- Über Zeit und Stil -

"Es ist nicht schwer sich Nir'alenar vorzustellen, wenn man annimmt, dass eine Mischung aus dem Florenz der Renaissance und einer antiken, griechischen Stadt auf dem Meeresboden gelandet ist und nun unter einer Kuppel weiterexistiert, über der man die bunten Meeresfische und allgemein rundum das Leben auf dem Meeresboden sehen kann."

Dieses Zitat stammt aus der Beschreibung der Stadt und macht schon eine nicht gerade unwichtige Aussage bezüglich der Atmosphäre und der Zeit, in der wir uns befinden- es ist die Zeit der Renaissance, die Zeit in der auf unserer eigenen Welt die Künste und der Humanismus großgeschrieben wurden.
Und das Gleiche gilt auch für Nir'alenar. Das finstere (oder auch nicht wirklich finstere) Mittelalter ist vergangen und die Bewohner dieser Welt haben begonnen, sich anderen Dingen zu widmen- an den Adelshöfen wird die höfische Intrige größer geschrieben denn je, auch wenn diese erst später den Höhepunkt erreichen wird, die Wissenschaft beginnt langsam zu erblühen, als brillante Individuen beginnen sich ihre Gedanken über die Welt in der sie leben und über ihre Zusammenhänge zu machen. Sie bereichern alle mit ihren Erfindungen- zum Guten oder zum Schlechten.
Auch die Kunst erblüht in allen ihren Formen. Nie zuvor hat man so wunderbare Künstler entdecken können- Bildhauer widmen sich ihrer Arbeit, Maler entdecken die Perspektive und zaubern in ihren Bilder wahr gewordene Träume, während auch die Barden und die Dichter Großes vollbringen. Sie alle streben im Künstlerviertel der Stadt nach der Perfektion und nach dem Ruhm, den ihnen ihre Arbeit verleihen kann.
Die Zeit der Ritter in ihren prachtvollen Rüstungen ist vorbei und somit auch die Zeit des Arion Falkenauge, des großen Helden der Stadt, der einer von ihnen war. Stattdessen findet sich nun eine andere Art von edlen Recken, jenen Männern (oder auch Frauen), die des Nachts die Schönen der Stadt auf ihren Balkonen besuchen, um ihnen ein Gedicht über ihre Schönheit ins Ohr zu flüstern und ihnen einen Kuss zu stehlen, jenen, die mit ihrem Degen bewaffnet die wagemutigsten Dinge vollbringen, an den Kronleuchtern der Gasthäuser schwingend ihre Widersacher in die Flucht schlagen und der Barmaid eine Kusshand zuwerfen, bevor sie schließlich behände über die Dächer der Stadt flüchten. Es ist die Zeit derjenigen, die den Reichen auf den gefährlichen Straßen Beleriars auflauern, um ihre Kutschen auszurauben und den Armen das zu geben, was sie darin vorgefunden haben.
Die wunderschönen Kurtisanen der Töchter des Schattens bewegen sich in den höchsten Kreisen und derjenige, der ihren Verführungskünsten zum Opfer fällt, kann sich sicher sein, dass möglicherweise sein schlimmster Feind am nächsten Tag all seine Geheimnisse kennt. Aber eine Tochter des Schattens erkennt man nicht immer und woher will er wissen, dass die wunderschöne Frau, die dort neben ihm schläft eine solche ist?
Die Mitternachtsbälle der Elfen halten die Welt in Atem oder rauben ihn ihr- je nachdem, ob man dafür empfänglich ist, während der Adel, dekadenter denn je zuvor, seinen Reichtum für verschwenderischen Prunk ausgibt. Die Händler werden immer reicher, während sie danach trachten selbst den Platz des Adels einzunehmen und seine Verschwendungssucht fördert.
Es ist auch eine Welt voller Magie, in der die talentierten Handwerker der Zwerge die größte Schönheit vollbringen, die je ein Auge erblicken durfte und in der die Magie ihres Volkes lebt. Sie arbeiten unermüdlich in den Mienen, um die Materialien für ihre Schmiedekunst zutage zu bringen. Mächtige Magier kontrollieren die Geschicke der Bevölkerung mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten, während über allem eine jederzeit greifbare Aura der Bedrohung durch die feindliche Außenwelt und die ewig streitenden Götter liegt, die noch immer um die Vorherrschaft in der Stadt kämpfen.
Eriadne machte diese Stadt zu einer Stätte der Weisheit und des Wissens, doch trachtet Narion noch immer danach, ihr Werk zu zerstören und seine Bewohner mit seinem Geist zu erfüllen. Auf ewig wird dieser Konflikt in der Stadt spürbar sein, ebenso wie die Aura der Traurigkeit, denn Beleriar ist von der Außenwelt abgeschnitten und niemand, der auf der Insel geboren ist, wird sie jemals verlassen und das Sonnenlicht wiedersehen- wenn der Fluch nicht gebrochen wird.
Aber auch andere Wesen, die im Schatten leben, durchstreifen die Stadt in der Nacht, wenn alle schlafen. Geheime Gesellschaften schmieden ihre Komplotte, um das Machtgefüge der Stadt zu verschieben und gemeine Schurken tun es ihnen gleich, um ein wenig von der Macht zu erlangen, nach der sie trachten.
Kleine Diebe durchstreifen die Schatten und suchen nach ihrem Glück in einem abgeschnittenen Goldbeutel eines Betrunkenen, während sich die Spieler und Glücksritter ihren Teil des Kuchens abschneiden möchten.
Aber niemals sollte man vergessen, dass sich Nir'alenar auf dem Grund des Meeresbodens befindet, nur von einer Kuppel vor den umgebenden Wassermassen und dem Zorn der Yassalar und ihrer schönen Hohepriesterin Ashiana geschützt. Die Schönheit des Meeresbodens ist unglaublich, wenn man durch die Kuppel nach draußen schaut, doch ist sie auch ebenso gefährlich. Das Zusammenleben auf dem Meeresboden hat die Bevölkerung um neue Wesen erweitert, fremde Wesen, die kaum jemand vorher erblicken durfte und die nun dabei helfen, die Stadt mit ihren eigenen Gütern zu versorgen.
Außerhalb der Stadt gehen die Menschen in ihren kleinen Dörfern und den kleineren Städten auf der Insel ihrer täglichen Tätigkeit nach und führen ein stilleres Leben, weitab von der Dekadenz der Großstadt aber nicht weit ab von ihren Gefahren. Weitaus ältere und düsterere Dinge lauern in den Schatten der Wälder und des Gebirges. Ruinen beherbergen Wesen, die das Licht des Tages scheuen und in der Nacht auf ihre Beutezüge gehen.
Spuren alter Magie und mächtiger, uralter Magier sind hier zu finden und harren der Unvorsichtigen, die sie aus ihren alten Gefängnissen befreien und ihnen dabei helfen wieder zu ihrer alten Stärke zu gelangen.
Doch trotzdem regiert das Licht in den Wäldern, die von stolzen Völkern und bezaubernden Waldwesen bewohnt werden, die es vorziehen, nicht in der Stadt zu leben. Dennoch sollte man vorsichtig sein, wenn man ihnen begegnet, denn sie hüten ihre eigenen Geheimnisse und ihr ureigenes, altes Mistrauen gegen die Völker der Stadt. In der Nacht tanzen die Waldelfen und die Feenelfen durch den Wald und feiern ihre eigenen Feste. Aber wer weiß, ob ein Außenstehender diese jemals wieder verlassen darf?

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