- Die Töchter des Schattens -

Verführerische Schönheit kann blenden. Oftmals verschleiert sie die Realität in dem Maße, dass man ihrem Zauber vollkommen erliegt und alles um sich herum vergisst. Schönheit kann für den leichtsinnigen tödlich sein und niemand weiß das so gut, wie die Töchter des Schattens. Niemand würde sie jemals offiziell so nennen, denn das würde die wahre Natur jeder Frauen verraten, die man gemeinhin als Kurtisanen bezeichnet.
Die Töchter des Schattens arbeiten im Geheimen. Beinahe jeder wichtige Mann wird an irgendeinem Punkt seines Lebens mit einer von ihnen konfrontiert, ohne jedoch jemals etwas von der Existenz dieses geheimen Bundes zu wissen. Die Töchter des Schattens verstehen es, die Schritte eines Mannes in die richtige Richtung zu lenken, in eine Richtung, von der sie profitieren können, auch wenn niemand ihre Ziele kennt.
Nach außen hin sind die Töchter des Schattens als Kurtisanen beliebt, die der Schule einer Elfenfrau namens Astara entsprungen sind und deren Dienste von den hohen Herren gerne in Anspruch genommen werden. Kurtisanen sind schön, sie sind gebildet und erotisch, Eigenschaften, die den Ehefrauen einiger Männer oft fehlen, besonders wenn die Heirat kein aus Liebe geschlossener Bund war. Sie haben bei ihrer Ausbildung gelernt sich jederzeit perfekt zu benehmen und ihre wahren Absichten zu verschleiern. Eine Kurtisane ist in jeglicher Hinsicht bewandert, die bei einem Mann für Vergnügen sorgen kann. Sie geht durch eine harte Schule und sie vergisst die Mühen, die sie dafür auf sich nehmen musste niemals.
Es ist in bestimmten Kreisen mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich, die Dienste einer Kurtisane in Anspruch zu nehmen und so nimmt so mancher seine persönliche Kurtisane, die er vorher mit teuren Geschenken und einiger Mühe umworben hat zu wichtigen Treffen und abendlichen Vergnügungen mit- eine sehr gute Möglichkeit für die Töchter des Schattens Informationen zu erlangen, die sie nutzen können.
Man erkennt die Töchter des Schattens an den Pfauenmasken, die sie tragen, wenn sie sich außerhalb bewegen, wo so manche ihnen Böses wollen könnte. Eine Frau, die diese Schule besucht hat, legt meistens ihren Namen für alle Zeiten ab und erwählt sich einen neuen. Alles andere wäre zu gefährlich für sie.

Die Ausbildung

Wie schön vorher angemerkt, müssen die Kurtisanen durch eine harte Schule gehen, bevor sie als Töchter des Schattens gelten dürfen und ihre eigene Arbeit aufnehmen. Es gibt einige Kurtisanen in Nir'alenar, die sich zur Ruhe gesetzt haben, nachdem sie auf ihre Weise zu einer Legende geworden sind und sich dann der jungen Mädchen annehmen, die sich durch das Leben als Kurtisane Reichtum und Einfluss versprechen. Doch diese Mädchen, die ‚privat' ausgebildet wurden, gehören nicht zu den Töchtern des Schattens.
Nur einmal jedes Jahr begeben sich fünf hohe Angehörige der Töchter des Schattens auf die Suche nach den passenden Mädchen, die ihre Aufgabe weiterführen können. Diese Mädchen wurden vorher sehr genau beobachtet- sie müssen von betörender Schönheit und einem überaus scharfen Geist sein. Die Töchter des Schattens nehmen keine zarten, kleinen Mädchen in ihre Reihen auf, die nicht wissen was sie wollen. Viele mögen davon träumen, die berühmte Kurtisanenschule der Diarée Astara aufgenommen zu werden, doch nur 10 von ihnen gelangen aufgrund ihrer besonderen Talente tatsächlich an dieses Ziel. Den Eintritt in die Kurtisanenschule erbittet man nicht, man wird auserwählt.
Nachdem dies geschehen ist, sehen die Mädchen für ein Jahr ihre Familien kaum mehr, manchmal nie mehr wieder. Sie bleiben ständig in der Kurtisanenschule und lernen dort alles für ihr zukünftiges Leben- strenge Disziplin wird dabei erforderlich, wenn die Mädchen perfektes, höfisches Benehmen lernen, ebenso wie den Tanz, die politischen Zusammenhänge der Stadt, Geschichte, modisches Auftreten und vieles mehr. Keines der Mädchen verlässt diese Schule, ohne perfekt ausgebildet zu sein. Genau das macht die Töchter des Schattens so beliebt, aber auch so teuer.
Die Ausbildung dauert drei Jahre an und nach Ablauf dieser Zeit werden die Mädchen in einem jährlich stattfindenden Ball um Mitternacht der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist überflüssig zu sagen, dass sich nur selten eine verheiratete Frau auf eine Veranstaltung wie diese begeben wird. Die meisten Herren der Stadt jedoch, die eine persönliche Einladung erhalten haben, nehmen begierig an diesem Ball teil, der nicht selten zügellos verläuft.
Es ist sehr sicher, dass jedes der neuen Mädchen danach eine Schar fester Verehrer besitzt, die sie mit Geschenken und Gefälligkeiten, oft auch mit Gedichten und Liebesbriefen überhäufen. Nach diesem Ball sind die Kurtisanen auf sich selbst gestellt. Diarée Astara versorgt ihre Töchter mit allem, was sie brauchen, doch sie verlangt nicht wenig dafür. Ein Mann, der eines der Mädchen umwirbt, wird zuerst sehr genau von ihr beobachtet, bevor sie ihre Einwilligung gibt und niemals tut sie dies ohne Grund. Keine wird gezwungen, einen Mann zu nehmen, den sie nicht möchte, doch Astara behält die Zügel fest in der Hand und sorgt dafür, dass die Töchter effektiv arbeiten und ihre Aufträge nicht aus den Augen verlieren.

