[Corandir] Die Greifenreiter von Corandir

  • Vor dem Fenster landete etwas mit rießigen Flügeln und ließ das Tageslicht in dem Raum wild flackern. Ein Auffordernder Schrei drang durch die Tür, als Selphet sich durch die Tür schieben, aber von Naou`ru aufgehalten wurde. Er hatte einen Auftrag.. da waren keine richtigen Worte nötig, das was er in Rhynns Gedanken gesehen hatte, reichte dem Braunen vollkommen um seine Sache ernst zu nehmen. Das kleine Kerlchen das an seinem Rumpf herumdrückte konnte ihn auch nicht davon abhalten. *Nara`tee!!* meldete sich Selphet lautstark blindlings ins Innere des Hauses. *Bringt Owatu raus oder ich komm rein.* forderte das Männchen und knurrte.

    Karrun stürmte zurück zur Tür und riss sie auf. " Warte Selphet nicht! Wir brauchen noch ein paar Minuten.Warte!" rief Karrun und nun stemmten sich zwei Männer gegen die Brust des mächtigen Tieres.

    Zornfunkelnd wurden Naou`ru und der Schwadronsführer von goldenen Augen fixiert. Das Greifenmännchen setzte sich auf seine Hinterläufe und Blockierte die Tür, als wollte er sicher gehen, dass hier niemand an ihm vorbeischleichen konnte.


    Rhynn bewegte sich nicht, obwohl sie auf die Nachfrage der Schamanin hin nicken wollte. Qatea schien schon viel zu wissen und es klang ja ohnehin mehr wie eine Feststellung, dass sie vermutlich keine Antwort darauf erwartete. Als die Frau mit dem Tuch über ihre Wange tupfte, erwartete die Katze eigentlich ein Brennen, doch das blieb aus. Ein angenehmes Kribbeln löste das unangenehme Pochen ab, dass seit Tagen schon anhielt. Ein wenig umständlich, da die Geistführerin sie noch immer festhielt tunkte sie erneut den Lappen ein und drückte es auf die Blutflecken. Ein Aussichtsloses unterfangen, das den Fleck nur noch größer und brauner werden ließ.

    " Etwas persönliches?" fragte Rhynn nach und schüttelte bereits den Kopf. Was besaß nichts von Owatu... was denn auch? Sie besaßen ja sogut wie nichts, außer der Militärausrüstung und sie hatten sich auch nie irgendwas gegenseitig geschenkt. Wozu auch? Sie waren in den Augen aller ja nur Flügelmänner.... und ... halt nein das stimmte nicht. Langsam fuhr ihre Hand an ihren Lederbeutel der noch immer um ihren Hals hing. Aber das war doch nichts persönliches wie eine Haarsträhne oder...aber für sie von bedeutung.. und von ihm. Kaum hatte die Frau ihr Kinn losgelassen , zog sich Rhynn die Kette über den Kopf aus und starrte einen Moment darauf. Wofür brauchte sie denn das Persönliche überhaupt? Doch ihre Gedanken wurden von einer Aufforderung unterbrochen. Nun war ihre Kleidung nicht nur dreckig sondern auch nass, und der leichte Windhauch ließ rhynn frösteln. Vor einer Frau störte es sie weniger und dennoch war es ihr nicht ganz wohl bei der Sache, schließlich konnte jeden Moment jemand durch die Tür kommen...

    Die Katzenfrau löste den obersten Knopf und sah wie die kleine rundliche Frau wieder hinter dem Vorhang verschwand. Hoffentlich um ihr eine Tunika oder ein Tuch zu bringen, dass sie sich umwickeln konnte. Zumindest ging die Cath`Shyrr schwer davon aus., sonst hätte sie wohl länger gezögert, sich auszuziehen. Ein wenig verlohren, kam sie sich nun vor gänzlich nackt in diesem Raum zu sitzen, Kurz drehte sie den Beutel in den Händen und zog dann an der Öffnung. Andächtig strich sie über das Papier und klappte es schließlich auf.

    Ich bin stolz auf dich... zuerst hatten ihr die Worte soviel Freude bereitet, doch jetzt meldete sich Trauer und Wehmut. Was wenn dies das einzige wäre das blieb? Die kleine Schwarze Daune des Mauerseglers drehte sie zwischen den Fingern und als der Vorhang klapperte blickte Rhynn zu der alten. Sie trug eine Handvoll Äste jedoch keinen Fetzen Stoff... wie Rhynn erschrocken feststellte. Was sollte sie denn machen, wenn die anderen hier auftauchten?

    "Uh. Da braucht wohl auch jemand die Aufmerksamkeit der Geister... In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist mein Kind... Und du bist total im Ungleichgewicht.. auf beiden Ebenen." stellte die Frau fest als sie die vielen fast verheilten und frischen Verletzungen an dem Körper der jungen Frau sah

    Rhynn hielt der Frau den Zettel unsicher entgegen, sie konnte auch nicht viel für die Verletzungen, also wollte sie nun wieder von dem Thema ablenken.

    " Würde das auch gehen? Es ist von ihm, a-also nicht DIREKT von ihm.. aber von ihm..." fragte Rhynn und hoffte irgendwie, dass die Schamanin abwinkte, noch immer strich sie sich mit der dunkeln Feder über ihr Knie und sah der Frau dabei zu wie sie das Holz in die Glut stellte.

  • Sie hatten Beschlossen den Verletzen auf eine Trage zu legen und dann von Marak tragen zu lassen. Das war das schnellste und ruckelte auch nicht so, wie ein Pferdewagen.

    Gut in Decken verpackt und so verschnürt, dass er keinesfalls von der Trage rutschen konnte, brachten Leander und Karrun Owatu zu den Ställen. Zurulele war schon wieder zurückgekehrt und Nara’tee hatte sich eilig daran gemacht die Greifin und den Greifen seines Flügelmanns zu Satteln.

    Seran tippelte nervös neben den beiden Männern her und Selphet war verschwunden in dem Moment, wo er Owatu und seine leblosen Augen gesehen hatte.

    „Ich komme mit!“ erklärte der Heiler, „Was wenn es unterwegs wieder schlimmer wird? Ich hab ihn geradeso stabil bekommen.“ Man sah dem gehörnten deutlich an, welche Sorgen er sich machte und wie hilflos er sich fühlen musste.

    Karrun blickte einen Moment den Stabsheiler an, doch seine Aufmerksamkeit wurde schnell von einem grauen sich nähernden Schatten gefordert.

    *Selphet, warum bringst du sie hier her?!* fragte der Mensch entrüstet.

    *Sie hat ein Recht ihn zu sehen!* erklärte das Männchen und legte in die Worte die Bedeutung mit hinein ‚was wenn es das letze Mal ist?‘ Rhynn hatte ihm genug Bilder gezeigt und vor allem ihre Emotionen nicht versteckt.

    Tameqa schrie auf, als sie ihren Freund sah. Die das Deckenbündel um ihn herum ließen ihn erst recht wirken, als ob er tot wäre.

    *WAS HABT IHR MIT IHM GEMACHT?!* schrie sie in alle Köpfe, die anwesend waren und drängte sich zu der Trage vor.

    Alamiert warf Marak den Kopf herum und schritt auf die Greifin zu. Doch er ließ sie gewähren, als sie sanft den Tua’Tanai mit dem Schnabel anstubste.

    *Owatu… was ist mit dir?* versuchte sie es ganz zaghaft und erreichte ihn doch nicht. Eine seltsame Leere hatte seinen Geist ergriffen. Doch es war anders, als auf er Bühne, wo sie mit ihren Worten gegen eine Mauer gelaufen war.


    Ganz leise nahm der Tua’Tanai die Anwesenheit der Greifin wahr. Ihre Stimme, die durch seinen Kopf rauschte hatte was Wärmendes. Das erste Mal seit unendlich langer Zeit schien es wieder etwas Wärmendes zu geben. Doch er traute sich nicht weiter hervor. Was, wenn es ein Hinterhalt war um ihn zu kriegen? Schließlich hatten sie ihn wieder gebunden, dass er sich nicht bewegen konnte und der Schmerz tobte immer noch um ihn herum.

    *Was haben sie mit dir gemacht?* Trauer schwang mit in ihren Worten.

    Nein, er traute sich einfach nicht aus seinem Versteck.

    *Komm wieder zurück… komm zurück* nun waren die Gedanken nur noch ein pures flehen und langsam drehte er doch den Kopf.


    „Ja die ist perfekt!“ meinte die Schamanin lächelnd und zupfte der Frau die kleine Feder aus der Hand. Vollkommen das irritierte Gesicht ignorierend griff sie in einen Beutel und leerte die Steine Muscheln, Knochen und Holzstäbchen in ihre Hand. Die Feder dazu mischend ließ sie sich auf die Knie sinken. In Tanay stimmte sie einen leisen Gesang an und schien nun für nichts mehr, was von außen kam zugänglich zu sein. Der Duft des Räucherwerks im Raum wurde schwerer und die Flammen loderten höher. Ein Windhauch fuhr durch die Hütte und ließ oben im Gebälk Holzstäbchen und Knochen klimpern, so dass sie zusammen mit den Armbändern an Qateas Handgelenk klangen.

    Raschelnd flogen die Orakelsteine durch die Luft und kamen verstreut auf dem lehmigen Boden auf. Nur die Feder sank leicht und sanft als letztes zu Boden. Völlig in der Geisterwelt versunken starrte die Schamanin auf die Knochen und Hölzer. Legte den Kopf leicht schief und hörte nicht auf mit ihrem Singsang.

    Ihre Hand schwebte leicht über dem Orakel, wanderte mal hier hin mal dort hin und verweilte. Doch auch wenn es für einen Moment so schien, als wolle sie sich einen Knochen oder Stein herausgreifen, so hielt sie kurz vorher inne und wanderte weiter. Ihre Bewegungen wurden immer fließender bis sie mit beiden Händen den Rauch zu sich zog, der immer schwerer über die Runen gefallen war.

    Qatea schloß für einige Augenblicke die Augen und hörte auf mit ihrem Gesang.

  • Tameqa zuckte kurz erschrocken mit dem Kopf und ihre Federn stellten sich allesamt auf. Nur ein kurzes kaum merkliches Aufflackern in seinem Inneren. Wie eine Erinnerung an Angst und Schmerz die nicht ihre, aber dennoch vertraut waren. Das flehendliche Fiepen wurde immer lauter und als Tameqa ihren Kopf neben den ihres Freundes auf die Trage legte und sacht ihren Gefiederten Kopf an den Tua’Tanai schmiegte, fing Leander an zu ächzen. Das Gewicht mehrte sich beachtlich und zwang die zwei Greifenreiter weiter in die Knie zu gehen.

