Anmutige Schritte bewegten sich leicht aber auch zielstrebig auf das dunkelste Gebäude dieses Viertels zu, um das nicht wenige einen großen Bogen machen. Einst hatte sie selbst ebenfalls zu jenen gehört, die sich in der immer währenden Nacht unwohl fühlten. Doch das Schicksal ersann für die Nymphe einen anderen Plan. Wie lange war sie schon nicht mehr hier gewesen? Wie lange war es her, dass sie Nir'alenar und all dem bunten Treiben hier den Rücken gekehrt hatte? Amelie hatte irgendwann aufgehört, die Tage zu zählen. Doch nun stand sie wieder hier. In der Stadt, in der sie Freud und Leid erfahren hatte. Aber auch Zuflucht an eben jenem Ort, an dem sie nun andächtig verweilte. Nur noch die schwarzen Marmorstufen trennten Amelie von ihrer endgültigen Rückkehr.
Und so zögerte sie nicht länger und erklomm Stufe um Stufe, verschwand Schritt für Schritt in der Dunkelheit der immer währenden Nacht. Der Duft von erfrischenden Regentropfen, die auf erdigen Boden fallen, um direkt danach darin zu versickern wie trübe Erinnerungen umhüllte Amelie und wurde mit jeder Stufe, die sie näher zum Eingang des Palastes führte, intensiver. Und oben angekommen atmete die Nymphe mit geschlossenen Augen tief ein, während sich ein seliges Lächeln auf ihren vollen Lippen formte.
Der Griff der Eingangstür fühlte sich kühl an, als ihre Finger ihn umschlossen und als sie endlich eintrat, verwandelte sich die Dunkelheit in eine wohltuende Ruhe, die sich mit jedem Atemzug in ihrem Körper ausbreitete. Und erst, als sie die Tür nahezu lautlos wieder hinter sich geschlossen hatte, wagte Amelie es, ihre Augen wieder zu öffnen. Instinktiv hatte sie sich zu jenem Torbogen mit den abertausenden Diamanten gewandt, in dem sich ihre Göttin in all ihrer Schönheit empor hob. Augenblicklich sank sie auf die Knie, erfüllt von wahrer Freude und Leichtigkeit, umhüllt von einer undefinierbaren Prise verschiedenster Frühlingsblüten auf einer bunten Wiese, die vom Wind querfeldein getragen wurde. Zuhause, schoss es durch ihren Kopf. Ich bin wieder zuhause.