Posts by Madame Federkiel

    Der Mann erwiderte Lelias Händedruck nicht einmal richtig; stattdessen ließ er ihre Finger lieblos wieder los, sobald er sie kurz taxiert hatte. Er trug einen dunklen Rock, der seine besten Tage schon lange hinter sich hatte und an den Säumen fast schon speckig glänzte. Sein Gesicht war in tiefe, missgünstige Falten gelegt.

    „Lelia, was?“, krächzte er und kniff die Augen zusammen, während sein Blick abschätzig an ihren Hörnern hängen blieb. Er schüttelte langsam den Kopf. „Na ja. Aus der Ferne dachte ich schon, das Los hätte mir was Schlimmeres beschert. Von nahem besehen seid Ihr ja eigentlich ganz ansehnlich – wenn man mal von den haarigen Beinen da unten absieht.“

    Er machte keine Anstalten, ihr höflich den Arm anzubieten. Stattdessen deutete er nur ruppig mit dem Kinn zur Tanzfläche, während die alte Dame zum ersten Tanz aufrief.

    „Sagt mal, Lelia..“, schob er hinterher und seine Stimme wurde eine Spur leiser, aber dafür irgendwie.. schmierig.

    Sein Blick blieb an ihr hängen, abschätzend und unangenehm.

    „Ich könnte eure Dienste gebrauchen. Ist schon eine Weile her, dass ich jemanden hatte, der mir… bei den Schafen hilft.“ Er lächelte schief. „Oder bei anderen Dingen.“

    Er wartete die Antwort gar nicht ab, sondern trottete bereits los, wobei er sie am Ellbogen eher mitschleifte als führte.

    Abseits des hellen Lichterglanzes, dort, wo das Philosophenviertel in die wilderen Gärten überging, lagen einige mit Blauregen bewachsenen Steinlauben.

    Der schwere Duft der violetten Blüten hing dicht in der Luft und dämpfte den Klang der Musik bis auf ein fernes, gleichmäßiges Echo. Der Ort bot Ruhe für jene, die dem Trubel für einen Moment entkommen wollten – oder für jene, die Gespräche lieber abseits neugieriger Blicke führten.

    Die schmalen Wege zwischen den Blauregen-Lauben ließen gerade genug Raum für zufällige oder weniger zufällige Begegnungen,

    Ein Bereich des Festes, in dem Worte leiser wurden – und Bedeutung oft zwischen den Zeilen lagen..

    Im Schatten der großen Bäume, nur wenige Schritte von der Tanzfläche entfernt, war der Silberquell-Pavillon hergerichtet worden.

    Das Licht wurde hier sanft gebrochen von in den Ästen hängenden Glaskristallen, die im sanften Wind leise funkelten. Lange Tische, mit schwerem Leinen gedeckt, bogen sich unter kristallenen Karaffen. Herber Blütenwein stand neben kühlem Quellwasser mit Minze, dazu kleine Köstlichkeiten, die nach Honig und fernen Gewürzen dufteten.

    An den Stehtischen fanden jene Erfrischung, die dem Tanz für einen Augenblick entfliehen wollten, ohne das Geschehen aus den Augen zu verlieren.

    Es war ein Ort des Innehaltens – und doch kein Rückzug. Hier wurden die ersten Eindrücke des Abends ausgetauscht, Blicke nachgetragen, und jene Paare gemustert, die noch immer im Takt der Musik über das Parkett glitten.

    Ein Platz des Sehens und Gesehenwerdens, an dem ein geflüstertes Wort zwischen zwei Schlucken Wein oft mehr Gewicht hatte als ein ganzer Tanz.

    Lelias Worte verklangen zwischen den bunten Bändern und Blüten, als für einen Moment eine seltsame Ruhe über den Platz fiel.

    Dann löste sich ein Mann aus der Menge. Er war schlank und wirkte in seinen Bewegungen fast etwas zu hastig, als hätte er zu lange gezögert und müsste die Zeit nun wiedergutmachen. Sein Lächeln saß nicht ganz sicher und seine Kleidung war zwar festlich, wirkte aber einen Hauch zu dunkel für den Anlass.

    In seiner Hand hielt er eine Karte. Das Grün darauf war nicht hell und lebendig wie Lelias, sondern ein tiefer, schwerer Waldton. Er trat näher und hob das Papier hoch, als müsse er beweisen, dass er Lelias Tanzpartner sein sollte.