Die Schule der Töchter des Schattens

Die Schule der Töchter des Schattens ist ein großen, reich ausgestattetes Gebäude aus dunkelblauem Marmor, dass von begabten Künstlern ausgestattet worden ist. Den Schülerinnen fehlt es hier an nichts, von dem Garten mit dem Teich, der voller bunter Zierfische ist, bis zu dem großen Käfig mit exotischen Singvögeln ist hier alles vorhanden, selbst der Pfau, das Wahrzeichen der Töchter läuft bei Tag und bei Nacht dort umher und schlägt sein farbenprächtiges Rad für jeden., der es sehen möchte.
Auch im Inneren ist alles luxuriös ausgestattet- die Schülerinnen sollen sich an das Leben gewöhnen, dass ihnen bevorsteht und so ist von den samtenen Vorhängen, über dicke Teppiche, bis hin zu kristallenen Kronleuchtern und seidenen Bettlaken alles vorhanden.
Der große Tanzsaal, dessen Vorhänge bis zu dem Ball im Sommer immer zugezogen sind, dient dem Unterricht, ebenso wie einige Klassenräume. Es erscheint hierbei kaum verwunderlich, dass es hier auch männliche Lehrmeister gibt, die den Damen die feinen Schattierungen des zwischenmenschlichen Umganges beibringen, zu finden sind.
Ein Hauch von Parfum liegt jederzeit in der Luft, ebenso wie der zarte Duft der Blumen, die von Verehrern abgegeben worden sind, die einen Blick auf eines der Mädchen im Garten erhaschen konnten, dort wo der schwere Eisenzaun nicht ganz undurchdringlich gewesen ist und die Räume hallen vom Lachen der Frauen und manches Mal auch ihrer Lehrmeister wieder, die sich bei leiser Musik ihren Lehrstunden widmen.
Nach einem langen Tag stehen die marmornen Bäder für alle zur Verfügung. Es ist nicht verwunderlich, dass diese auch während des Sommerballes genutzt werden. Auch wenn dies sehr zügellos erscheinen mag, täuscht der Eindruck. Trotz allem erfolgt die Ausbildung oft mit eiserner Disziplin und Härte und nicht jedes Mädchen ist von den Methoden begeistert.