    „ Tameqa.. kannst du b.. itte“ presste Karrun zwischen den Zähnen hervor und als Nara‘tee mit den zwei Gesattelten Greifen näher kam, spurtete er schrocken los und versuchte behutsam den Kopf der Grauen anzuheben.

    *Tameqa...wir müssen ihn schnell zu Qatea bringen.* erklärte er ihr und legte alle Hoffnung in diese Gedanken. Die Schamanin würde ihm helfen können, wenn sie sich nur beeilten.

    *Wir fixieren die Trage auf Maraks Rücken... und fliegen ihn zur ihr.* erklärte er ruhig und strich durch die zarten Federn über dem Schnabelansatz.

    * Warum nicht auf meinem?!* platzte es entrüstet aus ihr heraus und sie warf den Kopf hoch. Doch der Hyänenmann schüttelte den Kopf.

    * Du musst ihn doch bewachen, alle Achak‘tsee werden sich hüten näher zu kommen, wenn du auf ihn aufpasst.* erklärte er und lächelte. Er wusste dass dies keinen wirklichen Sinn ergab, aber Er wollte Tameqa eine Aufgabe zuteilen die sie zufriedenstellte, weil Marak einfach der erfahrenere Flieger war und ruhiger abheben konnte, als die junge Greifin, war der schwarze einfach die bessere Wahl. Missmutig grummelte das Weibchen, stellte dann aber wachsam die Ohren auf und flankierte die Trage.


    Rhynn starrte auf die nunmehr leere Hand, in der zuvor noch die Feder des verletzten Mauerseglers gewesen war.

    „ Nein! Nein die ist nicht von Owatu!“ protestierte die Katze laut und wedelte stattdessen mit dem Zettel. Doch die Schamanin schien bereits in ihrer eigenen Welt zu sein. Reagierte nicht und war vollkommen in ihre Aufgabe vertieft. Langsam ließ sie die Hand sinken und wartete nur darauf, dass die Frau den Fehler bemerken würde und sie dafür rügte. Doch das passierte nicht, stattdessen zogen unnatürlich wirbelnde Rauchschwaden durch das Abzugsloch hinaus nach oben und es schien tatsächliche so, als tanzte ein Mauersegler, geformt aus Rauch und wirbelnder Glut um das Feuer um sich dann in einen Zweibeiner zu verwandeln, der verdächtige Ähnlichkeit mit Owatu besaß. Schwer legte sich der Rauch über ihre Sinne und sie glaubte schon zu halluzinieren. Denn es wirkte für die Katze so, als würde der nun lebensgroße Rauch-Owatu, Qateas Hände mit seinen führen. Doch je länger sie hinsah und je mehr sie blinzelte umso deutlicher schien die Gestalt zu werden. Bis zu dem Zeitpunkt an dem die Geistführerin mit entschlossenem Griff nach einem Knochen langte. In dieser Sekunde löste sich die lächelnde Gestalt auf und entfloh hinaus.

    Für einen Moment starrte die kleine Frau auf den Knochen und suchte dann nach der Feder am Boden. Langsam glomm die Feder an der Kielspitze vor sich hin und wurde von Rauch eingehüllt und gleichzeitig zerbröselte der geschnitzte Knochen in ihren Händen. Das Knochenmehl rieselte zu Boden und bildete Einen kleinen weissen Haufen auf dem festgetretenen Boden. Qatea pustete entschlossen das Pulver auseinander und legte die kleine flammende Feder in die entstandene Kuhle. Bestürzt schüttelte die Frau den Kopf eine Geste die Rhynn noch mehr erschreckte.

    „ Ein Vogel... gefangen in der Falle...“ murmelte sie und griff sich an den Hals, riss eine zarte einzelne Kette los und legte sie Kreisrund um die Feder. „ Gezwungen und Erniedrigt... Schmerz.“ sie malte mit dem Finger drei Striche in das Pulver und blickte dann zu Rhynn.

    „ Verletzt von seines Gleichen.“ fast schwang wut und unverständnis in ihren Worten mit und Rhynn konnte ihrem Blick nichtmehr standhalten vor Schamgefühl. „ Ich musste ihn aufhalten.“ verteidigte sich die Katze wurde aber schlagartig von einer rassenden Armbewegung zum Schweigen ermahnt.

    „ Aber...!“ warf die Schamanin lauter ein und pustete erneut gegen die Feder, die auf dem Pulver festgebrannt zu sein schien und sich keinen Zentimeter bewegte. „ Er vertraut dir... eine Verbindung... siehst du.“ sie deutete auf das Gebilde und sah dann musternd zu der Cath’Shyrr.. und lächelte dann ein undeutbares Lächeln....

    „ Hmm...“ leicht kniff sie die Augen zusammen und streckte die Hand nach ihrem Gast aus. „ Zeig mir deine Hand.“ verlangte die Schamanin und wartete bis sich Rhynn erhoben und neben ihr in die Hocke gegangen war um ihr die Hand zu reichen. Verunsichert sah die Greifenreiterin auf die alten schrumpeligen Hände die prüfend über ihren Handrücken strichen und dann die Hand herumdrehte.

  • Als sie die Trage auf Maraks Rücken befestigt hatten schwang sich Karrun hinter Nara’tee auf den Rücken von Zurulele.

    Aufgeregt wuselte Seran zwischen den Greifen her, denn die Erkenntnis in dem Heiler wusch, dass er nicht mitkommen konnte und seinen Patienten hier abgeben musste.

    Marak breitete seinen schwarzen Schwingen aus und hob mit wenigen kräftigen Flügelschlägen ab. Tameqa wisch ihm nicht von der Seite und kurz dahinter folgte Zurulele.

    Für die Greifen war der Flug ins Viertel der Tua’Tanai nur ein Katzensprung. Trotzdem brauchten sie dieses Mal länger, als normalerweise, denn Marak stieg höher als sonst um mehr Gleitflug zu haben und die Winde besser nutzen zu können.

    Und sie flogen nicht alleine. Schnell gesellte sich ein Mauersegler zu dem Trupp und wisch nicht mehr von der Seite des dunklen Greifen.

    Tameqa war die erste, die vor der Hütte landete und eilig machte sie dem Schwarzgefiederten Platz, so dass dieser sachte aufsetzen konnte.

    Noch ehe die beiden Greifenreiter gelandet waren, verwandelte sich der Mauersegler im Landen in eine Frau, die sogleich auf den Greifen zustürzte und das Knurren des Männchens völlig ignorierte.

    Als letztes landete Selphet, der dem Gespann gefolgt war.

    Völlig außer sich, rief die Frau immer wieder Owatus Namen und versuchte mit tränennassen Augen an ihren Sohn heran zu kommen.



    Mit wichen Fingern strich sie über die Linien in Rhynns Handfläche und drehte die Hand mehr ins Licht, dann wendete sie sie wieder ab. „Dein Herz schlägt stark für ihn.“ Stellte sie fest und schloss die Hand wieder um noch für einen Moment ihre beiden Hände über Rhynns Faust zu legen. Ein erneutes Flügelschlagen kündete von den Ankömmlingen und Qatea stand auf um vor die Hütte zu treten.

    Nara’tee redete beschwichtigend auf Kasee ein, während der Mensch sich daran machte Riemen von dem liegenden Greifen zu lösen.

    Mit raschelndem aber bedachtem Schritt ging die Schamanin auf das mächtige Tier zu, dass dort so friedvoll vor ihrer Behausung lag. Sie strich dem Greifen einmal respekterbietend über den Schnabel und wandte sich dann Owatu zu. Fürsorglich strich sie ihm eine Strähne aus dem Gesicht. Das Haarband, mit dem man ihm die Haare zusammengebunden hatte, war während des fluges locker geworden.

    „Ich helfe dir.“ Flüsterte sie auf Tanay wohl wissend, dass gerade nur sehr wenig zu dem Mauersegler durchdrang.

    Dann wandte sie sich um und ging auf die nackte Frau zu, die mitlerweile auf die Knie gesunken war, aber Nara’tee immernoch befürchten musste, dass sie gleich wieder aufsprang um zu ihrem Sohn zu gelangen zu wollen, sobald er ihr den Rücken zuwandte.

    „Bringt ihn rein und legt ihn vor das Feuer.“ Löste sie den Greifenreiter ab und ließ sich dann vor Kasee auf die Knie sinken.

    „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun um ihm zu helfen.“ Versicherte sie der Mutter und nahm die zierliche Frau in den Arm.

    „Komm mit, du kannst mir und Rhynn helfen ihn vorzubereiten.“ Bot sie der Tua’Tanai an und streckte auffordernd die Hand aus um anschließend mit Kasee den beiden Männern mit der Trage zu folgen.

  • Rhynn wurde zum ersten Mal unruhig, als die Schamanin über die Linien auf ihrer Hand fuhren. Es fühlte sich so ... und es fiel ihr tatsächlich kein anderes Wort ein- offen an. Nicht zum ersten Mal schien es als würde die Frau in ihr Innerstes Blicken und dann sprach sie die befürchteten Worte aus. Natürlich wusste sie es. Doch Rhynn begann schmerzerfüllt den Kopf zu schütteln unterließ es aber schnell, bei dem Blick den ihr die Frau zuwarf. Leugnen brachte jetzt auch nichts mehr. Ihr Herz durfte nicht für ihn schlagen. Sie musste Soldat sein. Aber das konnte sie doch auch noch wenn sie wusste, dass es ihrem Flügelmann wieder besser ginge? Jetzt gerade, war sie einfach nur Rhynn und wollte einfach nur dass es ihm wieder besser ging, dass er zurückfinden würde... und wenn es die Schamanin nun wusste war es halt so. Die Katze hoffte nur inständig, dass sie es nicht weitererzählen würde.

    Das Flügelschlagen vor der Hütte wehte eine kleine Staubwolke durch den schmalen Vorhangspalt und fast ruckartig wuselte die Frau zur Tür. Hektisch sah Rhynn sich nach ihrer Kleidung um, doch die war aus irgendwelchen Gründen verschwunden. Weg.. einfach weg. Sie musste schnell irgendwas finden, mit dem sie sich bedecken konnte und als das laute Weinen einer Frau ertönte sah sie erstarrt zum Ausgang. Die Katze stand auf, sah sich aber nurnoch halbherzig in dem Raum um.. doch außer ein paar Sitzfelle gab es hierdrinn kaum etwas vernünftiges, dass sie sich um den Leib wickeln konnte. Kurz vor dem dicken Leder blieb die nackte frau stehen und schob ihn leicht zur Seite. Sie konnte doch so nicht rausgehen! Da waren Leander und Karrun und Nara‘te. Zaghaft bedeckte sie ihre Brüste mit dem Unterarm und setzte an sich durch den Vorhang zu schieben, da kamen die Männer bereits auf sie zu. Rhynn machte einen hektischen schritt zur seite und ihr Herz pochte in ihren ohren. Sie fühlte die hitze auf ihren wangen als sich der Hauptmann rückwerts zuerst ins innere des Rundbaus tastete.

