Es war nicht der erste Besuch von Zendaya in der Stadt Nir‘alenar und doch war sie ein weiteres Mal erstaunt von deren Größe. Die Dunkelhaarige liebte große Städte, da es hier allerhand zu sehen, bestaunen und erleben gab. So kam es, dass sie sich bereits kurz nach der Mittagszeit mit ein paar ihrer Basen, Tanten oder Nichten, der Verwandtschaftsgrad war und blieb immer etwas verwirrend, aufgemacht hatte, die Stadt zu besuchen. Sie waren gemeinsam durch das ein und andere Stadtviertel geschlendert und hatten sich einige Dinge die sehenswert waren bestaunt. Der jungen Frau ging es zu langsam, irgendwie waren ihre Begleiterinnen aber auch mehr damit beschäftigt, ständig zu schnattern, anstatt ihre Füße einen vor den anderen zu setzen, damit sie noch etwas zu sehen bekamen. Irgendwann wollten sie dann auch noch eine Pause einlegen. Und so wie es aussah, eine längere. Sie seufzte leise für sich und beschloss, auf eigene Faust loszuziehen. „Ich muss noch eine kleine Besorgung machen“, sagte sie, was noch nicht einmal gelogen war, denn wie wollte einen Instrumentenbauer aufsuchen und sehen, ob er etwas interessantes im Angebot hatte. Dieser war im Händlerviertel zu finden, so viel wusste sie noch. Wo genau, das würde sie schon noch herausfinden. „Danach werde ich direkt ins Lager zurückkehren. Wir treffen uns dann dort.“ Mit diesen Worten hatte sie sich von den anderen verabschiedet und hatte sie verlassen, auch wenn sie sich nicht sicher war, ob ihr überhaupt jemand zugehört hatte. Aber was sollte schon passieren? Wie würde auf den belebten Straßen und Wegen bleiben und würde sich, wie sie gesagt hatte, auch bald schon auf den Weg zurück zum Wagenrund ihrer Familie machen. Zumindest hatte sie das fest vorgehabt. Ganz fest. Doch als sie so alleine durch die Straßen schlenderte und immer wieder hier und da an einem Stand oder vor einem Fensterladen zum stehen kam um sich die Wahren, die hier feilgeboten wurden, zu betrachten, verlor sie die Zeit und auch das Tageslicht gänzlich aus den Augen. Vielleicht lag es auch daran, dass in der Stadt das Licht künstlich verstärkt wurde, ganz so genau konnte sie es sich selbst nicht erklären, oder sie war einfach unachtsam gewesen. Aber ganz gleich wie sie es nun drehte und wendete, der Tag beugte sich dem Abend, die Lichter dämpften sich mehr und mehr, die Schatten wurden immer länger und sie war irgendwie in einem Teil der Stadt gelandet, der nicht mehr so gut besucht war. Was vielleicht auch an der fortgeschritteneren Zeit lag. Da war sie sich nun nicht ganz sicher. Auch war sie sich nicht sicher, ob sie sich nicht verlaufen hatte, denn den Instrumentenbauer hatte sie nicht entdeckt. Fest zog Zendaya ihr Tuch, dass sie sich um die Schultern gelegt hatte, als sie aufgebrochen waren und zu dieser Zeit vollkommen gereicht hatte, um sich und sah sich nach dem Weg um, den sie nun nehmen sollte, um so rasch als möglich zurück zu ihrer Familie zu kommen. „Sei vorsichtig“, hatte Zane sie noch gewarnt, als hätte er geahnt, was passieren würde, doch sie hatte diese Warnung in den Wind geschlagen und sich nur gedacht, was ihr schon passieren sollte und nun bauten sich zwei finstere Gestalten vor ihr auf und stellten sich ihr in den Weg. Besonders schlau waren diese Gesellen nicht, denn sie hatten ihr, glücklicherweise nicht die Seitengasse versperrt in die sie nun einfach abbog, ehe sie die Gestalten auch nur annähernd erreicht hatte. „He, die entwischt uns“, hörte sie eine dunkle und kratzige Stimme, die damit bestätigte, was die junge Frau sich bereits gedacht hatten. Sie hatten es auf sie abgesehen. Sie begann zu laufen, hielt an einer der Ladentüren des Händlerviertels, es war kein Licht mehr in den Fenstern zu sehen und dennoch rüttelte sie an der Tür. Nichts. Sie lief weiter zur nächsten Tür. Wieder nichts. Nun waren bereits die eiligen Schritte der beiden Männer, so vermutete Zendaya, zu hören und sie eilte weiter. Sie versuchte es noch hier und da, bis hinter ihr die Stimme ertönte: „Dort! Dort ist sie.“ Die junge Fahrende wartete nicht ab, sonder bog in die nächste Hintergasse ein und ging aufgrund der Eile ihres Schultertuches verlustig. Sie hielt kurz inne, überlegte, ob sie es wagen konnte, umzukehren, um es aufzugeben, doch nach einem kurzen Zögern entschied sie sich dagegen. Sie steuerte lieber auf die nächste Tür zu, auch wenn sie die Hoffnung fast schon aufgegeben hatte, dass sich auch nur eine dieser Türen noch für sie öffnen mochte. Die Tür war schmal und gab unter dem Druck ihrer Hand nach. Zendaya stolperte mehr in den Raum dahinter hinein, drehte sich aber behende um und schlug die Tür hinter sich zu. Schwer lehnte sie sich rasch atmend mit ihrer Schulter dagegen und versuchte, einen Blick nach draußen zu erhaschen. Im Stillen bat sie: ‚Lass sie mich nicht finden. Lass sie mich nicht finden.‘ Mit zittriger Hand strich sie sich ihre wilden Locken aus dem Gesicht und hoffte, dass die beiden Gestalten einfach weiterziehen würden.