Persönlichkeiten: Astara

Astara Diarée ist eine besondere Frau, die mit vielerlei Talenten und sie hat sehr gut gelernt diese zu nutzen. So wunderschön wie auch gefährlich geht Astara ihren Weg und ist dabei schon zu einer lebenden Legende geworden, von vielen bewundert aber nur selten berührt.
Astaras Vergangenheit liegt im Dunkel verborgen und sie hütet ihr Geheimnisse. Manchmal wird sie gar mit der dunklen Gräfin in Verbindung gebracht, aber wer schenkt solchen Gerüchten schon Glauben? Oder sollte man dies vielleicht doch tun? War die geheimnisvolle Gräfin ihre Lehrmeisterin? Nur Astara allein weiß um ihr Geheimnis und dieses Wissen ist bei ihr sicherer als in der Schatzkammer des Fürsten.
Astara hatte viele Verehrer, selten kann ein Mann der Schönheit der Elfenfrau mit dem silbernen Haar und der schimmernden Haut widerstehen, deren Augen so blau wie das tiefe Sternenmeer leuchten und in deren Haar die Sterne des Nachthimmels zu schimmern scheinen. Astara ist immer perfekt gekleidet und makellos aber sie ist kühl, so kühl wie der weiße Marmor, aus dem Nir'alenar erbaut worden ist.
Nur selten sieht man eine Gefühlsregung auf ihrem Gesicht und sie meidet die Gesellschaft anderer. Die Repräsentation ihrer Schule überlässt sie anderen, die lieber als sie im Mittelpunkt stehen und Gefallen an den Bällen und anderen Vergnügen finden. Manche sagen dies käme, weil Astara einst ihre große Liebe verloren hat und noch immer um sie trauert aber kann man dies wirklich glauben? Welches Geheimnis umgibt diese Frau? Viele trachten nach ihrem Leben, doch warum? Wovor haben sie Angst? All diese Fragen sind ungeklärt und nur Astara kennt die Antworten darauf.
Sie führt ihre Schule mit eiserner Disziplin und trifft die letzte Auswahl für die Schülerinnen selbst, doch nur selten legt sie Hand an ihre Ausbildung und nur des Nachts verlässt Astara das Haus, um sich zu zeigen. Dann scheint sie beinahe eine andere Persönlichkeit zu besitzen. Soviel wärmer und lieblicher.

Persönlichkeiten: Die dunkle Gräfin

Jeder in Nir'alenar hat von dieser geheimnisvollen Gestalt gehört, doch nur wenige haben sie jemals zu Gesicht bekommen. Die Legenden, die sich um sie ranken sind düster und schrecklich, doch wer kann sagen, ob sie wahr sind?
Die dunkle Gräfin wurde vor vielen Jahrhunderten geboren aber sie lebt noch immer, niemals vom Tode berührt in ihrer Villa am Rande des Adelsviertels- der Villa aus schwarzem Stein, an dem rote Rosen empor klettern.
Diejenigen, die sie gesehen haben, sprechen von einer Frau in schwarzen Kleidern, deren Gesicht von einem ebenso schwarzen Schleier aus Spitze bedeckt wird und die mit einer dunklen, verführerischen Stimme spricht.
Viele junge Männer haben den Tod gefunden, als sie versuchten ihr Geheimnis zu lüften und es ist kein Ende in Sicht. So weiß jeder Nir'alenarer schon von Kindesbeinen an, dass es Zeit wird in die Häuser zu gehen und zu beten, wenn die dunkle Gestalt durch die Straßen oder durch die Alpträume wandelt.
Es ist bekannt, dass diese Frau eine Verbindung zu den Töchtern des Schattens besitzt. Ist sie diejenige, die versucht ihre Ziele zu verwirklichen? Wer weiß schon, ob Astara wirklich das ist, was man von ihr glaubt?

Ziele?

Besitzen die Töchter des Schattens eigene Ziele? Nun, dies ist eine Sache, die niemand weiß. Ebenso, wie niemand jemals die Kurtisanenschule der Diarée Astara als ihre Quelle vermuten würde. Es ist bekannt, dass die Töchter existieren und ein jeder, der einen Auftrag für eine solche Kurtisane hat, kann über ein kleines, unauffälliges Gasthaus im Seeviertel (Der Schatten der Nacht) Kontakt zu den Töchtern aufnehmen und sich sicher sein, dass sich seiner Probleme angenommen wird. Bis jetzt ist noch keiner ihnen auf die Spur gekommen, tritt doch immer nur ein Mann, der sie der Schattenwächter nennt in Erscheinung, um sich die Auftraggeber anzusehen und mit ihnen zu verhandeln.
Meistens handelt sich bei den Aufträgen darum, einem Konkurrenten in irgendeiner Angelegenheit Schaden zuzufügen. Viele möchten, dass die Töchter des Schattens die Geheimnisse eines Konkurrenten ans Tageslicht bringen und weitergeben, ein anderer mag Interesse daran haben, dass diese Frauen ihr Wissen über Gift einsetzen, um jemanden unschädlich zu machen oder ähnliches. Die Einsatzgebiete sind so vielfältig wie die Auftraggeber selbst und so mancher mag erstaunt sein, wenn ihm plötzlich das gleiche Schicksal widerfährt.

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