht unordentlich wirkte. „Mein Name ist Zendaya“, stellte sie sich dann vor. „Und Ihr seid der Inhaber dieses Ladens?“

    Es war nicht der erste Besuch von Zendaya in der Stadt Nir‘alenar und doch war sie ein weiteres Mal erstaunt von deren Größe. Die Dunkelhaarige liebte große Städte, da es hier allerhand zu sehen, bestaunen und erleben gab. So kam es, dass sie sich bereits kurz nach der Mittagszeit mit ein paar ihrer Basen, Tanten oder Nichten, der Verwandtschaftsgrad war und blieb immer etwas verwirrend, aufgemacht hatte, die Stadt zu besuchen. Sie waren gemeinsam durch das ein und andere Stadtviertel geschlendert und hatten sich einige Dinge die sehenswert waren bestaunt. Der jungen Frau ging es zu langsam, irgendwie waren ihre Begleiterinnen aber auch mehr damit beschäftigt, ständig zu schnattern, anstatt ihre Füße einen vor den anderen zu setzen, damit sie noch etwas zu sehen bekamen. Irgendwann wollten sie dann auch noch eine Pause einlegen. Und so wie es aussah, eine längere. Sie seufzte leise für sich und beschloss, auf eigene Faust loszuziehen. „Ich muss noch eine kleine Besorgung machen“, sagte sie, was noch nicht einmal gelogen war, denn wie wollte einen Instrumentenbauer aufsuchen und sehen, ob er etwas interessantes im Angebot hatte. Dieser war im Händlerviertel zu finden, so viel wusste sie noch. Wo genau, das würde sie schon noch herausfinden. „Danach werde ich direkt ins Lager zurückkehren. Wir treffen uns dann dort.“ Mit diesen Worten hatte sie sich von den anderen verabschiedet und hatte sie verlassen, auch wenn sie sich nicht sicher war, ob ihr überhaupt jemand zugehört hatte. Aber was sollte schon passieren? Wie würde auf den belebten Straßen und Wegen bleiben und würde sich, wie sie gesagt hatte, auch bald schon auf den Weg zurück zum Wagenrund ihrer Familie machen. Zumindest hatte sie das fest vorgehabt. Ganz fest. Doch als sie so alleine durch die Straßen schlenderte und immer wieder hier und da an einem Stand oder vor einem Fensterladen zum stehen kam um sich die Wahren, die hier feilgeboten wurden, zu betrachten, verlor sie die Zeit und auch das Tageslicht gänzlich aus den Augen. Vielleicht lag es auch daran, dass in der Stadt das Licht künstlich verstärkt wurde, ganz so genau konnte sie es sich selbst nicht erklären, oder sie war einfach unachtsam gewesen. Aber ganz gleich wie sie es nun drehte und wendete, der Tag beugte sich dem Abend, die Lichter dämpften sich mehr und mehr, die Schatten wurden immer länger und sie war irgendwie in einem Teil der Stadt gelandet, der nicht mehr so gut besucht war. Was vielleicht auch an der fortgeschritteneren Zeit lag. Da war sie sich nun nicht ganz sicher. Auch war sie sich nicht sicher, ob sie sich nicht verlaufen hatte, denn den Instrumentenbauer hatte sie nicht entdeckt. Fest zog Zendaya ihr Tuch, dass sie sich um die Schultern gelegt hatte, als sie aufgebrochen waren und zu dieser Zeit vollkommen gereicht hatte, um sich und sah sich nach dem Weg um, den sie nun nehmen sollte, um so rasch als möglich zurück zu ihrer Familie zu kommen. „Sei vorsichtig“, hatte Zane sie noch gewarnt, als hätte er geahnt, was passieren würde, doch sie hatte diese Warnung in den Wind geschlagen und sich nur gedacht, was ihr schon passieren sollte und nun bauten sich zwei finstere Gestalten vor ihr auf und stellten sich ihr in den Weg. Besonders schlau waren diese Gesellen nicht, denn sie hatten ihr, glücklicherweise nicht die Seitengasse versperrt in die sie nun einfach abbog, ehe sie die Gestalten auch nur annähernd erreicht hatte. „He, die entwischt uns“, hörte sie eine dunkle und kratzige Stimme, die damit bestätigte, was die junge Frau sich bereits gedacht hatten. Sie hatten es auf sie abgesehen. Sie begann zu laufen, hielt an einer der Ladentüren des Händlerviertels, es war kein Licht mehr in den Fenstern zu sehen und dennoch rüttelte sie an der Tür. Nichts. Sie lief weiter zur nächsten Tür. Wieder nichts. Nun waren bereits die eiligen Schritte der beiden Männer, so vermutete Zendaya, zu hören und sie eilte weiter. Sie versuchte es noch hier und da, bis hinter ihr die Stimme ertönte: „Dort! Dort ist sie.“ Die junge Fahrende wartete nicht ab, sonder bog in die nächste Hintergasse ein und ging aufgrund der Eile ihres Schultertuches verlustig. Sie hielt kurz inne, überlegte, ob sie es wagen konnte, umzukehren, um es aufzugeben, doch nach einem kurzen Zögern entschied sie sich dagegen. Sie steuerte lieber auf die nächste Tür zu, auch wenn sie die Hoffnung fast schon aufgegeben hatte, dass sich auch nur eine dieser Türen noch für sie öffnen mochte. Die Tür war schmal und gab unter dem Druck ihrer Hand nach. Zendaya stolperte mehr in den Raum dahinter hinein, drehte sich aber behende um und schlug die Tür hinter sich zu. Schwer lehnte sie sich rasch atmend mit ihrer Schulter dagegen und versuchte, einen Blick nach draußen zu erhaschen. Im Stillen bat sie: ‚Lass sie mich nicht finden. Lass sie mich nicht finden.‘ Mit zittriger Hand strich sie sich ihre wilden Locken aus dem Gesicht und hoffte, dass die beiden Gestalten einfach weiterziehen würden.