Noch eine Runde!

  • Wieso Tara ausgerechnet wieder einmal in der „ Schwarzen Katze“ gelandet war, wusste sie selbst nicht so genau.
    Es hätte ebenso gut jede andere Kneipe sein können.
    Jede andere Kneipe, die ihren Gästen nicht allzu genau auf die Finger sah.

    Es gingen Gerüchte um, dass man im „Korallenriff“ im Händlerviertel Glücksspiel nicht mehr besonders gern sah.
    Ob da etwas dran war, wusste Tara nicht.
    Zu lange war sie nicht mehr in Nir’alenar gewesen. Und dass der Wind sie überhaupt wieder hierher geweht hatte, glich ohnehin mehr einem Zufall – oder einer schlecht beschilderten Wegkreuzung – als einem echten Wunsch, in dieser Stadt zu verweilen.

    „Kommt schon! Noch eine Runde!“, forderte die Rothaarige die beiden Männer auf, die ihr gegenübersaßen und die für diese Uhrzeit noch erstaunlich nüchtern wirkten. Doch die schüttelten nur entschieden den Kopf, kippten den letzten Schluck aus ihren Krügen in sich hinein und standen auf.
    Ohne einen weiteren Blick auf die Karten. Oder auf Tara. Feiglinge.

    „Jungs, das war's? Ehrlich?" Ein schiefes Lächeln. „Ich dachte, ihr bringt’s länger.“

    Tara sah ihnen einen Moment nach, dann wanderte ihr Blick zurück zum Tisch.
    Zwischen Bierlachen und Rumflecken hatte sich ein kleiner Berg aus Münzen angesammelt.

    Ein schiefes Grinsen zuckte über ihr Gesicht.

    Die Krabben würden reichen, um die nächsten Tage zu überstehen.

    „Rum!“, rief sie der Wirtin zu, während sie den Großteil der Münzen in ihrem Beutel verschwinden ließ. Der Beutel wurde angenehm schwer.

    Ihr Kartenspiel packte sie nicht ein. Langsam nahm sie es wieder auf, ließ die Karten durch ihre Finger gleiten und mischte sie mit der Routine einer Frau, die mehr Nächte an Tischen verbracht hatte als in Betten.
    Ihr Blick hob sich dabei immer wieder, glitt durch die Taverne – prüfend, suchend.

    Irgendjemand würde schon noch glauben, heute Glück zu haben.

    Und Tara hatte Zeit.

    Edited once, last by Tara (March 28, 2026 at 11:52 AM).

  • Nur wenige Orte waren in Daerids Sicht unerträglicher als Spelunken wie die "Schwarze Katze". Er hätte nicht einmal sagen können, was das Übelste war - die Betrunkenen, der klebrige Schmierfilm auf allem, was man anfassen konnte, der beißende Gestank. Er entschied sich für den Gestank. Eine unerträgliche Belästigung. Und Belästigungen waren so..... überflüssig.

    Dennoch fand sein eng anliegendes Schuhwerk mit den lautlosen Sohlen unbeirrbar seinen Weg zum Eingang der Spelunke. Er hielt nichts davon, Arbeit unnötig liegen zu lassen. Was vollbracht werden konnte, konnte abgehakt werden. Wehe, wenn dieser Bote nicht dort sein würde wie abgesprochen. Es gab wahrlich lukrativere Beschäftigungen.

    Gewohnheitsmäßig überprüfte Daerid seine Gerätschaften auf Unsichtbarkeit bevor er die Kapuze seiner locker fallenden Tunika soweit zurück strich, dass seine Züge nicht mehr verdeckt waren. Leicht bücken musste der Hüne sich, um durch die niedrige Tür in den Schankraum zu gelangen. Mit etwas Abstand zum Einlass, um niemandem den Weg zu versperren, verharrte er dort kurz.