    „Nun …“, begann er, und seine Stimme klang in der Stille etwas zu laut. Ein schiefes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er verneigte sich – einen Augenblick zu spät und eine Spur zu tief, um natürlich zu wirken. „… wenn ihr es schon für alle hörbar macht, wäre es doch unhöflich, euch noch weiter warten zu lassen.“

    Er hielt Lelia die Hand hin. Die Geste war nicht grob, aber auch nicht sonderlich elegant. Es wirkte eher so, als erwarte er schlicht, dass sie zugreift. Seine Finger bewegten unangenehm näher, als hätte er nicht die Absicht, diese Einladung allzu lange unbeantwortet zu lassen.

    Für einen Moment lag etwas in der Luft, dass sich nicht ganz richtig anfühlte.

    Und genau in diesem Zwischenraum setzte die Musik wieder an. Die Harfe fand eine klare Linie, die Flöte legte sich darüber, ein ausgelassener Takt setzte ein. Die Zeit des Suchens war vorbei.

    Überall auf dem Platz reagierten die Paare. Gespräche brachen ab und Blicke fanden sich. Hände wurden gereicht – manche sicher, andere zögernd. Am Rand der Tanzfläche trat eine ältere Frau hervor. Ihre Präsenz war unaufdringlich, aber unübersehbar.

    „Meine Damen und Herren …“, ihre Stimme legte sich ruhig über die ersten Takte. „Der Frühling bittet nicht zweimal.“ Sie lächelte fein. „Tanzt!“


    Wie auf ein Signal hin füllte sich die Mitte des Platzes.
    Was zusammengehörte, wurde nun zueinander geführt.
    Und wer noch zweifelte, musste sich jetzt entscheiden.

    Ein Hauch von Magie und erwartungsvoller Unruhe lag über dem Festgelände, das sich wie ein Reigen aus Duft und Farbe unter dem weiten Himmel des Philosophenviertels ausbreitete.

    Der Winter hatte seinen Griff endgültig gelockert und Platz gemacht für ein Fest, das die Sinne geradezu berauschte. Der Platz war kaum wiederzuerkennen. Wo sonst nackter Stein oder schlichter Rasen gewesen war, blühte es nun in verschwenderischer Pracht.

    Hauchdünne Seidenbänder in allen Farben des Frühlings spannten sich zwischen den alten Bäumen und tanzten im milden Wind. Der Duft von frisch geschnittenem Gras, süßem Flieder und schwerem Honigwein lag in der Luft.

    Im Zentrum des Platzes hatten sich Musiker eingefunden, die noch leise, beinahe zurückhaltend spielten – gezupfte Harfensaiten, das klare Klingen einer Flöte, während die Trommeln im Schatten auf ihren Einsatz warteten. Noch mischten sich die Gäste untereinander, lachten, musterten einander und präsentierten ihre Gewänder. Doch über allem lag eine unausgesprochene Frage:

    Wer würde die eigene Farbe spiegeln?

    Dann schwoll die Musik an. Langsam zunächst, beinahe unmerklich – bis sie schließlich den Moment einleitete, in dem Gespräche verstummen mussten und das Schicksal – oder das Verhandlungsgeschick der letzten Stunden – die Paare auf die Tanzfläche führen würde.

    ✧・゚: Federkiels Gesellschaftsblatt :・゚✧

    Man sagt, der Winter habe in diesem Jahr besonders lange versucht, seine kalten Finger um Beleriar zu legen. Doch selbst der hartnäckigste Frost muss sich schließlich geschlagen geben, wenn die ersten Knospen sich mutig dem Licht entgegenstrecken.

    Und so raunt es bereits in den Schenken, auf den Marktplätzen und in den Gärten hinter hohen Mauern:
    Das Fest des Erwachens steht bevor.

    Ein Anlass, der nicht nur den Frühling willkommen heißt, sondern auch jene Zusammenkünfte ermöglicht, die das Herz der Gesellschaft schneller schlagen lassen. Seide wird rascheln, Musik durch die mild gewordene Luft tönen und so manch vorsichtig gehüteter Blick wird vielleicht ein wenig zu lange auf seinem Gegenüber verweilen.