    Gleich würde er sie sehen.. wenn nicht jetzt dann wenn sie die Hütte verließen. Rhynn schloss für einen Moment die Augen und versuchte sich zu sammeln. Na und wenn schon.... zeigte es nicht von Schwäche, jetzt such noch peinlich verlegen zu tun? Als Owatus Mutter den Raum betrat, strich sich Rhynn die Haare aus der Stirn. Die Frau war auch nackt... warum also stellst du dich dann so an? Die greifenreiterin zwang sich die Arme herunterzunehmen, und schritt zwischen den Aufgehangenen Kräutern heraus um zu den beiden Frauen aufzuschließen. Möglichst darauf bedacht, so zu tun als wären die Männer nicht hier.

    „ Legt ihn da neben das Feuer.. und weg mit diesen verdammten Riemen!“ keifte die Schamanin und legte Kasee ein flauschiges Waschbärenfell an Owatus Kopfende.

    „ Rhynn?“ winkte sie die Alte Frau heran und deutete auf Owatu als die Cath’Shyrr näher gekommen war. „ Befreit ihn von dem Zeug da und legt ihn auf die Gewebte Decke. Ich bereite den Sud... was ist mit dir Askuwetu? Ich sagte nehmt die Riemen weg und nicht dass du hier herumstehen und blöd schauen sollst.“ schüttelte die Schamanin den Kopf und wedelte auffordernd mit der Hand über Rhynns Schulter hinweg, den jungen Mann an, der seinen Blick iritiert einmal über Rhynns Rücken hatte wandern lassen um dann verlegen in die Luft zu starren. Die Katze blieb wie erstarrt stehen und ihr Schweiff zuckte. Sie wollte sich nicht umdrehen und sehen wer da so erschüttert lufteingesaugt hatte... und doch musste sie zu Owatu und ihn aus der Decke befreien.

  • Karrun drehte sich eilig um und kniete sich neben den Tua’Tanai. Wer rechnete denn bitte damit, das Rhynn hier nackt war? Verlegen strich er sich die Haare aus der Stirn und begann damit die Riemen zu lösen, die Owatu auf der Trage hielten. Vom Fußende her machte Nara‘tee das Gleiche und schließlich legten sie den Mann, wie es die Schamanin gewünscht hatte, auf die Decke.

    „Wartet draußen.“ Befahl Qatea den beiden, „ihr müsst mir nachher helfen ihn zum Kraftplatz zu bringen.“ Aber jetzt brauchte sie erstmal etwas Platz in ihrer Hütte und die Männer waren gerade zu viel. Ohne den Blick nochmal wirklich zu heben, weil er befürchten musste, das Rhynn vollkommen nackt vor ihm stand, verließ der Mensch den Raum, dicht gefolgt von dem Tua’Tanai.

    Wieder zupfte Qatea verschiedene Blätter und Blüten von den Kräutern, die von der Decke hingen um sie in eine Schale zu werfen und mit heißem Wasser zu übergießen. Ein erdiger Geruch breitete sich aus und trug einen Hauch von Minze und Beere mit sich.

    Einen Lappen reichte sie Kasee. „Wasch ihm das Blut vom Gesicht.“ Die Mutter war weinend in sich zusammen gesunken und strich fast schon geistesabwesend über das dunkle Haar ihres Sohns.

    Dann ging sie Rhynn zur Hand den Mann von den Decken zu befreien.

    Beim Anblick der Verletzung und der genähten Wunde verbitterte sich ihr Gesichtsausdruck. Die Seite war Blutverklebt und darunter schimmerte dunkel in Blau und Schwarz die Haut hindurch.

    Qatea legte die flache Hand auf die tätowierte Brust, als Owatu wieder vollkommen entblößt vor ihnen lag. Sein Atem ging gleichmäßig, aber sein Herz war schwach. Nicht nur der spürbare Herzschlag war schwach, sondern allein der Wille zu schlagen hatte alle Kraft verloren. Vorsichtig taste sie über den Körper. Die Verletzung glühte geradezu, wohingegen seine Gliedmaßen eiskalt waren.

    Kasee heulte auf, als sie das ganze Ausmaß sehen konnte, welches ihrem Sohn wiederfahren war. Der Frau fehlten die Worte und sie brachte nur stotternd unverständliche Silben hervor, die in Schluchzen untergingen.

    „Bitte wasch ihn.“ Reichte sie nun auch Rhynn einen Lappen und stand dann auf um die große Rahmentrommel von der Wand zu nehmen. Unzählige winzige Symbole waren auf die Haut gemalt und dumpf und mit dem ganzen Körper fühlbar war der Klang, als Qatea langsam begann rhythmisch auf das Fell zu schlagen. Erst nach den ersten paar Schlägen setze sie mit einem Gesang ein, der keine Worte zu beinhalten schien und der Herzschlag der Trommel erfüllte den gesamten Raum.


    Ein dumpfes Pochen trug Owatu dahin. War irgendwas zwischen dem stetigen Rauschen des Meeres und seinem eigenen Herzschlag. Woher dieser Rhythmus kam, das konnte er nicht sagen. Doch er fing ihn ein und schwemmte tatsächlich ein wenig der Furcht weg. Ja er wollte sich darauf einlassen. Denn das war das erste was keinen Schmerz mit sich brachte, wenn er sich darauf einließ. Gleichmäßig und stetig passte sich sein Atem und sein Herzschlag diesem dumpfen Klang an.

  • Erleichtert atmete Rhynn aus, als die Männer wieder hinaus ins Freie traten. Doch als sie neben Owatu in die Hocke ging und begann die Decken aufzuschlagen, kehrte ein allgegenwärtiges Gefühl zurück. Seine Augenlider waren halb geschlossen und noch immer war er so bleich, dass sich dunkle Augenringe abzeichneten. Es schnürte der Katze die Kehle zu und sie war froh um die Aufgabe die ihr die Schamanin zugeteilt hatte. Seran hatte offensichtlich alle Decken aus dem improvisierten Lazarett um ihren Flügelmann herumgewickelt und ohne Owatu zu bewegen, war es durchaus eine Herausforderung die vielen Lagen auseinanderzufriemeln. Noch immer weinte die Frau neben ihr und Rhynn hatte das starke Bedürfnis die Frau zu trösten. Ihr wenigstens eine Hand auf die Schulter zu legen. Doch ihr fielen keine passenden Worte ein und sie war sich auch nicht sicher, ob sie in den Augen seiner Familie hier nicht vollkommen unerwünscht war. Sie wusste ja nichteinmal wie sie hieß.... Mitfühlend sah Rhynn auf die zitternde Hand der Tua’Tanai, die den Stoffetzen umklammerte, als die Schamanin neben ihr an der Decke zupfte.

    Rhynn war absolut überfordert mit der Situation und starrte nun selbst auf den Lappen, den ihr Qatea in die Hand gedrückt hatte. Wenn sie so im Detail darüber nachdachte... war es nicht besser wenn seine Mutter das tat? Was wenn Owatu das garnicht wollte? Doch irgendwie ließ Qatea keinen Widerspruch zu und Kasee schien noch so erschüttert, dass Rhynn den Stoff in den lauwarmen Sud tunkte. Den Stoff über Owatus Körper streichen zu lassen überforderte beim erstem Mal wahnsinnige Überwindung. Stets musste sie sich vorstellen, dass sie damit jede Grenze überschritt die er aufgestellt hatte. Doch mit jedem andächtigen Strich über seine gebräunte Haut wurde es leichter. Jeder Flecken Blut der verschwand hatte etwas lösendes, die Frauen agierten beinahe wie in einer Einheit im Klang der Trommeln. Rhynn bekam dabei kaum mit, wir sie in den Singsang einstimmte, nicht weil sie den Wortlaut kannte, sondern vielmehr die Melodie dahinter. Eine Reihe von Tönen die auch Caror anstimmte, wenn es zeit für ein Gebet gab oder er die Geister zu einem Ritual anrief. Owatus Mutter hatte begonnen mit einem Hornkamm die Haare des Mauerseglers zu ordnen und flocht einige Strähnen zusammen, mit der Zeit wurde auch sie ruhiger und sah erst von ihrer Arbeit auf, als Rhynn in Heilermanier seinen Puls fühlte. Rhynn entkam ein erleichtertes Lächeln, als sie spürte dass der Herzschlag kräftiger wurde und im Takt der Trommel schlug. Vielleicht war es wirklich noch nicht zu spät...

    Eine warme zarte Hand legte sich kurz auf ihre die an seinem Hals ruhte und Rhynn hob den Kopf. Es schien so als wollte sich Kasee selbst davon überzeigen, wusste aber offensichtlich nicht wo sie genau hinfassen musste, also führte Rhynn die Finger an die richtige Position. Der Herzschlag Owatus pulsierte durch ihrer Beider Finger gleichzeitig mit den Trommeln durch ihren Gesamten Körper. Langsam Griff Rhynn mit der Hand um, wollte der Frau Zuversicht schenken, indem sie ihren Unterarm Zaghaft drückte und für einen Moment trafen sich die Blicke der beiden Frauen. Beide Gesichtsausdrücke spiegelten Leid und Verlustsangst wieder ehe sie sich gleichzeitig wieder an die Arbeit machten.

  • Immer leiser, den Rhythmus aber nicht verändernd lies Qatea die Trommel erklingen, bis nur noch ihre eigene Stimme erklang, die von Rhynn unterstütz wurde. Andächtig schritt sie um die drei Personen herum. Jeder von ihnen bauchte Heilung auf seine ganz persönliche Art.

    Langsam zog sie zuerst Kasee auf die Beine und drückte ihr eine Rassel aus Samenkapseln in die Hand. Nicht dass es wichtig war für das Ritual war, aber für die Mutter. Bei Rhynn war sie sich nicht sicher, Caror schien sie in ein paar Dinge eingeweiht zu haben. Für die Katzenfrau könnte eine ähnliche Aufgabe das Gegenteil bewirken. Während die Tua’Tanaifrau schon intuitiv begonnen hatte den Rhythmus, den die Trommel zuvor noch geschlagen hatte, nun mit der Rassel aufzunehmen, wanderte die Schamanin zu ihrem Tisch.

    Mit einer weiteren Schüssel in der Hand kehrte sie zu Rhynn zurück und drückte der Cath’shyrr das Gefäß und den Stab, mit dem sie Öl und Kräuter vermischt hatte, in die Hände.

