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Wenn es eine Gottheit gibt, deren Herz in der Tat schwarz wie die Nacht ist, dann ist dies Shirashai, die Göttin der Nacht und der Dunkelheit. Einstmals ebenso mächtig wie die anderen fünf der hohen Götter, zu denen sie gehört, ist sie durch ein Komplott gegen Eriadne von diesen aus ihrem Reich vertrieben worden und muss nun ihr Leben auf Niel'Anor fristen. So bewohnt die Göttin der Nacht nun ihren Palast aus der Schwärze der Nacht im Herzen der Schattenebenen und erteilt von dort aus ihren Anhängern Befehle.
Vielleicht ist Shirashai in der Tat die menschlichste aller Götter, seitdem sie auf die Welt herabgestürzt ist, doch dies gibt ihr noch lange kein gutes Herz und lässt sie statt dessen nach noch mehr Macht dürsten, mit der sie die Welt in eine immerwährende Dunkelheit stürzen kann. Shirashais dunkles Herz steckt voller Hinterlist und so ergreift sie jede Gelegenheit, die sich ihr bietet, um ihren Einflussbereich über die Schattenebenen hinaus, auszudehnen. So reihen sich bei ihren Versuchen Erfolge und Misserfolge aneinander, wobei ihr größer Misserfolg sicherlich die Erschaffung der Nachtelfen war, ihr größer Erfolg jedoch, Ashairon unter ihre Kontrolle zu bringen. Doch was treibt Shirashai zu ihren Taten? Natürlich sind ihre Ambitionen von Machtgier gezeichnet, jedoch auch von dem Wunsch, die Nacht über Niel'Anor regieren zu sehen und den Tag und das Licht, das ihre Schwester Eriadne verkörpert, zu verdrängen. Andererseits ist es ihre Geltungssucht und ihr Wunsch nach Verehrung, der diese Göttin antreibt, die niemals genug davon bekommen kann. Shirashais Gefährlichkeit wird nicht durch ihre Macht bestimmt, sondern durch ihren Willen, beinahe alles zu tun, um ihre Ziele zu erreichen und sich auch auf eine niedere Ebene zu begeben, wenn es Erfolg verspricht. So wird Shirashai also von allerlei lichtscheuem Gesindel verehrt, dass das Licht des Tages fürchtet und lieber im Schutze der Dunkelheit agiert, ebenso wie von jenen, die selbst verstoßen worden sind oder ihrem Charme persönlich zum Opfer fallen mussten. Shirashais Gestalt ist von ebenso überwältigender Schönheit wie die ihrer Schwester Eriadne, auch wenn sie gegensätzlicher nicht sein könnte. Ihre Haut besitzt die Farbe des silbrigen Vollmondes am Nachthimmel, während ihr langes, glattes, schwarzes Haar wie flüssige Seide über ihre Schultern hinab fließt und sie so manches mal wie ein seidenes Kleid einhüllt. Ihre Augen sind von dem tiefen Blau des Nachthimmels, in dem silberne Sterne schimmern und so mancher Mann ist der verführerischen Göttin verfallen und hat ihr seine Seele verkauft. Die Priesterschaft Shirashais ist beinahe von der Göttin selbst handverlesen, scheut sie sich doch nicht vor der Arbeit, die es mit sich bringt, viel versprechende Wesen zu verführen oder verführen zu lassen. Normalerweise scheuen diese das Licht und arbeiten selten aus eigener Motivation heraus, sondern eher, weil sie von ihr dazu verführt worden sind und ein offenes und empfängliches Ohr für ihre Versprechungen hatten. Wände und Decken in Shirashaitempeln neigen dazu, Bildnisse der Göttin zu tragen, während alle Räume in den Tempeln in Stille getaucht werden. Normalerweise reden ihre Priester nur in einem Flüstern miteinander und erheben ihre Stimmen sehr selten. Für gewöhnlich darf niemand, der ihnen nicht angehört, weiter in den Tempel hervordringen, als bis zu dem Altarraum und so ist nicht bekannt, welche Geheimnisse darin verborgen werden. |