    Natürlich wäre es ungehörig von mir zu behaupten, dass bei solchen Gelegenheiten mehr geschieht als bloße, höfliche Konversation und wohlerzogene Tänze. Doch meine geschätzten Leserinnen und Leser wissen ebenso gut wie ich, dass ein Fest selten nur aus Musik besteht.

    Man darf also gespannt sein, wer sich in diesem Jahr unter die Gäste mischt –
    und welche Geschichten der Frühling zu erzählen beginnen wird.

    Mit größter Aufmerksamkeit

    Ihre
    Madame Federkiel


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    Am Rand des festlich geschmückten Platzes hatte man einen kleinen Stand errichtet – nicht mehr als ein grob gezimmerter Tisch unter einem lindgrünen Baldachin, dessen zarte Bänder im Wind flatterten wie die letzten Reste des Winters.

    Über dem Tisch hing ein Schild aus hellem Holz. Die Schrift darauf war schwungvoll und eindeutig von einer geübten Hand Nir'alenars.

    „Ausgabe der Tanzkarten“

    Meist war es Floris, die hinter dem Tisch saß. Eines der jungen Schankmädchen, die immer mal wieder im Gasthaus "Zum Korallenriff" aushalf. Wenn gerade niemand vor ihr stand, hatte die junge Frau ihre Nase tief in ein gefaltetes Blatt Papier gesteckt - Federkiels Gesellschaftsblatt, das gerade in ganz Nir'alenar die Leute über alles rund um das Fest des Erwachens auf dem Laufenden hielt.

    Kam jemand näher, hob Floris den Blick, strich sich eine lose, blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und suchte in der Liste nach dem passenden Namen.

    „Einladung?“

    Die meisten kamen in den Tagen vor dem Fest nach der Arbeit vorbei – manche noch mit Staub an den Stiefeln oder dem Geruch der Schmiede in der Kleidung. Floris nickte ihnen mit einem Lächeln zu, machte einen kleinen Haken neben den Namen und griff in die Schachtel neben sich.

    Daraus zog sie jedesmal einen schmalen, sorgfältig versiegelten Umschlag . Floris legte ihn auf den Tisch, bevor sie ihn über die Kante schob. „Nur für Euch“, sagte sie dabei in einem verschwörerischen Ton und oft blieben ihre Finger einen Moment länger auf dem Umschlag liegen, als sie es eigentlich hätte müssen.„Nicht hier öffnen..“, fügte sie dann gerne hinzu. ".. sonst verliert die Sache ihren Zauber.“

    Die Umschläge wirkten alle gleich und doch schien jeder von ihnen ein kleines Versprechen zu tragen – still, verschlossen und geduldig, als wüsste er bereits, dass er erst im richtigen Moment Bedeutung bekam. In ihnen war jeweils eine Karte aus festem Papier, jede in einer eigenen Farbe des Frühlings, eingefasst von feinen goldenen Ornamenten.

    Ihr Zweck war schlicht:

    Beim ersten Tanz des Festes fanden sich jene Gäste zusammen, die dieselbe Farbe erhalten hatten.

    „Und nicht verlieren..“, riet Floris zum Abschied häufig ihrem Gegenüber ".. sonst tanzt am Ende noch der Falsche mit euch!“

    Ob daraus nur ein höfliches Drehen über den Platz wurde, eine unerwartete Begegnung – oder der Anfang einer Geschichte, die man später lieber flüsterte als laut erzählte … nun, das lag ganz bei denen, die ihre Karte in der Hand hielten.


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    ✧ Organisation des Festes ✧
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    • Meldet euren Charakter hier kurz an, wenn er am Fest des Erwachens teilnehmen möchte.

    • Auch Charaktere, die nicht tanzen, sondern nur zuschauen oder am Rand des Festes verweilen möchten, erhalten eine Farbkarte.

    • Die Farbkarten werden per persönlicher Nachricht an euch verschickt - bitte nicht ungeduldig werden, wenn es auch mal einen Augenblick länger dauert.

    • Charaktere mit derselben Farbe finden sich beim ersten Tanz als Paar zusammen.

    • Nach dem ersten Tanz sind natürlich weitere Begegnungen, Gespräche oder Partnerwechsel möglich.

    • Farbkarten dürfen auch vor dem Fest getauscht werden – spielt das gerne irgendwo aus.

    • Der Fest-Thread wird in Kürze eröffnet.
    Farbkarten können selbstverständlich auch danach noch abgeholt werden.