    Ohne ein Wort zu sagen, oder aus ihrem Singsang zu fallen, deute sie ihr, dass sie weiter rühren sollte so dass sich die Pflanzenteile, die das Öl dunkel färbten, sich nicht absetzen konnten. Mit zwei Fingern nahm sie etwas von dem Sud auf und malte nacheinander Kreise auf verschiedene Stellen von Owatus Körper. Ausgehend von den Füßen und Handflächen bis hin zur Stirn wurde bei jedem Kreis ihr Gesang etwas stärker.


    Ein wohliger Klang ersetze die Eierschale, die er um sich herum erschaffen hatte. Hielt den Schmerz außen und ließ nur die Geborgenheit zu ihm durch, die die sanften Berührungen mit sich trugen. Seine Wahrnehmung nach außen verschwamm immer mehr und er konnte gar nicht sagen was gerade um ihn herum geschah. Doch konnte er von diesem seltsamen Zustand endlich loslassen. Die Angst hinter sich lassen und Ruhe finden.


    Als Qatea Rhynn die Schüssel wieder aus der Hand nahm hatte Owatu die Augen geschlossen und schien endlich friedlich zu schlafen. Der Gesang der Schamanin wurde immer leiser, als sie sich am Kopf des Verletzen niederließ, und den letzten Kreis auf seine Stirn malte um ihn damit in den Schlaf zu entlassen.

    Noch einen Moment verweilte sie so, schloss selbst die Augen, als die Stille wieder in die kleine Hütte einkehrte.

    „Lasst uns ihn zum Kraftplatz bringen.“ Meinte sie leise, doch in der Ruhe gut verständlich.

  • Rhynn legte den verfärbten Stoff zurück in die Schale, das Kräuterwasser darin war nun noch dunkler gefärbt und trüb. Nun da sie nichtmehr wusste was zu tun war, strich sie zaghaft über Owatus Oberarm und fühlte dann nach der Wärme in seinen Fingern. Sie waren nichtmehr so eisig wie noch zuvor, doch Rhynn bezweifelte dass dies nur am Feuer lag. Kurz folgte sie dem Weg der Schamanin die um sie herumtanzte und musste sich zwangsläufig Serans Reaktion auf so einen vermeintlichen Hokuspokus vorstellen. Doch das es half war unbestreitbar. Owatu hatte seit Stunden wieder ein wenig Farbe im Gesicht, etwas das der Heiler nicht zustande gebracht hatte und allgemein schien er wesentlich ruhiger. Im Augenwinkel bemerkte sie die Schale die ihr die Frau reichte und nahm die Bewegung ihrer Hand auf um das Öl stetig in Bewegung zuhalten. Nur kurz hielt sie Inne um Qatea für die zwei Finger Platz zu lassen mit denen sie das Öl aufnahm und Symbole auf seinen Körper zeichnete. Rhynns Stimme versagte je leiser Qatea wurde und schließliche ließ die Cath`Shyrr der Tua`tanai den Ausklang, wie Caror ihr stets beschworen hatte. Es beleidigte die Geister und die Schamanin im gleichen Maßen, das war ihr Ritual... und sie begann und beendete es. Langsam ließ Rhynn die Schale auf Ihre Oberschenkel sinken und beobachtete wie Owatu langsam die Augen schloss. Wie in Zeitlupe und jetzt schien es so, als würde er tatsächlich nur schlafen. Sanft und leise flog die Stimme der Schamanin durch die Hütte und die beiden Frauen nickten gleichermaßen. Kasee strich ihrem Sohn noch einmal über den Kopf und rieb sich dann über die Augen, als das Licht in die Hütte fiel. Das Feuer war beinahe erloschen nurnoch die letzten Glutreste glommen leise vor sich hin. Qatea winkte die Männer hinein und während Nara`tee sich so wie immer zu verhalten schien, trat Karrun unsicher blinzelnd und den Blick starr auf den Boden gerichtet in die Hütte ein. Umsichtig lagerten die Anwesenden den Verletzten um und trugen Owatu aus der Hütte. Rhynn blieb wenige Sekunden zurück holte mehrfach tief Luft, als müsste sie Kraft sammeln für das folgende. Der Kraftplatz war genau wie die Schamanenhütte ein Heiliger Ort.... wenn sie jetzt nach Kleidung verlangte.. konnte die Schamanin das falsch auffassen... Die Tua`tanai störten sich nicht an Nacktheit... es galt also nur ihren eigenen Männern hinaus ins Licht zu folgen. Die Katze hielt die Luft an und trat hinaus ins freie. Die kühle Luft strich ungewohnt über ihre bloße Haut und die Erde unter ihren Füßen hinterließ ein seltsames Gefühl zwischen ihren Zehen. Selphet kam näher geschritten und sah seine Reiterin verwirrt an, sagte aber nichts. Es schien nur so als wäre er plötzlich seltsam kuschelbedürftig und ging sehr nah neben ihr her. Er fühlte ihre Unsicherheit, doch die schwand immer mehr mit der Entschlossenheit. Sie hatte Qatea gesagt, sie würde alles tun was die Geister verlangten. Und dazu gehörte die Gebräuche der Tua`tanai zu respektieren oder nicht?

    Rhynn stellte sich hinter Kasee an die Trage, da Tameqa die ganze linke Seite blockierte. Karrun schien sichtlich überfordert mit der Situation und wollte offensichtlich keinen falschen Blick riskieren.

    " Hrm..willst du mein Hemd?.." raunte er ihr leise zu doch die Greifenreiterin schüttelte den Kopf.

    " Nein." antwortete sie bestimmt und gemeinsam folgten sie dem Pfad durch eines der Tore hinaus in den Wald. Zum größten Teil vor Blicken geschützt, weil die Greifen sich um die Gruppe aufgestellt hatten, war es der Katze weit weniger unangenehm völlig Nackt durch die Stadt zu laufen.


    Sobald sie die Tore passiert hatten, stimmte Qatea eines der Tua`tanailieder an. Rhynn kannte es, auch wenn es schon eine geraume Zeit her war, dass sie mit Caror gesungen hatte. Erinnerte sie sich noch gut an den Inhalt des Liedes. Es ging um die Achak, die Kämpften und den Geist beschützten ihre Kraft mit dem Tua`tanai teilten und schließlich um eine junge Tua`tanai, die ihrem Seelentier an einem großen Fluss begegnete und selbst so begeistert von den Ottern war, dass sie sich in einen verwandelte, um unter ihnen Leben zu können. Rhynn hatte sich als Kind immer vorgestellt wie das wohl sein mochte...

  • Ein lauer Wind strich sachte durch die Blätter der alten Bäume. Dunkel und Schützend war das Blattwerk hier. Ließ nur spärlich licht auf den weichen Waldboden sickern. Schatten tanzten zwischen den dicken Stämmen. Das Unterholz war wegen der Dunkelheit nur spärlich und hier und da versuchte ein einzelner grüner Trieb hoch und höher zur wachsen um endlich auch das Licht zu erreichen.
    Schon eine ganze weile bevor man die Lichtung sehen konnte, die hell zwischen den dunklen Stämmen leuchtete, konnte man das Spiel unzähliger Windspiele hören. Das leise Gemurmel und Geklapper von Samenschoten und Holzstäben drang durch den Wald, als würde es schon immer dazugehören.
    Rings um den Platz, der mit großen Steinen eingefasst war hingen flatternd Federn und Tücher in den Zweigen. Kleine Gebilde aus Ästen und Stroh drehten sich im Wind und bemalte Schädel von verschiedenen Tieren lagen zwischen den Steinen im dünnen Gras, oder hingen in Astgabeln. Dies war eindeutig ein Platz in dem Leben und Tot im Gleichgewicht waren. Beiden Aspekten galt dieser Ort und beide waren hier willkommen.
    Die Schamanen war stehen geblieben. Ihr Lied hatte geendet und Karrun blickte sich andächtig um. Irgendwie unheimlich und schön zugleich war dieser Ort. Auch die Greifen schienen die besondere Kraft, die dieser Ort verströmte, zu bemerken. Niemand kam auf die Idee die Schwelle der Steine zu überschreiten.
    Den Mittelpunkt bildete ein Zelt. Spitz und Rund, mit Lederhäuten bespannt. Nichts für die Ewigkeit doch für seinen jetzigen Zweck vollkommen ausreichend.
    Eine Kette aus Federn und kleinen Rindentäfelchen mit weißgemalten Symbolen umschlang die langen Stäbe und Häute des Zeltes.
    Die Schamanen bedeutet allen zurückzubleiben, als sie alleine die Lichtung betrat und den Eingang des Zeltes öffnete. für einige Augenblicke verschwand sie im inneren. Doch als sie wieder heraustrat wedelte sie mit einem Fächer aus der Schwinge einer Ente langsam frischen Wind in das innere des Unterstands. Anschließend zog sie rasselnd von dort aus immer weiter werdende Kreise, bis sie wieder direkt vor den Männern stand, die Owatu mittlerweile abgesetzt hatten. Tameqa hatte sich neben ihren Freund gelegt und die Schwinge schützend über dem Mann ausgebreitet. Kasse kauerte ebenfalls im weichen Gras und ihre Hand verschwand irgendwo unter dem grauen Flügel.
    *Was macht sie jetzt mit ihm?* Wandte sich die Greifen an Rhynn. Warum sie sich gerade von ihr eine Erklärung erhoffte, wusste sie auch nicht so genau, doch vielleicht war es mehr die Ehrlichkeit, die sie von der Katze erwartete. *Wird er sterben?* Alles hier sah so aus, als ob der Tod diesem Ort nicht fernbleiben würde.
    Selphet kuschelte sich hingegen noch ein bisschen näher an Rhynn. Dem Männchen war gerade nur allzu bewusst, wie schnell man seinen Zweibeiner verlieren konnte. Und sachte fuhr er mit seinem Schnabel durch die offnen Haare der Katze.
    Dann lud Qatea sie mit einer Handbewegung ein in den Kreis zu treten.

  • Sie ließen die Unruhen der Stadt hinter sich und traten in die vertraute Umarmung des Waldes. Unter den Bäumen war es kühl, aber zu ihrer Überraschung fror Rhynn nicht, so wie sie es in Anbetracht der fehlenden Kleidung erwartet hätte. Die Greifenreiter ließen Andächtig die Blicke schweifen, keiner von Ihnen war wohl zuvor schoneinmal hier gewesen und es brachte doch seine eigene Atmosphäre mit sich. Rhynn hatte schon oft Kraftorte besucht, aber einen wie diesen hatte sie noch nie gesehen. Die Prozession blieb am Steinrand stehen und blickte auf die Lichtung, während die Cath`Shyrr die Augen schloss und dem Wind lauschte, der durch die vielen Anhänger wehte und in Bambusrohrflöten Pfiff. Eine eigene Melodie des Waldes, mit dem Gesang der Vögel und dem Rauschen der Blätter. Das war es was Caror immer gemeint hatte... dem sie nie wirklich hatte folgen können, denn die präsenz der Geister schien an keinem Ort so gebündelt wie hier, dass es sogar ein Nicht Schamane spüren konnte. Selphets Ohren zuckten unruhig in alle Richtungen als wäre er mit den vielen Geräuschen überfordert, gurrte aber leise.

