Wieso Tara ausgerechnet wieder einmal in der „ Schwarzen Katze“ gelandet war, wusste sie selbst nicht so genau.
Es hätte ebenso gut jede andere Kneipe sein können.
Jede andere Kneipe, die ihren Gästen nicht allzu genau auf die Finger sah.
Es gingen Gerüchte um, dass man im „Korallenriff“ im Händlerviertel Glücksspiel nicht mehr besonders gern sah.
Ob da etwas dran war, wusste Tara nicht.
Zu lange war sie nicht mehr in Nir’alenar gewesen. Und dass der Wind sie überhaupt wieder hierher geweht hatte, glich ohnehin mehr einem Zufall – oder einer schlecht beschilderten Wegkreuzung – als einem echten Wunsch, in dieser Stadt zu verweilen.
„Kommt schon! Noch eine Runde!“, forderte die Rothaarige die beiden Männer auf, die ihr gegenübersaßen und die für diese Uhrzeit noch erstaunlich nüchtern wirkten. Doch die schüttelten nur entschieden den Kopf, kippten den letzten Schluck aus ihren Krügen in sich hinein und standen auf.
Ohne einen weiteren Blick auf die Karten. Oder auf Tara. Feiglinge.
„Jungs, das war's? Ehrlich?" Ein schiefes Lächeln. „Ich dachte, ihr bringt’s länger.“
Tara sah ihnen einen Moment nach, dann wanderte ihr Blick zurück zum Tisch.
Zwischen Bierlachen und Rumflecken hatte sich ein kleiner Berg aus Münzen angesammelt.
Ein schiefes Grinsen zuckte über ihr Gesicht.
Die Krabben würden reichen, um die nächsten Tage zu überstehen.
„Rum!“, rief sie der Wirtin zu, während sie den Großteil der Münzen in ihrem Beutel verschwinden ließ. Der Beutel wurde angenehm schwer.
Ihr Kartenspiel packte sie nicht ein. Langsam nahm sie es wieder auf, ließ die Karten durch ihre Finger gleiten und mischte sie mit der Routine einer Frau, die mehr Nächte an Tischen verbracht hatte als in Betten.
Ihr Blick hob sich dabei immer wieder, glitt durch die Taverne – prüfend, suchend.
Irgendjemand würde schon noch glauben, heute Glück zu haben.
Und Tara hatte Zeit.