    Daerids leidenschaftslose Augen streiften auf der Suche nach dem kleinen Lump durch den Raum und blieben an einer rothaarigen Frau kennen, die breitbeinig vor einem Humpen und einen Kartenspiel saß. Die Art, wie sie dort saß, hätte den Valisar wetten lassen, dass sich kein edles Tröpfchen Wein in ihrem Humpen befand. Wenn er denn wetten würde. Er erinnerte nicht, sie schon einmal gesehen zu haben.

    Man beherrscht die Leute mit dem Kopf - mit einem guten Herzen spielt man nicht Schach.

    Nicolas Chamfort

    Edited once, last by Daerid Canvele (April 6, 2026 at 12:27 PM).

  • Die Wirtin musste Taras Glückssträhne registriert haben. Der neue Humpen war fast schon schneller auf dem Tisch als es Tara lieb sein konnte. wollte aber sofort bezahlt werden. Offenbar wußte die Wirtin, dass das Glück an solchen Abenden auch sehr schnell flüchtig sein konnte.

    In einer unbeholfenen Bewegung strich die Piratin sich das rote Haar aus dem Gesicht und führte den Humpen an die Lippen.

    Rum war ein Stück Heimat. Rum war das Knarzen der Planken unter den nackten Füßen, Rum war der salzige Wind, der einem die Gedanken aus dem Kopf blies. Rum war der dreckige Dreispitz einer alten Erinnerung. Rum war der Lärm eines Sieges und die Stille danach. Rum war tröstend, wärmend.. und..

    Energisch stellte Tara den Humpen wieder auf den Tisch.

    Genug davon.

    Sie war zum Spielen hier, nicht um sich Selbstmitleid und alten Erinnerungen zu baden.

    Offenbar fanden ihre Karten heute keine weiteren Mitspieler. Geschickt ließ sie sie noch einmal durch die Finger gleiten, sah sich in der Hafenspelunke erneut um und... Halt. Hatte der große Kerl schon die ganze Zeit da gestanden? Warum sah er sie so an? Sah er sie überhaupt an?

    Tara hob das Kinn. Er wirkte ... falsch an diesem Ort. Zu aufrecht, zu sauber, zu nüchtern.

    "Wer nicht spielt, verliert auch nicht." Sprach sie in seine Richtung. Kaum merklich hob sich eine Braue. Ihr Lächeln wurde frecher. ".. oder seid ihr einer der lieber nur... zuschaut?"

  • Daerids Augen hatten ihre Reise durch den Schankraum beendet. Kein Bote. Allerdings gab es, das wusste er, im hinteren Abschnitt der Schwarzen Katze noch weitere Räume für noch lichtscheueres Gesindel als hier vorn, wo zumindest ein paar Funzeln das Geschehen leidlich erhellten. Gerade hatte der Valisar sich entschlossen, dieser Möglichkeit nachzugehen als Worte an seine Ohren drangen, die wohl ihm galten, denn nun hatte die Rothaarige, die ihm zuvor aufgefallen war, ihrerseits den Blick auf ihn gerichtet.

    Kurz wog der Valisar innerlich ab, ob er weiter seine Sache verfolgen würde oder ob die rothaarige Frau einen Mehrwert bot. Wenn sie gerade erst aus einem anderen Teil Beleriars in Nir'alenar angekommen war, dann ja. Neuigkeiten waren ihre Zeit immer wert.

    "Wohl gesprochen!" Daerid trat näher an den Tisch der Rothaarigen heran. Ein leicht süffisantes, vor dem Spiegel schon unzählige Male eingeübtes Lächeln erschien auf seinen blassen Lippen. "Zuschauen kann so ungeheuer reizvoll sein....." entgegnete er mit einem sehr bewusst gesetzten, ironischen Hauch von Unterton, zog sich einen der Stühle heran und ließ sich darauf nieder, ohne die Frau aus den Augen zu lassen.

    Wie beiläufig liess der Valisar nach einem Moment der gegenseitigen Blicke zwei Goldmünzen aus seiner behandschuhten Hand auf den Tisch rollen. "Gestattet Ihr mir, das Getränk zu übernehmen?" wartete er nun seinerseits mit einer Frage auf. "Ihr habt das Vergnügen mit Daerid Canevele." Ein kurzes Nicken begleitete seine Vorstellung.