    Qatea schritt den Platz ab als Tameqa sie im Geiste anstubste und die Angst und Unsicherheit der Greifin schwappte auf sie über. Was sollte sie ihr denn nun sagen? Anlügen konnte sie sie nicht. Es war durchaus möglich dass Owatu jetzt auch nichtmehr zurückfinden würde... und dann ja.. dann würde er irgendwann sterben. Aber sie wollte ihr Hoffnung machen, eine Hoffnung die sich an den Ast heftete, seitdem Nara`tee ihr eröffnet hatte dass die Schamanin ihn vielleicht zu retten vermochte. Traurig sah sie zu der Grauen und biss sich kurz auf die Lippen.

    " Achak`zee`Naneyqa meinte, sie muss ihm erst seine Schmerzen nehmen, damit Owatu zu uns zurückfinden kann. ." erklärte Rhynn ruhig und sah Tameqa in die schmerzerfüllten Augen. " Sie tut was in ihrer Macht steht." versicherte sie ihr und strich Selphet über die Halsfedern. " Und. Er sieht jetzt schon viel besser aus. Er schläft.. und..wir müssen auf die Geister vertrauen, Tameqa.. Aber.." Kurz richtete sie den Blick zu Boden und dann zurück zur Lichtung. Sollte sie das ihr wirklich sagen? Sie verdiente die Wahrheit....Owatu war ihr Vertrauter.

    " Wenn er nicht zurückfindet.. wird er irgendwann sterben." gab sie zu und Tameqa fiepte leise. " Aber er ist stark. Er schafft das. ganz sicher." fügte sie an und suchte den Blick der Gefiederten. Doch bevor Tameqa antworten oder eine neue Frage stellen konnte, winkte die Schamanin die Gruppe auf die Lichtung. Nara`tee und Karrun hoben die Trage wieder an und Kasees Hand ruhte auf Owatus Oberarm. Rhynn überschritt die Unsichtbare Grenze und es fühlte sich an, als ließe sie alles im Wald zurück. Eine seltsame Leichtigkeit erfasste ihren Körper und machte die Schritte auf der Wiese leichter. Ja Owatu würde das schaffen. Es war garnichts anderes möglich, als dass die kleine dickliche Schamanin ihn würde den Weg zurückweisen.

    " Tameqa.. ihr könnt leider nicht mit rein." erklärte die Schamanin der Greifin und nickte in Owatus Richtung, um ihr zu deuten, dass sie sich verabschieden sollte. Die Federn der Grauen stellten sich kurz auf und traurig sah sie zu dem Tua`Tanai auf der Trage. Und strich sanft mit dem Schnabel über seine Wange.

    *Halt durch... Komm zurück.* und kniff ihm vorsichtig ins Ohr um dann schwerfällig den Kopf zu heben und der Schamanin zuzunicken.

    " Legt ihn da rein." wies Qatea die Männer an und schob das Leder zur Seite.

    Eine Ebenerdige Fläche aus dunkler fruchtbarer Erde bildete den Mittelpunkt des großen Zeltes und viele Felle lagen Kreisrund drumherum auf Baumstämmen. Vier Kohlebecken erhellten das Zentrum und direkt über dem Abzugsloch, hingen mehrere Kristalle eingewebt in Lederstreifen, wie ein Sternenhimmel warfen sie das Tageslicht aus der Offnung zurück in das Innere.

    "Direkt auf die Erde..." erklärte sie und fuhr einmal mit den Fingerspitzen durch die bröselige frische Erde. Karrun wechselte kurz einen Blick mit Nara`tee. Doch Karrun schien hier wohl der Einzige, dem das hier seltsam vorkam.

    " Ohne Decke?" fragte er vorsichtig und Nara`tee räusperte sich vernehmlich und schüttelte den Kopf. Wie es der Schwadronsführer nur wagen konnte, das wort der Schamanin in Frage zu stellen.

    " Ja, Ohne Decke." erklärte die Alte ruhig und Griff sich eines der Felle um sie an dem Platz zu legen, der für Owatus Kopf bestimmt war.

    Vorsichtig legten die Männer ihren Kameraden auf den vorgeschriebenen Platz und zogen sich dann respektvoll zurück.

    Qatea legte Owatu eine der Ketten um den Hals und füllte den Kreis auf seiner Stirn mit einem seltsamen grünlichen Pulver.

    Alle in dem Raum kamen sich gerade ein wenig verloren vor. Wussten nicht ob es zu bleiben galt, noch welche Aufgabe sie übernehmen konnten.

  • Die Schamanin spürte deutlich, dass die Anwesenden nicht so recht wusste, was nun zu tun war. Und das sie bleiben würden, wenn sie ihnen kein deutliches Zeichen gab. Auf der einen Seite wollten sie wissen, was nun mit ihrem Kameraden passierte, auf der anderen Seite wollten sie nicht stören, hofften sogar darauf vielleicht noch etwas helfen zu können.

    Doch ab diesem Punkt gab es nichts mehr zu tun für die Greifenreiter und auch für die Mutter nicht. Doch ein wenig musste sie ihnen noch das Gefühl geben, dass sie wusste, was geschah. Das würde die Neugierde im Zaum halten. Denn für die nächsten Stunden würde niemand mehr Owatu finden können. Etwas, dass sie diesen Leuten nicht zumuten konnte.

    Mit einer Geste deutete sie ihnen, dass sie bleiben konnten, sich aber nicht mehr nähern sollten.

    Bedacht verteilte sie mehr von dem grünen Pulver auf dem Tua’Tanai, verband die gezogenen Kreise mit Linien. Anschließend nahm sie seine Arme und legte sie kreuzend auf seine Brust und kniete sich neben ihn nieder. Sanft strich sie über die schnell gemachte Naht. Ja das war notwendig gewesen, doch nun würde es stören. Es durfte kein Fremdstoff in dem Körper sein. Für einen Moment schaute sie unsicher auf die Anwesenden. Das war nichts, was sie ihnen zumuten konnte. Vor allem der Mensch würde das nicht verstehen. Für ihn war das Wirken der Geister so fremd, dass er sich sichtlich unwohl in diesem Zelt fühlte. Er war ein starker Mann, doch das hier machte ihm offenbar ein wenig Angst.

    Und auch Kasse würde es nicht verkraften zu sehen, wie wieder das Blut aus ihrem Sohn herauslief. Es wäre nur für kurze Zeit. Doch zu viel, für die sonst so fröhliche Frau.

    Nara’tee vertraute den Geistern und ihr. Für ihn war alles was sie tat sinnvoll. Und Rhynn? Sie wusste die Cath’shyrr noch nicht so recht einzuschätzen. Sie vertraute auch auf die Geister und ihre Worte waren ehrlich gewesen, als sie sagte, dass sie jedes Risiko eingehen würde, wenn die Geister dies forderten.

    Qatea stand auf und ging zu Kasee: „Du weißt, wie man einen Traumfänger bindet?“

    Die zierliche Frau nickte.

    „Dann bereite einen vor. Und lass dir von den anderen helfen.“ Erklärte sie und lächelte um zu unterstreichen, dass dies eine bedeutsame Aufgabe war und sie später das Gebilde brauchen würde.

    Mit einer Geste, die der Mensch sofort verstand, bedeutete sie Karrun der Frau zu folgen. Doch Nara’tee und Rhynn hielt sie mit einem Kopf zeig ab. Diese beiden konnte sie jetzt noch hier gebrauchen um die Naht zu lösen und erst, wenn sie mit dem eigentlichen Ritual anfing sollten die Greifenreiter sich auch mit dem Traumfänger beschäftigen.

    Wieder ging sie auf die Knie neben Owatu und holte aus ihrer Tasche eine kleine feine und sehr spitze Steinklinge hervor, die sie in ein weiches Leder geschlagen hatte. Wieder griff sie in die Tasche, nachdem sie die Klinge bereitgelegt hatte. Zwei kleine Tiegel kamen zu Vorschein, die einen süßlich herben Duft verströmten, als sie sie öffnete und zur Seite stellte.

  • Rhynn war schon im Begriff sich herumzudrehen und der Tua`Tanai aus dem Zelt zu folgen, als Qatea ihr und Nara`tee zunickte. Also verließen Kasee und Karrun das Zelt alleine und wieder wurde es unangenehm still in dem Raum. Eine kleine Klinge tauchte in der Hand der Schamanin auf und Rhynn suchte unsicher Nara`tees Blick. Doch der Mann starrte unbeirrt und voller Vertrauen zu der kleinen Frau die über Owatu kniete. Was hatte die Frau jetzt nur mit ihrem Flügelmann vor? Rhynns Herz begann schneller zu schlagen, als Qatea sich in dem Raum umsah und auf einen Korb zeigte, der sich bei einer Schmalen Treppe befand.

    Ohne dass es ein Wort gebraucht hätte, brachte der Tua‘Tanai der alten Frau das Verlangte und erst jetzt winkte Qatea auch Rhynn in den Kreis. Tief sanken Rhynns Füße in den weichen kühlen Boden, als sie in den Kreis trat und sich auf Owatus andere Seite kniete, wie es ihr die Frau deutete.

    Dachdenklich musterte die Schamanin die junge Frau und tauchte ihren Finger schließlich in den Tiegel den sie zuvor bereit gestellt hatte. Zuerst wollte sie Nara‘tee für dieses Prozedere vorbereiten, doch die Verbindung zwischen der Cath’Shyrr und Owatu, schien soviel gefestigter, dass die Geister wohl über den Umstand hinwegsehen konnten, dass sie keine Tua’Tanai wahr.

    „ Ist dir... der ‚Zuru’nahatee‘ ein Begriff?“ fragte die kleine Frau schließlich und bedeutete der Greifenreitin auf Kopfhöhe näherzukommen. Rhynn durchforstete eilig die alten Lehren, musste sich jedoch eingestehen, noch nie dieses Wort gehört zu haben.

    „ Ich fürchte nein.“ gab Rhynn zu und beugte sich leicht über Owatus Oberkörper, damit die Frau ihr einen gegengleichen Strich zur Narbe auf die Wange zeichnen konnte. Zufrieden lächelte die Geistführerin und wischte sich die Paste auf den Lederrock ab.

    „ Nun... ein Zuru‘zakaate lässt sich am besten übersetzen als ‚ jemand der im Namen eines Vertrauten spricht... ein Vertreter vor den Geistern. .“ erklärte Qatea und neben Rhynn spannte sich Nara‘tee an.

    „ Für dieses Ritual wäre so ein ‚ Vertrautenvertreter notwendig, weil Owatu gerade nicht für sich selbst sprechen kann. Allerdings, kann nicht jeder ein Zuru‘zakaate werden. Es braucht vertrauen, Mut und die Bereitschaft alles für den Zuru zu tun, was nötig werden könnte. Im Ideal gehört derjenige nicht direkt zur Familie.“ erklärte die Alte Frau und legte ein Tuch neben die Klinge. Rhynns Finger strichen geistesabwesend über ihren Unterarm, als ihr klar wurde was das bedeuten musste. Qatea wollte die für diese Aufgabe ernennen? War sie denn überhaupt geeignet für diese doch bedeutungsvolle Aufgabe? Die Katze zweifelte daran. Ja sie würde alles für ihren Flügelmann tun, doch in seinem Namen sprechen? Würde Owatu das überhaupt wollen? Konnte sie gerade überhaupt eine richtige Entscheidung treffen?

    Rhynn schluckte und kurz huschte ihr Blick zu dem Schlafenden. Daran, dass dies durchaus für sie selbst gefährlich werden konnte, dachte sie nicht. Sie war bereit das Risiko einzugehen. Doch gegen Owatus Willen wollte sie nicht entscheiden.

    „ Würdest du diese Aufgabe annehmen?“ fragte die Schamanin und Rhynns erster Impuls war den Kopf zu schütteln, doch sie sah lediglich in die rotbraunen Augen der Frau.

    „ Was wenn ich etwas falsch mache?“ fragte Rhynn sorgenvoll und ihre Hände ballten sich zu Fäusten.

    „ Wenn du diese Angst nicht hättest wärst du ohnehin die Falsche.“ nickte Qatea und winkte dann ab. „ Ich will dir nicht verschweigen, dass es für dich durchaus gefährlich werden könnte, wenn die Geister zu dir Kontakt auf nehmen, ich bin nur ein Vermittler, aber ich kann dir nicht dabei helfen.“ mit festem Blick sahen sich die Beiden Frauen an und entschlossen nickte die Katze.

    „ Es wäre mir, Rhynn Kylan, Nichte von Caror eine Ehre, ein Zuru‘zakaate zu sein. Ich bin mir der Risiken bewusst und scheue sie nicht. Ich vertraue auf die Geister und meine Achak‘zee‘Naneyqa.“ erklärte sie mit fester Stimme und führte ihre Hand an die Brust.

  • „Dann sei es so.“ nickte die Schamanin und holte aus dem Korp drei Schalen, die sie Nara’tee um sie herum aufstellen ließ.

    „Leg deine Hand auf seine Brust.“ Forderte Qatea die Cath’shyrr auf und stand dann selbst auf um ein duftendes Öl in die erste Schale zu gießen, in die Zweite Wasser und über der Dritten vollführte sie nur eine kreisende Handbewegung. Zweimal schritt sie langsam um Rhynn und Owatu herum. Begann leise zu singen und die Perlen an ihren Handgelenken zum Klingen zu bringen. Beim dritten Mal tauchte sie je nacheinander die Finger beider Hände zuerst in das Wasser, dann in die Schale in der Nichts zu sein schien und zum Schluss in das Öl. Erst als sie die Vierte Runde beendet hatte Kniete sie sich wieder auf ihren Platz. Ihr Gesang war nun stärker geworden und für kurze Augenblicke mochte man Meinen ein leises Echo zu hören. Mit sanften Bewegungen zeichnete sie gleichzeitig die Züge der Cath’Shyrr und die des Tua’Tanai nach. Wieder stand Qatea auf und umrudnete die beiden, hielt immer wieder inne vor den Schalen und ließ die Hände darüber kreisen. Fast unmerklich kam Dunst und Nebel, wie aus dem Nichts in dem Zelt auf. Zunächst hätte man einfach nur meinen können, dass einem die Sicht durch Tränen schwerer fiel, oder das es einfach etwas stickiger wurde. Doch nach und nach wurden weiße Schlieren klarer. Tanzten in einem Wirbel um die beiden herum, folgten Qatea. Hier und da blitze ein Flügel, eine Rute, ein Geweih auf. Oder verwirbelte sich doch nur der Nebel, dessen Quelle nun eindeutig die drei Schalen waren?

    Augen Blickten aus den weißen Schwaden. Verschwanden wieder. Aufgestellte Ohren legten sich an und wandten sich wieder ab. Verschmolzen im Weiß.

    Das Gesicht eines Luchs trat hervor, blieb dicht vor Rhynns Antlitz. Kurz legte das Nebeltier den Kopf schief, dann verschwand es wieder. Doch fast im gleichen Augenblick schlichen Tatzen um Owatus Kopf herum.

    So viel Schmerz. Schwebten die ungesprochenen Worte im Raum.

    So weit weg.

    Immer deutlicher wurde nun der Luchs. Zeichnete sich im Nebel ab und verdrängten damit die anderen Formen, die immer wieder aufgetaucht waren.

    Ich helfe dir, wenn du mich noch einmal mit meinem Sohn sprechen lässt. Schwebte die Forderung des Luchses, in der Luft und das Tier trat näher an Owatu und Rhynn heran es sah fast so aus, als würde der Nebelkörper den Tua’Tanai berühren, doch zerflossen an dieser Stelle die Schwaden und hüllten den Körper ein wenig ein.

    Qatea hatte sich wieder auf ihrem Platz niedergelassen und Blickte auf die Katzen. Ein Lächeln umspielte die Lippen der Schamanin.

  • Sanft legte Rhynn die Handfläche auf Owatus Brustbein und fühlte der angenehmen Wärme nach, die seine Haut ausstrahlte. Er wirkte tatsächlich nur so als würde er schlafen. Warum konnte er nicht nur einfach schlafen? Das beklemmende Gefühl , das seit Tagen vorherrschte blieb, wenn es sich jetzt nicht sogar mehrte. Denn Qateas Tonfall änderte sich und hatte diesen unumstößlichen Beiklang, als hätte Rhynn ihres und Owatus Schicksal gleichermaßen besiegelt. Sie sollte mit den Geistern sprechen? Und wenn sie für Owatu sprechen sollte, klang es danach als müsste sie sogar mit ihnen Verhandeln oder schlimmeres. Wer konnte das schon wissen? Bei weitem waren nicht alle Geister freundlich gesinnt und die Katzenfrau würde nun unbekannte Gefilde betreten, die andere Hand legte sich auf ihren flauen Magen und für einige Sekunden konzentrierte sie sich nur auf ihren Flügelmann. War das nicht ihre Aufgabe? Ihm Rückendeckung zu geben, auf ihn aufzupassen und alles erdenkliche Tun damit er überlebte und wieder gesund wurde? Das hier war kein Einsatz und doch war es durchaus übertragbar. Immer wieder ging sie in Gedanken durch, was sie und der Tua’Tanai nicht schon alles gemeinsam durchgemacht hatten. Bilder wirbelten durch ihren Kopf. Die Verzweiflung und die Wut als Zwei Frischlinge die sich schwimmend in einer Wassergrube zitternd einander an den Armen hielten um sich an der Oberfläche halten zu müssen, frierend und erschöpft. Seit Stunden dem Eiswasser ausgesetzt, nur weil sie beide zu stur gewesen waren, dass einer kleinbei gegeben hätte. Die Erleichterung als sie beide voller Dreck nach über 10 Tagen alleine im Wald zurück zu Stadt gefunden hatten, als karrun sie irgendwo ausgesetzt hatte. Der Stolz als man sie zu vollwertigen Greifenreitern ernannt hatte. Sein lächeln und Worte die ungemein schwer wogen, so voller bedeutung nach den vielen Streitereien und ein zaghaftes Schnurren in ihrem Ohr. Rhynn zuckte leicht zusammen als sie plötzlich die Finger der Schamanin auf ihrer Stirn fühlte die ihren Nasenrücken hinabstrichen und ebenso mit Owatu vorgingen. Das schmierige Öl hinterließ einen warmen Film auf ihrer Haut und angenehm kitzelte der Blütenduft ihre Nase. Die Schamanin schien vollkommen gefangen in ihrem Singsang und dem anrufen der Geister, dass sie schien al würde sie ihre Besucher garnicht mehr wahrnehmen. Nara‘tee hatte sich außerhalb dieses Wirkubgsbereiches auf einem Fell niedergelassen und beobachtete ehrfürchtig das Ritual.

    Der aufkommende Nebel verunsicherte die Cath’Shyrr und unsicher ließ sie ihren Blick über den Boden wandern ohne die Hand und damit die Verbindung zu Owatu zu lösen. Das hier war so ganz anders als die Rituale die Caror abhielt. Wenn da mal ein überraschender Windhauch aufkam und die Ketten im Baum zum rasseln brachte war das schon das höchste der Gefühle. Eilig wuselte ein Nebelwesen über den Boden und verschwand ins nichts. Kaum wirkliche Schemen waren zu erkennen und doch war die Anwesenheit der Geister unbestreitbar. Rhynn erfasste eine Gänsehaut als abwechselnd kalte und warme Luft ihren Körper zu umspielen schien.

    Die Katze blieb wie erstarrt sitzen, als sich eine Gestalt verdichtete und sie für eine Sekunde neugierig musterte. Die ersten wirklich klaren Umrisse eines Luchses, so nah vor ihr dass sie sich unwillkürlich leicht hurücklehnen wollte. Doch so schnell wie er gekommen war, sprang er davon verschwand ins Nichts und materialisierte sich wieder. Eine Welle Gefühle schwappte über die junge Frau hinweg, ähnlich wie wenn Selphet ihr etwas mitteilte und doch so ganz anders. Schmerzvolle Trauer die nicht sie ihre war, setzte sich in ihr fest und ließ ihren Magen verkrampfen. Eine verzweifelte Seele die noch am Leben hing.

    Dann trat entschlossener das Raubtier wieder sus dem Nebel hervor, die Unsicherheit von zuvor schien verschwunden und auch Rhynn wich kein Stück zurück, als sich der Nebelluchs ihr Gegenüber aufstellte und die junge Frau fixierte. Die Worte schien eine Stimme und doch wieder nicht. Vielleicht waren es auch nichteinmal Worte sondern vielmehr ein Gefühl, dass durch ihren Körper und ihren Geist gleichermaßen schwebte. Sie hörte seine Forderung und sah ungläubig auf die wabernden Tatzen und dann wieder in die Augen des Geistes. Wie sollte sie das anstellen? Sie wusste nicht wer sein oder ihr Sohn war... Es war doch eher ein Männchen oder? Doch alle anderen Geister waren verschwunden und irgendwie fürchtete sie , dass dieser geist gerade der einzige war der owatu helfen konnte.