    Man beherrscht die Leute mit dem Kopf - mit einem guten Herzen spielt man nicht Schach.

    Nicolas Chamfort

  • Tara beobachtete, wie Daerid sich setzte, als würde er nicht einfach einen Stuhl nehmen, sondern eine Position einnehmen. Dieses Lächeln… glatt, bewusst… fast wie vor dem Spiegel geübt. Die Goldmünzen rollten über das Holz, blieben zwischen Rumflecken und Karten liegen.

    „Reizvoll, hm?“ Sie zog eine Braue hoch, diesmal deutlicher. „Kommt drauf an, was man sich anschaut. Aber … damit wir uns nicht falsch verstehen…“ Ihr Blick blieb einen Moment an seinem Lächeln hängen.

    „Ich bin keine Dirne – und schon gar nicht für einen Humpen Rum zu haben.“ Der Blick der Rothaarigen wanderte kurz nach unten, als prüfe sie, ob ihr Hemd vielleicht eine andere Sprache sprach. Dann wurde ihr Lächeln breiter. Gerade so, als hätte sie damit alles Wichtige gesagt und könne nun zum spaßigen Teil des Abends kommen. Ihre Hand legte sich auf die Goldmünzen und zog sie näher zu sich.

    „Aber ich kann euch gratulieren – ihr habt gerade euren Einsatz für ein kleines Spiel gezahlt.“ Die Rothaarige mischte die Karten noch einmal durch, geübt und schnell, und legte schließlich eine verdeckte Karte vor Daerid auf den Tisch.

    „Einfache Sache. Habt ihr die höhere Karte, nenne ich euch meinen Namen. Habe ich die höhere Karte, sagt ihr mir, was so ein hübscher Kerl wie ihr in einer Spelunke wie dieser sucht.“ Im selben Moment zog Tara ihre eigene Karte.

    Ein kurzer Blick darauf – und sie verzog das Gesicht. Mit einer fließenden Bewegung warf sie die Karte auf den Tisch.

    Eine rote Zwei. Schlechter hätte es für die Piratin kaum laufen können.

    „Mein Name ist Tara, werter Daerid.“ Ihr Grinsen kehrte zurück, schief und ein wenig herausfordernd.

    „Und es sieht aus, als meinten es die Karten heute gut mit euch.“ Tara lehnte sich zurück. „Also,.. nutzt euer Glück. Was wollt ihr wissen?“

  • "Ihr seid keine Dirne." wiederholte Daerid die Worte der Rothaarigen zustimmend und räumte das Thema ab. "Und ich nicht an Dirnenleistung interessiert."

    Noch weniger war Daerid am Glücksspiel interessiert, aber die Frau hatte so rasch die Karten durchgemischt und ausgeteilt, dass er gar nicht dazu kam, auch dieses Thema abzuräumen. Zumindest aber war sie an Geld interessiert, denn sie zog die Münzen näher zu sich. Reglos saß er da, nur seine Augen verfolgten ihre fließenden Bewegungen und saugten sich für einen kurzen Moment an der roten Zwei fest, die auf seiner noch verdeckten Karte gelandet war.

    "Tara." wiederholte er auch den Namen und deutete den Hauch einer Verneigung an. Er machte keinerlei Anstalten, unter seine eigene Karte zu schauen, stattdessen suchte er wieder den Blick der Rothaarigen. "Sagt mir, Tara, wie lange seid Ihr schon in Nir'alenar und wie seid Ihr gereist? Was gibt es Neues außerhalb dieser Stadt?"

    Man beherrscht die Leute mit dem Kopf - mit einem guten Herzen spielt man nicht Schach.

    Nicolas Chamfort

  • Tara kniff die Augen zusammen. Der Kerl hatte nicht einmal seine Karte angesehen. Aber Fragen hatte er dafür genügend. Ob er von Stadtwache war? Die stellten auch immer viele Fragen. Allerdings traten die auch rüpeliger auf und hätten nie und nimmer eine Verneigung angedeutet..