    „ Wenn ich das kann, will ich das tun sobald ich die Frau dafür habe büßen lassen, die ihm das hier angetan hat.“ erklärte Rhynn und legte die zweite Hand auf Owatus Schulter.

    Ich verstehe deinen Vergeltungswunsch. Aber deine Worte sind mir zu flüchtig.

    Die Pinselohren des Luchses zuckten leicht und Rhynn senkte den Blick für einen Moment. Und schon hatte sie etwas falsch gemacht. Sie zwang sich den Nebel wieder anzusehen, doch der Geist schien keinen Groll zu hegen.

    Gib mir die Erlaubnis vor den Ahnen, dir zu folgen und dich gelegentlich an deine Aufgabe zu erinnern, bis du dein Versprechen eingelöst hast, dann werde ich ihn Heilen.

    Rhynns Finger drückten leicht die Schulter ihres Flügelmanns. Was meinte er damit ? Sie wurde nicht ganz schlau aus seinen Worten, doch eine wirkliche Wahl hatte sie nicht, wenn sie Owatu helfen wollte.

    „ Wie kann ich deinen Sohn finden? Und wie kann ich dafür Sorgen dass du mit ihm sprechen kannst?“ wollte Rhynn wissen und zog fragend die Augenbrauen nach oben.

    Ich werde dich dahin führen wo ich ihm zuletzt begegnet bin, von dort aus werden wir ihn suchen. Wenn wir ihn gefunden haben, wirst du mir für kurze Zeit die Erlaubnis über dein Sein geben. Dann kann ich durch dich mit ihm sprechen.

    Erklärte der Luchs nun genauer und zugleich so rätselhaft, dass es in Rhynns Kopf ratterte. Durch sie sprechen? Nun... wenn dies die Bedingung war, musste sie wohl darauf eingehen. Eine Reise, wohin sie genau führen würde, wusste sie nicht. Doch die Geister waren seine einzige Chance...

    „ Dann soll es so sein. Ihr helft ihm und wenn es ihm wieder gut geht, helfe ich Euch euren Sohn zu finden, sobald es mir möglich ist.“

  • Dies schien dem Nebelluchs zu genügen. Doch seine Einwilligung bildeten keine Worte. Der Nebelkörper schien vor der Cath’shyrr zu zerfließen und umspielte sie sachte, bis für einen Moment es so aussah, als würde er eins mit Rhynn werden.

    Qatea nickte leicht, dann nahm sie die Steinklinge zur Hand und öffnete die Naht. Zog behutsam die Fäden aus der Wunde, die gleich wieder zu bluten begann. Dunkel tropfte das Blut in die Erde. Das war das letze Mal, dass sie ihm wehtun musste. Und dass er mit einem unruhigen Kopfzucken auf ihr Tun reagierte war in diesem besonderen Fall hier, sogar ein gutes Zeichen. Er bekam noch was mit und war nicht völlig fort. Das erhöhte die Chance enorm, dass er wieder zurückfinden würde, wenn ihn die Schmerzen nicht mehr banden.

    Als sich der Nebel wieder von der Frau vor ihr löste und nun auf Owatu legte, brachte

    die Schamanin eilig die Tiegel, die sie auf den Boden gestellt hatte zur Seite und stand dann auf um Rhynn aufzuhelfen.

    „Ihr müsst jetzt gehen.“ Sagte sie mit Nachdruck in der Stimme, die eile und keine Widerrede forderte. Mit der andren Hand deute sie Nara’tee, dass sie auch ihn gemeint hatte. Der Tua’Tanai stand sogleich auf und wandte sich zum Zeltausgang. Doch anscheinend kam Rhynn ihm der Aufforderung der Schamanin nicht schnell genug nach. Eilig griff er nach hinten um die katze mit sich zu ziehen, als hätte er Angst, das er den Unwillen der Geister auf sich ziehen würde, wenn sie nur einen Augenblick zu lange blieben.

    Qatea schob sich zwischen die beiden Greifenreiter und versuchte ein wenig mit ihrem Körper den Blick auf Owatu zu verdecken. Doch beim Umdrehen nach der Kameradin erhaschte er mit Schrecken einen kurzen Blick auf den Tua’Tanai. Sein Körper war halb in der Erde versunken und langsam quoll immer mehr dunkles Erdreich über Arme und Beine. Der Nebel hatte sich fast gänzlich über Owatus Brust zusammen gezogen und wurde nur von den ebenmäßigen Atemzügen des Mannes verwirbelt.

    In diesem Moment konnte er sich dem Eindruck nicht erwehren, dass sein Kamerad tot war und das nur die Totengeister über ihm tanzten.

    Neben dem Zelteingang ließ sich der sonst so starke und selbstbewusste Greifenreiter auf die Erde sinken. Die Hände in das weihe Grad gestützt musste er mit dem letzten Gesehen erst einmal klar kommen.

    Sogleich drängte Tameqa zu dem Zelteingang.

    *Was ist mit ihm?* fragte sie sogleich an alle, die sie erreichen konnte und Selphet stand hinter der Grauen, als wollte er sie gerade von irgendwas abhalten. Anscheinend war sie so schnell auf das Zelt zugesprungen, dass er befürchtet hatte, sie würde durch die Lederhäute in das Innerste eindringen wollen.

  • Weisser Nebel hüllte Rhynn ein und ließ die Schemen des Zeltes ineinander verschwimmen, grell blendete das weiß des Nebels für einen Moment in ihren Augen und stark war die Präsenz des Luchses als er in ihren Körper überging. Es fühlte sich seltsam an.. befremdlich und beinahe wie Rarlinur der ihre Gedanken durchforstete nur dass der Geist nicht nur in ihrem Kopf zu sein schien. Die Katze schloss angestrengt die Augen, denn es schien als sog Owatu die Kraft aus ihrem Inneren, oder war es der Geist der aus ihrem Körper heraus agierte? Seine Kraft oder vielmehr einen Teil der Ihren in seinen Körper fließen ließ damit er Heilen konnte? Schwindel überkam die Cath’Shyrr und sogar ein flaues Gefühl als sie das Blut sah, das nun aus Owatus Verletzung heraussickerte. Sie hatte doch sonst kein Problem damit? Qatea trieb sie plötzlich zur Eile an, doch nur schwer ließ sich ihre Hand von seinem Oberkörper lösen. Wackelig kam sie auf die Beine und blinzelnd sah sie sich fürwenige Augenblicke im Zelt um. So recht bewusst war sie sich nicht, wie eilig es Qatea hatte ihre Gäste loszuwerden... viel zu einnehmend war diese ungewohnte Sinnesschärfe. Aufmerksam zuckten ihre Ohren. Jeder sinn schien überreizt. Die Schritte Nara’tees drangen laut und knirschend an ihre Ohren. Die Federn in seinemHaar lösten eine ungemeine Anziehung aus, wie sie wild hin und her pendelten bei jeder seiner Bewegungen. Und als der Hyänenmann ihrenArm griff, streckte die Katze ihre andere Hand nach der Haarsträhne aus um fasziniert nach dem Anhänger zu greifen. Der Tua‘Tanai zog sie aus dem Zelt. Angenehm wärmte die Sonne ihren Nacken, als sie neben Nara‘tee in die Hocke ging.

    „ Alles in Ordnung?“ fragte sie besorgt, als sie sah wie bleich der Hyänenmann plötzlich geworden war. Und erst jetzt als Tameqa so heranrauschte wurde sie wieder wacher. Die Greifenreiterin wandte sich um und blickte zu dem dicken Leder, das den Eingang zuverlässig verhüllte.

    „ Dank Qatea ist sein Puls jetzt viel besser..“ erklärte Rhynn und streckte die Hand nach der Greifin aus. Warmer Atem schlug gegen ihrre Handfläche als Tameqa kräftig schnüffelte und dann die Katze musterte. „ Er scheint zu schlafen und Lonahe wird ihn heilen.“ lächelte Rhynn zuversichtlich und streichelte der Grauen über den Schnabel. Woher sie den Namen des Luchses wusste, konnte sie nicht beantworten. Ebenso woher diese Zuversicht kam, dass er auf jedenfall- zumindest Körperlich- geheilt wurde, war einfach da.

    Selphet schritt langsam näher und begann an ihrem Kopf zu schnüffeln und schnaubte iritiert aus. Für einen Moment legten sich seine Ohren an und sein Schweif peitschte über den Boden.

    „ Du... riechst komisch.“ brummte der Braune und stieß ihren Oberarm an. Rhynn schüttelte belustigt den Kopf. Selphet hatte den Intensiven Kräuter geruch noch nie gemocht, und jetzt musste ihn vor allem das blumige Öl iritieren.

    „ Ich geh mich nachher waschen.“ versicherte sie ihm, doch der Gesichtsausdruck des Greifen verriet, dass er nicht die Kräuter sondern den Raubtiergeruch meinte, der sich schwach über ihren Eigengeruch gelegt hatte. „ Helfen wir Owatus Mutter und Karrun?“ schlug sie vor und bot dem Hyänenmann eine Hand an.

  • „Er wird einen Tag und eine Nacht, da drin sein. Und in dieser Zeit darf niemand dieses Zelt betreten.“ Erklärte die Schamanin schon fast ein wenig beschwörerisch. Nara’tee nickte. Er hatte wieder seine Gesichtsfarbe gefunden und war sich sicher, dass er nicht so genau wissen wollte, wie der Geist Owatu heilte.

    Qatea lies sich direkt vor den Eingang niedersinken, ein bisschen wirkte sie so, wie eine Wache, doch vor allem war sie erschöpft und ein wenig zittrig. Dann Blickte sie zu den beiden Greifenreitern auf.

    „Wenn er wieder wach ist, wird sein Körper geheilt sein. Aber seine Seele noch nicht. Und das wird Zeit brauchen. Er wird erst wieder erkennen müssen, dass er einen eigenen Willen hat, der auch etwas zählt. Es ist wichti, das ihr ihn so wenig wie möglich zu etwas zwingt. Es ist leicht keine Reaktion als ein ja zu werten, weil er sich nicht wehrt. Doch bitte seht es als ein Nein an.“ Meinte sie ruhig.

    Nara’tee nickte und schien nachzudenken. „Was… wie..“ er ließ den Kopf hängen, „Ich befürchte das der General allerdings darauf bestehen wird, dass man ihn weiterhin einsperrt…. Solang wir befürchten müssen, dass jederzeit der Bann, der auf ihnen liegt, wieder wirkt.“

    Die Schamanin nickte und legte die Hände in den Schoß: „Ich weiß, und das macht alles nur noch schlimmer. Ich hab den Bann gesehen und ich kann nichts dagegen tun. Ich bräuchte etwas von der Hexe, dann könnte ich einen Fluch über sie sprechen. Aber das hilft nur um sie zu schwächen, nicht um den Bann aufzuheben.“

    Bedauern lag in der Stimme der Frau. Mit einer kurzen Handbewegung winkte sie die graue Greifin zu sich. Tameqa hob neugierig den Kopf und ging auf die Schamanin zu.

    „Hilfst du mir diese Stätte zu bewachen?“ fragte sie und strich der Gefiederten sachte über den Kopf. Normalerweise ließ sich die Greifin nicht so von wildfremden anfassen, doch bei der Tua’Tanai schien sie es mehr als zu dulden. Sogleich legte sie sich neben die rundliche Frau, stellte die Ohren auf und ließ ihren Blick über die Lichtung schweben.

    „Ja lass uns den anderen beiden helfen gehen.“ Nickte nun Nara’tee zu Rhynns Frage, die sie vor einer Weile gestellt hatte und die schon fast wieder in Vergessenheit geraten war.

    Am Rand der Lichtung hatten sich Kasee und Karrun niedergelassen. Die Tua’Tanai hatte aus Zweigen einen Kreis gedreht und war nun dabei die Äste mit Bast zu verbinden, den Karrun zwischen den Fingern verzwirbelte.

    Der Mutter sah man deutlich die Sorge an, die sie auch bei dieser Arbeit immer noch begleitete.

    „Wie geht’s ihm?“ fragte Karrun sogleich, als er seine beiden Kameraden auf sich zukommen sah.

  • Rhynns Blick ruhte geraume Zeit auf der weisen Frau, die nun wie ein Wächter vor dem Zelteingang Platz genommen hatte. Nachdenklich und schuldbewusst kratzte sich die Katze am Kinn. Waren sie womöglich alle schuld an seinem Zustand? Sie alle, nicht nur Rarlinur hatten ihn zu Dingen gedrängt, die er nicht wollte. Rhynns Hand fuhr in ihren Nacken, gequält von Schuld und Angst konnte sie den Blick nicht von der Schamanin lösen. Wie sollten sie ihm denn zeigen, dass seine Meinung noch etwas zählte, wenn sie gezwungen waren ihn weiterhin festzubinden? Sie hatte ihn gefragt, wie sie ihm helfen konnte und doch schien er nichteinmal selbst eine Antwort darauf zu wissen? Die einzige Lösung konnte da nur sein, einen anderen Weg zu finden.... doch wie ? Auch wenn es sie in den Fingern juckte, jetzt sofort auf Selphet zu steigen und dieses Miststück zur Strecke zu bringen, war es töricht... sie konnte nicht alleine gegen diese Frau antreten. Der Blick der Greifenreiterin schweifte über die Baumwipfel hinweg, während sie den Worten Qateas lauschte und sich nun auch Tameqa vor dem eingang niederließ.

    Was mochte da drinn nur passieren, dass dort niemand hineindurfte? Sollte ihm nicht wenigstens irgendjemand beistehen? Es fühlte sich falsch an... so wie zu dem Zeitpunkt als er allein in dem Tua‘Tanai Gefängnis sitzen musste. Wie lange hatte Qatea gesagt würde die Heilung dauern?

    Nara‘tee rappelte sich neben ihr auf und verdeckte für einen Moment das Strahlende Licht der Lichtsäule. Ein wenig iritiert sah sie zu dem großen Mann hoch und biss sich auf die Unterlippe, denn die Bedeutung der Worte passte gerade so garnicht in ihre Gedanken. Nur zögerlich setzte sich die Katze in Bewegung. Die Worte der Schamanin waren eindeutig. Sie konnte hier gerade garnichtsmehr tun, bis Owatu geheilt war. Wenn sie danach überhaupt etwas tun konnte, denn vermutlich war es besser wenn sie ihn alle in Ruhe ließen... Ein Gedanke der Schmerz brachte und das Gefühl einfach zu nichts nütze zu sein, übermannte sie.

    Ihre Füße strichen durch das weiche Gras und Selphet ging andächtig neben seiner Partnerin her. Beinahe erwartete Rhynn dass er jeden Moment etwas sagte... oder versuchte ihr gut zuzureden. Doch es kam rein garnichts, nur die tröstliche Wärme und das gelegentliche steichen einer Feder über ihren bloßen Arm, das seinen Beistand bekundete. Wieviel reifer er in den letzten Stunden geworden war....

    Karrun blickte von seiner Arbeit auf und auf seine Frage hin schwieg Rhynn einen Moment, zumindest solange bis Kasee ebenso fragend und besorgt aufsah.

    „Er schläft.... und der Luchsachak Lonahe wird ihn heilen.“ erklärte Rhynn bedrückt und ihr Blick ruhte auf der verzwirbelten Schnurr. Sie konnte seiner Mutter nicht in die Augen sehen. Sie hätte sie gleich informieren müssen, nachdem sie Owatu festgenommen hatten. Rhynn holte tief Luft um zu einer Entschuldigung anzusetzen, da schaltete sich der Hyänenmann ein, ein wenig genervt über Rhynns dürftigen Bericht.

    „Morgen Abend wissen wir genaueres. Wir müssen auf die Geister vertrauen.“ brummte er und ging neben Kasee in die Hocke und zog sich eine gefleckte Feder aus den Haaren um sie der Frau zu reichen. „ Es wird Zeit brauchen. Aber dein Sohn ist stark. Er wird seinen Glauben in die Geister und sich selbst wieder finden... und wir müssen ihn darin Bestärken und an ihn Glauben.“ erklärte er mit ernster Miene und legte der Frau eine Hand auf die Schulter.

    „ Wir alle sind uns der Risiken bewusst, wenn wir in die Garde eintreten, Kasee. Dein Mann. Karrun, Rhynn und ich... und auch Owatu. Hör auf dir Vorwürfe zu machen....“ versuchte er der Frau ruhig zu versichern, der wieder die Tränen gekommen waren und die sich mit dem Handrücken über die Nase wischte. Ja sie alle wussten, dass soetwas passieren konnte, doch es war etwas ganz anderes wenn es tatsächlich jemanden betraf der einem Nahe stand.

    * Und du auch...* hörte Rhynn plötzlich Selphets mahnende Stimme im Kopf und fühlte seinen Schnabel an der Schulter.

    * Das kann ich nicht.* Ja sie machte sich selbst vorwürfe.. immer und immer wieder prasselten die Schuldgefühle über sie hinweg. Vermutlich würde sich das erst mildern, wenn Owatu wieder vor ihr stand. Unversehrt und Klar. Langsam legte än sich Rhynns fingerspitzen an Selphets Kopf und beinahe andächtig und schweigend ließ sie sich neben Karrun ins Graß sinken.

  • Starr Blickte Karrun auf seine Finger, die stetig den Bast drehten und immer dichter zu einer Kordel verbanden. Am liebsten hätte er Rhynn einfach sein Hemd übergestreift. Aber der Katze schien die Nacktheit weniger auszumachen, als er bisher geglaubt hatte… er war hier anscheinend der Einzige, dem dies Unbehagen bereitete. Aber er war nunmal ihr Vorgesetzter und ihr Kamerad und.. irgendwie fühlte es sich falsch an. Als ob er etwas Verbotenes tun würde. Und irgendwie war es das auch. Die Wirkung des Liebestranks war schon lange vergangen, aber er hatte Angst, dass dieses unpassende Gefühl für Rhynn wieder aufkommen würde, wenn er sie nur zu lange betrachtete, völlig nackt, wie sie gerade war. Außerdem war er sich nicht so ganz sicher, wie unangenehm es der Greifenreiterin war. Unter den Tua’Tanai war es etwas völlig normales, aber er war ein Mensch und sie eine Cath’shyrr, von der er bisher immer angenommen hatte, dass sie nicht gerne nackt war.

    Den verdrehten Faden gab er in Kasees Hand, als diese mit ihrem Stück zuende war.

    Die Frau hatte nun alle Zweige verbunden und begann damit Schnüre im Inneren zu verweben. Die Feder, die Nara’tee ihr gegeben hatte ruhte in ihrem Schoß, bei den anderen Federn und Eicheln, die sie gefunden hatten. Völlig auf ihre Aufgabe fixiert rannen der Frau immer weiter Tränen über die Wange. Ja sie alle wussten, dass ihr Dienst tödlich sein konnte, oder das man schwer verletz werden konnte. Doch das schob man beiseite, machte Späße darüber und versuchte eben diesen Gedanken nicht zu nah an sich heran zu lassen. Und er musste irgendwie de Kraft finden seinen Männern Kraft zu geben. Doch zur Zeit fehlte es dem Schwadronsführer genauso an Kraft, wie allen anderen.

    Seine Gedanken drehten sich um das was wäre wenn. Wenn er dafür sorgen hätte können, dass man Owatu erst morgen zu Ralinur bringt? Warum hatte er sich am Fenster nicht bemerkbar gemacht? Sie dazu gebracht abzubrechen?

    Ohne die Cath’Shyrr neben sich anzuschauen reichte er der Katze einen der verdrillten Fäden und deutete auf die Federn in Kasees Schoß.

    „Können wir ihm irgendwie helfen, dass er seinen Glauben in sich und die Geister wiederfindet?“ fragte er leise an die Runde gewandt. Dem Mann konnte man deutlich ansehen, wie sehr auch ihn das alles mitnahm. Normalerweise arbeitete sein Kopf bei einem Problem auf Hochtouren um irgendeine Lösung zu finden. Doch alles was ihm in den Sinn kam, waren Selbstvorwürfe und Zweifel.

    „Wir sollten ihn zu nichts zwingen, meint Qatea. Das würde schon mal helfen.“ Antwortete Nara’tee, der sich ebenfalls einen Faden genommen hatte und nun damit beschäftigt war Perlen aus seinem Haar auf die Schnur zu fädeln.

    Karrun nickte und sein Mund wurde schmal. Das war gerade gar nichtmal so einfach.

    „Wir können ihn nur leider nicht tun lassen, was er will.“ Mit der Hand fuhr er sich über den Nasenrücken, „aber ich kann sicherlich dafür sorgen, dass er zum einen auf keinen Fall mehr in dieses Loch kommt und zum anderen auch nicht direkt angebunden wird. Aber solange wir die Hexe…“

    Ein lautes Schluchzen von Kasee unterbrach ihn.

    „Ich weiß…“ nickte der Mensch schnell. „… wir müssen diesen Bann brechen, aufheben, die Hexe TÖTEN!“ bei letzterem war er lauter geworden und seine Miene verhärtete sich, als er entschlossen die Fäuste ballte.