    Die Rothaarige schob die rote Zwei zurück ins Deck. Daerids Karte ließ sie unangetastet vor ihm liegen.

    "Das sind gleich drei Fragen, werter Daerid. Ihr geht ganz schön ran."

    Sie legte zwei weitere Karten vor ihn hin. "Drei Fragen, drei Karten." Fügte sie erklärend hinzu, bevor sie drei Karten vor sich ablegte. Sie zog langsam. Fast genüßlich.

    Eine Vier.

    Eine Zehn.

    Und eine Sieben.

    Nicht schlecht, nicht gut. Die Chancen standen für beiden nicht schlecht, eine Frage beantwortet zu bekommen. Und je mehr die Rothaarige ihr Gegenüber beobachtete, desto neugieriger wurde sie. Sie griff nach ihrem Humpen, nahm einen kleinen Schluck und stellte ihn wieder ab.

    Dann hob sie den Blick.

    „Ihr seid dran“, sagte sie ruhig und deutete mit zwei Fingern auf die Karten vor ihm. „Dreht um.“

  • Daerid saß vollkommen regungslos. Nur seine Augen verfolgten Taras Bewegungen. Erst als eine Bedienung neben dem Tisch auftauchte, warf er auch dieser eine schimmernde Münze aufs Tablett und hob in unmissverständlicher Ablehnung die Hand, ohne das bedienende Geschöpf eines Blickes zu würdigen, welches auch unmittelbar wieder verschwand.

    "Es geht also um das Recht zur Frage." stellte Daerid rückversichernd fest. Die Rothaarige war an Geld interessiert. Noch mehr allerdings schien sie am Spiel interessiert zu sein. Der Valisar richtete sich auf, stütze die Ellbogen auf den Tisch und musterte die drei Karten vor ihm.

    Schließlich langte er zum Kartenstapel, zog nach einander drei Karten und legte sie jeweils den Karten der rothaarigen Tara gegenüber.

    Pik 6 - Karo 8 - Karo Bube.

    Daerid hob den Blick und sah sein Gegenüber an, was sie dazu sagte. Das war ihr Spiel.


    die verdeckte Karte ist Pik As *umfall* - der Generator is unheimlich


    Man beherrscht die Leute mit dem Kopf - mit einem guten Herzen spielt man nicht Schach.

    Nicolas Chamfort

  • So wie Darids Augen Taras Bewegungen verfolgten, so ließ sie ihn nicht aus den Augen. Der Kerl war alles andere als durchschaubar. Und genau das störte Tara mehr, als sie es sich selbst eingestehen würde. Keine Regung, arrogantes Gehabe gegenüber der Bedienung – und so richtig schien ihn das Spiel auch nicht zu interessieren.

    Sie kniff die Augen zusammen.

    Was wollte er dann hier?

    Ihr Blick glitt zu den Karten, die er eine nach der anderen aufdeckte.

    Die 6 landete gegenüber der 4. Eine Frage für Daerid. Die 8 fand ihren Gegner in der 10. Sehr gut, diese Frage ging an Tara.
    Und der Bube schlug ihre 7. Etwas missmutig rümpfte die Rothaarige die Nase.

    „Das Glück ist hold mit euch. Zumindest, so lange wir um Informationen spielen.“

    Sie tippte mit der Fingerkuppe auf die 10.

    „Meine Frage steht. Was glaubt ihr hier zu finden? Ein Rausch ist es nicht, eine Dirne ist es nicht… und.." Ungeniert glitt ihr Blick langsam über ihn. Er passte in keine der üblichen Kategorieren. Kein Trinker, kein Spieler, kein Freier,.. keine Stadtwache. ".. ihr wirkt auch nicht, als würden die Karten euch wirklich locken.“

    Diesmal legte sie den Kopf etwas schief, ihre meergrünen Augen musterten ihn weiter. Ihre Stimme wurde leiser.

    „Und dann dürft ihr mir zwei Fragen eurer Wahl stellen. Zwei, nicht drei.“

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